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Veröffentlicht am 02.09.2025

Facettenreiche Geschichte über toxische Familienverhältnisse, die fassungslos macht und gerade deshalb so bewegend ist

Girls
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Nach einem Krebsleiden ist die Künstlerin Ingrid Olssen, die für ihren ausschweifenden Lebensstil und ihre Unberechenbarkeit bekannt war, in London verstorben. Sie hinterlässt ihr künstlerisches Werk und ...

Nach einem Krebsleiden ist die Künstlerin Ingrid Olssen, die für ihren ausschweifenden Lebensstil und ihre Unberechenbarkeit bekannt war, in London verstorben. Sie hinterlässt ihr künstlerisches Werk und ihre beiden erwachsenen Töchter Matilda und Nora, die als Kinder unter ihrer Verantwortungslosigkeit und Vernachlässigung gelitten haben.
Zwei Jahre nach ihrem Tod arbeitet der Journalist Richard Taper an einer Biografie über Ingrid Olssen und interviewt dafür eine Reihe von Personen aus Ingrids Umfeld. Darunter ist auch Matilda, der er auf diese Weise näher kommt. Zeitgleich plant Ingrids Managerin und Schwester Karoline eine Ingrid-Olssen-Retrospektive im Museum of Modern Art in San Francisco und hat dazu Nora überredet, ihren Anteil des Erbes zur Verfügung zu stellen. Ingrid hatte ihre Kunst nie verkaufen wollen und hätte auch diese Ausstellung nie gewollt. Nach ihrem Tod sollten alle ihre Gemälde ins Meer geworfen werden. Nora bereut ihre Entscheidung und macht sich nach einem wiederholten Klinikaufenthalt zusammen mit ihrer Schwester Matilda, deren Tochter Beanie und Ingrids Asche im Gepäck auf, um den letzten Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive der älteren Tochter Matilda erzählt. Die gegenwärtige Handlung ist durchzogen von Erinnerungen an die Kindheit und Jugend, die beispiellos erschütternd war. Dazwischen gibt es Auszüge aus Mitschriften für die Biografie, die Richard Taper, ein Bewunderer Ingrids, verfasst.

Ingrid war eine geniale Künstlerin, die neben ihrem künstlerischen Schaffen Aufmerksamkeit durch ihr provokatives Verhalten in der Öffentlichkeit, ihre Drogenexzesse und Eskapaden erlangte. Ihre Kinder wurden zur Nebensache. Mehr als einmal hat sie sie alleingelassen, wobei als Entschuldigung ihre Erkrankung als manisch-depressiv herhalten musste.
Matilda und Nora haben auf unterschiedliche Art gelitten und ihre Leben dementsprechend gestaltet. Als Erwachsene ist ihr Verhältnis angespannt und von der Vergangenheit belastet. Schuldgefühle und unterschwellige Vorwürfe führten zu einem jahrelangen Kontaktabbruch. Erst die Diskussion um Ingrids Biografie und der Umgang mit ihrem Vermächtnis führt die beiden wieder zusammen.

Das Buch handelt von toxischen Familienverhältnissen, einer Mutter, die unfähig war, sich um ihre Töchter zu kümmern und einem abwesenden Vater. Die Erinnerungen Matildas sind erschütternd und machen wütend. Die Interviews, die Richard führt, ergänzen das Persönlichkeitsbild Ingrids - einer Künstlerin zwischen Genie und Wahnsinn.

Die Beschreibungen lassen einen fassungslos zurück und wirken dennoch authentisch. Durch die empathische und lebendige Schreibweise sowie die feine Charakterzeichnung werden die Figuren, ihre Erlebnisse, Gefühle und daraus resultierenden Handlungen leicht vorstellbar. Matilda ist als Mutterersatz im Teenageralter überfordert und später voller Schuldgefühle, nicht genug getan zu haben und voller Angst um die Gesundheit ihrer Schwester. Nora scheint als Performancekünstlerin in die Fußstapfen ihrer Mutter zu steigen und hat mit psychischen Problemen zu kämpfen, die gleich mehrfach in Selbstmordversuche mündeten.

Der turbulente Roadtrip sorgt hingegen für Leichtigkeit, für eine Annäherung der entzweiten Schwestern sowie für einen Abschied von der Mutter, der einer Entsorgung von Ballast gleichkommt.

"Girls" ist eine facettenreiche Geschichte über eine ungewöhnliche, denkwürdige Familie, über beschädigte Beziehungen und die Auswirkungen einer traumatischen Vergangenheit. Trotz aller Wut, Traurigkeit und Fassungslosigkeit, die die Geschichte auslöst, fehlt es ihr nicht an humor- und hoffnungsvollen Aspekten durch einen Ausblick auf Heilung und Versöhnung.

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Spannende und hochdramatische Familiengeschichte vor dem Hintergrund des Schweigens der Kriegsgeneration

Die Verlorene
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Als Lauras Großmutter Änne stürzt und anschließend bewusstlos im Krankenhaus liegt, findet Laura in deren Wohnung eine Kiste mit Erinnerungen aus der Zeit in Schlesien, wo Änne aufgewachsen ist. Ein altes ...

Als Lauras Großmutter Änne stürzt und anschließend bewusstlos im Krankenhaus liegt, findet Laura in deren Wohnung eine Kiste mit Erinnerungen aus der Zeit in Schlesien, wo Änne aufgewachsen ist. Ein altes Foto wirft dabei Fragen auf, die auch Lauras Mutter Ellen nicht beantworten kann. Zeit ihres Lebens hatte Änne über die Flucht aus Schlesien geschwiegen und keine Erklärung dafür, warum sie die einzige ist, die von ihrer Familie übriggeblieben war.
Laura, die gerade vor einem neuen Lebensabschnitt steht, beschließt, nach Schlesien zu dem Gutshof zu fahren, wo ihre Mutter geboren ist. Sie hofft dort noch jemanden zu finden, der die Familie kannte und ihre Fragen beantworten kann, die sie nun Änne nicht mehr stellen kann. Sie begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit in die 1940er-Jahre, als Deutschland an allen Fronten Kämpfte, Schlesien von direkten Kampfhandlungen jedoch verschont blieb. Auch wenn Familien dennoch Verluste zu beklagen hatten, wurden die Auswirkungen des Krieges besonders spürbar, als die Front der Russen immer näher rückte und sich auch die Kräfteverhältnisse auf dem Gutshof umkehrten.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und wird überwiegend aus einer weiblichen Perspektive geschildert. Die Vergangenheit handelt im Zeitraum von 1941 bis 1947 auf dem Pappelhof in Schlesien, wo Änne geboren und aufgewachsen ist. Änne galt als Problemkind, aber es war die Ankunft eines russischen Zwangsarbeiters im Jahr 1943, die alles veränderte.
In der Gegenwart macht sich Laura auf eine Spurensuche, nähert sich dabei ihrer Mutter an und versucht zudem eine Versöhnung zwischen ihrer Mutter und ihrer Großmutter herbeizuführen. Ungeahnt wird ihre Reise zu einer Suche nach den Wurzeln und der eigenen Identität.

Durch den unregelmäßigen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit wird sukzessive eine unglaubliche Familiengeschichte aufgedeckt, die für anhaltende Spannung sorgt, was 1943 passieren und was Laura über 70 Jahre später herausfinden wird. Erst allmählich wird klar, was sich in den Kriegsjahren auf dem Gutshof in Schlesien ereignet hat, das so traumatisch war, dass Änne nie mit ihren Angehörigen darüber sprechen konnte und wollte.

Die detailgetreuen Schilderungen sind erschütternd und bewegend und trotz ihrer Dramatik authentisch. Durch die lebendige Erzählweise hat man nicht nur den Gutshof in den Kriegsjahren und im Jahr 2019 in umgebauter Form klar vor Augen, sondern kann sich auch sehr gut in die handelnden Personen und ihre Gefühle hineinversetzen und ihre innere Zerrissenheit nachvollziehen.

Es ist eine Geschichte über das Schweigen der Kriegsgeneration, über schwierige Mutter-Tochter-Verhältnisse, über Eifersucht und die mangelnde Fähigkeit, Loslassen zu können. Teil des Romans ist zudem eine tragische Liebesgeschichte, die jedoch von dem Auseinanderfallen einer ganzen Familie überlagert wird.
Auf einfühlsame Weise erzählt Miriam Georg eine spannende und hochdramatische Geschichte vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, die von ihrer eigenen Familiengeschichte inspiriert ist und auch deshalb nachdrücklich bewegt, zumal die Aspekte von Flucht, Vertreibung und Heimatverlust in einer unruhigen Welt zeitlos sind.

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Noch spannender als Band 1 - Spektakuläre Serienmorde lassen die Ermittler genauso wenig ruhen wie die Dämonen der Vergangenheit

Schwüre, die wir brechen
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In Malmö ist ein Serientäter am Werk, der seine Opfer wie ägyptische Totengötter in Szene setzt und mit Hieroglyphen rätselhafte Botschaften hinterlässt. Kommissar Nordh nimmt nur widerwillig zusammen ...

In Malmö ist ein Serientäter am Werk, der seine Opfer wie ägyptische Totengötter in Szene setzt und mit Hieroglyphen rätselhafte Botschaften hinterlässt. Kommissar Nordh nimmt nur widerwillig zusammen mit seiner jüngeren Kollegin Svea Karhuu die Ermittlungen auf, nachdem er sich erneut auf einen Deal mit seiner Vorgesetzten eingelassen hat. Nach Nordhs Empfinden handelt es sich beim Täter um einen Psychopath, was die Ermittlungen nicht nur aufgrund des zu befürchtenden Medieninteresses vor Herausforderungen stellt.
Als eine Jugendliche entführt wird und ein Bekennerschreiben eingeht, spekuliert die Presse, dass es sich um einen militanten Ökoterroristen handelt. Nordh gerät weiter unter Druck, aber nach einem dritten Todesopfer können die Hieroglyphen entschlüsselt werden und verdichten die Hinweise auf einen Täter, der zum erstellten Profil passt.

"Schwüre, die wir brechen" ist nach "Tode, die wir sterben" der zweite Band von "Tatort Malmö" des schwedisch-deutschen AutorInnen-Duos.
Der Fall mit den bizarren Leichenfunden handelt zehn Monate nach Band 1 und ist wieder wechselnd aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren Jon Nordh und Svea Karhuu geschrieben.
Zum Verständnis ist ein Vorwissen aus dem Auftaktband nicht unbedingt notwendig, denn die Charaktere mit ihrer jeweils belastenden Vergangenheit werden ausreichend eingeführt. Nordh ist weiterhin dabei, seinen persönlichsten Fall um den rätselhaften Unfalltod seiner Ehefrau aufzuklären, während Svea aufgrund der Tatsache, dass sie in einem Undercover-Einsatz in Notwehr einen Kollegen getötet hat, bedroht wird.

Der Krimi liest sich aufgrund der Rückblenden in die Vergangenheit Ende 1970er bis in die 1980er-Jahre, die Hinweise auf den Täter geben und die brutale Vorgehensweise und spektakuläre Inszenierung der Leichen wie ein Thriller.
Durch immer neue Hinweise und die schnell aufeinanderfolgenden Morde ist der Roman dynamisch und hält Ermittler wie Leser in Atem. Der Bezug zum alten Ägypten, zur ägyptischen Mythologie und die Interpretation der Bedeutung für den Fall ist zunächst rätselhaft, aber klug und originell gewählt.
Darüber hinaus ist die klassische Ermittlerarbeit authentisch dargestellt und gibt mit dem Kompetenzgerangel und Profilierungsneigung mancher Figur einen sehr guten Einblick in die Strukturen der Sicherheitsbehörden.
Wie auch in Band 1 ergänzen sich der verbitterte Witwer und erfahrene Kommissar Nordh und die strafversetzte, instinktgesteuerte Kommissarin Karhuu mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten, Ansichten und Erfahrungswerten perfekt und sind als Team inzwischen gelungen zusammengewachsen. Trotz ihrer Unterschiede gleichen sie sich in ihrem Mut und Kampfgeist - und weichen mit ihren Alleingängen schon einmal von den Formalien ab.

Auch wenn die/ der LeserIn durch die Rückblenden einen Wissensvorsprung gegenüber den Ermittlern hat und frühzeitig klar ist, dass der Täter von seiner Vergangenheit geprägt ist und ein sehr persönliches Motiv bei seinen Morden verfolgt, ist der Roman ohne Längen durchgehend spannend und aufgrund der besseren Nachvollziehbarkeit der Zusammenhänge der einzelnen Spuren und Aufklärung der Taten noch eine Steigerung zu dem ersten gemeinsamen Fall.
Die Dämonen der Vergangenheit lassen die beiden Hauptfiguren nicht ruhen, nehmen in Band 2 spektakuläre Wendungen, sind aber noch längst nicht zufriedenstellend aufgeklärt. Nicht nur deshalb bin ich jetzt schon sehr gespannt auf Band 3 "Opfer, die wir bringen", der voraussichtlich im Herbst 2026 erscheinen wird.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Origineller, wendungsreicher Thriller um die Suche nach Wahrheit und Herstellung von Gerechtigkeit

Eine vorbildliche Tochter
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Die aus dem Fernsehen bekannte Investigativjournalistin Camila Jones hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und versucht sich gerade mit ihrem Vorruhestand anzufreunden, als der Lokaljournalist ...

Die aus dem Fernsehen bekannte Investigativjournalistin Camila Jones hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und versucht sich gerade mit ihrem Vorruhestand anzufreunden, als der Lokaljournalist Tim Doherty sie bittet, sich einem in seinen Augen ungeklärten Kriminalfall zu widmen. Vor zehn Monaten soll sich die 14-jährige Schülerin Sophia von einer Brücke gestürzt haben. Die Polizei geht von einem Selbstmord aus, wohingegen ihre Eltern und Freunde sich einen Suizid der hochintelligenten Schülerin nicht vorstellen können.
Tim und Camila vermuten einen Zusammenhang ihres Verschwindens mit einem Video, das ihre Freundin Janice in einer beschämenden Situation zeigt und in der Schule viral gegangen ist. Der Junge, der das Video aufgenommen hat, wurde zwei Monate nach ihrem Verschwinden tot aufgefunden und Janices Bruder als Tatverdächtiger verhaftet.

Erst verschwindet die Tochter spurlos oder soll Suizid begangen haben und Monate später stürzt ihre Mutter vom Balkon und liegt im Koma. Für die beiden Journalisten kann dies kein Zufall sein und der Arbeitseifer der bekannten Fernsehjournalistin ist wieder geweckt.

Der Thriller handelt auf mehreren Zeitebenen, wobei der Fokus in der Gegenwart auf den Recherchen von Camila Jones liegt, die den Ermittlungen der Polizei nicht traut und die Wahrheit hinter den Ereignissen der letzten Monate in Hawkmoon herausfinden möchte.
Die Vergangenheit geht mehrere Monate zurück und erzählt, was sich vor Sophias Verschwinden in einer Clique von Jugendlichen ereignet hatte, ohne zu offenbaren, was tatsächlich ursächlich für Sophias Verschwinden ist und die Frage zu klären, ob sie noch am Leben ist. Es geht um die erste Liebe und die Dynamik, die sich unter den Freunden entwickelt.
Beide Erzählebenen ergänzen sich und geben mehr Details über eine Kette von Handlungen preis, die bis zu einem Mord geführt haben.
Ab der Hälfte des Romans wird die Geschichte um eine weitere Perspektive ergänzt, die neue Fragen aufwirft.

Als Leser(in) hat man gegenüber den Journalisten einen Wissensvorsprung, was die Spannung jedoch nicht mindert. Geht man anfangs noch von der Eskalation von Streitigkeiten unter Jugendlichen aus, wird das Ausmaß der Machenschaften in der Kleinstadt, wer die Strippen dort zieht und welche Verbrechen sich dort ereignen, erst allmählich offensichtlich.

Der Thriller ist originell aufgebaut und sorgt durch den Wechsel aus gegenwärtigen und vergangenen Ereignissen für zahlreiche Mini-Cliffhanger, die "Eine vorbildliche Tochter" zu einem Pageturner machen.
Die Journalisten stehen in eine Wespennest unvorstellbaren Ausmaßes. Camila lässt sich weder leichtfertig mit Aussagen abspeisen noch sich von den Strippenziehern im Ort einschüchtern.
Die Geschichte ist durch immer neue Enthüllungen wendungsreich und spannend, wobei es immer komplexer wird, am Ende alle Puzzleteile zusammenzufügen. Es geht um die Herstellung von Gerechtigkeit, wobei die Helden zumal unkonventionelle Wege gehen.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Symbolträchtige, zartfühlende Geschichte über zwei Verlorene, die sich finden - auf leise Art mitreißend und berührend

Weil es nicht anders sein kann
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Addie lebt zusammen mit ihrer Mutter auf der kleinen Insel Rokesby im Nordwesten Englands, wo sie ein Retreat für Frauen betreiben. Das Geschäftsmodell mit Yoga, Wellness und Meditation ist ein langgehegter ...

Addie lebt zusammen mit ihrer Mutter auf der kleinen Insel Rokesby im Nordwesten Englands, wo sie ein Retreat für Frauen betreiben. Das Geschäftsmodell mit Yoga, Wellness und Meditation ist ein langgehegter Traum ihrer Mutter und Addie ordnet sich gefügig unter. Innerlich brodelt es in ihr und sie spürt, dass sie vom dort weg muss, um ihr eigenes Leben zu leben.
Sol trauert um seine verstorbene Mutter und wandelt auf ihren Spuren. Er möchte alle "dünnen Orte" besuchen, wo sich Himmel und Erde berühren, wie sie es ihm beschrieben hat. Er beginnt seine Reise mit der Insel Ora, die über eine Brücke bei Ebbe mit Rokesby verbunden ist. Dort begegnet er Addie, die einen traurigen Eindruck auf ihn macht. Die beiden fühlen sich voneinander angezogen und nähern sich zaghaft und schüchtern an. Beiden fällt die soziale Interaktion mit anderen schwer, sie sind stark verunsichert und voller Selbstzweifel.
Als Sol Addie aufs Festland bringt, trennen sich ihre Weg aufgrund unglücklicher Umstände. Sie wissen nicht, wie sie einander wiederfinden können und gehen wieder getrennter Wege. Doch die Hoffnung auf ein Wiedersehen bleibt - weil es nicht anders sein kann.

Der Roman ist in einem schnellen Wechsel aus den Perspektiven von Add
ie und Sol geschrieben. Beide Charaktere sind fein gezeichnet und fallen durch ihre besondere Art auf. Sie haben eine bewegte Vergangenheit und schlechte Erfahrungen in ihren Elternhäusern gesammelt, mangele Anerkennung erhalten und stecken voller Ballast. Ihre schüchterne Art zieht sie gegenseitig an und so bauen sie ganz zaghaft eine Beziehung zu einander auf.

Die Geschichte entwickelt sich über mehr als zwei Jahre hinweg und ist in Bezug auf die Liebe von Sol und Addie von einer andauernden Distanz geprägt. Es ist schwierig ihre beiden Leben zu verbinden, nachdem beide Abnabelungsprozesse hinter sich haben und sich neu formieren mussten. Dazu kommt, dass Addie Angst vor weiteren Verlusten und damit Angst vor Bindung hat.

Der Roman ist stark charaktergesteuert und sehr empathisch und einfühlsam geschrieben. Die beiden Hauptfiguren wirken zunächst mit ihren Eigenarten und ihrer mangelnden Fähigkeit der sozialen Interaktion gehemmt und verschroben, gleichzeitig aber sehr authentisch. Es sind Außenseiter, die noch ihren Platz im Leben finden müssen. Die allmähliche Entwicklung zu mehr Mut und Selbstvertrauen ist nachvollziehbar geschildert.

Die Liebe zwischen den beiden ist spürbar, aber dennoch besteht eine andauernde Unsicherheit, ob Liebe allein ausreicht. Es ist fraglich, ob sie ihren "Papageientaucherpakt", der so viel Vertrauensvorschuss und Wartezeit erfordert, halten können oder ob sie einen andauernden gemeinsamen Weg finden werden. Es erfordert Mut, Risiken einzugehen und Verletzungen in Kauf zu nehmen.

Aufgrund der besonderen, sensiblen Charaktere ist "Weil es nicht anders sein kann" eine bezaubernde Geschichte über dysfunktionale Familien, die Prägung von Erziehung, über Geringschätzung und Verlust, aber auch über Liebe, Trost und Hoffnung, die metaphorisch und symbolträchtig geschrieben ist und auf ihre leise, zärtliche Art berührt.
Dem Roman können ganz viele kluge Sätze und Weisheiten über das Leben und Beziehungen entnommen werden, die zum Nachdenken anregen und erkenntnisreich sind.

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