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Veröffentlicht am 26.08.2025

Berlin im Wandel der Jahrzehnte, das Altern und die Unwägbarkeiten des Lebens

Im wechselnden Licht der Jahre
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Die Hauptfigur Alexander Bengt, fast 60 Jahre alt, reflektiert über seine Kindheit, Jugend, Studienzeit und diversen Berufstätigkeiten in Westberlin, anfangs mit Blick auf die Mauer, stets voller Einsamkeit. ...

Die Hauptfigur Alexander Bengt, fast 60 Jahre alt, reflektiert über seine Kindheit, Jugend, Studienzeit und diversen Berufstätigkeiten in Westberlin, anfangs mit Blick auf die Mauer, stets voller Einsamkeit. Endet der erste Teil mit Tabea, seiner nach zehn Jahren wieder präsenten, großen Liebe, behandelt der zweite Teil Veränderungen in und um Berlin nach dem Mauerfall. Nun wohnhaft mit Familie im Speckgürtel, in Kleinmachnow, beschäftigt sich Alex mit seiner Angst zu altern, stellt detailliert seine Nachbarn in seiner Straße vor neben der Arbeit an seiner erfolgreichen Waschbär-Kinderbuchreihe. Ab Teil drei schlägt das Schicksal mehrmals drastisch zu: Ein Unfall, Erpressung, familiäre Pflichtteilsforderung und evtl. Ideenraub von Christian Mehlborns Waschbären Jesus. Im vierten Teil entspannt sich die Sachlage um alle Familienmitglieder mit tiefgründigen Reflektionen über den eigentlichen Sinn des Lebens. Die teils skurrilen Charaktere mit diversen Befindlichkeiten werden einfühlsam skizziert, die herauf beschworenen Bilder der derzeitigen Gesellschaft werden dabei realistisch und unterhaltsam porträtiert. Tiefe und Dramatik erhält der Roman durch die Höhenflüge und Tiefpunkte im Leben von Alex. Der Schreibstil ist angenehm humorvoll, authentisch, direkt und ehrlich.

Sehr unterhaltsam!

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Zeitgemäßes, politisch mögliches Zukunftsszenario – zum Nachdenken.

Im Land der Wölfe
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Es geht neben der Historie der fiktiven ostdeutschen Stadt Grenzlitz um die Bürgermeisterwahl mit vier beteiligten Parteien. Besonders zwischen den rechten "Blauen" mit dem Kandidaten Paul Witte und ...

Es geht neben der Historie der fiktiven ostdeutschen Stadt Grenzlitz um die Bürgermeisterwahl mit vier beteiligten Parteien. Besonders zwischen den rechten "Blauen" mit dem Kandidaten Paul Witte und den "Zukunftsgrünen" mit Katja Stötzel als zukünftiger Bürgermeisterin entwickelt sich ein spannungsgeladener Wahlkampf. Als Ich-Erzählerin und Coachin der Grünen fungiert die Berlinerin Nana, die in separatem Erzählstrang in experimentellem Schreibstil ihre Kindheit und Jugend mit ihrem älteren Bruder Noah aufarbeitet. Aktiv in diesem kommunalpolitischen Wahlkampf sind weitere Gruppierungen wie die „Identitäre Bewegung“ , die 1-Prozent-Bewegung und die "Antifa" verwickelt. Themen wie z.B. Kameraüberwachung und damit Grundrechte-Vernichtung neben Kampf dem politischen Islam und Migration sorgen neben problematischer Geschlechtsidentität zweier Männer für aufregende Entwicklungen. Die Rolle des rechten Ex-Zeitsoldaten und JVA-Beamten Falk Schloßer, samt "Mentholgeruch" und Carhartt-T-Shirt, ist nicht im Schwarz-Weiß-Muster gehalten, trifft er doch auf die Linke Nana mit überzeugenden Argumentationen, findet sich aber auch wieder an der provozierenden Seite seines rechten Parteifreundes und Bürgermeisterkandidaten Paul Witte wieder.
Dieses Wahlkampf-Szenarium kommt in seiner erschöpfenden, bedrohlichen Auswirkung auf einen Teil der Beteiligten realistisch an.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Südfrankreich mit Urlaubsfeeling.

Die Farbe des Feuers
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Das Cover zeigt die bittere Orange, Symbol der Ewigkeit – Gegenstand in diesem Roman.
Die Szenerien spielen auf zwei Erzählebenen: Der marokkanische Gärtner und Muslim Abd-Sami al Wafi, 50, arbeitet 2019 ...

Das Cover zeigt die bittere Orange, Symbol der Ewigkeit – Gegenstand in diesem Roman.
Die Szenerien spielen auf zwei Erzählebenen: Der marokkanische Gärtner und Muslim Abd-Sami al Wafi, 50, arbeitet 2019 nur vertretungsweise für eine Woche mit am Gerüst der renovierungsbedürftigen Kathedrale Notre-Dame in Paris. Ansonsten hütet er ganzjährig den Orangenhain und die kostbare Sammlung seltener Zitrusbäume der Familie Bächle. Südlich von Montpellier in der Garrigue, Südfrankreich geht es auf dem Anwesen der schwäbischen Industriellenfamilie Heinz und Ira Bächle um die Hochzeitsvorbereitungen der fast vierzig jährigen Tochter Rebecca, die in ihrer flatterhaften Wohlstandsleere den adeligen, ungeliebten Künstler Gabriel heiratet und sie der langjährigen lesbischen Beziehung zur Journalistin Swann wenig nachhängt. Sie, auch einziges, adeliges Kind der Achalm trauert jedoch dieser innigen, liebevollen Freundschaft mit Rebecca nach. Thematisiert werden teils sarkastisch die Praktiken des Adels auf der Suche nach guten Partien oder Instagram-Accounts mit Selfies und Bildern als offen dargestellte Einsamkeit und Sinnentleertheit. Aber auch die Einstellung zu Ehe, zu Rassismus, zu Misstrauen und Hochmut der Christen gegenüber den Muslimen scheinheiliger katholischer Geistlicher wie auch innerhalb der Familienmitglieder der Familie Bächle wird angerissen. Detailliert werden der Palmsonntag-Gottesdienst, ein Stierkampf in Arles und die verbotene Prozedur um den Zugvogel Ortolan beschrieben. Die Charakterzüge der Romanfiguren verweisen auf künstlerisch verschwurbelte Gedankengänge, reichen über streithafte und islamfeindliche bis zu philosophische, seelisch kranke Anwandlungen. Der ausladende Schreibstil vermittelt einfühlsam den Verlust ehrlicher Bindungen mit nachfolgender Vereinsamung.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Der gelungene Auftakt einer Trilogie

Willkommen auf Tuga
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Das Cover, farblich und bildlich eine Südseeidylle repräsentierend, versetzt den Leser leicht in Urlaubsstimmung. Diese tropische Szenerie im Südpazifik wirkt während der Hurrikan-Saison bedrohlich. Wetterbedingt ...

Das Cover, farblich und bildlich eine Südseeidylle repräsentierend, versetzt den Leser leicht in Urlaubsstimmung. Diese tropische Szenerie im Südpazifik wirkt während der Hurrikan-Saison bedrohlich. Wetterbedingt kann der Hafen dann nur saisonbedingt angesteuert werden, was gewissen Einfluss auf das Inselleben hat. Wie sich das Miteinander dortiger Bewohner, einer Mischung diverser Ethnien, abspielt, wird anschaulich beschrieben. In ihrer Abgeschiedenheit und monatelanger Abstinenz von der Außenwelt liegt ihr Fokus auf einem reibungslosen Miteinander, jeder mit all seinen Fähigkeiten. Die Hauptprotagonistin Charlotte Walker, introvertierte Wissenschaftlerin und Tierärztin aus London, plant nicht nur die Erforschung einer seltenen Schildkrötenart einschließlich ihrer Bedeutung für das dortige Ökosystem, für Mensch, Fauna und Flora, sondern sucht auch nach ihrem Vater. Als Tierärztin unterwegs auf der Insel, trifft sie nicht nur auf der Schiffsreise auf Dan, einem gebürtigen Inselbewohner, Mediziner. Die Irrungen und Verwirrungen rund um ihre Liebesgeschichte werden eingerahmt durch das liebenswerte Agieren mehrerer Nebenfiguren, meist sympathisch beschrieben in ihrer Eigenart mit all ihren Geheimnissen.

Nach diesem unterhaltsamen Roman erhofft man sich, mehr über Charlottes Forschungsergebnisse und Vaterfigur, über medizinische Nachsorgeprogramme und über das liebevolle Miteinander der Inselbewohner zu lesen.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Simon Elson’s Geschichte: »Ich hatte vor meinem eigenen Schatten Angst«

Geschichte der Unordnung
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Dieser sehr persönliche Roman erzählt von der Kindheit des Autors, dem zu frühen Tod des Vaters, von seiner Jugendliebe und seinem rauschhaften Leben in Berlin. Bis zu seinem 42-sten Lebensjahr lebt der ...

Dieser sehr persönliche Roman erzählt von der Kindheit des Autors, dem zu frühen Tod des Vaters, von seiner Jugendliebe und seinem rauschhaften Leben in Berlin. Bis zu seinem 42-sten Lebensjahr lebt der Autor begleitet von Angst und versteckter Trauer eigentlich um beide Elternteile in Scham und kämpft mit Panikattacken. Diese verborgenen Emotionen verarbeitet er nach Erstellung von fünf Sachbüchern in diesem ersten Roman in einfühlsamem, zartem Schreibstil. Sein Spannungszustand und seine Zerrissenheit der Gefühle und Bestrebungen kommen in klaren Bildern zu Tage. Sein extrem negatives Selbst- und Weltbild und die Scham, seine Minderwertigkeitsgefühle und sein Leben auf der Grenze zur Unordnung prägen seinen Berliner Alltag. Und diese Geschichte der Unordnung als Schutz-Strategie beginnt mit dem ständig unterdrückten Trauergefühl um den viel zu früh tödlich verunglückten Vater. Dass diese Geschichte trotz des Unglücks auch ganz anders hätte verlaufen können, wird nicht weiter reflektiert. Aber hätte man diese Unterdrückung der Gefühle von Trauer und Angst als starke Familie gemeinsam geschafft, wäre eine solche emotionale Katastrophe des Autors vielleicht ausgeblieben in seinem bisherigen ungeordneten Leben.

Eine berührende Geschichte des Aufwachsens mit Angst.

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