Doppelbuchung
Meeresdunkel3,5 / 5 Sterne
Beim Lesen von "Meeresdunkel" hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass Till Raether eine starke, bedrückende Atmosphäre erschafft. Die abgelegene Finca, die Klippen, das aufziehende Unwetter ...
3,5 / 5 Sterne
Beim Lesen von "Meeresdunkel" hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass Till Raether eine starke, bedrückende Atmosphäre erschafft. Die abgelegene Finca, die Klippen, das aufziehende Unwetter und die merkwürdige Doppelbuchung erzeugen ein Gefühl von Unruhe, das mich durchaus gefesselt hat. Gleichzeitig wurde für mich aber immer deutlicher, dass der Roman sehr viel auf einmal hineinpackt: die Tretbootfahrt im Unwetter, der Sturm, der umgefallene Baum, die plötzliche Unmöglichkeit, das Gebäude zu verlassen, der Dachboden. Diese Häufung von Ereignissen wirkte auf mich teilweise too much.
Unglaubwürdig fand ich die Reaktionen der Sanitäter. Für mich passte ihr Verhalten nicht zu einer realistischen Notsituation und riss mich dadurch aus der Geschichte heraus.
Das Gefühl der Isolation, die Spannung zwischen den Familien und die unterschwellige Bedrohung sind stark umgesetzt. Im letzten Drittel zieht die Handlung spürbar an, und die Auflösung fand ich durchaus gelungen.
Insgesamt ist "Meeresdunkel" für mich ein atmosphärischer, aber stellenweise überfrachteter Spannungsroman. Die Grundidee hat mich überzeugt, doch die Vielzahl an dramatischen Elementen und sehr starken Zusammenhängen gebe Punktabzüge.
Trotzdem bleibt das Buch für mich interessant genug, um es als ungewöhnliche, düstere Urlaubsgeschichte einzuordnen.
Klappentext
Es sollte der perfekte Urlaub werden, ein echter Familientrip, wie früher: Henrike, Hans, Onkel Freddy und die Zwillinge. Eine Woche ausspannen, die letzten Sommertage genießen. Vielleicht die Chance auf einen Neubeginn, weit weg vom Alltag – in der beeindruckenden Finca mit Blick über die Bucht.
Doch als sie ankommen, sind sie nicht allein: Es gab eine Doppelbuchung, noch eine weitere Familie ist angereist. Auch sie haben eine Woche Urlaub vor sich. Und weil die ganze Insel voll ist, ziehen beide Familien ins Ferienhaus ein. Die Stimmung ist gut, niemand möchte die Urlaubslaune verderben. Platz ist ja genug da.
Ganz leise bröckelt die schöne Fassade. Das Haus ist in die Jahre gekommen, der Pool längst trockengelaufen. Irgendwie scheint eine Bedrohung in der Luft zu liegen. Und ein Gewitter braut sich zusammen. Dann finden die Familien in der Finca eine Leiche. Es ist einer von ihnen.
Während draußen der Sturm wütet, bricht sich drinnen die Wahrheit Bahn. Keiner von ihnen ist zufällig hier. Jemand wollte, dass sie an genau diesem Ort zusammenkommen. Und nicht alle sind sich so fremd, wie sie vorgeben …
Über den Autor
Till Raether, geboren 1969 in Koblenz, arbeitet als freier Autor in Hamburg, u.a. für das SZ-Magazin. Er wuchs in Berlin auf, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München, studierte Amerikanistik und Geschichte in Berlin und New Orleans und war stellvertretender Chefredakteur von Brigitte. Sein Sachbuch Bin ich schon depressiv, oder ist das noch das Leben? stand 2021 wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Sein Kriminalroman Sturmkehre, Band 7 seiner Danowski-Reihe, wurde 2025 mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet, bereits mit Treibland und Unter Wasser war er nominiert. Meeresdunkel ist sein erster Thriller. Till Raether ist verheiratet und hat zwei Kinder.
(Quelle rowohlt)