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Veröffentlicht am 20.08.2025

Großartig!

Gym
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Die Protagonistin bewirbt sich auf einen Job als Tresenkraft im MEGA GYM. Im Vorstellungsgespräch gibt ihr der Chef zu verstehen, dass ihr Körper nicht den Anschein erweckt, als trainiere sie selbst regelmäßig. ...

Die Protagonistin bewirbt sich auf einen Job als Tresenkraft im MEGA GYM. Im Vorstellungsgespräch gibt ihr der Chef zu verstehen, dass ihr Körper nicht den Anschein erweckt, als trainiere sie selbst regelmäßig. Spontan greift sie zu einer Notlüge: Sie habe erst kürzlich entbunden. Der Chef gefällt sich als Feminist und gibt ihr die Stelle. Um glaubhaft als frischgebackene Mama durchzugehen, warten allerdings einige Fallstricke auf sie, und schnell wird klar, dass sie noch deutlich mehr zu verbergen hat…

Verena Keßler gelingt es, mit relativ wenigen, präzise gesetzten Worten auf 192 Seiten eine intensive, lebendige und teils groteske Geschichte zu erzählen, die einen so starken Sog entwickelt, dass ich sie an einem Tag komplett verschlungen habe. Der Schreibstil ist herrlich bissig, pointiert und humorvoll, so dass ich insbesondere im ersten Drittel ein Dauergrinsen im Gesicht hatte. Doch der Roman bietet weit mehr als nur eine unterhaltsame Geschichte, die die Welt der Fitnessstudios aufs Korn nimmt. Je weiter die Handlung fortschreitet und je mehr man über die Vergangenheit der Protagonistin erfährt, desto mehr Tiefgang entwickelt der Roman, und zeigt, in welche Abgründe Leistungsdruck, Selbstoptimierung, Egoismus und rücksichtloses Aufwärtsstreben führen können.

Ein absolut großartiges Buch, das ich unbedingt weiterempfehlen möchte!

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Veröffentlicht am 09.08.2025

Wenn aus Liebe Hass wird

Die Rosenschlacht
7

Jonathan und Barbara Rose sind eine echte Vorzeigefamilie: Sie leben in einem großen Haus, das mit sorgfältig ausgewählten Antiquitäten eingerichtet ist, haben zwei liebenswerte Kinder und führen eine ...

Jonathan und Barbara Rose sind eine echte Vorzeigefamilie: Sie leben in einem großen Haus, das mit sorgfältig ausgewählten Antiquitäten eingerichtet ist, haben zwei liebenswerte Kinder und führen eine Bilderbuchehe. Geld ist im Überfluss vorhanden, Jonathan ist ein erfolgreicher Anwalt und Barbara gerade dabei, sich einen exklusiven Catering-Service aufzubauen. Beide zelebrieren ihr Glück auch nach außen. Als Jonathan eines Tages mit Verdacht auf Herzinfarkt in die Klinik kommt, eilt Barbara jedoch nicht zu ihm, sondern eröffnet ihm nach seiner Entlassung, dass sie die Scheidung will. Und das Haus. Doch Jonathan ist nicht bereit, das Haus aufzugeben, koste es, was es wolle. Und so beginnt ein nervenaufreibender Krieg, in dem mit immer härteren Bandagen gekämpft wird…

Das Buch „The War of the Roses“ von Warren Adler ist erstmals 1981 erschienen und wurde als „Der Rosenkrieg“ mit Michael Douglas, Kathleen Turner und Danny de Vito verfilmt. Der Film besitzt inzwischen Kultstatus. Anlässlich der Neuverfilmung mit Olivia Colman und Benedict Cumberbatch erscheint mit „Die Rosenschlacht“ eine Neuauflage des Romans.

Von Anfang hat mich die Handlung in ihren Bann gezogen und einen regelrechten Sog entwickelt, so dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Jonathan und Barbara überbieten sich mit bösartigen Einfällen gegenüber dem jeweils anderen. Es zählt nicht mehr, selbst eine bestimmte Sache zu bekommen, sondern nur noch, dass der andere sie nicht erhält. Die Anwälte der beiden beobachten das Treiben aus der Distanz, untätig-amüsiert. Solange die Rechnungen bezahlt werden, ist ihnen das alles ziemlich gleichgültig.

Warren Adler schreibt herrlich überspitzt – sowohl, was den immer aberwitzigeren Krieg der Eheleute angeht, als auch in Bezug auf die beiden Anwälte. Während des Lesens ertappte ich mich dabei, dass ich eher auf Jonathans Seite war. Hier spürt man ein bisschen, dass das Buch von einem männlichen Autor verfasst wurde und ein Kind seiner Zeit ist. Heute würde die Schuldfrage wohl etwas differenzierter betrachtet werden, während bei Adler anklingt, dass Barbara aufgrund einer fixen Idee alles aufgibt, um sich selbst zu verwirklichen. Sie wirkt egoistisch, undankbar und streckenweise auch etwas naiv, was ihr Geschäft anbelangt.

Abgesehen davon hat mir der Roman sehr gut gefallen, und gerade die Zuspitzungen machen den besonderen Reiz aus. Auch wenn diese auf den ersten Blick überzogen wirken, treffen sie doch den Kern vieler oft jahrzehntelanger Streitigkeiten, ob unter Geschwistern, Eheleuten oder Nachbarn. Man kämpft verbittert gegeneinander, weiß oft schon gar mehr, was der ursprüngliche Grund war, und sinnt nur noch darüber nach, dem anderen das Leben schwer zu machen. Und die einzigen, die davon profitieren, sind höchstens die Anwälte. Insofern hält „Die Rosenschlacht“ auch der Gesellschaft den Spiegel vor und regt zu Nachdenken darüber an, wie wir miteinander umgehen und welchen Preis wir letztendlich dafür bezahlen.

Eine ganz klare Leseempfehlung und volle 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Flucht aus der DDR - eine beeindruckende wahre Geschichte

Der Tunnelbauer
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2024 jährt sich die Gründung der beiden deutschen Staaten zu 75. Mal, und es sind genau 60 Jahre vergangen, seit durch den erfolgreichsten aller Fluchttunnel 57 Menschen in den Westen gelangten. Passend ...

2024 jährt sich die Gründung der beiden deutschen Staaten zu 75. Mal, und es sind genau 60 Jahre vergangen, seit durch den erfolgreichsten aller Fluchttunnel 57 Menschen in den Westen gelangten. Passend hierzu erscheint das Hörbuch "Der Tunnelbauer" von Maja Nielsen, in dem die bewegende Geschichte von Joachim (Achim) Neumann erzählt wird, der selbst kurz nach dem Mauerbau mit 18 Jahren in den Westen floh und am Bau mehrerer Fluchttunnel beteiligt war, unter anderem an dem erwähnten Tunnel 57.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Achim und seiner Freundin Christa, der Achim von Westberlin aus zur Flucht aus der DDR verhelfen möchte, erzählt. Im Hörbuch werden beide von unterschiedlichen Sprecher*innen dargestellt: Mio Lechenmeyer verstimmlicht Achim und Diana Gantner liest Christa. Beide haben eine sehr angenehme Stimme und ein gutes Sprechtempo, so dass ich ihnen sehr gerne zugehört habe. Ihr Vortrag lässt die Risiken einer Flucht, die dramatischen Umstände der Fluchttunnel und die emotionale Belastung und Anspannung aller Beteiligten lebendig werden. Besonders gut gefällt mir, dass der echte Achim Neumann am Anfang und Ende selbst zu Wort kommt (auch eine ganz tolle Stimme, ich hätte ihm gerne noch länger zugehört!). Im Nachwort erzählt er, was aus den realen Vorbildern der im Hörbuch erwähnten Fluchthelfer geworden ist (Alle im Hörbuch vorkommenden Personen hat es tatsächlich gegeben, aus Datenschutzgründen werden sie aber bis auf Christa und Achim nicht mit ihrem richtigen Namen genannt.). Dies rundet das Buch hervorragend ab.

Maja Nielsen hat den Inhalt perfekt auf eine jugendliche Zielgruppe ab ca. 14 Jahren abgestimmt. Geschickt verwebt sie Informationen über die ideologische Ausgangssituation in der DDR, das gesellschaftliche Klima und die Gefahren einer Republikflucht für den Flüchtenden und seine Angehörigen mit einer spannend erzählten Geschichte.

Fazit: Gleichzeitig lehrreich und sehr lebendig erzählt "Der Tunnelbauer" ein beeindruckendes Stück deutscher Geschichte. Ich möchte es jedem Jugendlichen und auch allen Lehrern der Mittel- und Oberstufe dringend ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

gemütlicher, leicht düsterer Historienkrimi

Im Finsterwald
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„Finsterwald“ ist der dritte Band der Krimireihe um Hauptwachtmeister Nils Gunnarsson und Ellen Grönblad. Ich kannte die ersten beiden Bände vorher nicht und konnte dem in sich abgeschlossenen Fall ohne ...

„Finsterwald“ ist der dritte Band der Krimireihe um Hauptwachtmeister Nils Gunnarsson und Ellen Grönblad. Ich kannte die ersten beiden Bände vorher nicht und konnte dem in sich abgeschlossenen Fall ohne Probleme folgen. Dennoch empfehle ich allen, mit Band 1 zu starten, da das Buch immer wieder auf alte Fälle und die frühere Beziehung der beiden Bezug nimmt. Die Gefühle und Gedanken von Nils und Ellen spielen im Buch eine große Rolle, und das perfekte Leseerlebnis hat man sicher erst, wenn man die zwei von Anfang an kennt.

Göteborg, im Winter 1926. Die neunjährige Alice Guldin ist mit ihrem Kindermädchen Maj und ihren vier Geschwistern im Naturkundlichen Museum. Als das Museum schließt, rennt Alice ins Gebäudeinnere davon. Maj und die Museumswärter suchen nach ihr, jedoch ohne Erfolg. Auch die Polizei um Nils Gunnarsson tappt im Dunkeln. Was ist mit Alice passiert? Ist sie unbemerkt ins Freie entwischt oder befindet sie sich noch irgendwo in den verwinkelten Gängen des Museums, zwischen tausenden Exponaten, mystischen Dioramen und unzähligen Vitrinen? Was verbirgt die Familie Guldin? Wissen die Angestellten des Museums mehr als sie sagen? Nils Gunnarsson geht allen Spuren nach und bekommt tatkräftige Unterstützung von Ellen.

„Finsterwald“ ist ein sehr atmosphärischer Historienkrimi, der vor allem durch eine ruhige, unaufgeregte Erzählweise, interessante Charaktere und detaillierte Beschreibungen besticht. Der Fall wartet mit manch überraschender Wendung auf, entwickelt sich aber dennoch eher gemächlich. Wer einen handlungsgetriebenen, spannungsgeladenen Krimi sucht, wird hier nicht fündig. Nils und Ellen sind mir immer vertrauter und sympathischer geworden, und ich werde auf jeden Fall noch die beiden Vorgängerbände „Der Sommer, in dem Einstein verschwand“ und „Die Pestinsel“ lesen. Sehr interessant fand ich die Beschreibung der Dioramen in Naturhistorischen Museum, die tatsächlich existieren und 1923 von Olof Gylling entworfen und gestaltet wurden.

Fazit: Der perfekte Krimi für alle, die einen etwas düsteren, aber dennoch gemütlichen Krimi mit historischem Charme und sympathischen Hauptfiguren schätzen.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Eine wahre Geschichte über die Familie eines DDR-Spions

Das falsche Leben
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Hannover, 1979. Der 16-jährige Thomas und sein großer Bruder Micha leben in einer scheinbar durchschnittlichen westdeutschen Familie. Doch eines Tages brechen sie überstürzt in die DDR auf, weil laut ihres ...

Hannover, 1979. Der 16-jährige Thomas und sein großer Bruder Micha leben in einer scheinbar durchschnittlichen westdeutschen Familie. Doch eines Tages brechen sie überstürzt in die DDR auf, weil laut ihres Vaters der dort lebende Opa schwer krank ist. Doch erst jenseits der Grenze erfahren die beiden die Wahrheit: Der Vater ist DDR-Spion und wurde durch einen Überläufer enttarnt. Um in der BRD nicht verhaftet zu werden, bleibt ihm nur die Flucht. Thomas und sein Bruder verlieren von einem Tag auf den anderen ihr gesamtes bisheriges Leben, erleben Bespitzelung, Indoktrination und totale Kontrolle. Auch dem Vater dämmert, dass die Realität in der DDR nichts mit seinem Ideal vom Sozialismus zu tun hat. Doch eine Ausreise in die BRD in unmöglich, da die Westpapiere eingezogen wurden. Schließlich werden Thomas und seine Eltern verhaftet und nach Hohenschönhausen und später nach Bautzen ins Gefängnis gebracht.

Maja Nielsen erzählt die wahre Geschichte von Thomas Raufeisen und seiner Familie, die einen hohen Preis für die Agententätigkeit des Vaters zahlen musste. Das Buch ist in 36 kurze, leicht lesbare Kapitel eingeteilt und richtet sich in erster Linie an Jugendliche. Historische Fakten werden geschickt in die Handlung mit eingewoben, und der geradlinige, packende Schreibstil macht auf eindrückliche Weise ein Stück deutscher Zeitgeschichte erlebbar. Das Glossar am Ende des Buches erklärt den jugendlichen Leser:innen, die mit der Thematik noch nicht vertraut sind, zusätzlich die wichtigsten Begriffe. Im Anhang erfährt man außerdem, wie das Leben von Micha, Thomas und ihren Eltern weiter verlaufen ist.

Ich könnte mir dieses Buch sehr gut als Klassenlektüre beim Themenkomplex DDR vorstellen. Da es sich um eine wahre Geschichte handelt, ist man emotional ganz anders involviert als bei einer fiktiven Handlung. Zudem stellt der Verlag auf der Homepage Unterrichtsmaterial zur Verfügung, und auf Youtube finden sich mehrere interessante Interviews mit Thomas Raufeisen, der heutzutage Führungen in der ehemaligen Haftanstalt in Hohenschönhausen anbietet.

Nicht nur aus historischen Gründen, sondern auch angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen weltweit und hierzulande eine sehr lehrreiche und lesenswerte Lektüre.

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