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Veröffentlicht am 19.08.2025

Noch spannender als Band 1 - Spektakuläre Serienmorde lassen die Ermittler genauso wenig ruhen wie die Dämonen der Vergangenheit

Schwüre, die wir brechen
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In Malmö ist ein Serientäter am Werk, der seine Opfer wie ägyptische Totengötter in Szene setzt und mit Hieroglyphen rätselhafte Botschaften hinterlässt. Kommissar Nordh nimmt nur widerwillig zusammen ...

In Malmö ist ein Serientäter am Werk, der seine Opfer wie ägyptische Totengötter in Szene setzt und mit Hieroglyphen rätselhafte Botschaften hinterlässt. Kommissar Nordh nimmt nur widerwillig zusammen mit seiner jüngeren Kollegin Svea Karhuu die Ermittlungen auf, nachdem er sich erneut auf einen Deal mit seiner Vorgesetzten eingelassen hat. Nach Nordhs Empfinden handelt es sich beim Täter um einen Psychopath, was die Ermittlungen nicht nur aufgrund des zu befürchtenden Medieninteresses vor Herausforderungen stellt.
Als eine Jugendliche entführt wird und ein Bekennerschreiben eingeht, spekuliert die Presse, dass es sich um einen militanten Ökoterroristen handelt. Nordh gerät weiter unter Druck, aber nach einem dritten Todesopfer können die Hieroglyphen entschlüsselt werden und verdichten die Hinweise auf einen Täter, der zum erstellten Profil passt.

"Schwüre, die wir brechen" ist nach "Tode, die wir sterben" der zweite Band von "Tatort Malmö" des schwedisch-deutschen AutorInnen-Duos.
Der Fall mit den bizarren Leichenfunden handelt zehn Monate nach Band 1 und ist wieder wechselnd aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren Jon Nordh und Svea Karhuu geschrieben.
Zum Verständnis ist ein Vorwissen aus dem Auftaktband nicht unbedingt notwendig, denn die Charaktere mit ihrer jeweils belastenden Vergangenheit werden ausreichend eingeführt. Nordh ist weiterhin dabei, seinen persönlichsten Fall um den rätselhaften Unfalltod seiner Ehefrau aufzuklären, während Svea aufgrund der Tatsache, dass sie in einem Undercover-Einsatz in Notwehr einen Kollegen getötet hat, bedroht wird.

Der Krimi liest sich aufgrund der Rückblenden in die Vergangenheit Ende 1970er bis in die 1980er-Jahre, die Hinweise auf den Täter geben und die brutale Vorgehensweise und spektakuläre Inszenierung der Leichen wie ein Thriller.
Durch immer neue Hinweise und die schnell aufeinanderfolgenden Morde ist der Roman dynamisch und hält Ermittler wie Leser in Atem. Der Bezug zum alten Ägypten, zur ägyptischen Mythologie und die Interpretation der Bedeutung für den Fall ist zunächst rätselhaft, aber klug und originell gewählt.
Darüber hinaus ist die klassische Ermittlerarbeit authentisch dargestellt und gibt mit dem Kompetenzgerangel und Profilierungsneigung mancher Figur einen sehr guten Einblick in die Strukturen der Sicherheitsbehörden.
Wie auch in Band 1 ergänzen sich der verbitterte Witwer und erfahrene Kommissar Nordh und die strafversetzte, instinktgesteuerte Kommissarin Karhuu mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten, Ansichten und Erfahrungswerten perfekt und sind als Team inzwischen gelungen zusammengewachsen. Trotz ihrer Unterschiede gleichen sie sich in ihrem Mut und Kampfgeist - und weichen mit ihren Alleingängen schon einmal von den Formalien ab.

Auch wenn die/ der LeserIn durch die Rückblenden einen Wissensvorsprung gegenüber den Ermittlern hat und frühzeitig klar ist, dass der Täter von seiner Vergangenheit geprägt ist und ein sehr persönliches Motiv bei seinen Morden verfolgt, ist der Roman ohne Längen durchgehend spannend und aufgrund der besseren Nachvollziehbarkeit der Zusammenhänge der einzelnen Spuren und Aufklärung der Taten noch eine Steigerung zu dem ersten gemeinsamen Fall.
Die Dämonen der Vergangenheit lassen die beiden Hauptfiguren nicht ruhen, nehmen in Band 2 spektakuläre Wendungen, sind aber noch längst nicht zufriedenstellend aufgeklärt. Nicht nur deshalb bin ich jetzt schon sehr gespannt auf Band 3 "Opfer, die wir bringen", der voraussichtlich im Herbst 2026 erscheinen wird.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Origineller, wendungsreicher Thriller um die Suche nach Wahrheit und Herstellung von Gerechtigkeit

Eine vorbildliche Tochter
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Die aus dem Fernsehen bekannte Investigativjournalistin Camila Jones hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und versucht sich gerade mit ihrem Vorruhestand anzufreunden, als der Lokaljournalist ...

Die aus dem Fernsehen bekannte Investigativjournalistin Camila Jones hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und versucht sich gerade mit ihrem Vorruhestand anzufreunden, als der Lokaljournalist Tim Doherty sie bittet, sich einem in seinen Augen ungeklärten Kriminalfall zu widmen. Vor zehn Monaten soll sich die 14-jährige Schülerin Sophia von einer Brücke gestürzt haben. Die Polizei geht von einem Selbstmord aus, wohingegen ihre Eltern und Freunde sich einen Suizid der hochintelligenten Schülerin nicht vorstellen können.
Tim und Camila vermuten einen Zusammenhang ihres Verschwindens mit einem Video, das ihre Freundin Janice in einer beschämenden Situation zeigt und in der Schule viral gegangen ist. Der Junge, der das Video aufgenommen hat, wurde zwei Monate nach ihrem Verschwinden tot aufgefunden und Janices Bruder als Tatverdächtiger verhaftet.

Erst verschwindet die Tochter spurlos oder soll Suizid begangen haben und Monate später stürzt ihre Mutter vom Balkon und liegt im Koma. Für die beiden Journalisten kann dies kein Zufall sein und der Arbeitseifer der bekannten Fernsehjournalistin ist wieder geweckt.

Der Thriller handelt auf mehreren Zeitebenen, wobei der Fokus in der Gegenwart auf den Recherchen von Camila Jones liegt, die den Ermittlungen der Polizei nicht traut und die Wahrheit hinter den Ereignissen der letzten Monate in Hawkmoon herausfinden möchte.
Die Vergangenheit geht mehrere Monate zurück und erzählt, was sich vor Sophias Verschwinden in einer Clique von Jugendlichen ereignet hatte, ohne zu offenbaren, was tatsächlich ursächlich für Sophias Verschwinden ist und die Frage zu klären, ob sie noch am Leben ist. Es geht um die erste Liebe und die Dynamik, die sich unter den Freunden entwickelt.
Beide Erzählebenen ergänzen sich und geben mehr Details über eine Kette von Handlungen preis, die bis zu einem Mord geführt haben.
Ab der Hälfte des Romans wird die Geschichte um eine weitere Perspektive ergänzt, die neue Fragen aufwirft.

Als Leser(in) hat man gegenüber den Journalisten einen Wissensvorsprung, was die Spannung jedoch nicht mindert. Geht man anfangs noch von der Eskalation von Streitigkeiten unter Jugendlichen aus, wird das Ausmaß der Machenschaften in der Kleinstadt, wer die Strippen dort zieht und welche Verbrechen sich dort ereignen, erst allmählich offensichtlich.

Der Thriller ist originell aufgebaut und sorgt durch den Wechsel aus gegenwärtigen und vergangenen Ereignissen für zahlreiche Mini-Cliffhanger, die "Eine vorbildliche Tochter" zu einem Pageturner machen.
Die Journalisten stehen in eine Wespennest unvorstellbaren Ausmaßes. Camila lässt sich weder leichtfertig mit Aussagen abspeisen noch sich von den Strippenziehern im Ort einschüchtern.
Die Geschichte ist durch immer neue Enthüllungen wendungsreich und spannend, wobei es immer komplexer wird, am Ende alle Puzzleteile zusammenzufügen. Es geht um die Herstellung von Gerechtigkeit, wobei die Helden zumal unkonventionelle Wege gehen.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Symbolträchtige, zartfühlende Geschichte über zwei Verlorene, die sich finden - auf leise Art mitreißend und berührend

Weil es nicht anders sein kann
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Addie lebt zusammen mit ihrer Mutter auf der kleinen Insel Rokesby im Nordwesten Englands, wo sie ein Retreat für Frauen betreiben. Das Geschäftsmodell mit Yoga, Wellness und Meditation ist ein langgehegter ...

Addie lebt zusammen mit ihrer Mutter auf der kleinen Insel Rokesby im Nordwesten Englands, wo sie ein Retreat für Frauen betreiben. Das Geschäftsmodell mit Yoga, Wellness und Meditation ist ein langgehegter Traum ihrer Mutter und Addie ordnet sich gefügig unter. Innerlich brodelt es in ihr und sie spürt, dass sie vom dort weg muss, um ihr eigenes Leben zu leben.
Sol trauert um seine verstorbene Mutter und wandelt auf ihren Spuren. Er möchte alle "dünnen Orte" besuchen, wo sich Himmel und Erde berühren, wie sie es ihm beschrieben hat. Er beginnt seine Reise mit der Insel Ora, die über eine Brücke bei Ebbe mit Rokesby verbunden ist. Dort begegnet er Addie, die einen traurigen Eindruck auf ihn macht. Die beiden fühlen sich voneinander angezogen und nähern sich zaghaft und schüchtern an. Beiden fällt die soziale Interaktion mit anderen schwer, sie sind stark verunsichert und voller Selbstzweifel.
Als Sol Addie aufs Festland bringt, trennen sich ihre Weg aufgrund unglücklicher Umstände. Sie wissen nicht, wie sie einander wiederfinden können und gehen wieder getrennter Wege. Doch die Hoffnung auf ein Wiedersehen bleibt - weil es nicht anders sein kann.

Der Roman ist in einem schnellen Wechsel aus den Perspektiven von Add
ie und Sol geschrieben. Beide Charaktere sind fein gezeichnet und fallen durch ihre besondere Art auf. Sie haben eine bewegte Vergangenheit und schlechte Erfahrungen in ihren Elternhäusern gesammelt, mangele Anerkennung erhalten und stecken voller Ballast. Ihre schüchterne Art zieht sie gegenseitig an und so bauen sie ganz zaghaft eine Beziehung zu einander auf.

Die Geschichte entwickelt sich über mehr als zwei Jahre hinweg und ist in Bezug auf die Liebe von Sol und Addie von einer andauernden Distanz geprägt. Es ist schwierig ihre beiden Leben zu verbinden, nachdem beide Abnabelungsprozesse hinter sich haben und sich neu formieren mussten. Dazu kommt, dass Addie Angst vor weiteren Verlusten und damit Angst vor Bindung hat.

Der Roman ist stark charaktergesteuert und sehr empathisch und einfühlsam geschrieben. Die beiden Hauptfiguren wirken zunächst mit ihren Eigenarten und ihrer mangelnden Fähigkeit der sozialen Interaktion gehemmt und verschroben, gleichzeitig aber sehr authentisch. Es sind Außenseiter, die noch ihren Platz im Leben finden müssen. Die allmähliche Entwicklung zu mehr Mut und Selbstvertrauen ist nachvollziehbar geschildert.

Die Liebe zwischen den beiden ist spürbar, aber dennoch besteht eine andauernde Unsicherheit, ob Liebe allein ausreicht. Es ist fraglich, ob sie ihren "Papageientaucherpakt", der so viel Vertrauensvorschuss und Wartezeit erfordert, halten können oder ob sie einen andauernden gemeinsamen Weg finden werden. Es erfordert Mut, Risiken einzugehen und Verletzungen in Kauf zu nehmen.

Aufgrund der besonderen, sensiblen Charaktere ist "Weil es nicht anders sein kann" eine bezaubernde Geschichte über dysfunktionale Familien, die Prägung von Erziehung, über Geringschätzung und Verlust, aber auch über Liebe, Trost und Hoffnung, die metaphorisch und symbolträchtig geschrieben ist und auf ihre leise, zärtliche Art berührt.
Dem Roman können ganz viele kluge Sätze und Weisheiten über das Leben und Beziehungen entnommen werden, die zum Nachdenken anregen und erkenntnisreich sind.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Eine emotionale Reise ohne Wiederkehr - ergreifende Geschichte über eine ungewöhnliche Schicksalsgemeinschaft, frühzeitige Demenz und ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben

All das Blaue vom Himmel
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Émile ist 26 Jahre alt, als er erfährt, dass er an früher Alzheimer-Demenz erkrankt ist und voraussichtlich noch zwei Jahre zu leben hat. Er entschließt sich gegen die Teilnahme an einer Studie zur Erforschung ...

Émile ist 26 Jahre alt, als er erfährt, dass er an früher Alzheimer-Demenz erkrankt ist und voraussichtlich noch zwei Jahre zu leben hat. Er entschließt sich gegen die Teilnahme an einer Studie zur Erforschung der seltenen Krankheit. Er möchte auch niemandem zur Last fallen und seiner Familie und seinen Freunden nicht als hilflos und degeneriert in Erinnerung bleiben. Stattdessen kauft er ein Wohnmobil und gibt eine Anzeige auf, dass er eine Begleitung für seine letzte Reise sucht. Unerwartet meldet sich eine junge Frau, die ihn ohne weitere Fragen zu stellen, begleiten möchte. Joanne gibt selbst wenig von sich preis und so fahren sie gemeinsam los in Richtung Pyrenäen. Während sie sich in der Stille der Natur allmählich besser kennenlernen, reflektiert Émile die letzten Stationen seines Lebens, insbesondere die Beziehung zu seiner Freundin Laura, die ihn vor einem Jahr verlassen hatte und erkennt, welche Fehler sie beide gemacht haben. Auf der vor allem seelisch anstrengenden Reise spürt er wider erwartend durch Joanne und die Begegnungen mit anderen Fremden, die zu Freunden werden, neuen Lebensmut.

Vor dem Hintergrund der tödlichen Erkrankung, die ein Leben viel zu früh und auf grausame Weise zu beenden vermag, ist die Geschichte emotional ergreifend.
Émile hat bei Aufbruch der Reise sein Schicksal angenommen und sich bewusst für einen heimlichen Abschied entschieden, weshalb der Roman nicht rührselig ist. Auch die ruhige und nüchterne Art von Joanne führt zu keinen dramatischen Gefühlsausbrüchen. Die Geschichte entwickelt sich stattdessen zu einer Reise durch Südfrankreich und die Erinnerungen, zu einem Abenteuer zweier Fremder, die beide aus unterschiedlichen Gründen auf der Flucht sind.

Durch die wechselnden Aufenthaltsorte, die Menschen, denen sie begegnen und die Probleme, mit denen die Hauptfiguren konfrontiert werden, ist die Geschichte lebendig und abwechslungsreich. Die Erinnerungen Émiles sorgen dafür, tiefer in sein Leben einzutauchen und ihn noch besser kennenzulernen. Joannes Zurückhaltung weckt die Neugierde in ihm, mehr über die magere Vegetarierin zu erfahren, die sich ganz in Schwarz kleidet und über Stunden meditieren kann.
Auf engstem Raum findet eine Annäherung statt und Joanne wird vor allem auch aufgrund Émiles Erkrankung, deren Symptome sich unregelmäßig zeigen, zu einem wichtigen Halt. Im Verlauf der Geschichte wechselt der Schwerpunkt mitunter auf Joanne, deren Motive für die Reise ähnlich bewegend sind. Mit dem Hintergrund wird nachvollziehbar, warum Joanne die Verantwortung für Émile übernimmt und treu an seiner Seite bleibt.

Joanne und Émile blühen beide gemeinsam auf, sind mit der Einfachheit des Lebens zufrieden, glücklich in der Natur und spüren die Freiheit. Doch auch die Schattenseiten werden nicht ausgeklammert, wenn Émile durch seine Blackouts bewusst wird, dass die Krankheit ihn auch auf seiner Reise begleitet und für Angst, Wut und Traurigkeit sorgt. Mit Hilfe eines Reisetagebuchs unter der Prämisse "Der wahre Reisende macht eine Reise um sich selbst." notiert er seine Erlebnisse und hält zudem die Erinnerungen an seine Familie und Freunde wach.

Der Weg ist körperlich beschwerlich, aber noch schwerer wiegen die emotionalen Umstände. Die Schilderung der Verschlechterung des geistigen Zustands und wie Émile wieder zu einem Kind wird, erscheint authentisch. Es ist eine Reise ohne Wiederkehr, die versöhnlich ist und für Émile wichtig, sein Leben auf diese Weise selbstbestimmt und in Würde zu beenden. Die warmherzig geschilderte Geschichte ist die Begleitung einer ungewöhnlichen Schicksalsgemeinschaft, die schmerzhaft und tröstlich zugleich ist. Für das Ende sollte man dennoch Taschentücher bereithalten.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Spannender und dramatischer historischer Roman mit dem Fokus auf die Rechte der Frauen und ihre körperliche Selbstbestimmung, verknüpft mit einer fiktiven Familiengeschichte, bei der es ein Geheimnis zu ergründen gilt

Die Akte Schneeweiß
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Im Jahr 1963 ist Katja 14 Jahre alt und träumt davon, Ärztin zu werden. Ihre Eltern sind konservativ und halten nichts von den beruflichen Ambitionen ihrer ältesten Tochter. Ihrem Großvater Dom, der sie ...

Im Jahr 1963 ist Katja 14 Jahre alt und träumt davon, Ärztin zu werden. Ihre Eltern sind konservativ und halten nichts von den beruflichen Ambitionen ihrer ältesten Tochter. Ihrem Großvater Dom, der sie in allem unterstützt, steht sie nah, doch er verbirgt ein Geheimnis und ist plötzlich verschwunden. In der Familie darf sein Name nicht mehr erwähnt werden und Katja versteht nicht, warum. Erst Jahre später, als Katja tatsächlich Medizin studiert, begreift sie, was er getan hat und findet mehr über die Geschichte ihrer Familie heraus, was bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurückführt.
Mathilde arbeitet 1936 noch in einem jüdischen Haushalt, als ihre Herrschaften fliehen und ihr eine Anstellung als Arzthelferin bei einem Gynäkologen vermitteln. Geschickt übernimmt sie schon bald die Aufgaben und verliebt sich dabei in Dr. Bönisch, der den Nationalsozialisten nicht wohlgesonnen ist. Nach einem tragischen Ereignis ist Mathilde jedoch gezwungen für die Gestapo zu arbeiten, um ihre Familie zu schützen, was sie jedoch immer schwerer mit ihrem Gewissen vereinbaren kann.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und wird aus mehreren Perspektiven erzählt, wobei in der Vergangenheit von 1936 bis 1949 Mathilde Schneeweiß und in der Gegenwart von 1963 bis 1978 Katja Schilling im Vordergrund stehen.
Beide sind ambitionierte, starke Frauen, die für ihre Überzeugungen einstehen und sich nicht so schnell unterkriegen lassen.

Die Geschichte führt in dunkle Zeiten der deutschen Historie zurück und auch wenn der Krieg und das Leid der Menschen nicht in blutigen Details geschildert wird, ist die Geschichte eindrücklich und bewegend.
Sehr anschaulich werden das Zeitgeschehen und die gesellschaftlichen Konventionen beschrieben und man taucht unmittelbar in die Lebenswirklichkeit der Protagonisten ein.

Beide Zeitebenen sind inhaltlich und in der Person von Opa Dom eng miteinander verbunden. Der Roman handelt von Widerstand und Zivilcourage, von medizinischer Versorgung und Frauenrechten. Die Geschichte ist dabei abwechslungsreich und unterhaltsam, denn trotz des Wiederauflebens der dunklen Kapitel der deutschen Geschichte gibt es auch viele heitere und beschwingte Szenen, wenn sich die jungen Frauen klammheimlich auflehnen oder Liebe und Fürsorge erfahren. Zudem werden im Verlauf der vier Jahrzehnte laufend neue Spannungsmomente gesetzt. Es wird nur zu deutlich, wie viel Unrecht geschehen ist, aber auch, dass es Menschen gab, die sich selbstlos und unter Einsatz ihres Lebens für andere eingesetzt haben.

Spannend, dramatisch und bewegend schildert auch dieser historische Roman nicht zu vergessende Aspekte der deutschen Geschichte, legt einen Schwerpunkt auf die Rechte der Frauen und ihre körperliche Selbstbestimmung und verknüpft diese mit einer fiktiven Familiengeschichte, in der es das Verschwinden des Großvaters zu ergründen gilt.

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