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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.09.2025

Ein Kriminalroman mit Stärken und Längen

Dunkle Sühne
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Karin Slaughter hat sich längst einen Namen unter den Krimiautoren gemacht und das merkt man auch. Die Beschreibungen sind sehr bildhaft und detailliert. Sie weiß die wahren Hintergründe eines Verbrechens ...

Karin Slaughter hat sich längst einen Namen unter den Krimiautoren gemacht und das merkt man auch. Die Beschreibungen sind sehr bildhaft und detailliert. Sie weiß die wahren Hintergründe eines Verbrechens bis zum Schluss geschickt zu verschleiern. Und selbst für das Finale hat sie sich noch eine Wendung aufgespart. Dies ist bestens geeignet, um auf eine mögliche Fortführung im nächsten Band neugierig zu machen.

Aber wenn mir der Autorenname nichts sagen würde, weiß ich nicht, ob ich ein weiteres Buch lesen würde. Gedanken, Dialoge und Szenen sind zu ausschweifend und verlieren sich oft in Details, die das Tempo bremsen. Die Kapitel sind ungewöhnlich lang, vor allem da sie keine Absätze haben, um eine Pause einlegen zu können. Direkt 30 Seiten zu lesen, kann sehr ermüdend sein. Da ist Durchhaltevermögen erforderlich.

So menschlich und authentisch Emmy, Deputy der Kleinstadt North-Falls, rüberkommt, ist auch hier die private Ebene zu dominant. Ihre weitverzweigte Familie sorgt gelegentlich für Verwirrung, und die Vielzahl an Namen erfordert Konzentration. Emmys Handlungen sind stark von inneren Konflikten wie Schuldgefühlen und Selbstzweifeln geprägt. Besonders im ersten Abschnitt, wo sie unbedingt Ergebnisse vorweisen will. Dies ist zutiefst verständlich, wirkt aber nicht immer stimmig mit ihrer Rolle als Polizistin.

Fazit: Insgesamt entspricht der Inhalt eher einem Kriminalroman. Zu empfehlen, wenn man Wert auf das Privatleben der Ermittler legt und gemächliches Tempo zu schätzen weiß.

Veröffentlicht am 02.09.2025

Mit Leichtigkeit ins Verderben

Gym
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Ehrlich gesagt finde ich das Cover furchtbar hässlich. Umso überraschter war ich vom Klappentext, der mich sofort neugierig gemacht hat.

Die ersten Seiten verfliegen geschwind. Die Kapitel sind sehr kurzgehalten. ...

Ehrlich gesagt finde ich das Cover furchtbar hässlich. Umso überraschter war ich vom Klappentext, der mich sofort neugierig gemacht hat.

Die ersten Seiten verfliegen geschwind. Die Kapitel sind sehr kurzgehalten. Der Schreibstil locker, leicht und unterhaltsam. Zunächst scheint es im Buch um die kleine Lüge zu gehen, die der Protagonistin während ihres Vorstellungsgespräches für das Mega Gym unterläuft. Ebenso könnte es um den Körperkult in einem Fitnessstudio gehen. Um den gesellschaftlichen Druck auf den perfekten Körper.

Der zweite Abschnitt bringt die Wende. Doch leider auch die Fragezeichen. Wo führt dieses Buch hin? Die Protagonistin, deren Namen wir nie erfahren, verliert sich zunehmend in einem obsessiven Trainingswahn. Bis dahin wirkte sie lässig und entspannt. Nun zeigt sie ein komplett anderes Gesicht. Sie entwickelt einen krankhaften Ehrgeiz und wirkt unvernünftig. Was ist ihr Ziel? Geht es ihr darum, um jeden Preis die Beste zu sein?
In kurzen Einschüben erfährt man nun auch mehr über ihr Leben vor dem Job im Fitnessstudio. Auch hier offenbaren sich die gleichen Muster.

Die Beschreibung ist überspitzt und für mich nicht nachvollziehbar. Dieses übersteigerte wahnhafte Verhalten war mir fremd. Aus mir nicht ersichtlichem Grund und unklarem Antrieb, verrennt sie sich. In der Beschreibung des Buches liegt dies nicht an gesellschaftlichem Druck, sondern dem Druck, den sie sich selbst macht. Ihr Handeln empfand ich als komplett unreflektiert. Gerne hätte ich mehr darüber erfahren, was sie so getriggert hat. Was ihre Motivation war.

Je länger ich für diese Rezension über den Inhalt und die Aussage des Buches nachdenke, umso schlüssiger erscheint sie mir. Auch wenn die Darstellung vereinfacht und überzogen ist, zeigt sich, dass es nicht viel braucht, um in diese Spirale von Abhängigkeit und Besessenheit zu geraten.

Dennoch fand ich die Wendung, die das Buch genommen hat, zu extrem und das Ende sehr irritierend.

Veröffentlicht am 19.08.2025

Wenn die Fassade bröckelt

Schattengrünes Tal
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Der Roman beginnt atmosphärisch stark. Ein idyllisch gelegener Ort. Mitten im Grünen, wo andere Leute Urlaub machen. Und trotzdem entsteht bereits nach wenigen Seiten ein Gefühl der Unruhe und subtilen ...

Der Roman beginnt atmosphärisch stark. Ein idyllisch gelegener Ort. Mitten im Grünen, wo andere Leute Urlaub machen. Und trotzdem entsteht bereits nach wenigen Seiten ein Gefühl der Unruhe und subtilen Bedrohung. Denn bei der Feier für Simon gibt es einen mutwillig herbeigeführten Stromausfall. Er selber bekommt eine anonyme Nachricht, verbirgt dies aber vor seiner Frau Lisa. Das heruntergekommene Hotel von Lisas Familie, mit seiner kaputten Heizung und dem Hauch vergangener Zeiten, verstärkt die beklemmende Stimmung. Besonders auffällig ist Danielas merkwürdige Weigerung, das nicht beheizbare Hotelzimmer zu verlassen, ein Verhalten, das Fragen aufwirft.

Der Schreibstil ist ruhig, aber eindringlich. Emotional, präzise und fesselnd. Man möchte zu diesem Zeitpunkt unbedingt wissen, was sich hinter den Fassaden der Figuren versteckt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Lisa, eine warmherzige, hilfsbereite Frau mit einem ausgeprägten Bedürfnis, für andere da zu sein. Sie unterstützt Freunde, Familie und sogar Hotelgäste wie Daniela, die in dem kleinen Ort ein neues Leben beginnen möchte. Lisa ist jemand, der sich selbst zurücknimmt, um anderen zu helfen.

Doch je mehr Daniela in der Gemeinde Fuß fasst, desto stärker gerät Lisa ins Abseits. Die Dynamik kippt. Aus der Unterstützerin wird eine Außenseiterin. Lisa wird von ihren Freunden gemieden. Die Beweggründe dafür bleiben unklar. Daniela hingegen übernimmt zunehmend Raum, nicht nur im sozialen Gefüge des Ortes, sondern auch in der Erzählstruktur des Buches.

Daniela wirkt auf mich keinesfalls sympathisch. Eher übergriffig und aufdringlich. Umso irritierender ist der Kontrast zur Darstellung im Buch. Dort will man sie unterstützen und integrieren. Man hilft ihr, um Freunde und eine Wohnung zu finden. Diese unterschiedliche Wahrnehmung finde ich absolut widersprüchlich und unglaubwürdig.

Es ist durchaus interessant zu lesen, wie eine einzelne Person ein bestehendes Gefüge beeinflussen und ins Wanken bringen kann, doch ist es in diesem Ausmaß realistisch? Warum wird keiner misstrauisch? Warum glaubt man Daniela mehr als Lisa, obwohl sie Lisa seit Jahren kennen? Was sind das für langjährige Freunde? So habe ich meine Schwierigkeiten damit, die Handlungen einiger Personen nachzuvollziehen.

Insgesamt hat mich dieses Buch leider unzufrieden zurückgelassen. Ich habe schlicht und ergreifend die Beweggründe von Daniela nicht verstanden. Ich will hier nicht spoilern und zu sehr darauf eingehen, aber warum ist sie nach Herzogsbronn gekommen? Was ist ihr Hintergrund? Was ihre Intention? Obwohl das Buch ihr Auftauchen und ihre Wandlung thematisiert, sind mir ihre Ziele und Absichten komplett schleierhaft geblieben. Ihre Rolle wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.

Veröffentlicht am 28.07.2025

Nickis Vermächtnis

Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein
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Eine einsame Wanderung in Nordeuropa. Nur zu zweit und ganz viel Natur. Doch es kommt, wie es kommen musste und Julia und Nicki sind den Naturgewalten hilflos ausgeliefert und kämpfen ums Überleben. Dies ...

Eine einsame Wanderung in Nordeuropa. Nur zu zweit und ganz viel Natur. Doch es kommt, wie es kommen musste und Julia und Nicki sind den Naturgewalten hilflos ausgeliefert und kämpfen ums Überleben. Dies erinnert mich an „Der Ausflug“ von Ulf Kvensler oder auch „The Hike“ von Lucy Clarke und muss sich damit messen lassen. Also kein neues Setting, aber trotzdem anders interpretiert.

Schon der Einstieg über den Prolog ließ mich zweifeln. Generell bin ich kein Freund davon, aber wenn er schon da ist, sollte er auch nachwirken und Spannung aufbauen. Dieser hier hingegen bleibt blass und überflüssig. Alles, was er erzählt, ist ohnehin im Klappentext zu erahnen.

Auch gestört hat mich die sehr schlichte Sprache. Zwar sorgt sie für ein zügiges Leseerlebnis, doch leider blieb ich emotional auf Distanz. Gefühle und Ängste sind hier nicht transportiert worden. Trotz der bedrohlichen Situation, in der sich Julia befindet, war es weder fesselnd noch ergreifend oder emotional. Ich habe selten echte Spannung oder Empathie empfunden.

Und als man sich fragt, wie denn jetzt der tatsächliche Hergang war, wird plötzlich und viel zu schnell die Auflösung präsentiert. Aber für mich hat sie Lücken und so wirklich rund und stimmig sind mir die Abläufe nicht.
Einige Elemente scheinen stillschweigend mit vagen Erklärungen abgetan zu werden. War es nun Halluzination, Verdrängung oder schlichtes Vergessen?

Fazit: schnelle Lektüre, aber weder inhaltlich, nicht sprachlich wirklich überzeugend

Veröffentlicht am 17.07.2025

Ein Fall im Schatten der Hauptfigur

Blindspiel
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Ich habe mich wirklich auf dieses Buch gefreut. Dafür musste ich nicht den Klappentext lesen. Alleine das Wissen um ein neues Buch von Max Seeck, hat mir ausgereicht. Schließlich waren seine bisherigen ...

Ich habe mich wirklich auf dieses Buch gefreut. Dafür musste ich nicht den Klappentext lesen. Alleine das Wissen um ein neues Buch von Max Seeck, hat mir ausgereicht. Schließlich waren seine bisherigen Bücher spannend und darüber hinaus auch klug und raffiniert.

Der Einstieg überzeugte mit einer packenden Ausgangssituation. Ein Dieb, der zum Gejagten wird. Ein Laptop mit brisanten Informationen, der nicht in falsche Hände gelangen darf. Und eine junge Frau, die sich auf das Date mit der falschen Person einlässt.

Doch je mehr Milo, ein externer Berater der Polizei, ins Zentrum rückte, desto mehr entfernte sich die Geschichte vom eigentlichen Fall.
Ich habe lange Zeit mit Milo gefremdelt. Zu dominant war mir seine Person. Zu unklar ist mir seine Position geblieben. Was zeichnet ihn beruflich aus? Wie ist sein Background? Was sind seine bisherigen Verdienste? Bei welchen Fällen hat man schon zusammengearbeitet?
Nachdem ich mich daran gewöhnt habe, habe ich mich jedoch gefreut mehr über seine Kindheit zu erfahren. Mit jeder zusätzlichen Information, hatte ich das Gefühl ihn etwas besser verstehen zu können. Sein Verhalten war nun deutlich nachvollziehbarer. Insgesamt wirkte er authentisch, wenn auch nicht unbedingt sympathisch.

Die Präsens von Milo, hat mir den Zugang zur Geschichte deutlich erschwert. Der Fall wurde komplett in den Hintergrund gedrängt. Irgendwann habe ich den Faden verloren und damit auch das Interesse. Obwohl die Grundidee des Falls spannend und neu war, wirkte es in der Umsetzung zu konstruiert.

Nur wenige Tage nach Beenden des Buches musste ich überlegen, wie die Auflösung und die Zusammenhänge waren. Ein Zeichen dafür, dass es keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Schade, denn das Potenzial war definitiv da.

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