Profilbild von tinstamp

tinstamp

Lesejury Star
offline

tinstamp ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit tinstamp über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Blick hinter die Kulissen der Olympiade 1936

Berlin 1936
0

Meine Meinung:
Pünktlich zum Beginn der Sommerolympiade in Rio habe ich ein Buch über eine andere Olympiade, die genau achzig Jahre zuvor stattgefunden hat, gelesen. Damals wurde das Bild eines Wettstreites ...

Meine Meinung:
Pünktlich zum Beginn der Sommerolympiade in Rio habe ich ein Buch über eine andere Olympiade, die genau achzig Jahre zuvor stattgefunden hat, gelesen. Damals wurde das Bild eines Wettstreites gezeigt, der sich nicht nur um Medaillen drehte, sondern der das damalige Deutschland alles andere als judenfeindlich und betont weltoffen zeigen sollte. Es geht um die Sommerolympiade in Berlin 1936, wie uns der Titel bereits verrät.
Der Sport steht allerdings nicht im Vordergrund, denn Oliver Hilmes lässt uns in seinem Buch hinter die Kulissen schauen. Er erzählt in einer Zeitspanne von sechzehn Tagen über diverse Einzelschicksale während der Olympiade zur Zeit des beginnenden Nationalsozialismus. Dabei behandelt er diese Schicksale völlig unbekannter Personen genauso, wie die von bekannten Personen, die in der Öffentlichkeit stehen.

Das Buch ist in genau sechzehn Abschnitte gegliedert, die die Tage vom 1. bis zum 16. August dokumentieren. Ein schwarz-weiß Foto auf der Vorderseite, danach ein kurzer Wetterbericht des Reichswetterdienstes und im Anschluss erzählt Hilmes das Geschehen des Tages aus Sicht verschiedener Personen. Das können Berühmtheiten wie Leni Riefenstahl sein, die die Olympischen Spiele erstmals aus einer ganz anderen Sichtweise filmen möchte und dabei ungewollt Hindernisse für die Sportler aufstellt oder kurze Sequenzen aus dem Leben ganz normaler Menschen wie du und ich. Aber auch die teilnehmenden Sportler kommen nicht zu kurz, allen voran der Amerikaner Jesse Owens, der die Olympiade dominiert. Hitler ist darüber alles andere als erfreut und erregt sich am schwarzen Läufer, den er als wilden "Dschnugelmenschen" bezeichnet und nicht mit der weißen (Herren-)Rasse gleichsetzt.
Einige Personen begleiten wir immer wieder durch diese sechzehn Tage, wie den US-Autor Thomas Wolfe, den Verleger Ernst Rowohlt oder den Barbesitzer Leon Henri Dajou.

Göring, Hitler und Goebbels verfolgen die Spiele auf der Tribüne und zeigen sich abends bei diversen Festen und Ehrungen, während sie bereits den Krieg planen und die ersten Menschen abtransportieren lassen. Dies wird in kleinen Abschnitten genauso erzählt, wie die Barbesuche der ausländischen Gäste. Tagebucheinträge von Jospeh Goebbels vervollständigen die Sicht auf die Spiele.
Man erkennt, wie Hitler und seine Leute nicht nur die Deutschen geschickt manipulieren konnten, sondern auch das ausländische Publikum, sogar Menschen, die voller Skepsis angereist sind und Hitler eher negativ gegenüber standen. Wie gewaltig und beeindruckend hier die gesamte Organisation zum Einsatz kam und was sich hinter den Kulissen alles abspielte, ist oft nur zu erahnen. Aber Propaganda für das eigene Land bei wichtigen Großveranstaltungen gab es nicht nur damals, sondern wird auch heutzutage noch genauso gehandhabt.

Ganz zum Ende des Buches als Art Epilog findet man noch ein Kapitel mit der Überschrift "Was wurde aus...?". Hier erfährt der Leser was aus den Menschen geworden ist, über die der Autor in den sechzehn Kapiteln geschrieben hat.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Oliver Hilmes zieht den Leser direkt in das Geschehen und schon befindet man sich in Berlin im Jahr 1936. Obwohl dies ein Sachbuch ist, lebt das Buch von der lebendigen und atmosphärischen Erzählweise des Autors. Oliver Hilmes hat sehr gut recherchiert. Die verschiedenen Schicksale einzelner Personen, die rund um Hitler, Göring und Goebbels eingeflochten sind, machen das Thema etwas leichter und realer.

Fazit :
"Berlin 1936" ist ein lebendiges Sachbuch. Hier wird Geschichte interessant und unterhaltsam erzählt, man darf hinter die Kulissen blicken und dabei hat der Autor auch noch sehr gut recherchiert.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Hoffnung lebt

So wie die Hoffnung lebt
0

Bereits der Beginn des Romans hat es in sich! Nach den ersten Seiten war ich entsetzt, traurig und den Tränen nahe, so zu Herzen ging mir das Schicksal der erst achtjährigen Katie, die innerhalb von ein ...

Bereits der Beginn des Romans hat es in sich! Nach den ersten Seiten war ich entsetzt, traurig und den Tränen nahe, so zu Herzen ging mir das Schicksal der erst achtjährigen Katie, die innerhalb von ein paar Stunden zur Vollwaise wird. Durch den Schock verschließt sich das Mädchen und spricht nicht mehr. Im Kinderheim, ihrem neuen Zuhause nach dem Verlust ihrer Familie, igelt sie sich ein, bis der um einige Jahre älter Jonah dazustößt. Mit seinem außergewöhnlichen Zeichentalent und großen Einfühlungsvermögen gelingt Jonah das, was den engagierten Heimleitern nicht gelungen ist. Er bringt Katie wieder zum Sprechen. Die Beiden verbindet ab diesem Zeitpunkt eine ganz besondere innige Freundschaft, die jedoch jäh endet....
Siebzehn Jahre später sind Jonah's Gedanken noch immer bei Katie, die er seit dem Vorfall damals erfolglos sucht. Milow, der gemeinsame Freund der Beiden, hat es längst aufgegeben Jonah von seiner Suche abzubringen. Doch dieser gibt die Hoffnung nicht auf......

Der Roman ist in zwei Teile geteilt, wobei der erste Abschnitt, aus der Kinder- und Jugendzeit im Kinderheim, in Rückblenden erzählt wird. Der zweite Abschnitt spielt in der Gegenwart und wird im Präsens geschildert. Unsere Hauptprotagonisten sind nach diesen fast zwanzig Jahren bereits erwachsene Menschen.

Der erste Teil des Romans und ganz besonders das erste Kapitel, das von Katies Verlust erzählt, hat mich emotional auf eine Achterbahn der Gefühle geschickt. Ich war geschockt und entsetzt und die Emotionen haben mich überwältigt. Die Autorin versteht es einfach großartig die Gefühlswelt der beiden Protagonisten zu beschreiben, sodass man als Leser in der Geschichte einfach mitlebt bzw. wie hier eben mitleidet. Man spürt diese tiefe Verbundenheit und innige Freundschaft der beiden Jugendlichen, denen sonst niemand mehr geblieben ist. Nur Milow, mit seiner Lockerheit und seinem überschäumenden Temperament, gelingt es der Dritte im Bunde zu werden. Ich habe ihn sofort ins Herz geschlossen. Dabei wird die Geschichte selbst nie kitschig und bleibt realitätsnah.
Auch das Kinderheim und ihre Betreuer, Julius und Tammy, sowie die sehr engagierte Ruby, Mitarbeiterin des Jugendamtes, wurden sehr positiv dargestellt. Alle drei setzen sich sehr für ihre Schützlinge ein. Meistens liest man doch vom Gegenteil....

Die Charaktere sind sehr menschlich und glaubhaft dargstellt - mit all ihren Fehlern. Dadurch wirken sie sehr lebendig. Alle von ihnen sind mir wirklich ans Herz gewachsen und werden sicherlich noch lange in meiner Erinnerung bleiben....
Die Autorin hat in diesem Roman auch das Thema Mutismus aufgegriffen und intensiv dazu recherchiert. Die Leser erhalten einen sehr guten Einblick in diese Kommunikationsstörung.

Nach all den Lobeshymnen zu diesem Roman, fragt ihr euch wahrscheinlich warum ich denn keine 5 Sterne gegeben habe...stimmst's?
Der zweite Teil des Romans, in denen uns Jonah, Katie und Milow als Erwachsene "gegenüberstehen", ist ebenfalls grandios geschrieben, kann jedoch mit dem ersten Abschnitt, der Zeit, die die Drei im Kinderheim verbracht haben, nicht gänzlich mithalten. Dafür findet sich im "Erwachsenenteil" viel mehr Spannung, die immer mehr aufgebaut wird. Das Ende wartet dann mit zwei vollkommen unerwarteten Wendungen auf und ließ mich wiederum entsezt nach Luft schnappen. Es bleibt aber etwas von einem "Bruch", das mich eben dazu veranlässt keine 5 Sterne zu geben, auch wenn mich dieser Roman wirklich sehr beeindruckt hat.

Schreibstil:
Susanne Ernst verfügt über einen sehr emotionalen und bildhaften Schreibstil, der sich wunderbar leicht lesen lässt und in dem man geradezu eintaucht und gar nicht mehr auftauchen möchte, bevor man nicht die letzte Seite inhaliert hat.
Die Protagonisten erzählen abwechselnd aus ihrer Sicht der Dinge in der Ich-Form. So entsteht noch ein viel innigeres Band zu den Jugendlichen. Man hat das Gefühl beide Protagonisten erzählen dem Leser direkt von Angesicht zu Angesicht ihre Geschichte.

Fazit:
Definitiv ein Buch, das man gelesen haben sollte, auch wenn ich nicht die Höchst-Sternezahl vergebe. Wunderbarer emotionaler erster Teil, der mich auf eine Achterbahn der Gefühle geschickt hat ohne kitschig zu werden. Der zweite Teil kann nicht ganz an den ersten anschließen, punktet aber mit Spannung und einigen überraschenden Wendungen. Ein Herzensbuch, das ich gerne weiterempfehle!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wunderbare Geschichte

Die Hüterin der Geschichten
0

Darum geht's:
Jennia Beth Gibbs, genannt Jen, ist Lektorin in einem großen Verlagshaus. Für sie hat sich ihr langgehegter Traum erfüllt, als sie einen Job im kleineren, aber renommierten Verlag Vida House ...

Darum geht's:
Jennia Beth Gibbs, genannt Jen, ist Lektorin in einem großen Verlagshaus. Für sie hat sich ihr langgehegter Traum erfüllt, als sie einen Job im kleineren, aber renommierten Verlag Vida House bekommt. Als ehemalige Sachbuchlektorin ist sie eigentlich nicht für Romane zuständig und doch liegt eines Tages ein altes Konzept zu einer Geschichte auf ihren Tisch. Sie weiß nicht, woher dieses plötzlich kommt, denn im Vida House gibt es den sogegannten "Slash Mountain", ein "Berg" eingesandter Manuskripte, die niemand außer dem Chef persönlich anfassen darf. Als sie zu lesen beginnt, ist sie sofort fasziniert von der wundervollen Geschichte des Melungeon Mädchens Sarra aus den Blue Ridge Mountains. Die Geschichte aus dem 19. Jahrhundert lässt ihr keine Ruhe und sie möchte unbedingt herausfinden, wer der Autor dieses mysteriösen Manuskriptes ist. Doch der Ort in den Appalachen, wo die Erzählung spielt und wo sie auch den Autoren vermutet, liegt nur unweit ihrer ehemaligen Heimat, in die sie nie wieder zurückkehren wollte...So viel zum Inhalt, der sich an und für sich schon richtig toll anhört.

Meine Meinung:
Bücher, die von Buchliebhabern handeln oder Menschen, die mit diesen zu tun haben, sind bei uns Bloggern ganz besonders beliebt. Warum wohl? Weil wir selbst unsere Bücher lieben und hegen und pflegen wie kleine Schätze!
Da ich beim Francke Verlag schon sehr oft wirklich großartige Bücher lesen durfte, stimmte hier für mich alles, um mich für "Die Hüterin der Geschickten" für eine Lovelybooks Leserunde zu bewerben. Und ich war eine der wenigen glücklichen Gewinnerinnen eines Romans, der mich wieder vollkommen überzeugt und der mir sehr gut gefallen hat.

Unsere Hauptprotagonistin Jen kommt aus einem kleinen Ort, der nicht gegensätzlicher zu ihrem jetzigen Wohnort New York sein könnte. In ihrer Heimatgemeinde ist ihr Vater ist das Oberhaupt einer sektenähnlichen Gemeinschaft. Die Frauen dort haben wenig zu sagen und werden schon als Teenager verheiratet. Geld ist kaum vorhanden und die Gegend ist sehr ärmlich. Jen ist eine der wenigen, die es schafft und die "Gemeinschaft der Brüder" verlässt. Sie ist deswegen nicht mehr gern gesehen, aber ihr Geld ist trotzdem äußerst willkommen. Als sie dorthin aufbricht, fühlt der Leser ihren großen Gewissenkonflikt. Sie unterstützt noch immer ihre Geschwister, doch zu ihren Vater hat sie ein äußerst schlechtes Verhältnis. In ihrer Kindheit hat sie kaum Liebe erfahren, denn ihre Mutter hat die Familie verlassen und der Vater und die Großmutter hatten nie ein nettes Wort für Jennia übrig. Sie leben nach der Gemeinschaft und einem Gott, der streng und unerbittlich ist. So ist es verständlich, dass Jen anfangs zögert genau dorthin zurückzukehren. Doch sie ist sich ziemlich sicher, dass der Autor des Manuskriptes Evan Hall ist, der sich nach seinem großen Erfolg als Jungautor total zurückgezogen hat. Hall schottet sich seitdem von seinen Fans ab, gibt keine Interviews und will kein Buch mehr schreiben. Ein harter Brocken für Jen und eine große Herausforderung, besonders da sie den Job erst angenommen hat.

Der Leser erhält ebenfalls Einblicke in das unvollendete Manuskript, das Ende des 20. Jahrunderts spielt und vom Melungeon Mädchen Sarra und dem Anthropologie-Studenten Randolph handelt. Wie sich der junge Mann aus gutem Hause und das junge Mädchen treffen, ist sehr spannend und anschaulich erzählt. Auch erfährt man mehr über die Melungeons, die in den Appalachen leben und die gemischtrassiger Herkunft sind. Sie sollen eine Mischung aus Indianern, Afrikaner und den zugewanderten Europäern sein. Sie haben helle, meist blaue Augen, dunkle Haare und olivfarbene Haut. Die Menschen mieden sie und es gab damals viele böse Gerüchte über diesen unbekannten Volksstamm, vergleichbar mit den Hexenverleumdungen. Im Laufe der Handlung kommen sich Sarra und Rand näher und versuchen gegen all die Anfeindungen der Menschen zu überleben.

"Unsere Geschichten haben Macht. Sie leben, sie sprechen zu uns, sie inspirieren. Sie bewirken Veränderung. Aber sie sind auch zerbrechlich. Ihre Botschaft kann so leicht durch die Zeit oder durch mangelndens Interesse verloren gehen....." -- Seite 373 --

Der einzige kleine Minuspunkt ist der Epilog der Geschichte, der doch ein paar kleine Fragen unbeantwortet lässt. So bleibt aber auch noch ein bisschen Stoff für eine Fortsetzung....

Schreibstil:
Lisa Wingate hat nicht umsonst den Christy Arward 2015 gewonnen. Ihr wunderbarer poetischer und empfindsamer Schreibstil, der sich angenehm lesen lässt, hat mich von Beginn an bezaubert. Auch einige humorvolle Einlagen durch Jen's Hund "Freitag", ein äußerst knurriger Chihuahua, lockerte die Geschichte immer wieder auf, die manchmal (wenn es um Jens Familie ging) ein bisschen bedrückend war. Auch die sehr bildhaften Beschreibungen der Landschaft und der Gegend ist wirklich gelungen. Der christliche Aspekt ist sehr unaufdringlich in die Story eingeflochten.

Fazit:
Ein hervorragender Roman, der zeigt wie wichtig Geschichten und dessen Botschaften sind. Der angenehme Schreibstil und die fesselnde Story ließen mich vollkommen in diesen Roman eintauchen und alles rund um mich vergessen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Toller Reihenauftakt!

Die Nightingale-Schwestern
0

Den ersten Teil dieser Reihe habe ich mir aus der Bücherei ausgeliehen, da ich mir nicht sicher war, ob ich mit der Geschichte etwas anfangen kann. Ich war doch etwas skeptisch, da ich Angst hatte eine ...

Den ersten Teil dieser Reihe habe ich mir aus der Bücherei ausgeliehen, da ich mir nicht sicher war, ob ich mit der Geschichte etwas anfangen kann. Ich war doch etwas skeptisch, da ich Angst hatte eine kitschige Ärztegeschichte vor mir zu haben. Doch das war völlig unbegründet!
Ich bin absolut positiv überrascht von den Nightingale Schwestern, das mir wie eine Mischung aus Downtown Abbey und Greys Anatomy vorkommt. Warum?
Zum ersten Vergleich, weil es in der Zwischenkriegszeit spielt...also ein bisschen später als zu Beginn von Downtown Abbey. Jedoch haben wir es hier auch mit einem zu tiefst traditionellen Haus, der Nightingaler Krankenschwesterschule, zu tun. Hier werden großteils Mädchen aus besseren Kreisen ausgebildet, aber auch fleißige junge Frauen aus der unteren Schicht gelingt manchmal die Aufnahme. Der Roman erzählt von drei sehr verschiedenen Mädchen aus unterschiedlichem Milieu. Der Leser erhält einen tollen Einblick in das Leben der drei Hauptprotagonistinnen und deren Familien.
Der Vergleich zu Greys Anatomy drängt sich auf, weil es in einem Krankenhaus spielt...ja, ich weiß, etwas einfach, aber der Leser erhält hier auch einen tiefen Einblick in den damaligen Krankenhausalltag und die Pflege allgemein und dies kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges. Dies wird sehr interessant dargestellt und man erkennt, wie viel sich in den letzten achzig Jahren in Sachen Medizin getan hat.

Im ersten Band der Reihe geht es um das erste Lernjahr an der Nightingale. Die drei Hauptprotagonistinnen Dora, Helen und Millie beginnen ihr erstes Lehrjahr bzw. Millie bekommt eine zweite Chance es zu wiederholen.
Dora ist diejenige, die aus ärmlichen Verhältnissen kommt und es geschafft hat an der Nightingale aufgenommen zu werden. Dies hat sie vorallem der neuen Leiterin zu verdanken, die auch Mädchen, die nicht aus der Oberschicht kommen, eine Chance gibt. Und so erhält Dora die Chance, sich zu beweisen. Und Dora ist ehrgeizig, denn sie will vorallem ihrem Stiefvater entfliehen.
Millie, die eigentlich Lady Amelia Charlotte Benedict heißt, muss das erste Jahr wiederholen, da sie meistens ganz andere Dinge im Kopf hat, als zu lernen. Ihr fällt es besonders schwer, die strengen Regeln im Hause einzuhalten. Trotzdem möchte sie unbedignt Krankenschwester und auf keinen Fall verheiratet werden. Sie ist eine moderne junge Frau, die auf eigenen Füßen stehen will, die jedoch die alleinige Erbin eines großen Familiensitzes ist.
Die Dritte im Bunde ist Helen, deren Mutter Mitglied des Kuratoriums ist und die jeden Schritt ihrer Tochter ausspioniert. Außerdem wird Helen von den Mitschülerinnen gemobbt, die denken, sie verrät ihrer Mutter alle Vorkommnisse im Internat. Dabei ist die junge Frau eine sehr unglückliche Seele, die von ihrer Mutter kontrolliert wird und keine Freundinnen hat, bis ihre beiden Zimmerkolleginnen, Dora und Millie, ein bisschen auf sie zugehen und bemerken, wer so hinter der wirklichen Helen steckt.
Neben den interessanten Begebenheiten an der Schule, die sehr lebendig beschrieben werden und auch mit Humor glänzen, spielt auch der familäre Hintergrund der drei jungen Frauen eine große Rolle. Überraschende Wendungen und Schicksalschläge, humorvolle Begebenheiten und die beginnende Freundschaft zwischen den drei so unterschiedlichen Mädchen, ließen mich an den Seiten kleben.

Das Ende des ersten Teiles ist rund und es gibt keinen Cliffhanger. Man könnte es auch als Einzelband stehen lassen, jedoch ist man nach dem zuklappen der letzten Seite begierig darauf weiterzulesen und zu erfahren, wie es mit Dora, Millie und Helen im zweiten Lehrjahr weitergeht.
Eine Reihe, die ich mir als Verfilmung sehr gut vorstellen könnte!

Charaktere:
Dora, Millie und Helen, deren Familien, aber auch die anderen Mädchen aus dem Internat und das Lehrpersonal, werden hier sehr anschaulich beschrieben. Ich hatte alle Personen in meinem Kopf und von jedem ein Bild vor Augen, und dass bis zum letzten Nebenprotagonisten. Gratulation an die Autorin! Besonders bei so vielen Personen und unterschiedlichen Charakteren bleiben oft einige Protagonisten blass, was hier aber definitiv nicht der Fall ist. Die Mädchen entwickeln sich weiter und man klebt an den Seiten, um zu erfahren, was als Nächstes passieren wird..

Schreibstil:
Der wunderbar flüssige Schreibstil der Autorin lässt einem durch den fast 600 Seiten dicken Roman nur so durchfliegen. Die Kapitel haben die passende Länge und trotz der vielen Seiten, gab es weder Längen oder Einbrüche. Durch den Wechsel der Perspektiven aus der jeweiligen Sicht der drei Mädchen, kann der Leser diese aus verschiedenen Blickwinkeln miterleben, was die Geschichte durchgehend spannend und ereignisreich macht.

Fazit:
Ein toller Beginn einer Reihe, die viel Potential hat und bereits einen starken Anfang hinlegt. Tolle Charakterbeschreibungen, lebhafter Schreibstil und absolut keine Längen, ließen mich die fast sechshundert Seiten im Rekordtempo lesen. Was will man mehr von einem Buch? Für mich gibt es keinen einzigen Kritikpunkt, deshalb vergebe ich 5 Sterne und freue mich auf Band 2.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Toller historischer Abenteuerroman!

Bucht der Schmuggler
0

Was für eine tolle Mischung aus Abenteuer- und historischen Roman!

Der Roman wird abwechselnd in zwei Erzählsträngen erzählt. Im Ersten lernen wir Jan van Hagen kennen, welcher eben erst von einer erfolgreichen ...

Was für eine tolle Mischung aus Abenteuer- und historischen Roman!

Der Roman wird abwechselnd in zwei Erzählsträngen erzählt. Im Ersten lernen wir Jan van Hagen kennen, welcher eben erst von einer erfolgreichen Fahrt mit seinem Handelsschiff, der "Sophie", zurück in seine Heimatstadt Bremen kommt. Doch das Glück ist ihm nicht hold, denn sein Vater liegt im Sterben und die Schulden sind so hoch, dass er nun die Wahl zwischen dem Schuldturm und der Flucht hat. In Europa herrscht Krieg und der Seehandel floriert, besonders durch den Schmuggel zwischen der alten und der neuen Welt. So fällt die Entscheidung nicht wirklich schwer..... Jan sucht zuerst einen alten Freund und Handespartner seines Vaters in Amsterdam auf, den er um Hilfe bittet. Von diesem erhält er den Auftrag nicht nur mit den Westindischen Inseln Handel zu treiben, sondern auch seinen Sohn zu finden, der mit der "Albatros" irgendwo in der Karibik verschollen ist. Die Spanier haben jedoch ein Handelsembargo für alle nicht spanischen Schiffe erlassen, was den Handel für alle Anderen mit Schmuggel gleichsetzt. Außerdem soll Jan Sklaven an Board nehmen, was ihm äußerst widerstrebt.....

Der zweite Erzählstrang entführt uns nach Hispaniola, der heute zweigeteilten Insel mit den Ländern Haiti und der Dominikanischen Republik. Dort lebt Doña Maria mit ihrem Mann Don Miguel. Sie züchten Rinder und bauen Zuckerrohr an, das sie an die Spanier verkaufen. Einen Teil davon halten sie allerdings, wie alle Plantagenbesitzer auf Hispaniola, als Schmuggelware zurück. Der neue vorübergende Gouverneur Don Alonso möchte diesen allerdings unterbinden und bestraft jeden, den er mit vermeintlicher Schmugglerware antrifft....sogar mit dem Tod. Dabei hat er aber seine eigene Ziele im Auge..... Im Gegensatz zu den meisten anderen Plantagenbesitzern gehen Doña Maria und Don Miguel freundlich mit ihren Sklaven um. Als sich ein flüchtender Leibeigener auf ihre Plantage rettet, hilft ihm Doña Maria. Mit dieser Aktion macht sie sich einige Feinde und bringt sich und ihren Mann in Gefahr....

Auch als Binnenländerin erlebte ich hautnah die Schifffahrt über den Atlantik mit. Der lebendige Schreibstil und die Bilder, die in meinem Kopf entstanden, entführten mich auf eine abenteuerliche Fahrt auf der "Sophie", gemeinsam mit Jan und seiner Crew. Die Abenteuer am Schiff und anschließend beim Einlaufen in Santa Domingo ließen mich an den Seiten kleben. Obwohl manche Ereignisse ein klein wenig vorhersehbar waren, konnte mich der Autor trotzdem mit einigen unerwarteten Wendungen überraschen. Das Thema Sklaven, die höfische Etikette, die auch in den Kolonien streng beachtet wird, der Schmuggel und der Aberglaube, sind nur einige Themen, die der Autor in seiner Geschichte vermittelt.
Nach der ereignisreichen Ankunft in der Hauptstadt von Hispaniola fügen sich die beiden Erzählstränge langsam zu einem Einzigen zusammen. Die Ereignisse überschlagen sich und schreien, nachdem man die letzte Seite zugeschlagen hat, nach einer Fortsetzung...besonders auch, weil einige wenige Fragen offen bleiben....

Schreibstil:
Der Autor hat einen wundervollen lebendigen Schreibstil, der Bilder im Kopf entstehen lässt. Das Leben der Sklaven auf den Inseln, der Handel und die Willkür einzelner Personen wird anschaulich beschrieben. Man riecht die exotischen Blumen, das Meer und den Schweiß der Leibeigenen. Der Roman wird abwechselnd aus Jans und Doña Marias Sicht erzählt und unterteilt sich in fünf Abschnitte. Das Personenverzeichnis zu Beginn des Romanes hilft anfangs etwas über die Vielzahl der Nebencharaktere hinweg.

Charaktere:
Jan, unser Hauptprotagonist, ist anfangs noch etwas "grün" hinter den Ohren. Er versteht zwar etwas von Schiffen, aber nicht sehr viel vom Handel. Außerdem hat er Europa mit seiner "Sophie" noch nie vorher verlassen. Doch ihm bleibt keine Wahl und schon auf der Überfahrt zeigt sich sein aufrechter Charakter, der einem Kapitän gebührt.
Mit dem Doktor an seiner Seite, der eigentlich gar keiner ist, und der ebenfalls seine eigenen Ziele verfolgt, hat er einen guten Freund gefunden. Eljse, die sich an Board schmuggelt, ist ein herzerfrischender Charakter, den man einfach mögen muss, genauso wie Fiete, der Schiffsjunge.
Auf der Insel ist die Hauptprotagonistin Doña Maria, eine spanische Adelige, die zuerst wie das schöne Anhängsel ihres Mannes wirkt, sich jedoch gegen die Etikette stellt und die Sklaven menschlich behandelt. Den Gutmenschen gegenüber steht an erster Stelle der "Bösewicht" Don Alonso, der von Macht und seiner alleinigen Herrschaft über die Stadt und der Insel träumt. Mit Don Diego hat er einen Gleichgesinnten gefunden. Aber auch einige Sklaven, wie Babatunde und Maria Begnina bleiben im Gedächtnis.
Obwohl es doch einige Tendenzen zur Unterteilung in nur Gute oder nur Böse gibt, sind die Charaktere alle wunderbar gezeichnet und ich konnte mir jeden von ihnen bildlich sehr gut vorstellen.

Cover:
Ein paar Worte zum Cover muss ich auch noch verlieren, denn ich finde es wirklich großartig! Hier hat der Grafiker des Verlages einen richtigen Eyecatcher geschaffen.

Fazit:
Ein historischer Abenteuerroman mit einem Schuss Romantik, der uns in die Karibik des 17. Jahrhunderts führt und der nach einer Fortsetzung schreit. Großartiger Schreibstil, tolle Spannung und nur ein bisschen vorhersehbar, erinnert der Roman an eine Mischung aus "Fluch der Karibik", einem Südstaatenroman und "Roots".