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Veröffentlicht am 14.08.2025

Tatort Malmö zum Zweiten

Schwüre, die wir brechen
1

Der Frachter „Star Clipper“ kollidiert in der Nacht auf den 18. Januar 1980 mit einem Brückenpfeiler der mächtigen Bogenbrücke. Wir sind an der schwedischen Westküste. Der Lotse muss zusehen, wie ein ...

Der Frachter „Star Clipper“ kollidiert in der Nacht auf den 18. Januar 1980 mit einem Brückenpfeiler der mächtigen Bogenbrücke. Wir sind an der schwedischen Westküste. Der Lotse muss zusehen, wie ein Auto von der Brücke direkt in den Abgrund stürzt, dann noch eins und noch einige mehr. Dass die Straße plötzlich weg war, konnte der Autofahrer nicht sehen. Fünf PKW und ein LKW wurden später gefunden, acht Personen konnten nur noch tot aus den Fluten geborgen werden. Der Lotse wundert sich, denn er hat ein Auto mehr gezählt. Er muss sich wohl geirrt haben.

Nach dem Prolog, den ich lange nicht zuordnen kann, bin ich im heutigen Schweden. Ein lebloser Körper wird in einem schmalen Boot, das am Uferrand liegt, gefunden. Schon allein der Leichenfund an sich ist schlimm, der Zustand der Leiche jedoch lässt einen schaudern. Ein Krokodilkopf, der mit engen Stichen an den Hals genäht wurde, ersetzt den menschlichen Kopf.

Ein Fall für Jon Nordh und seine Kollegin Svea Karhuu. Nach „Tode, die wir sterben“ ist es der zweite, nicht minder nervenaufreibende Fall für die beiden Kommissare, deren Privatleben auch nicht ohne ist. Nordhs Ehefrau ist tödlich verunglückt und noch heute drängt es ihn, die Hintergründe zu durchleuchten. Auch Karhuu lässt ihre Vergangenheit nicht los, auch sie muss dem Ganzen auf den Grund gehen. Dabei haben sie für ihre privaten Ermittlungen gar keine Zeit, denn diesem Krokodilmann folgen weitere Tote. Allesamt mit festgenähten Tierköpfen. Eine True-Crime-Podcasterin mischt kräftig mit, sie plaudert um des Erfolges willen zu viel, dann verschwindet ein junges Mädchen. Wie es aussieht, haben sie es mit einem Serienmörder zu tun.

Diesmal führt mich das deutsch-schwedische Autorenpaar Voosen/Danielsson in die Welt der altägyptischen Götter. Ich lese von Hieroglyphen, die entziffert werden wollen und von den Krokokiller-Morden, wie Pernille Friis, die Podcasterin, ihre True-Crime-Ergüsse nennt. Dazwischen bin ich immer mal wieder in Chile bei Colonia Dignidad, was mich zunächst verwirrt, ich aber bald einen Zusammenhang sehe.

Es sind einige Erzählstränge, denen ich gebannt folge, wobei mir die Gottheiten und deren Bedeutung zu viel Raum einnimmt und die ansonsten spannende Story ausbremst. Wie werden die Opfer ausgewählt? Klima und Umweltschutz klingen an, aber auch Wut, Diebstahl und Habgier. Ist das Motiv für die grausamen Taten hier zu suchen? Oder treibt den Täter etwas ganz anderes um? Lange tappe ich im Dunkeln, auch wenn ich dieser Spur zu Chile näherkomme. Ansonsten aber bin ich lange ratlos und zuweilen muss ich ob so manch brutaler Details ganz schön schlucken.

Die Charaktere sind vielschichtig angelegt, allen voran Nordh und Karhuu, zwei ganz und gar unterschiedliche Persönlichkeiten, beide sind sie greifbar trotz oder gerade wegen ihrer privaten Momente, die sie sehr nahbar machen. Und doch sind sie in erster Linie Polizisten, die ihren Job ernst nehmen. Diesen Kroko-Fall wollte Nordh zunächst ablehnen, da er um die psychische Belastung wusste. Für Karhuu aber kam das nicht infrage, also ziehen beide an einem Strang. Und sie ziehen ihre komplexen Ermittlungen durch bis zum Schluss, der ihnen beiden ziemlich zusetzt.

Tatort Malmö, Band zwei, ist in sich abgeschlossen, man muss den ersten Band nicht unbedingt gelesen haben. Das Wichtige, also das Private und der Werdegang von Jon Nordh und Svea Karhuu, ist in die Story gut eingeflochten. Ich habe beide Bücher im Rekordtempo gelesen und nun bin ich auf die „Opfer, die wir bringen“ gespannt.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Eine kluge Frau inmitten des chilenischen Bürgerkrieges 1891

Mein Name ist Emilia del Valle
1

Molly Walsh besteht darauf, dass ihre Tochter eine del Valle ist. Ihr Name ist: Emilia del Valle. 1866 wird sie in San Francisco geboren, ihr Papo ist ihr ein liebevoller Vater, wenngleich er nicht ihr ...

Molly Walsh besteht darauf, dass ihre Tochter eine del Valle ist. Ihr Name ist: Emilia del Valle. 1866 wird sie in San Francisco geboren, ihr Papo ist ihr ein liebevoller Vater, wenngleich er nicht ihr Erzeuger ist. Dieser ist ein Spross der einflussreichen chilenischen Familie del Valle, er hat sich Molly, die auf dem besten Wege zur Nonne war, einst mit Gewalt genommen. „Molly Walsh wurde nie zur Nonne, und jede Hoffnung auf Heiligkeit, die sie in ihrer frühen Jugend genährt haben mochte, wurde binnen Tagen zunichte gemacht von einem chilenischen Herrensöhnchen mit erheblichem Vermögen, einnehmendem Äußeren und wenigen Skrupeln. Sein Name war Gonzaló Andrés del Valle.“ Er war ihr Vater.

Ihr Papo aber, ihr Stiefvater, war es, der ihr von klein auf Selbstbewusstsein vermittelt hat. „Du bist klüger als die anderen, vergiss das nicht“ hat er oft zu ihr gesagt.

Das Schreiben war von jeher Emilias Passion, sie schreibt und veröffentlich unter dem Pseudonym Brandon J. Price sehr erfolgreich Groschenromane, was ihr jedoch nicht mehr genügt. Sie bewirbt sich bei einer Zeitung. „Bei uns gibt es keine Journalistinnen“, wird ihr bei ihrer Bewerbung gesagt. Sie aber lässt sich nicht abwimmeln. „Deshalb bin ich hier. Ihre Zeitung braucht mich“ meint sie lapidar. Und sie beweist, was sie kann. Sie wird eingestellt, sie wird unter ihrem richtigen Namen schreiben.

Der Ich-Erzählerin Emilia folge ich zunächst nach New York. Ihre beruflichen und auch ihre amourösen Momente zeigen eine selbständige, eine neugierige, eine freiheitsliebenden Frau. Dieser erste Eindruck verfestigt sich dann später, als sie mit ihrem Kollegen Eric nach Chile geht, um über den dortigen Bürgerkrieg zu berichten. Und sie ist nicht nur dabei, sie ist mittendrin. Daneben sucht sie ihren leiblichen Vater und gleich mal muss sie damit aufräumen, am Erbe interessiert zu sein.

Zu Isabel Allendes Büchern greife ich, seit ich vor langer Zeit „Das Geisterhaus“ gelesen habe. Mit Chile verbindet sie, die Weltbürgerin, ihr ganzes Leben. „Mein Name ist Emilia del Valle“ legt den Focus auf die chilenische Revolution von 1891, bei der Schlacht von Carcón war ich gefühlt an vorderster Front. Als Kriegsreporterin durchlebt Emilia die Schrecken des Krieges, Eric und sie berichten von unterschiedlichen Stellen und irgendwann trifft Emilia dann eine für sie richtige Entscheidung. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Nur so viel:

Es lohnt sich, Isabel Allendes neuestes Buch zu lesen. Man wird direkt hineinkatapultiert in eine längst vergangene Zeit, in ein uns fremdes Land. Und doch lernt man eine emanzipierte, eine sehr kluge Frau kennen und schätzen, die ihren eigenen Weg geht.

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Veröffentlicht am 01.08.2025

Von Duftwicken in all ihrer Vielfalt, von Liebe und mehr…

Duftwickensommer
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„Das ist eine historische viktorianische Duftwicke, Lathyrus odoratus.“ Oje, ein Fachidiot, denkt sie noch, als er sich als Biologe vorstellt, der für den Nationalpark Wattenmeer tätig ist, der den aktuellen ...

„Das ist eine historische viktorianische Duftwicke, Lathyrus odoratus.“ Oje, ein Fachidiot, denkt sie noch, als er sich als Biologe vorstellt, der für den Nationalpark Wattenmeer tätig ist, der den aktuellen Bestand seltener Wildpflanzen erforscht. Die erste Begegnung zwischen Marieke und Tibo ist eher nüchtern, sie werden sich von nun an noch öfter über den Weg laufen.

Marieke hat sich in die Villa Cupani verliebt. Es ist ein kleines Häuschen auf Borkum, das nach ihrer Scheidung der perfekte Rückzugsort ist. Sie freundet sich mit Alwine, ihrer schon älteren Nachbarin, an, die ihr von Anni erzählt, einer Frau, die einst hier gelebt hat.

Sylvia Lott lädt mich ein, ein Stück weit mit Marieke zu gehen und auch mit Anni, der ich im Jahr 1911 begegne. Diese beiden Zeitebenen wechseln sich ab. Marieke im Hier und Jetzt ist eher antriebslos, Alwine dagegen steckt voller Tatendrang. Bei Tee und gebuttertem Stutenbrot tauchen sie ein in Annis Geschichte, die auf Willow Hill als Vorleserin für Katherine Moss, der Gattin eines Teegroßhändlers, ihren Unterhalt verdient. Als eines Tages ein Wettbewerb für den schönsten Strauß aus selbstgezogenen Wicken von der Daily Mail ausgelobt wird, ist Anni sofort Feuer und Flamme. Und nicht nur sie, auch ihre Freundinnen Millie und Meg könnten das Preisgeld gut gebrauchen.

Den Wickenwettbewerb hat es tatsächlich gegeben, auch kämpften zu dieser Zeit Frauen um ihr Wahlrecht, allen voran die historischen Persönlichkeiten Emmeline Pankhurst und Ethel Smyth, die in die Geschichte geschickt integriert sind wie auch Lord Northcliffe, der Begründer der Daily Mail. Anderes ist fiktiv, das Gesamtpaket an sich kann sich sehen lassen.

Beide Erzählstränge haben ihren Reiz, auch kommt die Liebe nicht zu kurz, wobei mir das Geschehen um Anni noch etwas mehr zugesagt hat. Ihre Freundinnen Meg und Millie sind wie sie bei hohen Herrschaften in Stellung und natürlich erfahren wir so einiges Pikantes. Auch der (Geld)Adel ist nicht frei von so manch üblen Machenschaften, von Intrigen und Anspruchsdenken, das Sittenbild dieser Jahre und die gesellschaftlichen Gepflogenheiten sind gut eingefangen. Mit den Protagonisten habe ich mitgefiebert, die meisten davon waren mir durchaus sympathisch, zu allen hatte ich ein authentisches Bild vor Augen. In der Jetztzeit gefällt mir die charismatische, zupackende Alwine trotz aller Schicksalsschläge ausgesprochen gut. Marieke, die dabei ist, Altes loszulassen, um Neues in ihr Leben zu lassen, wirkt dagegen etwas blass.

"Duftwickensommer" ist ein zauberhafter, kurzweiliger Roman - perfekt zum Wegträumen. Und über allem erfüllen der betörende Duft und die Blütenvielfalt der Wicken die Luft.

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Veröffentlicht am 30.07.2025

Abgründe tun sich auf in North Falls

Dunkle Sühne
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Die 15jährige Madison steht ein wenig abseits, während sie die Leute von North Falls beobachtet. Alle warten gespannt auf das große Feuerwerk anlässlich des Unabhängigkeitstages. Madison ist mit ihrer ...

Die 15jährige Madison steht ein wenig abseits, während sie die Leute von North Falls beobachtet. Alle warten gespannt auf das große Feuerwerk anlässlich des Unabhängigkeitstages. Madison ist mit ihrer Freundin Cheyenne verabredet, aber sie verspätet sich wieder mal.

Deputy Emmy Clifton hat an diesem 4. Juli Dienst wie viele ihrer Kollegen. Sie spricht kurz mit Madison, der Tochter ihrer besten Freundin Hannah, die sie von klein auf kennt. Später dann erinnert sich Emmy, dass das Mädchen ihr noch etwas sagen wollte, widrige Umstände haben dies jedoch verhindert. Und nun macht sie sich Vorwürfe, denn beide Mädchen sind verschwunden, lediglich ihre Fahrräder werden gefunden. Darüber zerbricht die Freundschaft zu Hannah.

Neben Emmy, der wir hier hauptsächlich folgen, ist es auch ihr Vater, Sheriff Gerald Clifton, der alle Hebel in Bewegung setzt, um die beiden Mädchen zu finden. Sie stellen gefühlt halb North Falls auf den Kopf, die gründliche Suche in den Zimmern der Mädchen fördert so einiges zutage, vor allem Cheyenne scheint nicht das brave Kind gewesen zu sein, für das ihre Eltern sie halten. Auch führen Spuren zu etlichen zwielichtigen Typen und nicht nur Drogen sind im Spiel, auch gerät einer ins Visier der Ermittler, der als der Perverse bekannt ist. Emmy geht immer und immer wieder mögliche Szenarien durch, es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn stündlich sinken erfahrungsgemäß die Überlebenschancen der entführten Mädchen.

Neben der nervenaufreibenden Ermittlungsarbeit sind es auch die Cliftons, die hier leben und die in aller Ausführlichkeit umschrieben sind. Gut, es ist eine große Familie, aber nicht jedes Mitglied muss ich explizit einordnen können. Bei so einigen hätte es eine kurze Erwähnung auch getan, denn dem Thriller wird dadurch so einiges an Tempo genommen. Das war es dann schon mit meiner Kritik, denn die Handlung ist komplex und ziemlich kompliziert. Akribische Kleinarbeit ist gefordert. Dabei lässt die Spannung nie nach, ich lebe und leide mit den einen und hoffe, dass andere, mir sehr verdächtige Gestalten, ihre gerechte Strafe erhalten. Was aber beileibe nicht so einfach ist, denn Jahre später geht es wieder los. Wieder verschwindet ein Mädchen, wieder fordert sie der Fall und als ob es nicht genug wäre, schwingt eine private Sache bedrohlich mit.

Karin Slaughter bürgt für spannende Lesestunden. Ihre Charaktere sind keine Superhelden, sie wirken authentisch, sind nahbar, zweifeln auch mal und müssen so manch Rückschläge hinnehmen. Sie geben nicht auf, letztendlich werden die Fälle nach so etlichen überraschenden Wendungen dann aufgeklärt. Ein lange gehütetes Geheimnis innerhalb der Kernfamilie jedoch bleibt offen, ich bin gespannt auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Was wäre wenn… ein spannendes Szenario

Im Leben nebenan 
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„Vielleicht denk ich mir einfach ein zweites Leben für mich aus“ hatte sie gemeint…

Toni wacht auf und fühlt sich wie im falschen Film. Wo ist sie? Und wem gehört dieses Baby? Gut, sie und Jakob, ihr ...

„Vielleicht denk ich mir einfach ein zweites Leben für mich aus“ hatte sie gemeint…

Toni wacht auf und fühlt sich wie im falschen Film. Wo ist sie? Und wem gehört dieses Baby? Gut, sie und Jakob, ihr langjähriger Freund, haben einen Kinderwunsch, doch bis jetzt hat es nicht geklappt. Also – das Baby ist nicht ihres, auch ist ihre Wohnung in der Großstadt eher beengt und diese hier ist direkt luxuriös, die Umgebung vertraut – hier, in diesem Dorf, ist sie aufgewachsen, wie ein Blick aus dem Fenster verrät. Es war eben noch Sommer…

…und plötzlich ist es Herbst. In diesem anderen Leben ist sie Antonia, sie lebt mit Adam im Dorf ihrer Kindheit, sie hat Mann und Kind.

Was wäre wenn? Ein spannendes Szenario, direkt abstrakt. Anne Sauer erzählt zwei Geschichten parallel - von Kinderwunsch und Mutterschaft, von Toni und von Antonia. Das Hineinfinden in diese beiden Leben war zunächst befremdlich, da alles andere als alltäglich. Aber bald konnte ich mich damit anfreunden, dieses Wechselspiel hat mir zunehmend Spaß gemacht.

Ich hab mich darauf eingelassen, mich zurückgelehnt und mir „Im Leben nebenan“ von Chantal Busse vorlesen lassen. Sie ist für dieses Buch die absolut richtige Sprecherin, ihre jugendliche Stimme passt hervorragend zu der jungen Toni bzw. zu Antonia. Sie hat Anne Sauers Idee, zwei Lebensszenarien nebeneinander aufzuzeigen, perfekt in Szene gesetzt.

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