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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.08.2025

Atmosphärisch dicht, emotional etwas abseits

Mein Name ist Emilia del Valle
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Isabel Allende entwirft in diesem Buch eine beeindruckende Lebensreise: von San Francisco in das politische Chile. Eine mutige Frau sucht nach der Wahrheit, ihren Wurzeln und der Liebe. Emilia steht im ...

Isabel Allende entwirft in diesem Buch eine beeindruckende Lebensreise: von San Francisco in das politische Chile. Eine mutige Frau sucht nach der Wahrheit, ihren Wurzeln und der Liebe. Emilia steht im Zentrum, eine junge Reporterin im Bürgerkrieg; selbstbestimmt und eigenwillig, jedoch nicht ohne Widersprüche.

Positiv hervorzuheben ist die atmosphärische Schilderung vergangener Zeiten: die Autorin vermag Szenen mit Eleganz und Feinsinn zu gestalten, die Landschaften spürbar, Emotionen greifbar. Die Ich-Erzählung bringt Nähe, die Recherche als Mittel der Selbstfindung wirkt inspirierend.

Doch wirkt vieles auch vertraut: das Motiv der starken Frau in politischen Wirren wirkt diesmal weniger überraschend. Teils leicht melodramatisch, gelegentlich formelhafter. Die emotionale Tiefe erreicht nicht immer die Wirkung. Insgesamt ein stilistisch solides Buch, aber ohne den besonderen Funken.

Ein solider historischer Roman mit sympathischer Heldin und reichem Setting, aber ohne bleibende Wirkung.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Selbstfindung mit Nebenwirkungen (Hörbuch)

Sommer ohne Plan
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Sommer ohne Plan klang nach genau dem, was ich für den Sommer gesucht hatte: ein warmherziges, humorvolles Hörbuch für entspannte Sommertage. Und ja, die Grundidee hat definitiv Charme: eine Burnout-geplagte ...

Sommer ohne Plan klang nach genau dem, was ich für den Sommer gesucht hatte: ein warmherziges, humorvolles Hörbuch für entspannte Sommertage. Und ja, die Grundidee hat definitiv Charme: eine Burnout-geplagte Großstädterin zieht sich in eine Waldhütte zurück und rutscht durch ein kurioses Missverständnis in die Rolle einer Lebensberaterin. Klingt unterhaltsam, oder?

Leider blieb das Hörvergnügen für mich eher durchwachsen. Die Hauptfigur Cassi kam mir von Anfang an emotional unnahbar vor. Weder die alte, überarbeitete Restaurantchefin noch die neue, pseudo-esoterische "Guru"-Version weckte bei mir echte Sympathie. Ihre Methoden? Oft absurder als überzeugend: Masken aus Ästen, Schweigesitzungen im Wald, Sprüche auf Kalenderniveau ... da blieb das Augenzwinkern für meinen Geschmack etwas auf der Strecke.

Positiv hervorheben möchte ich allerdings den Erzählstil. Der war flüssig und angenehm, und manche Szenen hatten durchaus etwas liebevoll Schrulliges. Besonders Pavel, der zurückhaltende, hilfsbereite Nachbar, brachte Menschlichkeit und Tiefe in die Handlung. Auch die Dorfkulisse wirkte atmosphärisch und bildhaft erzählt. Da hätte ich mir fast gewünscht, die Geschichte würde sich weniger auf die absurde Coaching-Schiene, sondern stärker auf echte zwischenmenschliche Begegnungen konzentrieren.

Insgesamt ist Sommer ohne Plan ein netter Roman für zwischendurch, aber für mich war’s stellenweise zu viel Schrägheit, zu wenig Herz. Wer mit leicht skurrilen Figuren und einem Schuss Dorfkomik etwas anfangen kann, findet hier vielleicht sein Sommerhörbuch. Für mich bleiben es solide 3 Sterne – nett, aber kein Highlight.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Ungewöhnlich, warmherzig – mit erzählerischen Stolperern

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Wedding People ist ein Roman, der auf den ersten Blick mit einer ungewöhnlichen, aber packenden Prämisse daherkommt. Phoebe Stone kommt nicht, um zu feiern, sondern um ein letztes Mal in ihrem Leben etwas ...

Wedding People ist ein Roman, der auf den ersten Blick mit einer ungewöhnlichen, aber packenden Prämisse daherkommt. Phoebe Stone kommt nicht, um zu feiern, sondern um ein letztes Mal in ihrem Leben etwas für sich zu tun. Sie hat das „Cornwall Inn“ mit einem klaren Plan im Kopf: sich das Leben zu nehmen. Doch kaum ist sie angekommen, wird sie mit einem unerwarteten Chaos konfrontiert: der Hochzeit von Lila, der Braut, die mit einem katastrophalen Planungswahn kämpft und jede Minute ihres großen Tages perfekt machen möchte. Natürlich kommt Phoebe in die Quere, und das sorgt für einige Wendungen.

Die Dynamik zwischen den beiden Frauen – der verzweifelten Phoebe und der überambitionierten Braut – ist überraschend berührend und glaubwürdig. Was als rein melancholische Reise einer Frau beginnt, wird durch die Begegnung mit Lila zu einer Geschichte über die unerwarteten Wendungen des Lebens. Man spürt die Verzweiflung von Phoebe und gleichzeitig die scharfsinnige, fast überzogene Perfektion der Braut. Doch die Geschichte verliert mit der Zeit ein wenig an Tempo. Während die Idee originell ist und einige starke Momente enthält, kommen die Figuren und ihre Entwicklungen nicht immer ganz zur Geltung, da der Erzählfluss an manchen Stellen stockt. Zudem sind ein paar Szenen ziemlich überzogen und unglaubwürdig.

Besonders in der Mitte des Buches fühlt es sich an, als ob zu viele Details über die Frauen und ihre Konflikte erzählt werden, was das Tempo bremst. Dennoch bleibt Wedding People ein interessanter, wenn auch etwas zäher Roman über Schmerz, Neuanfänge und unerwartete Freundschaften.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Eine ruhige Reise, die mehr verspricht als sie hält (Hörbuch)

Onigiri
1

Dieses Buch hat definitiv Potenzial, doch irgendwie konnte mich die Geschichte nicht so richtig packen. Die Grundidee einer Reise mit einer dementen Mutter nach Japan, auf der sich alte Wunden öffnen und ...

Dieses Buch hat definitiv Potenzial, doch irgendwie konnte mich die Geschichte nicht so richtig packen. Die Grundidee einer Reise mit einer dementen Mutter nach Japan, auf der sich alte Wunden öffnen und Familiengeheimnisse ans Licht kommen, klang spannend und emotional. Doch leider hat sich das Buch für mich eher wie eine Sammlung von Momentaufnahmen angefühlt, die nicht wirklich zusammenfließen wollten.
Die Erzählweise ist ruhig und distanziert. Es gibt viele Rückblenden und Zeitsprünge, die den Lesefluss bzw. Hörfluss manchmal ins Stocken bringen. Ich fand es besonders schwer, mich mit den Charakteren richtig zu verbinden. Aki, die Tochter, hat zwar eine spürbare Zerrissenheit in sich, aber ihre Gefühle gegenüber ihrer Mutter und die wechselnden Beziehungen wirken oft eher oberflächlich und nicht immer greifbar. Dass sich Keiko, die an Demenz leidet, in Japan plötzlich zu erinnern scheint, ist ein schönes, aber leider zu wenig vertieftes Motiv.

Die kurzen Kapitel und die sprunghafte Erzählweise – mal in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit – bringen keine klare Linie in die Geschichte. Es gibt viele Erzählmomente, die das Leben von Aki und ihrer Familie zeigen, aber sie bleiben oft nur Bruchstücke. Gerade die Reise nach Japan, die eine emotionale Reise hätte sein können, wirkt in ihrer Darstellung etwas unvollständig und hätte mehr Tiefe verdient.
Positiv hervorzuheben ist, dass das Buch einige interessante Einblicke in die japanische Kultur gibt. Die Onigiri, die immer wieder als Symbol für Trost und Verbindung in der Familie auftauchen, sind ein schöner roter Faden, der allerdings nicht genug Gewicht bekommt, um die eher kühlen Erzählpassagen aufzulockern.

Insgesamt ist „Onigiri“ ein leises, nachdenkliches Buch, das sicher seine Leser findet. Aber für mich fehlte es an Emotionen, Tiefe und einem klareren Handlungsbogen, um wirklich zu überzeugen. Die Idee war stark, aber die Umsetzung nicht ganz so kraftvoll, wie ich es mir gewünscht hätte.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Luxus, Leichen und viel Luft nach oben

Pretty Perfect
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Man nehme ein abgelegenes Luxusresort, eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Gästen, ein drohendes Unwetter und natürlich einen Mord. Klingt nach einer spannenden Mischung? Dachte ich auch. Dieser Thriller ...

Man nehme ein abgelegenes Luxusresort, eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Gästen, ein drohendes Unwetter und natürlich einen Mord. Klingt nach einer spannenden Mischung? Dachte ich auch. Dieser Thriller beginnt vielversprechend: Die Kulisse ist filmreif, die Stimmung drückt unterschwellig schon von Anfang an und Sprecherin Julia Nachtmann schafft es, jeder Figur ihre eigene Stimme zu geben, ohne zu übertreiben. Man fühlt sich direkt ein bisschen wie in einem modernen Agatha-Christie-Setting mit Yoga, Smoothies und Designer-Bademänteln.
Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr plätschert sie dahin. Die Figuren sind zwar interessant angelegt, bleiben aber größtenteils an der Oberfläche. Vieles wird angedeutet, manches bewusst verschleiert und was anfangs Spannung erzeugt, wirkt später leider wie ein Herumstochern im Nebel. Die Auflösung am Ende kommt eher beiläufig daher, ohne den großen Knall, den man sich nach all dem Aufbau erhofft hatte.

Unterm Strich ist „Pretty Perfect“ ein netter Begleiter für entspannte Nachmittage oder lange Zugfahrten. Wer auf vielschichtige Charaktere, überraschende Twists und echten Nervenkitzel hofft, wird hier eher nicht fündig. Aber für ein bisschen Urlaubsflair mit Schattenseiten reicht’s allemal.

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