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Veröffentlicht am 03.11.2025

Emotionaler Roman, der traurig und zugleich wütend macht

Da, wo ich dich sehen kann
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Die 9-jährige Maja wächst in schwierigen Verhältnissen auf. Da ist auf der einen Seite ein Vater, der seine Frau tyrannisiert, seine Tochter aber liebevoll behandelt. Auf der anderen Seite steht eine Mutter, ...

Die 9-jährige Maja wächst in schwierigen Verhältnissen auf. Da ist auf der einen Seite ein Vater, der seine Frau tyrannisiert, seine Tochter aber liebevoll behandelt. Auf der anderen Seite steht eine Mutter, die sich ihr Leben ganz anders vorgestellt hat und sich zunehmend von ihrer Tochter zurückgewiesen fühlt, die scheinbar den Vater viel mehr liebt. Als alles schließlich eskaliert und der Vater die Mutter tötet, bleiben verzweifelte Menschen zurück: zuerst natürlich Maja, die Großeltern mütterlicherseits Brigitte und Per sowie Liv, die beste Freundin der Mutter, die auch Majas Patentante ist.

„Da, wo ich dich sehen kann“ ist der neuste Roman aus der Feder von Jasmin Schreiber und wird aus der Perspektive der unterschiedlichsten Figuren erzählt. So wird noch einmal greifbarer, wie viele Menschen der Tod von Majas Mutter Emma beeinflusst und weit die Kreise sind, die Trauer und Verzweiflung ziehen. Hin und wieder sind auch besondere Kapitel eingeschoben, die auf schwarzem Hintergrund gedruckt sind. Hier erlaubt sich die Autorin den Blick, was passiert wäre, wenn so manches Gespräch zwischen Emma und ihren Liebsten anders abgelaufen wäre.

Im Zentrum der Handlung steht sicherlich das Thema der Femizide. Männer hassen Frauen, darüber sind sich die erwachsenen Frauen im Roman einig, besonders seit dem Tod von Emma. Nur Maja fällt es schwer, die Dinge so klar einzuordnen. Ja, ihr Vater ist ein Mörder, aber irgendwie liebt sie ihn eben auch. Was diese widersprüchlichen Gefühle in einer Kinderseele anrichten, das stellt Jasmin Schreiber wirklich eindrücklich dar. Überhaupt geht es nicht darum, Sachinformationen über das Thema im Text einzubauen, sondern die realen Auswirkungen darzustellen. Im Buch wird das, sinngemäß, so formuliert: der Täter erhält eine lebenslange Haftstrafe, was für ihn etwa 15 Jahre bedeutet. Für alle, die Emma geliebt haben, bedeutet „lebenslang“ aber genau das.

„Da, wo ich dich sehen kann“ ist ein emotionaler Roman, der traurig und zugleich wütend macht. Es ist aber auch ein Roman, der deutlich macht, dass ein „Verlass’ ihn doch einfach“ nicht so simpel ist, wie wir glauben.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Ein weihnachtlicher Fall für Kater Elvis

Alle Jahre wieder mit Elvis
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Es ist Dezember in Koblenz, aber besinnliche Stimmung will nicht so recht einkehren. Oma Klärchen hat Streit mit ihren Kindern, die sie Weihnachten zu sich holen und ihr die Besuche bei ihrem Freund Josef ...

Es ist Dezember in Koblenz, aber besinnliche Stimmung will nicht so recht einkehren. Oma Klärchen hat Streit mit ihren Kindern, die sie Weihnachten zu sich holen und ihr die Besuche bei ihrem Freund Josef verbieten wollen. Und während Elvis pelzige Freundin Chloe eine Demo gegen Katzen als Geschenke unterm Weihnachtsbaum plant, beobachtet Nachbarskater Oskar die Menschen im Haus gegenüber. Irgendetwas geht dort vor sich – und tatsächlich wird bald darauf der unbeliebte Juwelier Bornemann tot aufgefunden. Klar, dass Elvis und Chloe nun wieder ermitteln müssen – und ganz nebenbei das Weihnachtsfest retten.

„Alle Jahre wieder mit Elvis“ ist bereits der zweite Band der Koblenzer Katzenkrimis der Autorin S. Sagenroth. Die Handlung folgt die meiste Zeit dem Protagonisten, Kater Elvis, wechselt aber auch die Perspektive, um etwas zu erzählen, dass er nicht sehen konnte. Zudem sind zwischen die erzählenden Kapitel der Geschichte immer wieder Gedanken der Tatverdächtigen eingeschoben, z.B. von Bornemanns Nachbar Bayo oder seiner Tochter Nora, so dass wir den Fall aus weiteren Blickwinkeln sehen können.

Wenn man sich darauf einlassen kann, macht die Vorstellung ermittelnder Katzen einfach nur Spaß. Elvis und Chloe finden alles durch Beobachtung, Zuhören oder einfach den Einsatz ihres flauschigen Charmes heraus. Dabei gelingt es S. Sagenroth immer, auch ernste Themen mit einfließen zu lassen; sei es Einsamkeit im Alter, Rassismus, familiäre Konflikte oder die wichtige Feststellung, dass Tiere nun wirklich nicht als Geschenk unter den Weihnachtsbaum gehören.

Der eigentliche Kriminalfall ist spannend, auch wenn sich eine gewisse Tendenz schon erahnen lässt. Das mag ich persönlich aber viel lieber, als hoch konstruierte Mordpläne, bei denen man den Täter sowieso nie selbst erraten kann. Ergänzt wird die Geschichte noch durch eine Playlist und einige Rezepte und macht richtig Lust, auf ein gemütliches Weihnachten. (Oder darauf, in Kater Oskars riesigem Kratzbaum zu sitzen und die Welt da draußen zu beobachten.) Und wer genau liest, entdeckt auch Freunde aus früheren Werken der Autorin. Bitte noch mehr Fälle für Elvis!

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Ein kleiner Kosmos

Die Tage im Café Torunka
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Versteckt in einer Seitenstraße Tokios, ganz am Ende einer Sackgasse liegt das Café Torunka. Geführt wird es von Isao Tachibana und seiner Tochter, der Schülerin Shizuku; als Aushilfe arbeitet dort außerdem ...

Versteckt in einer Seitenstraße Tokios, ganz am Ende einer Sackgasse liegt das Café Torunka. Geführt wird es von Isao Tachibana und seiner Tochter, der Schülerin Shizuku; als Aushilfe arbeitet dort außerdem der zurückhaltende Student Shuichi. Das Café ist ein gemütlicher Zufluchtsort mit liebevoll zubereitetem Kaffee und vielen Stammgästen. Da ist zum Beispiel Chinatsu, die sich in letzter Zeit etwas seltsam verhält oder Hiro-san, der immer auf eine ganz bestimmte Person zu warten scheint. Aber auch Shizuku trägt ein Geheimnis mit sich herum.

Satoshi Yagisawa ist bereits von seinen Romanen rund um die Buchhandlung Morisaki bekannt. Mit „Die Tage im Café Torunka“ bleibt er zwar in Tokio, wechselt aber ins Stadtviertel Yanaka. Die deutsche Übersetzung verfasste Charlotte Scheurer. Erzählt werden insgesamt drei Episoden, in denen das Café der Dreh- und Angelpunkt ist. Dabei macht der Roman vieles richtig, was anderen Vertretern des Genres fehlt und lässt sich mit der Ausarbeitung jeweils ca. 100 Seiten Zeit, so dass wir die Figuren besser kennenlernen können.

In der ersten Episode geht es um Aushilfe Shuichi und die Stammkundin Chinatsu, die ihm eines Tages offenbart, dass sie ihn bereits aus einem früheren Leben kennt. Zunächst ist er irritiert, doch die beiden freunden sich an. Die zweite Episode begleitet Hiro-san, der im Café die Tochter seiner verstorbenen großen Liebe beobachtet. Die beiden verstehen sich gut, aber er kann ihr einfach nicht Wahrheit sagen. Die letzte Episode handelt von Shizuku, die ihre große Schwester vor vielen Jahren verloren hat und noch immer trauert. Als sie dann deren Ex-Freund auf der Straße trifft, ändert sich alles.

Es war wirklich schön, Zeit im Café Torunka zu verbringen. Der Roman liefert uns keine losen, unzusammenhängenden Geschichten, sondern schafft einen kleinen Kosmos, aus dem Episoden erzählt werden. Die Anzahl der Figuren bleibt übersichtlich, so dass wir uns von ihnen allen ein Bild machen können. Dass einige Dinge hier nur angedeutet werden oder ganz offen bleiben, lässt auf einen weiteren Band hoffen. Für mich sogar besser als die „Buchhandlung Morisaki“.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Herrlich skurrile Kurzgeschichten

Broccoli Punch
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Einem Boxer wächst eines Tages anstatt seiner Hand ein Broccoli. Seine Freundin ist ratlos; wie kann sie ihn unterstützen? Eine Frau treibt an einen Koffer geklammert in einer Bucht vor Incheon und kann ...

Einem Boxer wächst eines Tages anstatt seiner Hand ein Broccoli. Seine Freundin ist ratlos; wie kann sie ihn unterstützen? Eine Frau treibt an einen Koffer geklammert in einer Bucht vor Incheon und kann trotzdem immer nur an das Schicksal ihres Schützlings denken. Ein Mann verlässt seine Partnerin und lässt nur einen Leguan in einem verschmutzten Terrarium zurück – auf einmal beginnt er zu sprechen und hat einen letzten Wunsch.

Das sind nur drei Beispiele der herrlich skurrilen Kurzgeschichten, die in der Sammlung „Broccoli Punch“ der südkoreanischen Autorin Lee Yuri zu finden sind; die deutsche Übersetzung stammt von Tamina Hauser. Die insgesamt acht Erzählungen folgen keinem bestimmten Schema und begleiten die unterschiedlichsten Figuren durch eine große Veränderung, die plötzlich in ihrem Leben eintritt. Mal bleiben sie dabei, wie in „Der Graureiher-Club“ auf dem Boden der Tatsachen, in vielen Fällen verlassen sie ihn aber auch und gleiten ins Wundersame ab.

In jeder Geschichte werden dabei ganz grundlegende Gefühle und Situationen verarbeitet. In „Rote Frucht“ hat eine junge Frau ihren Vater verloren und weiß nicht recht, was sie mit seiner Asche anfangen soll, bis sie diese in einen Topf einpflanzt und daraus etwas wächst. In „Fingernagelschatten“ kehrt ein Verstorbener sogar zu seiner ehemaligen Partnerin zurück, die inzwischen wieder geheiratet hat. Auch Unzufriedenheit im Job, Obsession mit einer bestimmten Person oder Konflikte in der Familie sind Thema.

Besonders berührt hat mich „Käsemond und Biscotti“, eine Erzählung über einen zurückhaltenden jungen Mann, der im Schatten seiner erfolgreichen Mutter steht und ihr einfach nicht genügen kann. Der schönste Tag in seinem Leben ist der, als er feststellt, dass er mit Steinen sprechen kann. Endlich, so denkt er, ist er nicht mehr allein. Endlich wird er Freunde haben – bis eine andere Person in diese für ihn so sichere Welt eindringt.

Fazit: „Broccoli Punch“ ist eine motivisch und sprachlich sehr ansprechende Sammlung mit Kurzgeschichten von gleichbleibend hoher Qualität, die Fans von Bora Chung oder Sayaka Murata gut gefallen dürften.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Moderner Reiseführer für Zugfans

Japan – Die schönsten Zugreisen
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In ihrem kürzlich erschienenen Reiseführer „Japan. Die schönsten Zugreisen“ stellt uns die freie Journalistin Aimie Eliot, die seit 2020 selbst in Tokyo lebt, ausführlich Routen und Sehenswürdigkeiten ...

In ihrem kürzlich erschienenen Reiseführer „Japan. Die schönsten Zugreisen“ stellt uns die freie Journalistin Aimie Eliot, die seit 2020 selbst in Tokyo lebt, ausführlich Routen und Sehenswürdigkeiten für das Reisen auf der Schiene vor. Dabei zeigt sie, wie effizient und dicht Japans Eisenbahnnetz ist und dass man mit dem Zug auch in die entlegensten Winkel der vier Hauptinseln gelangt. Das ist vor allem attraktiv, wenn man bedenkt, dass der Zug noch immer das umweltfreundlichste Verkehrsmittel ist.

Zu Beginn des Reiseführers finden wir zunächst eine Karte, auf der alle beschriebenen Strecken eingezeichnet und mit unterschiedlichen Farben markiert sind. Diese Farben werden weiter hinten bei der ausführlichen Etappenbeschreibung wieder aufgenommen, so dass die Zuordnung stets klar und verständlich ist. Ein einführendes Kapitel erzählt anschließend von der Geschichte der japanischen Bahn, die über 30.000 Kilometer Schienennetz verfügt und im Schnitt nur eine Minute pro Zug verspätet ist. Der 1964 eingeführte Shinkansen kommt sogar nur auf 20 Sekunden Verspätung im Mittel. Kein Wunder also, dass die Bahn in Japan beliebt ist und neben einem Fernsehsender und verschiedenen Zeitschriften sogar eine Vielzahl an Fanartikeln besitzt.

Die vorgestellten Strecken sind in unterschiedliche Etappen eingeteilt. Viele davon haben die Großstädte Tokyo, Kyoto oder Osaka als Ausgangspunkt, andere hingegen führen quer über die vier Hauptinseln Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu. Dabei ist jede Etappe mit Bildern versehen und liefert wichtige Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Fahrzeiten, Ticketpreisen, Restaurants, Übernachtungsmöglichkeiten oder sogar Ideen für Mitbringsel aus der Region. Zwischendurch gibt es auch allgemeine Informationen, zum Beispiel zu bestimmten Blütezeiten, japanischen Toiletten, Verhaltensregeln oder dem Railpass. Ein Glossar und ein Register von A bis Z runden den Reiseführer ab.

Fazit: Ein umfassender, modern gestalteter Reiseführer für alle, die Japan gerne per Zug erkunden möchten

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