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Veröffentlicht am 01.09.2025

Ein unterhaltsamer Roman über soziale Störfaktoren.

Der gute König
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Die Szenerien spielen im Gewerbegebiet am Rande Frankfurts und im dortigen Villenviertel. Der Ich-Erzähler Fransi, mit Abitur als Letzter angestellt bei dem Klempnermeister und Alkoholiker Hieronymus Bosch, ...

Die Szenerien spielen im Gewerbegebiet am Rande Frankfurts und im dortigen Villenviertel. Der Ich-Erzähler Fransi, mit Abitur als Letzter angestellt bei dem Klempnermeister und Alkoholiker Hieronymus Bosch, mitmenschlich und loyal in seiner Männerfreundschaft auch zu seinem Schulfreund Bashkim in all seiner Ödnis um ihn herum, Im Zentrum der hier angerissenen Gesellschaftskritik steht das eher pietätlose Bataclan-Denkmal von Jeff Koons in Paris, einer Hand mit zehn Meter hohen Tulpen, eher Kitsch als Kunst, gefertigt in einer deutschen Kunstschmiede, von Bashkim in mühsamer Arbeit zusammengeschweißt, lackiert, poliert und vor Ort mit Fransi aufgebaut. In der recht oberflächlichen Auseinandersetzung geht es um fragwürdige Kunstobjekte an sich, um Ausbeutung bei vollem körperlichen, gesundheitsschädigenden Einsatz von Handwerkern, um unbeachtete Zuarbeiter von berühmten Künstlern. Auch wird die unethische Zahlungsmoral und Auftragsvergabe Neureicher thematisiert. Der Sprachstil besonders in den kernigen Dialogen ist oft treffend umgangssprachlich. In ihren Betrachtungen über soziale Unterschiede geht es auch um ihr unerfülltes Leben und ersehnte Liebe.

Die Kunstwelt zwischen Kitsch und Kunst in historischem Rahmen und ein junger Mann im Zwiespalt.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Anna Freud zwischen Lern- und Lehranalyse

Ich bin Anna
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Auf zwei Erzählebenen geht es um Sigmund Freud und seiner jüngsten Tochter Anna, jeweils als Ich-Erzähler. Im Alter von 84 Jahren, 1980 wohnhaft in London, beschreibt zunächst Anna rückblickend ihr Leben ...

Auf zwei Erzählebenen geht es um Sigmund Freud und seiner jüngsten Tochter Anna, jeweils als Ich-Erzähler. Im Alter von 84 Jahren, 1980 wohnhaft in London, beschreibt zunächst Anna rückblickend ihr Leben ab 1917 in Wien, ihre Tätigkeiten für die psychoanalytische Vereinigung und ihre Entwicklung zur Psychoanalytikerin. Über eine (fiktive) Lernanalyse bei ihrem Vater gelangt sie zur Lehranalyse. Neben biographischen Fakten geht es bei dem fiktiven Protagonisten Stadlober um dessen Ödipuskomplex und um „Eros" und „Thanatos“. Anna, voller Loyalität zur Familie, sieht sich selbst als Antigone, als mythische Figur neben der starken Vaterfigur Ödipus.
Die Zuordnung der meist kapitelweise wechselnden Ich-Perspektive von Anna und ihrem Übervater ist nicht immer sofort machbar, auch aufgrund gleichen Schreib- und Wortschatzstils, den Gedankenfluss lähmend. Teils fiktiv, teils biographisch, ist die Idee der Lernanalyse kreativ. Über Annas Biographie nach 1938 in London etc. zu lesen, wäre auch interessant gewesen.
Insgesamt wirkt der Roman eher schleppend im Schreibstil.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Johanna (Jo) van Gogh-Bonger – eine interessante Frau

Die Entflammten
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In zwei Erzählsträngen geht es um zwei Frauen, nämlich um die junge Kunsthistorikerin Gina, die das Leben von Johanna (Jo) van Gogh-Bonger als Schwägerin von Vincent van Gogh, dem erfolglosen Maler skizziert. ...

In zwei Erzählsträngen geht es um zwei Frauen, nämlich um die junge Kunsthistorikerin Gina, die das Leben von Johanna (Jo) van Gogh-Bonger als Schwägerin von Vincent van Gogh, dem erfolglosen Maler skizziert. Während Ginas Geschichte über ihre Familie mit ihrem als Schriftsteller erfolglosen Vater aus Entfremdeten besteht und in ihrer Beschreibung eher langatmig wirkt, sind die zusammengetragenen Informationen über die junge Jo um 1900 interessanter. Eine Kunstwelt voller Bohème in Frankreich und Holland bilden den Rahmen für diese kultivierte Frau mit Sprachkenntnissen. Nach nur kurzer Ehe muss sie als Frau auf dem Kunstmarkt in Amsterdam hart verhandeln mit Käufern und Museen in Europa, wenn es um den künstlerischen Nachlass von Vincent van Gogh geht. Über die großartige Entwicklung zur Kuratorin von Vincents Gemälden erfährt man wenig, dagegen mehr über die kurze, glückliche Ehe mit Theo van Gogh, seiner Erkrankung an Syphilis und über seinen erfolglosen Bruder Vincent. Historische Events wie die Weltausstellung in Paris oder weitere Impressionisten dieser Epoche sind eingeflochten. Das traurige Los der jungen Ballerinen an der Pariser Oper, das Leben der Prostituierten und die vielen Erkrankungen mit Todesfolge rütteln auf. Während Jo’s Leben als Muse oder Geschäftsfrau ruhig hätte ausgeweitet werden können, wirken die fiktiven Begegnungen zwischen Jo und Gina blass und unrealistisch. Nur eine ausführlichere Erzählebene über Johanna (Jo) van Gogh-Bonger hätte gereicht.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Ohne Punkt und Komma geht es in eine surreale Welt – gewöhnungsbedürftig.

requiem
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Der Schreibstil in ungeordneter Versform ist sehr auffällig, erschwert er doch den Lesefluss ohne gliedernde Zeichensetzung. Inhaltlich befindet man sich scheinbar auf einer surrealen Traumreise mit Natur- ...

Der Schreibstil in ungeordneter Versform ist sehr auffällig, erschwert er doch den Lesefluss ohne gliedernde Zeichensetzung. Inhaltlich befindet man sich scheinbar auf einer surrealen Traumreise mit Natur- und Umweltkatastrophen, quer durch Brandenburg, Berlin, N.Y., Kanada oder in Kalifornien. Sogar die Unterwelt und das Leben nach dem Tod werden nicht ausgeblendet, gefüttert durch weltweite Katastrophenszenarien aus den Medien. Lateinische und englische Satzfetzen sind eingeflochten. Sollte hier ein Requiem, eine Totenmesse, die letzte Messe für Mensch und Natur, für Ruhe und Frieden sorgen oder eher durch den besonderen Schreibstil der grammatikalischen Veränderung aufrütteln, immer auf der Suche nach dem ewigen Licht, das allem leuchten solle in dunkler Finsternis? Teile eines Gebets in Latein wie z. B. "Libera nos, Domine", das oft in liturgischen Kontexten verwendet wird, besonders in der katholischen Kirche, ist ein Ausdruck der Bitte um Befreiung von Not, Bedrängnis oder Übel. Andersgläubige mögen wenig mit dieser Liturgie anfangen können. Was übrig bleibt von den schönen Erinnerungen an unsere intakte Umwelt, möge bald nur noch in Schutt und Asche liegen, so könnte man diesen „Appell“ interpretieren.

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Veröffentlicht am 11.07.2025

Das harsche Leben als Fernfahrer in der weiten russischen Steppe

Die Steppe
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In diesem Teil der Trilogie über ihre Familie stehen die Erinnerungen an den vor sieben Jahren an Aids verstorbenen Vater im Mittelpunkt. Die raue Schönheit Sibiriens, den zahlreichen Flusslandschaften ...

In diesem Teil der Trilogie über ihre Familie stehen die Erinnerungen an den vor sieben Jahren an Aids verstorbenen Vater im Mittelpunkt. Die raue Schönheit Sibiriens, den zahlreichen Flusslandschaften und die Weite der Steppe bilden den Rahmen für das Porträt eines russischen Mannes, geprägt durch Armut, Alkohol, Kriminalität und Gewalt. Nicht chronologisch strukturiert tauchen auch angsterfüllte Rückbesinnungen an diesen Vater auf, der ihr fremd bleibt. Er war in der Armee, im Gefängnis und einsamer Fernfahrer ohne Heim und Familie, schätzte die Freiheit. Die Autorin sucht mit der Du-Anrede die Nähe zum Leser. Sieben politische und kulturelle Erläuterungen bringen das russische Ambiente näher. Ebenso werden die griechische Mythologie und philosophische Schriften der Frühantike aus ihrem Literaturstudium eingeflochten neben ihrer homosexuellen Neigung.

Leider führt der Schreibstil voller Reflektionen nicht zu einem überzeugenden, geordneten Ganzen.

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