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Veröffentlicht am 25.09.2025

Gefühlvoll, doch nicht so stark wie Band 1

The Summer I Saved You
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Um sich von ihrem Mann scheiden zu lassen, zieht Lucie mit ihren Kindern in das Ferienhaus ihrer Familie. Unerwarteterweise wohnt nebenan nicht nur ihr Teenie-Crush Caleb - er ist auch noch ihr neuer Boss! ...

Um sich von ihrem Mann scheiden zu lassen, zieht Lucie mit ihren Kindern in das Ferienhaus ihrer Familie. Unerwarteterweise wohnt nebenan nicht nur ihr Teenie-Crush Caleb - er ist auch noch ihr neuer Boss! Hin- und hergerissen zwischen Scheidungsdrama eines toxisch-kontrollierenden Ex, Erziehung ihrer zwei Zwillinge und dem neuen Job arbeiten sich nach und nach die alten Gefühle zu Caleb an die Oberfläche - doof nur, dass er keine Verpflichtungen haben will...

Elizabeth O’Roark hat auch mit "The Summer I Saved You" wieder bewiesen, wie sehr sie es versteht, Emotionen greifbar zu machen. Ihr Schreibstil ist packend, gefühlvoll und schafft es, mich von Anfang bis Ende mit den Figuren mitfühlen zu lassen. Lucie und Caleb wirkten lebendig und vielschichtig, auch wenn ich nicht jede ihrer Entscheidungen ganz nachvollziehen konnte – genau das machte sie mir aber realistisch und interessant.

Im Vergleich zu Teil eins der Summer-Reihe konnte mich dieser Band allerdings nicht ganz so stark begeistern. Vor allem das Ende wirkte für mich etwas überhastet. Mir fehlte eine klarere Auflösung rund um Lucies Ex, und auch die Auseinandersetzung zwischen Caleb und seiner Ex-Frau hätte mehr Raum vertragen können.

Trotzdem ist die Geschichte insgesamt hoch emotional und fesselnd. Die Mischung aus Drama, Romantik und einigen sehr gelungenen Spice-Szenen hat mich durchgehend gut unterhalten. Auch wenn es für mich kleine Abzüge beim Finale gibt, bleibt "The Summer I Saved You" eine mitreißende Fortsetzung, die Fans der Reihe auf jeden Fall lesen sollten.

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Veröffentlicht am 18.09.2025

Zwischen RAF und Familiendrama

Blankenese - Zwei Familien
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Mit "Blankenese – Zwei Familien – Zeitensturm" legt Michaela Grünig den dritten und letzten Band ihrer Trilogie vor und es zog mich von der ersten Seite wieder in den Bann. Schon der Einstieg gelang nahezu ...

Mit "Blankenese – Zwei Familien – Zeitensturm" legt Michaela Grünig den dritten und letzten Band ihrer Trilogie vor und es zog mich von der ersten Seite wieder in den Bann. Schon der Einstieg gelang nahezu mühelos, nicht zuletzt dank der hilfreichen Übersicht über die Familienverhältnisse, die zur Erinnerung nach den ersten beiden Bänden wichtig war, da ich diese jeweils zum Erscheinungstermin gelesen hatte.

Die Autorin beweist einmal mehr ihr Talent, geschichtliche Ereignisse und politische Entwicklungen mit persönlichen Schicksalen zu verweben. Ob Studentenbewegung, Vietnamkrieg, Aufarbeitung des Nationalsozialismus, DDR, RAF oder Paragraf 218 – all diese Themen flossen in die Handlung ein, ohne belehrend zu wirken. Vielmehr erlebte ich erneut die Zeitgeschichte durch die Augen plastisch gezeichneter Figuren, mit denen ich mitfühlen, mitleiden und mitfiebern konnte.

Besonders Ulrike hat mich dabei stark beeindruckt. Sie ringt mit sich, mit den Erwartungen ihrer Eltern und ihrer eigenen Beziehung und ihre Entwicklung habe ich deshalb gespannt verfolgt. Ihre Ambivalenz, ihre Stärke und ihr Ringen um Selbstbestimmung haben sie für mich zur vielleicht spannendsten Figur gemacht. Gleichzeitig hat mich ihr Verhältnis zu einer Figur, die nach und nach in die RAF abdriftet, fassungslos und frustriert zurückgelassen und ich habe mitgefiebert, ob Ulrike die Kurve kriegen würde.

Ihre Schwester Sabine wiederum ist ein stiller, aber nicht weniger interessanter Gegenpol. Ihre Zartheit, ihre Einsamkeit, aber auch ihre Anfänge von Rebellion haben mich bewegt. Besonders ihre Auseinandersetzungen mit Mutter Sonja haben mich oft fassungslos gemacht. Nach und nach zeigte sich, wohin eine zerrüttete Eltern-Kind-Beziehung führen kann.

Mein persönlicher Liebling der Trilogie blieb aber die dritte Figur im Fokus - Kurt: ein Mann, der gegen Widerstände und Schweigen ankämpft und in der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und auch später der Strafverfolgung der RAF nicht locker lässt. Sein Idealismus, aber auch die Steine, die ihm in den Weg gelegt werden, machen seinen Strang zu einem wichtigen Teil der Handlung, der zeigt, wie schwierig der juristische Weg der Aufarbeitung ist und wie schmal der Grat zwischen demokratischem Verhalten und Machtausnutzung. Wer jedoch kein Fan juristischer Sachverhalte ist, wird hier möglicherweise nicht ganz so begeistert sein.

Insgesamt gelang es Michaela Grünig wieder, die Balance zwischen historischer Genauigkeit, politischem Zeitgeist und emotionaler Tiefe zu halten. Es gibt Figuren, die man sofort ins Herz schließt, und andere, die man leidenschaftlich verabscheut. Genau das hielt bei mir die Spannung bis zum Schluss hoch.

Das Ende hat mich vollkommen überrascht und tief getroffen. Ohne zu viel zu verraten: Es ist dramatisch, erschütternd und alles andere als „Friede, Freude, Eierkuchen“. Gerade dadurch wirkte es lange nach und macht die Trilogie für mich zu einem eindringlichen literarischen Erlebnis, das mir im Gedächtnis bleiben wird.

Fazit: Diese Reihe hat mich, die eigentlich nie ein Fan von historischen Romanen war, restlos überzeugt. Sie zeigt Menschen, die in bewegten Zeiten ihren Platz suchen, Fehler machen, kämpfen und hoffen. Die Blankenese-Trilogie hat mich nicht nur bestens unterhalten, sondern auch zum Nachdenken gebracht und mein Interesse an der Geschichte dieser Epoche vertieft.

Auch, wenn mich das Ende schockierte, was es für mich ein packendes, authentisches und sehr bewegendes Finale einer außergewöhnlichen Reihe. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Fleur de Lavande

Fleur de Lavande (Band 1) - Wie du liebst
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Nachdem ihr 3. Buch veröffentlicht wurde, benötigt Autorin Viola eine Sommerpause und reist zu ihrer Freundin in die Provence, wo sie die Ferien auf dem Gut der Familie verbringen möchten. Unerwartet mit ...

Nachdem ihr 3. Buch veröffentlicht wurde, benötigt Autorin Viola eine Sommerpause und reist zu ihrer Freundin in die Provence, wo sie die Ferien auf dem Gut der Familie verbringen möchten. Unerwartet mit von der Partie ist Lucas - der Bruder ihrer besten Freundin und eigentlich sind sich die beiden spinnefeind. Doch nach und nach kommen sie sich näher als Viola lieb ist und obwohl Lucas etwas vor ihr zu verbergen scheint, entstehen Gefühle, mit denen sie nicht gerechnet hätte.

Schon auf den ersten Seiten hat mich dieses Buch vollkommen gepackt: Das wunderschöne Setting, der vereinnahmende Schreibstil, die Emotionen der Figuren und die interessanten Hintergrundthemen haben mich nicht mehr losgelassen.

Viola als Hauptfigur empfand ich als sympathisch und ich konnte sehr mit ihr mitfühlen. Gleichzeitig entwickelte sich ihre Persönlichkeit allerdings erst zum Schluß weiter und sie wirkte über den Roman hinweg etwas wehleidig, was mich manchmal etwas genervt hat. Ihr männlicher Konterpart Lucas hatte mich hingegen sehr schnell für sich gewonnen: geheimnisvoll, nachdenklich, stark, aber ohne dieses abweisende Klischee, das man oft in New-Adult-Romanen findet. Beide Protagonisten verhalten sich erwachsen, kommunizieren überwiegend direkt miteinander und lernen sich wirklich kennen. Das hatte für mich viel mehr Niveau als in vielen anderen Geschichten des Genres. Ich wollte stets wissen, was sich nun hinter Lucas' Geheimnis verbirgt! Mir haben zudem die Nebenfiguren und die anklingenden Nebenhandlungen für die zukünftigen 2 Bände gefallen und Neugierde geschürt. Dazu kam die Thematik rund um die Autorenwelt der Protagonistin Viola sowie das emotionale Gepäck, das beide Hauptfiguren mitbringen – beides verlieh der Handlung angenehme Tiefe.

Das Setting in der Provence ist einfach traumhaft und macht das Buch zur perfekten Sommerlektüre. Man kann die warmen Farben, die Düfte und die Atmosphäre fast spüren. Unterstützt wird das Ganze von Gabriella Santos de Limas wunderschönem Schreibstil, der einen sofort in seinen Bann zieht. Ein weiteres Highlight für mich war die moderne Textgestaltung mit E-Mails, Violas-Kopflisten und WhatsApp-Nachrichten. Das sorgte für Abwechslung und einen besonders angenehmen Lesefluss.

Fazit: Fleur de Lavande ist ein gefühlvolles, reifes und zugleich leichtes Sommerbuch mit einer romantischen Liebesgeschichte, einem tollen Setting und wunderbar geschriebenen Figuren. Ich konnte es kaum aus der Hand legen – und freue mich schon riesig auf den nächsten Teil!

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Den eigenen Mord aufklären

Not Quite Dead Yet
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Als Jet vom alljährlichen Halloweenfest ihrer Kleinstadt nach Hause kommt, wird sie hinterrücks niedergeschlagen. Im Krankenhaus wird ihr nach Intensivbehandlung offeriert, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ...

Als Jet vom alljährlichen Halloweenfest ihrer Kleinstadt nach Hause kommt, wird sie hinterrücks niedergeschlagen. Im Krankenhaus wird ihr nach Intensivbehandlung offeriert, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb der kommenden 7 Tage versterben wird. Und das, obwohl sie erst 27 Jahre alt ist. Doch Jet wäre nicht Jet, wenn sie ihre verbleibende Zeit dazu nutzen würde, ihren Mörder zu finden. Gemeinsam mit ihrem besten Freund Billy nimmt sie die ihr nahestehenden Personen unter die Lupe und stößt auf Geheimnisse, die alles verändern…

„Not Quite Dead Yet“ ist der neueste Thriller von Holly Jacksen, der sich dieses Mal dem Erwachsenengenre annähern soll. Die weibliche Hauptfigur Jet ist jedoch eine für ihr Alter recht jung, fast schon pubertär-trotzig wirkende Hauptfigur, die mir zunächst nahezu unsympathisch und unterkühlt erschien. Im Verlauf der Handlung wurde sie jedoch nahbarer, verletzlicher und wahnsinnig kämpferisch, womit sie mir imponierte und sich nach und nach in mein Herz schlich. Da der Roman zwar sehr spannend und mit hohem Tempo gesegnet war, dennoch weniger creep und thrill besaß als z.B. A Good Girls Guide To Murder, würde ich den Thriller eher erneut dem YA/NA-Genre zuordnen, statt dem Erwachsenenthriller-Genre. Dies tat meiner Laune jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil, ich war froh, dass ich nachts zum Schlafen das Licht ausschalten konnte ;)

Besonders überzeugt hat mich, dass es Holly Jackson wieder geschafft hat, mich total in ihren Bann zu ziehen. Die vielen losen Fäden, kleinen Andeutungen und überraschenden Enthüllungen haben mir unglaublich viel Spaß gemacht. Ich liebe es, wenn beim Lesen Theorien sprießen und ich mir mit jedem Kapitel neue Fragen stelle. Genau das ist hier passiert: Wer spielt falsch? Wem kann man trauen? Ich habe wirklich mitgefiebert.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich bei einem Punkt etwas enttäuscht war: Ich hatte relativ früh den richtigen Verdacht, wer der Täter ist. Er war mir fast zu „unverdächtig“ und deshalb suspekt. Auch wenn mich das Motiv am Ende wirklich kalt erwischt hat (und ich deshalb wieder versöhnt war), war die Enthüllung des Täters selbst für meinen Geschmack einen Tick zu vorhersehbar. Ein, zwei falsche Fährten mehr hätten für meinen Geschmack die Spannung noch angehoben.

Zudem musste ich über einige medizinischen Ungereimtheiten großzügig hinwegsehen. Dies wird von der Autorin allerdings im Nachwort ebenfalls thematisiert und glücklicherweise fiel es mir leicht, mein Hirn „abzuschalten“. Wenn man akzeptiert, dass Realismus hier und da der Dramatik weichen muss, wird man mit einer packenden Story belohnt, die kaum Zeit zum Durchatmen lässt.

Besonders gut gefallen hat mir, dass die aufkeimende Liebesgeschichte dezent blieb. Es gab zwar einige emotionale Elemente, aber die Handlung wurde nie davon überlagert, was ich sehr stimmig fand.

Fazit: Ja, es gibt Logiklücken, ja, nicht alles ist realistisch, aber „Not Quite Dead Yet“ war genau das, was ich mir erhofft hatte: ein rasanter, spannender Pageturner, der sich locker in Holly Jacksons bisheriges Werk einfügt. Wer Lust auf ein wenig Nervenkitzel, viele Geheimnisse und einen fesselnden Stil hat, wird hier bestens unterhalten.

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Veröffentlicht am 30.07.2025

Leise Töne, die lange nachhallen

Das Geschenk des Meeres
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Als nach einem Wintersturm ein kleiner Junge am Strand in Skerry, Schottland im Jahr 1900 aufgefunden wird, wird die Dorflehrerin Dorothy mit dessen Pflege bis zur Aufklärung seiner Herkunft betraut. Diese ...

Als nach einem Wintersturm ein kleiner Junge am Strand in Skerry, Schottland im Jahr 1900 aufgefunden wird, wird die Dorflehrerin Dorothy mit dessen Pflege bis zur Aufklärung seiner Herkunft betraut. Diese ist hin- und hergerissen, sieht er doch ihrem eigenen Sohn so unfassbar ähnlich und ist auch noch im selben Alter wie damals, als er spurlos verschwand. Niemand weiß, was damals geschah und nicht nur bei Dorothy werden alte Wunden aufgerissen…



Schon auf den ersten Seiten zog mich Julia R. Kelly mit ihrer ruhigen, beinahe unaufgeregten Sprache in eine karge, aber umso intensivere Atmosphäre hinein. Es ist dieses Understatement, das die gesamte Geschichte so kraftvoll machte: leise Töne, die lange nachhallen.

Die Handlung wechselte zwischen Vergangenheit und Gegenwart und den einzelnen Figuren, was einen interessanten Spannungsbogen schaffte. Nach und nach entfalteten sich Schicksale, die zutiefst tragisch und dabei doch greifbar menschlich waren. Im Mittelpunkt dabei stand stets Dorothy: Eine Frau, die doppelt fremd bleibt - als Zugezogene in einem Dorf, das sie nie wirklich aufgenommen hat, und als Mutter, die ihren Sohn nicht nur verloren hat, sondern bis heute nicht weiß, was damals wirklich geschehen ist.

Die Figuren sind allesamt komplex und vielschichtig. Selbst Nebenfiguren ließen sich nicht einfach als Antagonisten abstempeln. Die Autorin schaffte es, bei aller Tragik, Mitgefühl oder zumindest Verständnis für alle Figuren zu wecken, auch wenn ich ihre Entscheidungen nicht immer gutheißen konnte. Die Dorf„Idylle“ entpuppte sich daher schnell als klaustrophobischer Kosmos, in dem jeder über jeden redet, aber niemand miteinander.

Sprachlich erinnerte mich „Das Geschenk des Meeres“ etwas an „Der Gesang der Flusskrebse“. Es ist diese stille Kraft, die aus detaillierten Landschaftsbeschreibungen, zarten Gefühlen und kleinen Momenten eine ganze Welt baut. Der Autorin ist es gelungen, ihre Geschichte ruhig zu erzählen, ohne dass je Langeweile aufkommt. Die Spannung lag dabei im Kleinen, im Ungesagten. Nur der ein oder andere mystisch-sagenbestimmte Moment hätte für mich ausbleiben können. Dennoch passte der mythische Aberglauben zum schottischen Dorfvolk.

Trotz aller Trostlosigkeit blieb das Ende für meinen Geschmack versöhnlich und dennoch glaubwürdig: keine heile Welt, kein unverdientes Happy End – aber ein Funken Hoffnung, der noch nachhallte.

Fazit: Mich hat das Buch sehr bewegt. Mit seinen tragischen Figuren, seiner atmosphärischen Dichte und der unaufdringlichen, aber eindringlichen Sprache. Ein stilles, trauriges, wunderschönes Buch.

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