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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.07.2025

Herzklopfen zwischen Dünengras und Hochzeitsträumen

Die Inselhochzeit der Träume
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Carla Linde entführt ihre Leser mit Die Inselhochzeit der Träume auf die wunderschöne Insel Rügen und mitten hinein in eine Liebesgeschichte, die leise beginnt und sich wunderschön entfaltet. Im Mittelpunkt ...

Carla Linde entführt ihre Leser mit Die Inselhochzeit der Träume auf die wunderschöne Insel Rügen und mitten hinein in eine Liebesgeschichte, die leise beginnt und sich wunderschön entfaltet. Im Mittelpunkt steht Natalie, eine Hochzeitsplanerin mit großen Ambitionen und einer Vergangenheit, die sie eigentlich hinter sich lassen wollte. Doch ausgerechnet ein lukrativer Auftrag bringt sie zurück an den Ort, den sie meiden wollte. Was als berufliche Herausforderung beginnt, entwickelt sich zu einer Reise voller Erinnerungen, emotionaler Umbrüche und neuer Perspektiven.

Zwischen weißen Stränden, maritimer Eleganz und sommerlicher Leichtigkeit entfaltet sich eine ruhige, aber berührende Geschichte über zweite Chancen, alte Verletzungen und die Kraft des Neuanfangs. Die Begegnungen mit dem naturverbundenem Gärtner Lukas geben dem Roman dabei eine besonders schöne warme, glaubhafte Note. Ohne große Dramatik, dafür mit viel Gefühl und Augenblicken zum Innehalten. Die Beschreibungen der Insel, das Hochzeitsflair und die liebevoll gezeichneten Nebenfiguren machen die Geschichte lebendig, fast, als wehte beim Lesen eine leichte Meeresbrise durchs Zimmer. Ruhig und mit Herz erzählt, verweilt man gerne in der Geschichte.

Ein Roman wie ein Sommertag auf Rügen: sanft, romantisch und voller Hoffnung. Ideal, um sich für ein paar Stunden ans Meer zu träumen.

Veröffentlicht am 29.07.2025

Schön kaputt

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Wedding People will nicht trösten und schafft es gerade deshalb, tief zu berühren. Der Roman von Alison Espach ist keine typische Wohlfühllektüre, sondern hier geht es um das Chaos nach dem emotionalen ...

Wedding People will nicht trösten und schafft es gerade deshalb, tief zu berühren. Der Roman von Alison Espach ist keine typische Wohlfühllektüre, sondern hier geht es um das Chaos nach dem emotionalen Zusammenbruch, um das Gefühl, nicht mehr dazugehören zu wollen. Und trotzdem: Ausgerechnet eine Hochzeit wird zum Wendepunkt. Die Hauptfigur Phoebe kommt in einem Luxushotel am Meer an, bereit, sich von allem zu verabschieden. Doch das Leben funkt dazwischen in Form einer Braut, die ihre Hilfe braucht. Was folgt, ist ein Wochenend-Reigen voller absurder Gespräche, skurriler Figuren und leiser Momente, in denen alles zu kippen scheint.

Die Atmosphäre schwankt zwischen melancholisch und bissig, manchmal auch sehr schräg. Es ist eine Geschichte über tiefe Trauer, unerwartete Nähe und die zarte Ahnung, dass es vielleicht doch noch einen neuen Anfang geben könnte. Espach schreibt dabei mit trockenem Humor, der oft mitten in den Schmerz hineinsticht, aber nie zynisch wirkt. Viele Dialoge treffen direkt ins Herz , nicht weil sie laut oder pathetisch sind, sondern weil sie so erschreckend ehrlich klingen. Manchmal geht es dabei kaum voran, die Handlung tritt auf der Stelle, und nicht jeder Ausflug in Nebenfiguren oder absurde Situationen wirkt gelungen. Aber das macht nichts. Denn im Kern geht es um einen inneren Prozess, der langsam und brüchig sein darf.

Der Roman schafft es aufzuwühlen und spendet gerade deshalb Trost. Er ist keine glatte Liebesgeschichte, sondern eine kaputte, scharfsinnige und zugleich zärtliche Erzählung über das Weiterleben nach dem Absturz.

Veröffentlicht am 28.07.2025

Zwei düstere Märchen voller Leidenschaft und Geheimnisse

Mountains Made of Glass / Apples Dipped in Gold
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Dieses Buch vereint zwei Novellen, die auf ganz eigene Weise bekannte Märchenmotive neu erzählen und dabei mit dunkler Atmosphäre, emotionaler Tiefe und einer Prise prickelnder Romantik überzeugen.

In ...

Dieses Buch vereint zwei Novellen, die auf ganz eigene Weise bekannte Märchenmotive neu erzählen und dabei mit dunkler Atmosphäre, emotionaler Tiefe und einer Prise prickelnder Romantik überzeugen.

In Mountains Made of Glass kämpft Gesela um ihre Freiheit und stößt auf Casamir, einen verfluchten Elfenprinz, dessen Geheimnisse ebenso faszinierend wie gefährlich sind. Die Geschichte zieht mit kraftvollen Bildern und einer Mischung aus Magie, Spannung und verletzlicher Stärke sofort in ihren Bann. Apples Dipped in Gold erzählt die Geschichte von Samara, die auf den ersten Blick an Cinderella erinnert, sich aber in einem Netz aus Intrigen und dunkler Magie wiederfindet. Auch wenn diese Erzählung nicht ganz so intensiv fesselt wie die erste, bietet sie dennoch spannende Wendungen und einen emotionalen Tiefgang, der berührt.
Beide Novellen bestechen durch eine poetische, stimmungsvolle Sprache und viel Gefühl. Sie zeigen, dass hinter glitzernden Märchenwelten oft Schatten und komplizierte Gefühle lauern und dass Liebe nicht immer einfach, sondern manchmal wild, kompliziert und unvorhersehbar ist.

Der Roman bietet eine dunkle Märchenreise mit prickelnder Romantik, die entzückt und verstört. Besonders Mountains Made of Glass bleibt im Gedächtnis, während Apples Dipped in Gold Lust auf mehr weckt, aber auch Fragen offenlässt. Außergewöhnliche Märchen mit moralischer Tiefe und emotionaler Spannung, in denen es auch ab und zu etwas rauer zugeht.

Veröffentlicht am 23.07.2025

Ein Sommer, der alles verändert - fantasievoll, schräg, tiefgründig

Immerland – Die Stadt der Ewigkeit
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Immerland – Die Stadt der Ewigkeit entführt seine Leser auf eine magische Reise, wie sie nur selten zu finden ist. Die Geschichte um Mika, der plötzlich in eine Welt voller Wunder, Technik-Affen und ewiger ...

Immerland – Die Stadt der Ewigkeit entführt seine Leser auf eine magische Reise, wie sie nur selten zu finden ist. Die Geschichte um Mika, der plötzlich in eine Welt voller Wunder, Technik-Affen und ewiger Jugend katapultiert wird, wirkt auf den ersten Blick wie ein verrückter Fiebertraum, liebevoll gezeichnet, farbenprächtig und voller überraschender Ideen.

Was anfangs wie ein harmloses Sommerabenteuer wirkt, bekommt schnell düstere Untertöne. Immerland ist schön, schillernd und dennoch nicht das Paradies, das es vorgibt zu sein. Zwischen Lachen und Staunen blitzen immer wieder ernste Themen durch: Angst, Verlust, Erwachsenwerden. Diese Tiefe überrascht und berührt beim Lesen gleichermaßen. Die Illustrationen springen neben der Geschichte sofort ins Auge: mal verspielt, mal überbordend, oft voller versteckter Details. Alles wirkt etwas überzeichnet, fast wie in einem surrealen Traum, was wunderbar zur Geschichte passt. Der Erzählfluss selbst schwankt etwas. Es gibt Phasen, in denen vieles eingeführt wird, ohne dass sich sofort ein roter Faden zeigt. Doch wenn man sich auf diese Welt einlässt, wird mit einem grandiosem Finale belohnt.

Ein tolles Buch, um in eine schillernde Welten mit Schatten zu tauchen und dabei vielleicht ein Stück Kindheit zurückfinden.

Veröffentlicht am 21.07.2025

Wenn Glück zur Krankheit wird

All Better Now
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Was passiert, wenn ein Virus nicht nur tötet, sondern auch heilt; auf eine Weise, die das Menschsein selbst infrage stellt? All Better Now entwirft eine düstere und zugleich faszinierende Zukunftsvision. ...

Was passiert, wenn ein Virus nicht nur tötet, sondern auch heilt; auf eine Weise, die das Menschsein selbst infrage stellt? All Better Now entwirft eine düstere und zugleich faszinierende Zukunftsvision. Nach einer globalen Pandemie erleben die Überlebenden nicht nur körperliche Genesung, sondern auch totale emotionale Ausgeglichenheit. Kein Neid, kein Schmerz, keine Sorgen mehr - einfach Glück. Doch was auf den ersten Blick wie eine Utopie wirkt, hat tiefgreifende Konsequenzen.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen dabei drei sehr unterschiedliche Jugendliche. Mariel, eine Überlebenskünstlerin ohne Zuhause, scheint gegen das Virus immun zu sein und damit auch gegen seine euphorische Wirkung. Für sie ist echtes Leben nur mit echten Gefühlen möglich, selbst wenn sie wehtun. Rón, Sohn eines mächtigen Tech-Moguls, erlebt durch die Infektion zum ersten Mal Ruhe in seinem von Depressionen geprägten Leben. Für ihn ist das Virus ein Segen und er wird zum überzeugten Botschafter dieser neuen Heilung. Morgan, Tochter einer reichen Familie, kämpft gegen die Verbreitung, weniger aus Nächstenliebe, als aus Angst, Kontrolle und Ehrgeiz zu verlieren. Die Geschichte wirft große Fragen auf: Was macht den Menschen aus? Kann eine Welt ohne Schmerz überleben? Und wie viel Zufriedenheit ist zu viel? Neal Shusterman spinnt daraus einen dichten, oft erschreckenden Plot über Macht, Medien, Wissenschaft und Gesellschaft. Sprachlich ist der Roman kraftvoll, teils provokant, mit raschen Perspektivwechseln und Szenen, die rund um den Globus spielen. Die Kapitel sind abwechslungsreich, mal philosophisch, mal dramatisch, oft bedrückend und lassen Raum für Interpretation. Dabei bleibt die Handlung stets nah an den Figuren, ohne einfache Antworten zu liefern. Einige Passagen wirken dabei jedoch etwas überladen oder ziehen sich, und hier und da hätte etwas mehr emotionale Tiefe bei den Nebenfiguren gut getan. Trotzdem: All Better Now bleibt im Kopf als düstere Mahnung, dass Glück nicht immer das höchste Gut sein muss.

Ein Roman, der zum Nachdenken zwingt. Über das, was fehlt, wenn alles besser ist.