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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.08.2025

Alte Schätze, neue Gefühle

Flohmarkt der Träume
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Toni liebt es, auf Flohmärkten nach kleinen Schätzen zu stöbern. In den alten Schleidörfern entlang des Fjords hat sie schon so manchen besonderen Fund gemacht. Auch dieses Mal hat sie Glück: Der sympathische ...

Toni liebt es, auf Flohmärkten nach kleinen Schätzen zu stöbern. In den alten Schleidörfern entlang des Fjords hat sie schon so manchen besonderen Fund gemacht. Auch dieses Mal hat sie Glück: Der sympathische Schreiner Leo überlässt ihr eine alte Holzschatulle mit Liebesbriefen – unter der Bedingung, dass sie ihm im Falle eines Fundwerts einen Anteil abgibt. Toni hält das Ganze für harmlos, denn sie glaubt nicht, Leo je wiederzusehen. Doch es kommt anders. Die Briefe bergen ein Geheimnis, das beide erneut zusammenführt und sie auf eine gemeinsame Spurensuche schickt. Dabei entwickelt sich zwischen Toni und Leo mehr als nur eine flüchtige Bekanntschaft – obwohl Toni eigentlich gar nicht bereit ist für eine neue Beziehung. Oder doch?

Die Handlung plätschert angenehm dahin, ohne aufzuregen, und ist daher ideal für entspannte Hörmomente zwischendurch. Zwar hatte ich mir gemessen am Klappentext etwas mehr inhaltliche Tiefe rund um die Briefe erhofft, doch letztlich dienen diese eher als Aufhänger. Sie wurden recht schnell als irrelevant abgetan und anschließend kaum mehr thematisiert. Das empfand ich persönlich als sehr schade.

Die Beziehung zwischen Toni und Leo ist von Anfang an von einer leisen Anziehung geprägt. Zwar kommen zwischen den beiden wiederholt Zweifel und Unsicherheiten auf, doch der Beginn ihrer Beziehung wird sehr idealisiert dargestellt und verläuft vorhersehbar. Die zweite Liebesgeschichte um Onkel Robert entwickelt sich hingegen in rasantem Tempo, bleibt in ihrer Tiefe aber eher vage. Dadurch wirkte diese zusätzliche Liebesgeschichte auf mich eher konstruiert. Wäre der Liebes-Fokus ausschließlich auf Toni und Leo gelegen, so hätte ihre Geschichte mehr Raum bekommen können. Das hätte der Geschichte mehr Authentizität und Intensität verliehen. So empfand ich die Beziehungsdynamiken leider eher oberflächlich und nicht wirklich emotional greifbar.

Was mich dagegen richtig begeistert hat, war das Setting. Die Flohmärkte, die Stände und ihre Besucher wurden so liebevoll und detailreich beschrieben, dass ich mich beim Hören regelrecht selbst über einen Markt schlendern sah. Ich bekam direkt Lust, wieder über einen echten Flohmarkt zu laufen und selbst nach besonderen Stücken zu stöbern. Auch Leos Zuhause hatte seinen ganz eigenen Charme. Es wurde so einladend beschrieben, dass ich mich dort sofort wohlgefühlt hätte.

Ein schöner Aspekt der Geschichte war für mich auch, dass Toni nebenbei an einem Liebesroman schreibt. Zwar steht das nicht im Zentrum, aber immer wieder greift sie zur Tastatur, um ihre Gedanken niederzuschreiben. So entstand der Eindruck, dass sich ihre eigene Geschichte und die fiktive Handlung, an der sie schreibt, beinahe parallel entfalten. Das war für mich ein stiller, aber gelungener erzählerischer Effekt.

Fazit:
„Flohmarkt der Träume“ ist ein Hörbuch, das mit seinem Setting, seiner Stimmung und seinem leichten Erzählfluss punktet. Die Geschichte ist vorhersehbar, stark idealisiert und ohne große Überraschungen, aber gerade deshalb angenehm unaufgeregt. Wer eine Geschichte zum Entspannen und Wegträumen sucht, ist hier gut aufgehoben – auch wenn es inhaltlich noch etwas mehr Potenzial gegeben hätte.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Zwischen Sehnsucht und Selbstzerstörung – ein zeitloses Drama

Madame Bovary
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Emma Rouault, eine junge Frau voller romantischer Vorstellungen und Sehnsüchte, heiratet den gutmütigen Landarzt Charles Bovary in der Hoffnung auf ein erfülltes, liebevolles Leben. Doch bald schon erdrücken ...

Emma Rouault, eine junge Frau voller romantischer Vorstellungen und Sehnsüchte, heiratet den gutmütigen Landarzt Charles Bovary in der Hoffnung auf ein erfülltes, liebevolles Leben. Doch bald schon erdrücken sie der graue Alltag, die Monotonie des Landlebens und die emotionale Distanz, die sie in ihrer Ehe empfindet. Ihre hochgesteckten Erwartungen an das Leben, geprägt von schwärmerischen Romanen, prallen auf eine Realität, die sie als langweilig, stumpf und erdrückend empfindet. Auf der Suche nach Leidenschaft und Sinn stürzt sie sich in Affären und gerät immer weiter aus der Bahn.

Emma Bovary ist eine komplexe, tragische Figur, die in ihren Widersprüchen erschütternd realistisch gezeichnet ist. Sie ist eine zutiefst depressive Frau, die sich nach Schönheit, Liebe und Erfüllung sehnt, aber immer wieder an der Realität zerbricht. Ihre Fluchten in romantische Träumereien, ihre Gleichgültigkeit gegenüber ihrer Tochter und die wachsende Ablehnung gegenüber ihrem Ehemann wirken oft kalt und sind doch Ausdruck einer tiefen inneren Verlorenheit. Flaubert gelingt es meisterhaft, Emmas Sehnsüchte, ihre Gedankenspiralen und ihre zunehmende Verzweiflung spürbar zu machen.

Dem gegenüber steht Charles Bovary, der vermeintlich langweilige, einfältige Ehemann . Und doch offenbart sich im Verlauf des Romans, wie viel Herz und Güte in ihm steckt. Er liebt Emma aufrichtig, vielleicht zu sehr. Seine Naivität, seine Weltfremdheit und seine ständige Nachsicht machen ihn zu einer tragischen Figur, deren grenzenlose Liebe das Geschehen noch schmerzhafter erscheinen lässt. Er ist der stille Leidende, dessen Schicksal mindestens ebenso berührt wie das von Emma.

Was Flaubert hier geschaffen hat, ist nicht nur eine Gesellschaftskritik oder ein Ehedrama, sondern ein zeitloses Psychogramm über gescheiterte Träume, Rollenbilder und das Ringen um Sinn. Dass eine Frau in einem Roman des 19. Jahrhunderts so bewusst aus gesellschaftlichen Normen ausbricht und Ehebruch begeht, wirkt sehr modern und ist in seiner Tragik erschütternd aktuell.

Trotz des Alters von über 150 Jahren wirkt Madame Bovary erstaunlich frisch. Die sprachliche Dichte, die lebendigen Beschreibungen von Landschaften, Orten und Stimmungen, aber auch die feine Beobachtungsgabe, mit der Flaubert das Innenleben seiner Figuren zeichnet, haben mich sehr beeindruckt. Besonders die Ambivalenz von Emma, zwischen ihrer Sehnsucht und Selbstzerstörung, ist so feinfühlig und detailliert dargestellt, so dass ich absolut gespannt war, wie die Geschichte enden wird.

Fazit:

Madame Bovary ist ein literarischer Klassiker, das seiner Zeit weit voraus war. Eine intensive, sprachlich großartige Auseinandersetzung mit (verlorenen) Idealen, gesellschaftlichem Druck und der Suche nach einem Leben jenseits des Mittelmaßes. Ein Buch, das auch heute noch bewegt und zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Wenn das Herz die To-do-Liste sprengt – Angelina & Riven

Today I’ll Fall For Him (3)
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Mit „Today I’ll Fall For Him“ liefert Bianca Wege den finalen Band ihrer Today-Reihe – ein schöner, emotionaler Abschluss, der erneut zeigt, wie gut die Autorin Alltagsprobleme, persönliche Krisen und ...

Mit „Today I’ll Fall For Him“ liefert Bianca Wege den finalen Band ihrer Today-Reihe – ein schöner, emotionaler Abschluss, der erneut zeigt, wie gut die Autorin Alltagsprobleme, persönliche Krisen und Liebesgeschichten miteinander verbinden kann. Auch wenn mich dieser dritte Teil nicht ganz so sehr berührt hat wie die beiden Vorgänger, war es dennoch ein gelungener Ausklang.

Im Mittelpunkt stehen Angelina und Riven. Angelina, Jurastudentin und scheinbar makellos organisiert, flüchtet nach einer verpatzten Prüfung und einem folgenschweren Fehler im Unternehmen ihres Vaters zu ihrem Bruder Asher nach Harpersville. Dort versucht sie, sich in ihrem Studium und unzähligen To-do-Listen zu verlieren, um die vergangenen Erlebnisse zu verdrängen. Doch ihr Plan wird gehörig durcheinandergewirbelt, als sie dem Volleyball-Coach Riven begegnet. Zwischen ihnen entwickelt sich langsam eine Verbindung, die Angelina in ihrer durchstrukturierten Welt herausfordert – und ihr Herz leise in Aufruhr versetzt.

Was Bianca Wege besonders gut gelingt, ist das Einfangen von innerem Druck und dem Gefühl, es allen recht machen zu wollen. Angelinas Angst zu versagen und die ständige Selbstoptimierung wirken absolut nachvollziehbar – viele LeserInnen werden sich darin bestimmt wiederfinden. Gleichzeitig machte genau diese Seite sie für mich manchmal etwas unnahbar. Ihre starre Art, mit Situationen umzugehen, ließ wenig Raum für Spontanität oder emotionale Nähe.

Riven bleibt dagegen überraschend blass. Während die vorherigen Bände der Reihe gerade durch die Tiefe und Vielschichtigkeit ihrer ProtagonistInnen lebten, erfährt man über ihn deutlich weniger. Das ist schade, denn sein Charakter bringt grundsätzlich interessante Facetten mit. Besonders im Zusammenspiel mit Angelina und dem sportlichen Setting hätte man sich hier noch mehr Tiefe und Einblicke in seine Gefühlswelt gewünscht. Nichtsdestotrotz fügt er sich gut in die Geschichte ein und funktioniert innerhalb der Handlung glaubwürdig.

Trotz dieser kleineren Kritikpunkte hat mir das Buch insgesamt gut gefallen. Der Schreibstil ist gewohnt flüssig, die Atmosphäre in Harpersville erneut charmant und das Zusammenspiel der Charaktere stimmig. Bianca Wege versteht es, emotionale Themen greifbar zu machen und die leisen Momente zwischen zwei Menschen gekonnt in Szene zu setzen.

„Today I’ll Fall For Him“ ist ein gefühlvoller Abschluss der Today-Reihe, der durch seine Themen und das vertraute Setting überzeugt. Auch wenn dieser Band für mich nicht ganz die emotionale Tiefe der vorherigen erreicht, bietet er eine schöne, ruhige Liebesgeschichte, in der besonders Angelinas innerer Konflikt gut zur Geltung kommt. Ein lesenswerter Roman für alle, die Geschichten über Selbstzweifel, Neuanfänge und die Suche nach dem eigenen Weg mögen.

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Veröffentlicht am 08.08.2025

Ein modernes Märchen mit Herz – Zwischen Luxus, Liebe und Lebenskrisen

The Darlington - Henry & Kate
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Kate steht am Tiefpunkt ihres Lebens: Sie hat ihre Familie und ihr Zuhause verloren – und nun kämpft sie seit Monaten ums tägliche Überleben auf der Straße. Als sie eines Tages den wohlhabenden Henry bestiehlt, ...

Kate steht am Tiefpunkt ihres Lebens: Sie hat ihre Familie und ihr Zuhause verloren – und nun kämpft sie seit Monaten ums tägliche Überleben auf der Straße. Als sie eines Tages den wohlhabenden Henry bestiehlt, ahnt sie nicht, dass gerade diese Begegnung ihr Leben für immer verändern wird. Denn Henry, ältester Sohn der Eigentümerfamilie des Luxushotels The Darlington, bietet ihr eine zweite Chance – und mehr als das. Zwei Welten prallen aufeinander, doch es entsteht etwas, das keiner von beiden erwartet hat: Nähe, Vertrauen und vielleicht sogar Liebe.

Laura Kneidls Schreibstil ist flüssig, atmosphärisch und angenehm zu lesen. Die Kapitel sind kompakt und werden abwechselnd aus der Sicht von Kate und Henry erzählt, wodurch man tief in die Gedanken- und Gefühlswelt beider ProtagonistInnen eintauchen kann. Besonders schön fand ich die kleinen Einleitungen vor jedem Kapitel – in Form von Presseartikeln oder von persönlichen Messages –, die zusätzliche Tiefe und Dynamik schaffen. Dieses Spiel mit medialer Wahrnehmung passt perfekt zur Geschichte rund um Ansehen, Erwartungen und öffentliche Aufmerksamkeit.

Die aufkeimende Liebesgeschichte zwischen Kate und Henry hat für mich eine charmante Cinderella meets Pretty Woman-Note. Dass Henry nach dem Diebstahl nicht nur milde bleibt, sondern Kate sogar ins Hotel einlädt und ihr aktiv helfen möchte, wirkte für mich zwar etwas unrealistisch und beinahe naiv, doch gleichzeitig unterstreicht es den märchenhaften Charakter des Romans. Es ist ein modernes Märchen, in dem das Gute im Menschen siegt.

Trotz dieses idealisierten Moments ist es der Autorin gelungen, die Entwicklung der Beziehung glaubwürdig und mit emotionalem Feingefühl darzustellen. Die Anziehung zwischen den beiden wird leise und nachvollziehbar aufgebaut, mit authentischen Zweifeln, Unsicherheiten und der spürbaren Frage, ob ihre so gegensätzlichen Lebenswelten wirklich zueinanderpassen können. Diese sensible Balance zwischen Nähe und Distanz hat mich berührt und ließ mich mitfiebern.

Auch das Setting im luxuriösen Hotel ist atmosphärisch und mit viel Liebe zum Detail beschrieben, man hat das Gefühl, selbst durch die Gänge des Darlington zu schreiten. Besonders Henrys Blick auf das Hotel, das nicht nur sein Arbeitsort, sondern auch sein Zuhause ist, verleiht der Geschichte Tiefe und Persönlichkeit.

Ein kleiner Wermutstropfen war für mich allerdings die recht oberflächliche Behandlung sozialer Themen wie Wohnungslosigkeit und Sucht. Das Thema Wohnungslosigkeit, das anfangs eine zentrale Rolle spielt, hätte für meinen Geschmack deutlich tiefer behandelt werden können. Besonders die speziellen Herausforderungen und Gefahren, mit denen wohnungslose Frauen konfrontiert sind, werden nur am Rande angeschnitten. Hier blieb für mich viel Potenzial ungenutzt, um Kates Ausgangssituation noch eindringlicher und glaubwürdiger darzustellen.

Zudem wurde gegen Ende des Buches das Thema Sucht für mich in einem völlig unpassenden Kontext eingebaut – diese Wendung empfand ich als sehr konstruiert. Da diese Darstellung nur flüchtig und ungenau behandelt wurde, wirkte sie auf mich, als wäre diese Entscheidung weniger aus inhaltlichem Interesse getroffen worden, sondern eher, um einen Konflikt zu schaffen. Gerade LeserInnen, die mit dieser Thematik persönliche Erfahrungen gemacht haben, könnten sich hier unangenehm berührt fühlen. Eine sensiblere und gründlichere Auseinandersetzung vorab wäre hierbei wünschenswert gewesen.

Fazit:

„The Darlington – Henry & Kate“ ist ein romantischer, emotionaler Roman mit märchenhaften Elementen, berührender Liebesgeschichte und einem stimmungsvollen Setting. Trotz kleiner Schwächen bei der thematischen Tiefe sozialer Problematiken konnte mich das Buch durch seine Figuren, die besondere Atmosphäre und die gefühlvolle Erzählweise überzeugen. Ein gelungener Reihenauftakt – ich freue mich auf Band zwei!

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Onigiri: Was bleibt, wenn das Erinnern schwindet

Onigiri
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Nach dem Tod ihrer Großmutter fasst Aki den Entschluss, gemeinsam mit ihrer an Demenz erkrankten Mutter Keiko nach Japan zu reisen – zurück in das Land, das Keiko einst verlassen hat. Trotz der Herausforderungen, ...

Nach dem Tod ihrer Großmutter fasst Aki den Entschluss, gemeinsam mit ihrer an Demenz erkrankten Mutter Keiko nach Japan zu reisen – zurück in das Land, das Keiko einst verlassen hat. Trotz der Herausforderungen, die eine solche Reise für ihre Mutter mit sich bringt, hofft Aki auf einen Moment der Nähe und des Verbundenseins inmitten von Erinnerungen. In Keikos Heimat erfährt Aki durch Erzählungen und Begegnungen mehr über das Leben ihrer Mutter. Die Reise wird für Aki zu einer bewegenden Spurensuche zwischen Generationen und Kulturen und zu einer Reise zu sich selbst.

„Onigiri“ ist ein leises, feinfühliges Buch, das vor allem durch seine emotionale Tiefe und die gelungene Verwebung von Gegenwart und Vergangenheit berührt. Yuko Kuhn erzählt mit großer Wärme und klarem Blick die Geschichte einer deutsch-japanischen Familie, die sich zwischen Identitätsfragen, Rassismus, Verlust, Depression und Neubeginn bewegt. Für mich waren die Perspektivwechsel besonders eindrücklich: Die Rückblicke auf Keikos Vergangenheit offenbaren ein Leben, das von Vorurteilen, inneren Kämpfen, Schmerz und gesellschaftlichen Erwartungen geprägt war – aber auch von Mut und Selbstbestimmung.

Die Darstellung von Keikos Demenz ist berührend und authentisch. Der schleichende Verlust, die Hilflosigkeit, das Verstummen – aber auch die kostbaren, hellen Momente – werden mit viel Einfühlungsvermögen beschrieben. Besonders spürbar wird, wie schwer es für Angehörige ist, einen geliebten Menschen nach und nach an die Krankheit zu verlieren und ihn trotzdem tagtäglich zu pflegen, zu begleiten, loszulassen und festzuhalten. Inmitten dieser stillen Kämpfe zeigt das Buch, wie viel Liebe in kleinen Gesten steckt.

Obwohl die Geschichte ohne große Dramatik auskommt und in ihrer Handlung recht ruhig bleibt, hat sie in mir viel ausgelöst. Sie hat mich über das eigene familiäre Miteinander und über das Älterwerden nachdenklich gemacht.

Fazit:
„Onigiri“ ist ein warmherziger, berührender Roman über Erinnerung, Herkunft, Fürsorge und die Zerbrechlichkeit des Lebens. Ohne große Spannungsbögen entfaltet sich eine stille Geschichte, die das Herz berührt und nachklingt.

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