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Veröffentlicht am 28.07.2025

Die Verschickungskinder von Borkum

Der Sommer am Ende der Welt
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Vor dem Hintergrund der erschütternden Schicksale der ehemaligen Verschickungskinder, die in den 60er Jahren zur "Erholung" an die Nordsee geschickt wurden, spielt dieser Roman von Eva Völler. Die Journalistin ...

Vor dem Hintergrund der erschütternden Schicksale der ehemaligen Verschickungskinder, die in den 60er Jahren zur "Erholung" an die Nordsee geschickt wurden, spielt dieser Roman von Eva Völler. Die Journalistin Hanna reist an den Ort des Geschehens um Nachforschungen darüber zu betreiben, was damals wirklich geschah.

Das Setting auf Borkum ist gut gewählt und schön geschildert, man fühlt sich während des Lesens selbst auf die Nordseeinsel versetzt. Auch das Cover ist schön gestaltet und die Unterteilung in viele kurze Kapitel, teilweise mit Zeitsprüngen, macht, dass man schnell voran kommt.

Das Thema ist ein sehr Interessantes und Berührendes, und genau deshalb wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. Auch wenn immer wieder Bezug auf die Verschickungskinder genommen wird und ihre Geschichten kurz angeschnitten werden, so dreht sich der Großteil des Buches doch eher um die Journalistin Hanna, ihre Liebelei mit dem Inselarzt, die jugendlichen Schwärmereien ihrer Tochter und die Schicksale der Menschen, die damals mit den Verschickungskindern betraut waren.

Für mich kam das eigentliche Thema leider viel zu kurz, viel zu wenig haben wir über die Kinder selbst erfahren. Kurz wurde das Schicksal des kleinen Josef angeschnitten, aber damit war es dann auch schon wieder vorbei. Auch wenn immer wieder ein ehemaliges Verschickungskind zu Wort kam, das Hanna bei ihrer Recherche interviewen durfte, die Geschichten drumherum nahmen für mich viel zu viel Raum ein und wirkten teilweise zu konstruiert. Trotzdem war es eine gute Inspiration für mich, mich weiter mit dem Thema Verschickungskinder auseinanderzusetzen.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Wenn was schief geht, dann aber richtig!

Horror-Date
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Auf einer Dating Site, die Treffen zwischen schwerkranken Menschen vermittelt, lernen sich Raphael und Nala kennen. Als sich Raphael am Tag des ersten Dates zu schwach fühlt, springt sein bester Freund ...

Auf einer Dating Site, die Treffen zwischen schwerkranken Menschen vermittelt, lernen sich Raphael und Nala kennen. Als sich Raphael am Tag des ersten Dates zu schwach fühlt, springt sein bester Freund Julius für ihn ein und trifft sich statt ihm mit Nala. Das Chaos nimmt seinen Lauf und Julius verwickelt sich in immer mehr Lügen, bis es schließlich zum völligen Eklat kommt und die Geschichte plötzlich eine ganz andere Wendung nimmt. Ein Horror - aber ohne Gruselfaktor.

Die Idee von "Horror-Date" finde ich grundsätzlich gut und ich bin ein großer Fan von Sebastian Fitzek, aber dieses Buch war für mich einfach "zu viel". Eine absolut konstruierte Geschichte, die leider viel zu übertrieben und überzeichnet ist. Ich mochte den Anfang und das wieder halbwegs tiefgründige Ende, aber dazwischen ist die Story teilweise so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass es beim Lesen fast weh tat und dass ich eigentlich nur wollte, dass das Buch vorbei ist. Julius hat fast Aggressionen in mir geweckt, als er glaubte, durch seine vielen Lügen die verfahrene Situation retten zu können und auch mit den weiteren Protagonisten konnte ich nicht wirklich was anfangen.

Schön fand ich das Cover des Buches und die Gliederung in viele kurze Kapitel, sodass ich das Buch wirklich schnell fertig lesen konnte.

Es war ein Versuch und als "Fitzek Fan" war es fast ein Muss, auch dieses Buch zu lesen. Insgesamt konnte mich das "Horror Date" aber leider nicht überzeugen - Thriller schreiben kann Herr Fitzek eindeutig besser!

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Manchmal kommt alles ganz anders

Wut und Liebe
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Camilla ist unzufrieden mit der finanziellen Situation ihres Lebens und beendet daher die Beziehung zu Noah um sich auf die Suche nach einem Mann zu machen, der ihr mehr bieten kann, als der brotlose Künstler. ...

Camilla ist unzufrieden mit der finanziellen Situation ihres Lebens und beendet daher die Beziehung zu Noah um sich auf die Suche nach einem Mann zu machen, der ihr mehr bieten kann, als der brotlose Künstler. Beim Versuch, die Beziehung zu retten, trifft Noah auf die gebrechliche, aber wohlhabende Betty - und gemeinsam entwickeln sie einen Plan. Was anfangs zwar moralisch bedenklich, aber durchaus durchführbar erscheint, entwickelt sich jedoch in eine ganz andere Richtung...

"Wut und Liebe" ist eine Mischung aus Gesellschaftsroman und Krimi, genau wie man es auch von Suters anderen Büchern gewohnt ist. Es kommt zu manch unerwarteten Wendungen und die Sprache ist klar und voll von verstecktem Witz, was das Buch grundsätzlich zu einem großen Lesevergnügen macht.

Die Geschichte selbst war mir aber leider dieses mal etwas zu sehr an den Haaren herangezogen, es wurden mir zu viele Clichées aufgezeigt. Der brotlose Künstler und die reiche, alte Witwe, der böse Geschäftspartner, der glaubt, mit Geld alles kaufen zu können... Mit den Protagonisten konnte ich mich nicht so wirklich anfreunden. Noah ist so naiv, dass es fast weh tut und Camilla fand ich leider auch hochgradig unsympathisch. Daher hatte das Buch trotz der schönen Sprache für mich gewisse Längen und mein Fazit fällt leider nur mittel aus

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Die dunkle Geschichte Ginsterburgs

Ginsterburg
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Über 10 Jahre begleiten wir in diesem Buch die Bewohner der fiktiven Stadt Ginsterburg - und wir erleben mit ihnen, wie ihre Stadt vom 2. Weltkrieg überrollt wird, wie die Bewohner versuchen, sich selbst ...

Über 10 Jahre begleiten wir in diesem Buch die Bewohner der fiktiven Stadt Ginsterburg - und wir erleben mit ihnen, wie ihre Stadt vom 2. Weltkrieg überrollt wird, wie die Bewohner versuchen, sich selbst zu retten und wie dennoch irgendwann jede Hoffnung verloren geht.

Arno Franks "Ginsterburg" ist ein sehr bewegender Roman, der die Gräuel des 2. Weltkriegs anhand der kleinen Stadt Ginsterburg schildert. Ginsterburg gibt es nicht wirklich und dennoch steht es sinnbildlich für so viele Städte, die lange versucht haben, dem Krieg zu trotzen, sich irgendwann jedoch auch ihrem Schicksal fügen mussten.
"Ginsterburg" stellt nicht die historischen Fakten in den Vordergrund, sondern die Bewohner der Stadt mit ihren ganz persönlichen Schicksalen, mit ihren kleinen und großen Sorgen, aber auch mit den Freuden, die sie trotz der schweren Zeit erlebt haben. In 3 große Abschnitte gegliedert führt uns das Buch durch die grausame Zeit von 1935 - 1945 und verdeutlicht, was der Krieg mit Menschen macht und wie sie sich verändern. Irgendwann weiß man nicht mehr, wer auf welcher Seite steht und wem man trauen kann. Irgendwann wird gekämpft und gestorben, vertrieben und doch gerettet - es ist eine sehr bewegte Zeit, die hier eingefangen wird.

Die Sprache des Buches ist anspruchsvoll und insgesamt ist der Roman nichts für Zwischendurch, er erfordert Konzentration. Viele Handlungsstränge ziehen sich durch das Buch, für meinen Geschmack ein bisschen zu viele, und nach einer Lesepause hatte ich oft Mühe, wieder anknüpfen zu können. Die Protagonisten begleiten den Leser durch viele Jahre und nicht immer ist man mit ihrer Entwicklung einverstanden. Ich fühlte mich während des Lesens als Beobachter, so wirklich ist es mir nicht gelungen, in das Buch hineinzuversetzen. Die Personen erschienen mir teilweise etwas zu kühl und oberflächlich beschrieben.

Ich bin froh, "Ginsterburg" gelesen zu haben. Es hat meinen Horizont erweitert, es hat mir bewusst gemacht, dass es auch während des Krieges neben all den Gräueln so etwas wie "Normalität" und Alltag in dieser fürchterlichen Zeit gegeben hat. Und auch wenn mir manchmal ein bisschen der Zugang gefehlt hat, wenn manches etwas verwirrend war, so hatte ich doch eine informative Zeit während des Lesens.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Grenzerfahrung

9 Grad
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9 Grad kaltes Wasser - was macht es mit uns, wenn wir darin baden? Kann der Mensch das überhaupt unbeschadet überstehen? Rena ist schwer krank. Um sich neu zu spüren und die Grenzen ihres Körpers zu erfahren, ...

9 Grad kaltes Wasser - was macht es mit uns, wenn wir darin baden? Kann der Mensch das überhaupt unbeschadet überstehen? Rena ist schwer krank. Um sich neu zu spüren und die Grenzen ihres Körpers zu erfahren, badet sie in kaltem Wasser und animiert ihre Freundin Josie, es ihr gleich zu tun. Josie, die schon lange mit sich selbst nicht im Reinen ist erfährt durch das Eisbaden, wozu ihr Körper in der Lage ist und findet dadurch wieder mehr zu sich selbst. Und sie ist bereit, sich auf Lee einzulassen, ihre Tinder-Bekanntschaft, die ebenfalls mit sich selbst zu kämpfen hat.

"9 Grad" ist ein Roman über Freundschaft, über Unsicherheit und über Selbstfindung. Es ist ein Roman, der sehr deutlich zeigt, womit Jugendliche heute zu kämpfen haben und wie schwer es für sie ist, zu sich selbst zu finden. Es ist ein Roman über die Kraft der Freundschaft, über Krankheiten und Ängste, aber auch über ganz viel Egoismus. Elli Kolb hat einen Jugendroman geschaffen, der versucht, mit den unterschiedlichen Anforderungen des Lebens klar zu kommen und auch wenn das Thema "Freundschaft" groß geschrieben und ersehnt wird, so sind sich die Protagonisten doch selbst am Nächsten.

Elli Kolb schneidet in ihrem Buch viele Themen an, mit denen junge Menschen zu kämpfen haben und zeigt auch, wie schwer es ist, Hilfe zu finden und anzunehmen. Für viele - wie zB für den depressiven Lee - bleibt daher nur der Rückzug als Bewältigungsstrategie, andere, wie die schwerkranke Rena, verschwinden überhaupt völlig aus dem Leben ihrer Liebsten. Ich habe allerdings etwas Tiefe vermisst, und fand manche oberflächlichen Episoden zu langatmig.

Ich mochte die Sprache des Buches, insgesamt war es mir aber etwas zu "jugendlich" und problemlastig, sodass ich mich nicht ganz damit anfreunden konnte. Für die richtige Zielgruppe ist es aber durchaus empfehlenswert.

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