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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.07.2025

Ein gelungener Abschluss der Reihe

Bluthunde
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Mit diesem 5. und letzten Band endet die Reihe rund um die Gebrüder Sass und ihr Syndikat. Man trägt sich schon länger mit dem Gedanken, sich zur Ruhe zu setzen, denn die Polizei, die unter Ernst Gennat ...

Mit diesem 5. und letzten Band endet die Reihe rund um die Gebrüder Sass und ihr Syndikat. Man trägt sich schon länger mit dem Gedanken, sich zur Ruhe zu setzen, denn die Polizei, die unter Ernst Gennat einen Modernisierungsschub erlebt hat, ist ihnen auf den Fersen. Vor allem der Polizist Max Fabich hat sich in den Kopf gesetzt, den Brüdern Sass das sprichwörtliche Handwerk zu legen. Da hilft es wenig, dass Paul Konter, Kriminalbeamter und Lebensgefährte von Antonia Sass, den einen oder anderen Tipp gibt.

Einen letzten Coup wollen Franz und Max Sass landen: Sie wollen in die Disconto-Bank einbrechen, in der die NSDAP ihr Schwarzgeld in Millionenhöhe in Schließfächern gelagert hat. Doch damit legen sie sich mit einem Gegner an, bei dem sie nur verlieren können: Joseph Goebbels. Er ist zwar Ende der 1920er-Jahre noch nicht auf dem Zenith seiner Macht, doch die Bluthunde der SA terrorisieren neben Juden, Sozialisten und alle jene, die ihrer Weltanschauung entgegenstehen. Das bekommt auch Georg Sass, der bei einer Roma-Familie lebt, zu spüren.

Ob der Coup gelingt, müsst ihre schon selbst lesen!

Meine Meinung:

Michael Jensen ist es wieder sehr gut gelungen Fakten und Fiktion zu verbinden. Historische Personen wie die Brüder Sass, Max Fabich, Ernst Gennat und Joseph Goebbels werden durch fiktive Charaktere in ihren Handlungen unterstützt. Die gelungene Mischung aus historischer und kriminalistischer Spannung macht die Geschichte fesselnd und interessant. Damit lässt der Autor das Berlin der Zwischenkriegszeit lebendig auferstehen. Der Tanz auf dem Vulkan beginnt. In wenigen Jahren wird Adolf Hitler die Macht sich reißen.

Ich kenne alle Teile dieser Reihe sowie auch jene Serie, in der Jens Druwe, der hier als Assistent von Paul Konter seine Karriere bei der Berliner Kripo beginnt, die Hauptrolle verkörpert. Ob wir demnächst Kriminalroman lesen werden, die diese beiden Reihen verbinden? Interessant wäre dies schon!

Wie wir es von Michael Jensen gewöhnt sind, ist auch dieser Krimi hier penibel recherchiert und fesselnd erzählt. Die Figuren sind vielschichtig und authentisch in ihren Handlungen.

Die gewählte Perspektive, nämlich jene des Syndicats, gibt einen sehr guten Einblick in die Welt des Verbrechens. Dabei ist die Familie Sass eine ganz normale Familie, Meinungsverschiedenheiten inklusive. Wer hätte gedacht, dass sich auch Panzerknacker bei Kollegen weiterbilden?

Im Anhang berichtet Michael Jensen über das weitere Schicksal der Brüder Sass.

Fazit:

Wer einen fesselnden, historischen Krimi während einer politisch brisanten Zeit lesen will, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich diesem raffiniert konstruierter Krimi über Mut, Gier und Loyalität, der auf wahren Ereignissen beruht, 5 Sterne und eine Leseempfehlung für die gesamte Reihe.

Veröffentlicht am 24.07.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Rattenharpyie
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Dieser 15. Krimi aus der Reihe rund um Franz Haderlein und seinem Team hat mich bis zur letzten Seite gefesselt. Warum?

Renatus Gräber, ein ehemaliger Rechtsanwalt, der den Abschaum der Menschheit erfolgreich ...

Dieser 15. Krimi aus der Reihe rund um Franz Haderlein und seinem Team hat mich bis zur letzten Seite gefesselt. Warum?

Renatus Gräber, ein ehemaliger Rechtsanwalt, der den Abschaum der Menschheit erfolgreich verteidigt hat, wird am Abend seines 100. Geburtstag ermordet. Nein, nicht nur ermordet, sondern regelrecht hingerichtet, denn in seinem Appartement in der Seniorenresidenz findet man nur mehr seinen Kopf auf dessen Stirn ein kryptisches Zeichen eingeschnitten worden ist. Der Rest liegt einige Kilometer weiter auf einem Acker, in dessen Boden Dutzende Fragmente aus Aluminium zu finden sind.

Keine leichte Aufgabe für Franz Haderlein, César Huppendorfer, Bernd „Lagerfeld“ Schmitt und Neo-Kommissarin Kira Sünkel. Warum tötet jemand einen Hundertjährigen und warum auf diese Weise? Ja, die Liste der Feinde ist lang, aber .....

Fast gleichzeitig wird der geschiedene Wolfgang Zurbriggen in seinem Haus in Meggen am Vierwaldstättersee erschossen. Als die Schweizer herausfinden, dass der Tote eigentlich Deutscher mit dem Nachnamen Gräbner ist, weil er den Namen seiner Frau angenommen hat, greift Ermittler Roland Büchel zum Telefon und Lagerfelds Telefon läutet.

Großvater und Enkel erschossen, auf beider Stirn ein Zeichen, das entfernt an die Freimaurer erinnert- an Zufall glaubt hier keiner. Doch was steckt hier dahinter? Noch ahnt keiner, was das mysteriöse Zeichen darstellen soll.

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist ganz nach meinem Geschmack!

Zum einem, weil er auf zwei Zeitebenen, nämlich Anfang April 1945, als der Zweite Weltkrieg in den letzten Zügen liegt, aber von NS-Deutschland umso erbitterter geführt wird und in die Gegenwart, in der in Franken und in der Schweiz jeweils ein Mann getötet werden, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, werden, spielt. Und zum anderen, weil das Team um Franz Haderlein wieder zu besonderer Hochform aufläuft. Das liegt nicht nur am altbewährten fränkischen Humor, wenn Oberchef Robert „Fidibus“ Suckfüll seinen Mitarbeitern erklärt, sie müssen aus Umweltschutzgründen auf Elektro-Autos umsteigen.

„Entschuldigung, VW? Warum kriegen wir kein richtiges Auto?“ (Bernd „Lagerfeld“ Schmitt)

Auch der Neuzugang von Kira Sünkel trägt auf Grund ihrer Herkunft von der Bundeswehr bzw. Flugunfalluntersuchungskommission das Ihre dazu bei. Nicht nur, dass sie zu Bernd und Ermittlerferkel Presssack bei deren Erscheinen das eintrainierte „Rühren“ entgegenschleudert, gibt sie Nachhilfeunterricht in Sachen Elektroauto an der Tankstelle. Tja, die militärischen Umgangformen lassen sich nicht leicht ablegen, sind aber eloquent,

Natürlich dürfen auch die üblichen Charaktere wie Marina „Honeypenny“ Hoffmann, der verhasste Rechtsmediziner Siebenstädter oder Heribert Ruckdeschl von der Spusi nicht fehlen.

Doch bei allem Humor wird auch nicht auf die ernste Seite in diesem Krimi vergessen: Dass Piloten der Royal Airforce und der US Airforce nach einem Absturz über deutschem Gebiet von aufgebrachtem Mob gelyncht bzw. nicht als Kriegsgefangene gemäß der Genfer Konvention behandelt worden sind, sondern von der SS brutal ermordet worden sind, obwohl den meisten Deutschen schon längst klar gewesen sein muss, dass der Krieg verloren ist. Zum Kriegsgeschehen hat Autor Helmut Vorndran penibel recherchiert. So gibt es neben Fotos, unter anderem von den B-17 Flying Fortresses, Karten von deren Heimatflughafen in Sudbury/UK und den anderen Schauplätzen, die uns neben Oberfranken, der Schweiz und UK auch nach Illinois/USA führt.

Besonders berührt hat mich, dass der Autor dieses Buch der Besatzung der „Lonesome Polecat“ gewidmet hat, die am 8. April 1945 über Herreth abgestürzt und Vorbild für diesen Krimi ist.

Fazit:

Mir hat dieses Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart, das mich bis zur letzten Seite gefesselt hat, sehr gut gefallen, weshalb ich hier eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 20.07.2025

Tödliches Geheimnis

DAS VERMÄCHTNIS
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In diesem dritten Fall aus der Reihe Duisburg-Krimis bekommen es BKA-Kommissar Jonathan Dawson und seine Kollegin Sascha Brinkmann mit einem höchst komplexen Fall zu tun, der bis in die letzten Jahre des ...

In diesem dritten Fall aus der Reihe Duisburg-Krimis bekommen es BKA-Kommissar Jonathan Dawson und seine Kollegin Sascha Brinkmann mit einem höchst komplexen Fall zu tun, der bis in die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs zurück reicht.

Zunächst ermitteln sie „nur“ im Fall eines alten, qualvoll zu Tode gefolterten Priesters. Wenig später wird das Grab eines anderen Priester aufgebrochen und der Friedhofsgärtner wird ebenfalls ermordet. Ein Kollateralschaden also? Was hofften die Grabschänder im Grab des Priesters zu finden? Ein Hinweis auf einen mysteriösen Koffer aus der NS-Zeit lassen nicht nur bei Dawson und Brinkmann die Alarmglocken schrillen, sondern auch beim BND und dem Vatikan.

Bald ist klar, dass eine Gruppe Ewiggestriger auf der Jagd nach dem ominösen Koffer rücksichtslos jeden aus dem Umfeld der Priester, die um den möglichen Verbleib des Koffers Bescheid wissen könnten, foltern und dann töten. Ein erbarmungsloser Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn die Täter sind den Ermittlern immer einen Schritt voraus. Gibt es einen Maulwurf im BKA?

Nicht genug damit, kochen der BND und der Vatikan ihr eigenes Süppchen und teilen ihre Erkenntnisse nicht mit Dawson & Co..

Meine Meinung:

Uwe Rademacher ist wieder ein rasanter Thriller gelungen bei dem nicht immer ganz klar ist, wer Feind oder Freund ist.

Die NS-Zeit mit ihren abscheulichen medizinischen Versuchen eignet sich perfekt als Thema. Lange Zeit ist für uns Leser nicht klar, ob es hier um die Entwicklung biologischer Waffen à la Anthrax oder Pest geht, oder um etwas ganz anders. Sehr geschickt wechselt die Handlung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, was den Spannungsbogen sehr hoch hält.

Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem packenden Thriller, der Vergangenheit und Gegenwart durch ein tödliches Geheimnis verbindet, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.07.2025

Informative Biografie

Elizabeth Scheu Close
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Der Verlag Anton Pustet hat seit einiger Zeit Bücher über Architektinnen und Architekten im Programm. Diese Monografie beschreibt das Leben und Wirken der Architektin Elizabeth Scheu Close (1912-2011), ...

Der Verlag Anton Pustet hat seit einiger Zeit Bücher über Architektinnen und Architekten im Programm. Diese Monografie beschreibt das Leben und Wirken der Architektin Elizabeth Scheu Close (1912-2011), die in Wien geboren ist. Ihre Mutter ist Jüdin, der Vater Sozialdemokrat. Sie lassen sich vom bekannten Architekten Adolf Loos ihre Villa in Hietzing, dem 13. Bezirk von Wien eine moderne Villa bauen. Zu modern, wie die meisten Zeitgenossen sagen.
Diese Villa in der Larochegasse 3 wird den Zweiten Weltkrieg nahezu unversehrt überstehen, mehrmals verkauft werden, ist aktuell im Besitz der Stadt Wien und steht unter Denkmalschutz.

Beeindruckt vom Sozialen Wohnbau des Roten Wien, beginnt sie 1930 als einzige Frau unter Dutzenden Männern an der TU Wien das Studium der Architektur. Wie sie später erzählt, hat man es ihr und den Studentinnen anderer Fakultäten nicht leicht gemacht. Sei es, dass man den jungen Frauen keine Toiletten zur Verfügung stellen wollte, oder sei es, dass man ihre Arbeiten um einiges strenger beurteilt hat. Weil sie aus einem jüdisch-sozialistischem Elternhaus stammt, wandert sie 1932 in die USA aus. Dort lernt sie ihren Studienkollegen Winston Close kenne, den sie 1938 heiratet.

Gemeinsam gründen das Ehepaar ein Architekturbüro. Sie werden zahlreiche Firmensitze, Geschäftsgebäude und Einfamilienhäuser planen und bauen. Um nach dem Zweiten Weltkrieg schnell ausreichend Wohnraum zur Verfügung stellen zu können, arbeiten sie mit Fertigteilhäusern. Bekannt sind auch ihre Gartensiedlungen, für die Immobilienspekulanten bestehende Arbeiterwohnviertel abreißen. Damit sollen Häuser für weiße, gut verdienende Familien errichtet werden.

Zeit ihres langen Lebens - sie wird fast 100 Jahre alt - schwingen die Entwürfe des sozialen Wohnbau im Roten Wien
sowie die einfache und klare Struktur eines Adolf Loos in ihren eigenen Arbeit mit.

Fazit:

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Zahlreiche Abbildungen aus dem Privatbesitz der Architektin, Pläne und Fotos ihre Studien bzw. errichteten Gebäuden vervollständigen dieses interessante Buch über Elizabeth Scheu Close, einer amerikanischen Architektin mit Wiener Wurzeln. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.07.2025

Hier ist wenig, wie es scheint

Aschetod
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Der 16. Fall für Chief Kate Burkholder wird recht schnell persönlich, als ihre Kollegen Mona Kurtz und Chuck Skidmore bei einem heimlichen Stelldichein, einen brennenden Scheiterhaufen entdecken, in dem ...

Der 16. Fall für Chief Kate Burkholder wird recht schnell persönlich, als ihre Kollegen Mona Kurtz und Chuck Skidmore bei einem heimlichen Stelldichein, einen brennenden Scheiterhaufen entdecken, in dem ein Mann hilflos verbrennt, weil er an einen Pfahl gefesselt ist. Der Tote ist Milan Swanz, ein Amischer, der auf Grund zahlreicher Gewalttaten und anderer Verstöße gegen die amischen Vorschriften exkommuniziert worden ist.

Recht schnell gerät Kates Bruder Jacob in den Fokus der Ermittler, denn ein Zeuge berichtet von einem Streit der beiden, den er angeblich beobachtet haben will, was Jacob aber heftig bestreitet.

So wird muss Kate den Fall abgeben, da man ihr Vertuschung vorwirft. Das hält sie aber nicht ab, auf eigene Faust zu ermitteln. Als sie entdeckt, dass es in der Vergangenheit ähnliche Fälle von Morden an Amischen gegeben hat, scheint das Gerücht um eine abtrünnigen Gruppe von Amischen, die sich als Rächer sieht, neue Nahrung zu bekommen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann John Tomasetti verfolgt sie die Spur dieser Gruppe und weiß nicht, welches Risiko sie damit eingeht.


Meine Meinung:

Dieser 16. Fall für Kate Burkholder hat es in sich. Sie ist als Amische geboren, hat sich aber dann von der Gemeinschaft losgesagt. Sie kennt die Bräuche sowie die Glaubenssätze der verschworenen Gemeinde, die, obwohl Pazifisten, schon auch die eine oder ander Auseinandersetzung untereinander haben. Diese lösen sie aber intern und rufen nie, niemals die „englische“ Polizei zu Hilfe. Sie weiß, dass Milan Swanz massiv gegen die Regeln verstoßen hat, nur das ganze Ausmaß ist ihr zunächst nicht bekannt.

Kate ist toughe Chefin, die sich um ihr Team kümmert, weshalb man ihr auch während ihrer kurzen Auszeit die nötigen Informationen zum Fall Swanz zuspielt.

Völlig unaufgeregt erklärt Linda Castillo die Lebensgewohnheiten der Amischen. Die Autorin macht das recht geschickt, in dem sie Kate Burkholder ihren Chefs bzw. den Kollegen darüber berichten lässt. Das finde ich sehr interessant, denn über das Leben der Amischen weiß ich relativ wenig. Nachdem ich in dieser Reihe erst mit dem 15. Fall eingestiegen bin, muss ich mich langsam an den Beginn vortasten, denn mich interessiert, warum sie sich von den Amischen losgesagt hat.

Der Schreibstil ist fesselnd und dieser 16. Fall wird nach dem 15. nicht mein letzter Thriller sein, den ich von Linda Castillo, die mit einigen Amischen befreundet ist und daher weiß, worüber sie schreibt, lesen werde.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fesselnden Thriller 5 Sterne.