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Veröffentlicht am 04.08.2025

Dieses Buch ist alles andere als ein Superbuch

Nenn mich einfach Superheld
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Alina Bronsky ist in den vergangenen Jahren durch ihre witzig-bösen Romane bekannt geworden. Dieses etwas ältere Werk von 2013 ist davon meilenweit entfernt. In der abstrusen Geschichte hangelt sich der ...

Alina Bronsky ist in den vergangenen Jahren durch ihre witzig-bösen Romane bekannt geworden. Dieses etwas ältere Werk von 2013 ist davon meilenweit entfernt. In der abstrusen Geschichte hangelt sich der jugendliche Protagonist, dessen Gesicht von einem Rottweiler, ein Jahr bevor die Handlung einsetzt, zerfetzt wurde, von einer Pseudo-Selbsthilfegruppe für behinderte Jugendliche, zu Gruppenausflug, zu Beerdigung. Viel besser lässt sich die Handlung nicht zusammenfassen, denn es hat den Anschein, als ob sich gar nicht erst die Mühe gemacht wurde, einen anständigen Plot zu entwerfen. Da ich niemandem das "Lesevergnügen" spoilern möchte, bleibt es bei dieser skizzenhaften Handlungsbeschreibung. Aber keine Angst, viel mehr gibt es auch gar nicht zu berichten.

Dem Buch mangeltes es an Vielem und das hinten und vorne. Der Plot ist, wie gesagt, nicht existent bzw. ergibt keinen Sinn, die Figuren sind flach bis gar nicht entworfen, die Beziehungen untereinander entbehren jeder Tiefe. Keine der Figuren und deren Verhalten nehme ich der Autorin ab. Keine der Beschreibungen im Klappentext trifft auf dieses Buch zu: "Rasend komisch und herzzerreißend, traurig, niemals weinerlich, aber immer wieder herrlich böse." Böse ist allenfalls das Cover des Buches. Auf den ersten Blick weckt es das Interesse, auf den zweiten und mit Blick auf die Geschichte, in der mehrfach ein Rottweiler als "Übeltäter" erwähnt wird, entpuppt sich selbst das Cover als Pfusch. Auf selbigen sieht man nämlich einen American Staffordshire Terrier in der Silhouette. Und nicht nur dort, auch am Anfang jedes Kapitels. Problem: 1. Es ist kein Rottweiler, 2. Es bedient das Klischee des gefährlichen Kampfhundes "Staff". Schade.

Insgesamt fragt man sich bei der Lektüre, ob die Autorin einfach nur auf den "The Fault in Our Stars"-Zug ein Jahr nach dessen Veröffentlichung in 2012 mit einem humoristischen, deutschsprachigen Pendant aufspringen wollte. Als einzigen Pluspunkt für das Buch ist mir nach längerem Überlegen lediglichzusammenaddiert die beiden "Halbpunkte" eingefallen, dass ich bei der Lektüre nicht eingeschlafen bin (immerhin) und innerhalb von einem Tag durch war (ebenso immerhin).

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Welches Ziel verfolgt die Autorin damit?

Hingabe
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In dieser "außergewöhnlichen Liebesgeschichte" (nicht meine Worte) beschreibt die Autorin, wie eine sehr junge, infantil wirkende Frau mit Missbrauchsvorerfahrungen aus einem Heim flüchtet, um auf dem ...

In dieser "außergewöhnlichen Liebesgeschichte" (nicht meine Worte) beschreibt die Autorin, wie eine sehr junge, infantil wirkende Frau mit Missbrauchsvorerfahrungen aus einem Heim flüchtet, um auf dem Weg ans Meer vergewaltigt zu werden, nur um in ihrem neuen Wohnort in Galicien erneut vergewaltigt zu werden und in eine nicht gleichberechtigte Partnerschaft mit einem der Vergewaltiger zu rutschen. Das Ganze nennt sich dann "Liebe".

Entschuldigt diese platte Zusammenfassung, aber was soll man dazu sagen? Die Autorin schockiert in ihrem Roman, den sie in 15 Tagen im Zug runtergeschrieben hat (dies merkt man dem literarischen Niveau an), mit derber Sprache und noch derberen Vergewaltigungsszenen, die wie ein Rape Porn anmuten. Dabei wird die Figur der "Frau" Suiza durchgängig kindlich, mädchenhaft dargestellt und verdreht dem Spanier Tomàs mit ihren "Babyzähnchen" ungewollt den Kopf. Diese ständige Gleichsetzung von Niedlichkeit und Kindlichkeit mit Sexiness ekelte mich beim Lesen regelrecht an. Es gibt durchaus Romane, aus denen eine ähnliche Konstellation bekannt ist. Aber warum ist es hier ein Armutszeugnis des literarischen Werks? Weil die Autorin leider keinen Rahmen den Leser*innen anbietet, in dem das Gelesene richtig eingeordnet werden kann. Alles wirkt so, als ob Vergewaltigung nur grober Sex sei und es ganz natürlich, dass das Mädchen dabei ihr Einverständnis gibt, indem sie nicht "nein" sagt. Dies kreide ich der Autorin massiv an. Hier wird die Grenze, was legitim in einer sexuellen Beziehung ist und was nicht, nicht deutlich genug gezogen. Mit Erotik hat das Beschriebene übrigens nicht im Geringsten etwas zu tun.

Der männliche Part dieser Geschichte wird durch die Ich-Erzählstimme von Tomàs eindeutig zu stark in den Fokus gerückt. Suizas Stimme hört man nur selten im Buch und dies auch leider ohne ausreichend das Erlebte einzuordnen. Im Mittelteil verschwindet ihre Stimme fast vollkommen. Hier hätte aus meiner Sicht das größte Potential des Romans gelegen, nämlich in der Ausformung eines Verständnisses für erlerntes Opferverhalten und Abhängigkeiten.

Auch wenn die beiden Hauptfiguren mit Tomàs und Suiza in ihrem Verhalten am Schluss konsistent und kongruent konstruiert wirken, so bleiben die Nebenfiguren leider nur holzschnittartig-stereotypen und verstaubten Vorstellungen unterworfen.

Allein das Ende dieses Romans, welches hier natürlich nicht verraten werden soll, hat mich in meinem abschließenden Urteil etwas milder gestimmt. Die im Klappentext bereits genannte "radikale Entscheidung" passt in ihrer Härte zu Tomàs' Figur. Leider reicht dies nicht aus, um in meinen Augen dieses Buch zu retten. Daher gibt es an dieser Stelle keine Leseempfehlung von meiner Seite. Zu wenig (gar keine) Trennschärfe zwischen Sex und Vergewaltigung; Hingabe und Nötigung; Liebe und Abhängigkeit. Das ist nicht erotisch sondern gefährlich!

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Leider eine redundante Veröffentlichung

Als die Welt stehen blieb
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Das ist ja alles ganz nett... oder eben furchteinflößend. Trotzdem bedarf es dieser Tagebucheinträge einer Autorin in der Schreibblockade nicht in einem Buch veröffentlicht. Lunde sammelt in diesem Büchlein, ...

Das ist ja alles ganz nett... oder eben furchteinflößend. Trotzdem bedarf es dieser Tagebucheinträge einer Autorin in der Schreibblockade nicht in einem Buch veröffentlicht. Lunde sammelt in diesem Büchlein, welches offziell 223 Seiten umfasst, kurze tagebucheintraghafte Gedanken zu den ersten 18 Tagen des Corona-Lockdowns im März 2020 in Norwegen.

Die durchaus sehr persönlichen Gedanken lesen sich schnell runter und können ab und an auch mal berühren. Größtenteils handelt es sich jedoch um Erfahrungen, die so ziemlich jeder im vergangenen Jahr machen musste. Es fehlt der literarische Anspruch im Text, um einen Mehrwert zu den sowieso schon zuhauf im Internet, in Sondersendungen und anderen Medien veröffentlichen Beiträgen zu erbringen. Auch wurde das Buch ganz schön stark künstlich gestreckt. Ohne ersichtlichen Grund ist der Satz der Absätze auseinandergezogen, werden einzelne Absätze alleinstehend auf ansonsten blanken Seiten präsentiert. So erreicht der Stoff für maximal 100 betruckte Seiten gleich mal den Umfang von 223. Würde man dann noch die obsoleten Alltagsbeschreibungen zusammenstreichen, käme man auf vielleicht 50 wertvolle Seiten.

Diese 50 herunterdestillierten Seiten haben sicherlich ihre Berechtigung, würden jedoch mit etwas mehr Abstand zur Corona-Pandemie ein besseres Zeitzeugnis abliefern. Zum jetzigen Zeitpunkt bzw. zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im September 2020 kommt dieses Buch jedoch zu früh. Wirkt überzogen in der Furcht im Blick auf die weiteren Entwicklungen und vielleicht noch bevorstehenden Entwicklungen dieser Pandemie.

Für zwei statt nur einem Stern habe ich mich deshalb entschieden, da die Autorin mich doch ein zwei, drei Stellen kurz emotional packen konnte, wobei ich nicht einmal sagen kann, ob dies mit mehr zeitlichem Abstand überhaupt noch so sein würde. Leider ein vernachlässigbares Buch, was eher als Notveröffentlichung in einer Schreibblockade wirkt.

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Veröffentlicht am 24.12.2024

Mir konnte das Büchlein nichts geben

Fuchs 8
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Dieses 56 Seiten dünne Büchlein wurde Anfang 2020 von der Literaturkritik in den Himmel gelobt. Die innovative Idee einer menschlichen Sprachaneingung durch einen Fuchs, die moralische Verrohung der Menschen, ...

Dieses 56 Seiten dünne Büchlein wurde Anfang 2020 von der Literaturkritik in den Himmel gelobt. Die innovative Idee einer menschlichen Sprachaneingung durch einen Fuchs, die moralische Verrohung der Menschen, witzige Szenen/Formulierungen etc. Das waren damals (im Groben) die Punkte des Lobes.

Ganz ehrlich: Hier hat ein Booker Prize-Preisträger ein Kinderbuch geschrieben, welches vor 40 Jahren in Form von "Als die Tiere den Wald verließen" schon einmal geschrieben wurde. Nur diesmal halt aus Sicht des Fuchses erzählt, in einer kindlichen Sprache, da er sich die Menschensprache selbst aneignete. Zusätzlich gibt es noch bereits hunderte von Malen wiederholt erhobene Zeigefinger, was der Mensch alles seiner Umwelt antut. Witz finde ich gar nicht im Text. Es tut mir ja leid (deshalb vor allem, da mir "Lincoln im Bardo" so gut gefallen hat), aber ich kann rein gar nichts mit diesem Buch anfangen. Vielleicht ist meine Verehrung für "Als die Tiere den Wald verließen" aus Kindheitstagen einfach zu groß und die Message schon damals angekommen.

Veröffentlicht am 27.10.2023

Sonderzug nach Steglitz, oder wie war das?

Steglitz
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Wäre in diesem Roman, der nicht nur im Berliner Stadtteil Steglitz spielt, sondern sogar nach ihm benannt ist, wenigstens ein Stieglitz aufgetaucht, hätte ich ihm vielleicht etwas abgewinnen können. So ...

Wäre in diesem Roman, der nicht nur im Berliner Stadtteil Steglitz spielt, sondern sogar nach ihm benannt ist, wenigstens ein Stieglitz aufgetaucht, hätte ich ihm vielleicht etwas abgewinnen können. So bleibt leider wenig bis gar nichts übrig, was mich von diesem Roman-Experiment überzeugen hätte können.

Gleich vorweg: Es handelt sich um einen Roman, der ständig zwischen surrealem Erleben und der (vielleicht) Realität hin und her schwankt. Dementsprechend schwer wird es jetzt für mich, die „Handlung“ kurz zusammenzufassen. Also, es wird alles vage bleiben und ich erhebe keinerlei Anspruch auf Korrektheit!

Leni Müller ist mit Ivan verheiratet und lebt in Steglitz in der Markelstraße. Sie geht einem rigiden Tagesablauf nach, indem sie als reine Hausfrau den Tag über mit kleinen Erledigungen durch das Viertel streift und ansonsten vollkommen unselbstständig an ihrem Mann hängt. Als ihr Mann zu einer Dienstreise aufbricht und angeblich nicht zurückkehrt, wird sie von ihrem Bruder in einer zwielichtigen Spelunke einquartiert. Es passieren immer merkwürdigere Dinge, die irgendwie mit ihren Erlebnissen aus der Kindheit verbunden zu sein scheinen. Ähm… und irgendwann erreichen wir das Ende des Romans. So oder so ähnlich könnte man den Roman, den man sich am besten von David Lynch verfilmt vorstellt, zusammenfassen.

Also wer David Lynch Fan ist, oder gar „Weiße Nacht“ von Bae Suah mochte, könnte Gefallen an diesem merkwürdigen Experiment finden. Ich musste mich unglaublich überwinden den Roman überhaupt zu Ende zu lesen. Zu häufig (gefühlt in jedem zweiten Satz) droppt die französische Autorin, die während des Verfassens des Romans in Steglitz während der Corona-Pandemie lebte, irgendwelche Straßennamen, die einer Person, die dort nicht lebt, überhaupt nichts sagen und nur stören. Eine Atmosphäre, die typisch für diesen Stadtteil sein könnte, schafft sie dabei nicht heraufzubeschwören. Daneben geschehen, wie gesagt, surreale „Dinge“, die aber meines Erachtens nach nicht zu einem Ganzen sinnvoll zusammengeführt werden. Vielleicht ist ja auch das genau das Wesen von surrealen Werken. Aber es ist nicht meins, denn das Verhalten der Protagonistin ist psychologisch nicht fundiert nachvollziehbar und bewegt sich bis kurz vor Schluss in einem unsteten, luftleeren Raum. Nur vage könnte man nach Beenden des Romans erahnen, was mit der Protagonistin los ist.

Stilistisch kann ich weder etwas Positives für noch gegen die Schreibe der Autorin sagen. Was vielleicht das langweiligste Urteil überhaupt sein kann. Ja, Bayard kann grammatikalisch richtige Sätze formulieren. Aber diese reißen nie vom Hocker, bieten nie etwas Besonderes, über das man sich literarisch freuen könnte.

Eine Stelle habe ich mir auf Seite 54 markiert, die so ziemlich mein Lektüreerlebnis festhält:

„Christians Erzählung, so schlimm sie auch gewesen sein mochte, hatte sie nicht berührt, nur zutiefst gelangweilt. Sie erkannte, dass sie ihm aus reiner Höflichkeit zugehört und dass die Schilderung seiner harten Prüfungen in ihr nichts als Gleichgültigkeit geweckt hatte.“

So erging es mir mit diesem Roman leider auch. Ich habe aus reiner Höflichkeit und Verpflichtung, da es sich um ein Leseexemplar handelt, weitergelesen. Mich konnte der Roman weder abholen noch irgendwohin mitnehmen. Erst recht nicht nach Steglitz. Ich habe durch den Stil keinerlei Interesse an den Figuren, ihrer Geschichte noch ihren psychischen Zuständen (und das will etwas heißen!) entwickeln können.

Damit ist dieser Roman, dem ich leider so gar nichts abgewinnen konnte, bisher mein persönlicher Flop des Jahres, was nicht für alle Leser:innen gelten muss. Wer sich also heranwagt, hat meinen vollen Respekt und soll dies gern tun. Ich werde zukünftig hingegen einen großen Bogen um die Autorin machen und biege dafür vor der Markelstraße an der Lepiusstraße ab, gehe auf die Schildhornstraße, meide aber den Sportplatz Schildhornstraße indem ich auf die Gritznerstraße abbiege und über die Buggestraße zum Breitenbachplatz gelange. Dort setze ich mich in die U-Bahn bis zur Endhaltestelle Krumme Lanke und verlasse erleichtert Berlin über Zehlendorf ins Umland.

1,5/5 Sterne

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