Profilbild von mimitatis_buecherkiste

mimitatis_buecherkiste

Lesejury Star
online

mimitatis_buecherkiste ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit mimitatis_buecherkiste über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.08.2025

Grandioser Reihenstart

Dunkle Sühne
0

Am späten Abend des 04. Juli findet ein Feuerwerk statt, in der gleichen Nacht verschwinden zwei Teenager. Eines der vermissten Mädchen ist die Tochter der besten Freundin von Debuty Emmy Clifton, die ...

Am späten Abend des 04. Juli findet ein Feuerwerk statt, in der gleichen Nacht verschwinden zwei Teenager. Eines der vermissten Mädchen ist die Tochter der besten Freundin von Debuty Emmy Clifton, die wiederum die Tochter des zuständigen Sheriffs ist. Emmy quält sich mit Schuldgefühlen, weil sie kurz vor dem Verschwinden der Mädchen eines von ihnen abgewiesen hat, als diese mit ihr sprechen wollte. Bald ist klar, dass die Mädchen viele Geheimnisse hatten, und dass manche Bewohner von North Falls alles dafür tun würden, dass ihre eigenen düsteren Verfehlungen nicht ans Licht kommen.

Karin Slaughter gehört für mich zu den besten Autorinnen, wenn es um Thriller geht. Ihre neben zahlreichen Einzelbänden bereits dritte Reihe zeichnet sich durch eine unfassbar komplexe Geschichte aus, in einem perfekten Tempo erzählt, die mit einer Reihe von unerwarteten Wendungen dafür sorgt, dass es keine Atempausen auf dem Weg zur Lösung gibt. Ihre Figuren sind vielschichtig, jeder Nebencharakter fein gezeichnet, nie weiß man als Leser, wer wichtig oder völlig nebensächlich ist. Die Spannung steigt mit jeder Seite, der permanente Nervenkitzel bringt mich fast um den Verstand, und als ich schon sicher bin, alles durchschaut zu haben, setzt die Autorin noch einmal nach und erstaunt mich mit ihrem Einfallsreichtum. Und das nicht nur einmal.

Mit diesem Reihenauftakt hat Karin Slaughter erneut bewiesen, dass sie eine Meisterin ihres Fachs ist. Ich kann es kaum erwarten, dass es weitergeht in North Falls, und freue mich unbändig drauf. Lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.08.2025

Sommer, Sonne, Ärger

Blaues Wunder
0

»Eine 70-Millionen-Euro-Yacht, ein Haufen Angestellter, exquisite Küche, traumhafte Unterkünfte und sieben Personen, die alle etwas zu verbergen haben.« (Seite 115)

Der Banker Walter Bronstein lädt zwei ...

»Eine 70-Millionen-Euro-Yacht, ein Haufen Angestellter, exquisite Küche, traumhafte Unterkünfte und sieben Personen, die alle etwas zu verbergen haben.« (Seite 115)

Der Banker Walter Bronstein lädt zwei seiner wichtigsten Mitarbeiter zusammen mit dessen Ehefrauen auf seine luxuriöse Superyacht ein. Walters Frau Rachel und der gemeinsame Sohn David vervollständigen die Reisegesellschaft. Keiner der Gäste ahnt, worum es geht, warum die beiden Kontrahenten eingeladen wurden und ihre Frauen unbedingt dabei sein sollten. Erst nach und nach realisieren sie, dass es um mehr geht als einen Urlaub auf dem Meer. Es geht um alles oder nichts.

»Es heißt, Frauen seien manipulativ. Ich glaube, das müssen sie sein. So wie Wasser Stein nach und nach erweicht und aushöhlt, schlicht weil ihm die Kraft fehlt, ihn einfach zu zerschlagen. Meine Fäuste schüchtern niemanden ein. Was mich gefährlich macht, ist mein Verstand.« (Seite 70)

Die Frauen sind es, die in diesem Drama mit wenigen Akten die Hauptrolle spielen. Nora und Franziska machen den ersten Schritt, kurze Zeit später kommt Rachel hinzu und vervollständigt die illustre Runde. Und die hat es in sich, denn die unumstrittenen Stars des Stücks waren bisher die Männer. Die Alphatiere. Die Macher. Deren Frauen ein Accessoire, eine Beilage, ein Nichts im Vergleich mit ihnen waren, den Herren der Schöpfung, ihrer Frauen größtes Glück. Nicht.

Die wechselnde Perspektive war hier sehr klug gewählt, durch die Erzählungen der Frauen ergab sich erst allmählich ein klares Bild, was die Spannung quälend langsam aufbaute und mich wahnsinnig machte, weil das so genial gelungen ist. Kleine und große Geheimnisse, manche so ungeheuerlich, dass es fast zum fremdschämen war, auf den ersten Blick schillernde Persönlichkeiten, die auf den zweiten nicht halten konnten, was die Verpackung versprach. Das und noch viel mehr machten das Buch zu einem Genuss, das war wirklich wunderbar. Lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.08.2025

Gedankenexperiment

Im Leben nebenan
0

Toni wacht eines morgens auf und lebt ein ihr fremdes Leben, ihre Jugendliebe und gemeinsames Baby inklusive. Wie wäre ihr Leben verlaufen, wenn sie damals nicht gegangen wäre, geblieben wäre im Heimatdorf, ...

Toni wacht eines morgens auf und lebt ein ihr fremdes Leben, ihre Jugendliebe und gemeinsames Baby inklusive. Wie wäre ihr Leben verlaufen, wenn sie damals nicht gegangen wäre, geblieben wäre im Heimatdorf, Adam geheiratet hätte, statt sich von ihm zu trennen?

»Dieses Baby gehört mir nicht, denkt sie wieder. Sie atmet ein, schließt noch einmal die Augen, atmet aus. Das muss ein Traum sein. Gähnend reibt sie sich über das Gesicht und wartet, dass die Sicht verschwimmt. Rechnet jede Sekunde mit der Realität.« (Seite 11)

»Was wäre, wenn«, dies ist die zentrale Frage des großartigen Romans von Anne Sauer. Was wäre, wenn ich dies getan, jenes unterlassen, dieses erst recht gemacht hätte? Toni ist im realen Leben, Antonia wacht in einer Parallelwelt auf. Oder ist alles andersherum und die mit Adam verheiratete Frau und Mutter von Hanna ist echt und Toni ein Traumgebilde, Jakob, ihr Freund, also gar nicht echt? Will ich ein Kind, habe ich eines, ist der Wunsch echt und wenn ja, mit wem? Fragen zum Frausein, zum Muttersein und zur Frage, ob das selbstgewählte Leben tatsächlich das ist, das man sich erträumt hat. Mit Situationskomik, teils unvollständigen Sätzen, denen nichts fehlt, weil zwischen den Zeilen alles steht, gibt die Autorin Antworten auf Fragen, von denen ich nicht wusste, dass ich sie stellen möchte. Und dies macht sie so spannend, dass ich gar nicht mehr zu lesen aufhören will. Lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.07.2025

Anrecht auf das Leben

Die Wünsche gehören uns
0

Elise wird von Tochter und Stieftochter in ein Armenasyl gebracht im Kanton Bern. Still und zurückhaltend ergibt sie sich in ihr Schicksal, versucht, sich dort zurechtzufinden; zurechtzufinden zwischen ...

Elise wird von Tochter und Stieftochter in ein Armenasyl gebracht im Kanton Bern. Still und zurückhaltend ergibt sie sich in ihr Schicksal, versucht, sich dort zurechtzufinden; zurechtzufinden zwischen all den verlorenen Seelen, denen fast nichts geblieben ist. Nichts außer ihren Wünschen, so wichtig, unbedeutend, groß oder klein diese auch sein mögen.

»1981 wurden die Gesetze zur administrativen Versorgung aufgehoben. Bis dahin waren Tausende von Erwachsenen eingesperrt worden, ohne dass sie ein Delikt begangen hätten. Sterilisationen und Abtreibungen waren Teil der Zwangsmaßnahmen gewesen, ebenso die Auflösung von Familien. Unzählige Kinder waren in diversen Heimen oder fremden Familien versorgt worden.« (Dahinter: Nachwort der Autorin, Seite 253)

Katharina Geiser widmet dieses Buch ihrer Ururgroßmutter Elise Linder-Brand (1868-1953), der einzigen Person im Buch übrigens, die nicht fiktiv ist. Der Hintergrund der Geschichte selbst ist tragisch, die historischen Fakten erschütternd, was da in der Schweiz bis in die 1970er Jahre geschah, ist widerlich und menschenverachtend. Ich habe kürzlich ein Buch über sogenannte Verdingkinder gelesen und dachte bis jetzt, schlimmer geht es nicht. Dass dies sehr wohl möglich ist, davon handelt dieses Buch.

»Doch jetzt, als sie sich in Zimmer 3 auf die hölzerne Bettstatt stürzte und sich umsah, begriff sie: Sie hatte mit sieben anderen Frauen einen Raum zu teilen. Nicht einmal ein Nachttisch oder zumindest ein Stuhl stand zwischen den einzelnen Betten. Dafür hockte eine Menge schlechter Luft in diesen Wänden drin.« (Seite 18)

Dieses Buch ist keine leichte Lektüre, aber es ist notwendig darüber zu schreiben, zu lesen und zu sprechen, was passiert ist, damit diese ungeheuerlichen Vorgänge ans Licht kommen, aufgearbeitet werden und den vielen Menschen, die schreckliches durchleiden mussten, Gerechtigkeit geschieht. Elises Schicksal steht zwar im Vordergrund, aber jede der armen Seelen im Buch bekommt ihren Raum, ihre Leben, auch wenn sie fiktiv sind, damit einen Sinn; im Namen der Menschen, die tatsächlich durchleiden mussten, was die Autorin beschreibt. Ein Personenregister ist angehängt, dieses mit filigranen Skizzen ergänzt, sodass jeder Name ein Gesicht bekommt. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass ich mir gewünscht hätte, dass dieses nach Vornamen alphabetisch sortiert ist. Im Buch wechselt die Autorin zwischen Vor-, Nach- und Spitznamen, sodass ich leider oft durcheinander gekommen bin. Aber das ist meckern auf hohem Niveau, denn insgesamt ist dieses Buch sprachlich ein wahrer Schatz und ich glücklich darüber, dass ich es lesen durfte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2025

Feindliche Übernahme

Schattengrünes Tal
1

Lisa hilft ihrem Vater bei der Buchhaltung des familiengeführten Hotels »Zum alten Forsthaus«. Als eines Tages eine mysteriöse Frau auftaucht, die Hilfe braucht, ist Lisa zur Stelle, lässt die Fremde in ...

Lisa hilft ihrem Vater bei der Buchhaltung des familiengeführten Hotels »Zum alten Forsthaus«. Als eines Tages eine mysteriöse Frau auftaucht, die Hilfe braucht, ist Lisa zur Stelle, lässt die Fremde in ihr Leben, führt sie in ihren Freundes- und Bekanntenkreis ein. Nach und nach muss sie aber feststellen, dass etwas nicht stimmt mit Daniela, die allmählich immer tiefer in Lisas Privatsphäre eindringt.

Kristina Hauff konnte mich vor zwei Jahren mit ihrem Buch »In blaukalter Tiefe“ begeistern, umso gespannter war ich auf ihr neuestes Werk, das diesmal im Schwarzwald spielt, in der fiktiven Stadt Herzogsbronn. Wie bereits im vorgenannten Buch wechselte auch hier die Perspektive, die Ereignisse überschnitten sich manchmal, sodass mein Blick mehrere Seiten traf. Die Geschichte selbst war dabei nicht neu, früh war mir klar, wo die Reise hingeht, was meinen Lesegenuss jedoch nicht geschmälert hat, denn die Autorin kann ihr Handwerk und versteht es meisterhaft, die menschlichen Abgründe so zu verpacken, dass eine unterschwellige Spannung entsteht, die eine Gefahr verspricht, die permanent vor einem Ausbruch steht. Langsam, aber unaufhaltsam, steuerte die Geschichte auf einen Showdown zu, die Anspannung war kaum noch auszuhalten. Wieder einmal hielt Kristina Hauff, was sie versprach: Großartige Unterhaltung. Lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere