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Veröffentlicht am 07.08.2025

Der Traum vom freien Körper: Anspruchsvolles Sachbuch/Memoir

Everybody
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„Everybody: Warum unser Körper politisch ist“ von Olivia Laing ist ein gleichermaßen interessantes wie anspruchsvolles Sachbuch über die Zusammenhänge von Gesellschaft, Körperpolitik und Geschichte.

Die ...

„Everybody: Warum unser Körper politisch ist“ von Olivia Laing ist ein gleichermaßen interessantes wie anspruchsvolles Sachbuch über die Zusammenhänge von Gesellschaft, Körperpolitik und Geschichte.

Die Autorin berichtet detailliert über den langen Kampf um körperliche Freiheit, von der Geschichte des Feminismus, der sexuellen Befreiung, LGBTQ-Bewegungen, der Bürgerrechtsbewegung und vielem mehr.

"Bei allen Kämpfen des vergangenen Jahrhunderts, vom Feminismus über die Emanzipation der Homos•xuellen bis zur Bürgerrechtsbewegung, ging es im Grunde um das Recht, nicht unterdrückt zu werden, nur weil man eine bestimmte Art von Körper bewohnt: zu leben, wo man möchte, zu arbeiten, wo man möchte, zu essen, wo man möchte, zu gehen, wohin man möchte, ohne das Risiko, attackiert oder getötet zu werden; eine Abtreibung vornehmen zu lassen, sich in der Öffentlichkeit zu küssen, einvernehmlichen S•x zu haben ohne die Angst, im Gefängnis zu landen. Die errungenen Siege waren hart erkämpft, aber nicht für die Ewigkeit gesichert, und nun droht der Rückfall in unüberwunden geglaubte Verhältnisse."

In ihren Recherchen befasst sich die Autorin mit Wilhelm Reich und seinen Theorien (das nahm für meinen Geschmack etwas zu viel Raum in Anspruch), außerdem geht sie auf weitere eindrucksvolle Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts ein wie z.B. James Baldwin, Nina Simone, Sigmund Freud, Susan Sontag und Malcolm X. Die historischen Zusammenhänge fand ich sehr interessant, teilweise etwas zu ausschweifend.

Das Augenmerk der Autorin liegt besonders bei Frage nach der Freiheit des Körpers sowie die Rechte bzw. Einschränkungen der einzelnen Körper.

"Doch meine Kindheit hat mich nicht nur gelehrt, dass der Körper ein Objekt ist, dessen Freiheit durch die Außenwelt beschränkt wird, sie hat mir auch gezeigt, dass der Körper selbst ein Mittel zur Freiheit sein kann."

"Wenn über Körper gesprochen wird, besonders in der Populärjultur, ist das Themenspektrum in der Regel eng begrenzt und es geht zumeist um das Erscheinungsbild oder die Gesunderhaltung des Körpers. Der Körper als eine Ansammlung von Oberflächen von mehr oder minder ansprechendem Aussehen. Der perfekte, unerreichbare Körper, so glatt und glänzend, praktisch nicht von dieser Welt. Womit man ihn füttert, wie man ihn pflegt und die ständige Angst, dass er womöglich abweichend oder ungenügend ist. Mich hingegen interessiert in erster Linie die Erfahrung, in ihm zu leben, etwas zu bewohnen, das so katastrophal verletzlich war, so hilf- und wehrlos Lust und Schmerz, Hass und Begehren ausgesetzt."

"Wir alle sind in unserem Körper gefangen, will sagen in einem Raster widersprüchlicher Auffassungen zu der Frage, was dieser Körper bedeutet, wozu er fähig ist und was er tun und lassen darf. Wir sind nicht bloß Individuen, hungrig und sterblich, sondern repräsentieren Typen und sehen uns Erwartungen, Ansprüchen, Forderungen, Verboten und Strafen ausgesetzt, die stark variieren können, je nachdem, welche Art von Körper wir bewohnen. Freiheit bedeutet nicht nur, wie der Sade hemmungslos seinen materiellen Gelüsten zu frönen. Sie bedeutet auch, sein Leben führen zu können, ohne gehemmt, behindert, beschädigt oder kaputt gemacht zu werden, sprich ohne fortwährend eingetrichtert zu bekommen, was der eigenen Körperkategorie erlaubt ist und was nicht."

Obwohl ich das Buch thematisch sehr interessant fand, bin ich anhand des Klappentextes offenbar mit etwas anderen Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Diese wurden also nicht alle erfüllt; dennoch kann ich dieses Buch weiterempfehlen, da es einigen Stoff zum Nachdenken sowie viele kluge Gedanken bietet.
Es ist weniger ein reines Sachbuch, sondern auch teilweise Memoir, da man einiges über das Leben der Autorin erfährt, die mir bisher noch völlig unbekannt war.

"Und doch ist der Traum vom freien Körper keineswegs vergangen. Er liegt in der Luft."

"Ein freier Körper muss nicht heil oder unbeschädigt oder naturbelassen sein. Er verändert sich ständig, immerzu, in einem fort, er ist schließlich eine fluide Form. Stellen Sie sich einen Moment lang vor, wie es wäre, einen Körper zu bewohnen ohne Angst, ohne Angst haben zu müssen. Stellen Sie sich vor, wozu wir in der Lage wären. Was wir für eine Welt erbauen könnten."

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.08.2025

Der Traum vom freien Körper: Anspruchsvolles Sachbuch/Memoir

Everybody
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„Everybody: Warum unser Körper politisch ist“ von Olivia Laing ist ein gleichermaßen interessantes wie anspruchsvolles Sachbuch über die Zusammenhänge von Gesellschaft, Körperpolitik und Geschichte.

Die ...

„Everybody: Warum unser Körper politisch ist“ von Olivia Laing ist ein gleichermaßen interessantes wie anspruchsvolles Sachbuch über die Zusammenhänge von Gesellschaft, Körperpolitik und Geschichte.

Die Autorin berichtet detailliert über den langen Kampf um körperliche Freiheit, von der Geschichte des Feminismus, der sexuellen Befreiung, LGBTQ-Bewegungen, der Bürgerrechtsbewegung und vielem mehr.

"Bei allen Kämpfen des vergangenen Jahrhunderts, vom Feminismus über die Emanzipation der Homos•xuellen bis zur Bürgerrechtsbewegung, ging es im Grunde um das Recht, nicht unterdrückt zu werden, nur weil man eine bestimmte Art von Körper bewohnt: zu leben, wo man möchte, zu arbeiten, wo man möchte, zu essen, wo man möchte, zu gehen, wohin man möchte, ohne das Risiko, attackiert oder getötet zu werden; eine Abtreibung vornehmen zu lassen, sich in der Öffentlichkeit zu küssen, einvernehmlichen S•x zu haben ohne die Angst, im Gefängnis zu landen. Die errungenen Siege waren hart erkämpft, aber nicht für die Ewigkeit gesichert, und nun droht der Rückfall in unüberwunden geglaubte Verhältnisse."

In ihren Recherchen befasst sich die Autorin mit Wilhelm Reich und seinen Theorien (das nahm für meinen Geschmack etwas zu viel Raum in Anspruch), außerdem geht sie auf weitere eindrucksvolle Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts ein wie z.B. James Baldwin, Nina Simone, Sigmund Freud, Susan Sontag und Malcolm X. Die historischen Zusammenhänge fand ich sehr interessant, teilweise etwas zu ausschweifend.

Das Augenmerk der Autorin liegt besonders bei Frage nach der Freiheit des Körpers sowie die Rechte bzw. Einschränkungen der einzelnen Körper.

"Doch meine Kindheit hat mich nicht nur gelehrt, dass der Körper ein Objekt ist, dessen Freiheit durch die Außenwelt beschränkt wird, sie hat mir auch gezeigt, dass der Körper selbst ein Mittel zur Freiheit sein kann."

"Wenn über Körper gesprochen wird, besonders in der Populärjultur, ist das Themenspektrum in der Regel eng begrenzt und es geht zumeist um das Erscheinungsbild oder die Gesunderhaltung des Körpers. Der Körper als eine Ansammlung von Oberflächen von mehr oder minder ansprechendem Aussehen. Der perfekte, unerreichbare Körper, so glatt und glänzend, praktisch nicht von dieser Welt. Womit man ihn füttert, wie man ihn pflegt und die ständige Angst, dass er womöglich abweichend oder ungenügend ist. Mich hingegen interessiert in erster Linie die Erfahrung, in ihm zu leben, etwas zu bewohnen, das so katastrophal verletzlich war, so hilf- und wehrlos Lust und Schmerz, Hass und Begehren ausgesetzt."

"Wir alle sind in unserem Körper gefangen, will sagen in einem Raster widersprüchlicher Auffassungen zu der Frage, was dieser Körper bedeutet, wozu er fähig ist und was er tun und lassen darf. Wir sind nicht bloß Individuen, hungrig und sterblich, sondern repräsentieren Typen und sehen uns Erwartungen, Ansprüchen, Forderungen, Verboten und Strafen ausgesetzt, die stark variieren können, je nachdem, welche Art von Körper wir bewohnen. Freiheit bedeutet nicht nur, wie der Sade hemmungslos seinen materiellen Gelüsten zu frönen. Sie bedeutet auch, sein Leben führen zu können, ohne gehemmt, behindert, beschädigt oder kaputt gemacht zu werden, sprich ohne fortwährend eingetrichtert zu bekommen, was der eigenen Körperkategorie erlaubt ist und was nicht."

Obwohl ich das Buch thematisch sehr interessant fand, bin ich anhand des Klappentextes offenbar mit etwas anderen Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Diese wurden also nicht alle erfüllt; dennoch kann ich dieses Buch weiterempfehlen, da es einigen Stoff zum Nachdenken sowie viele kluge Gedanken bietet.
Es ist weniger ein reines Sachbuch, sondern auch teilweise Memoir, da man einiges über das Leben der Autorin erfährt, die mir bisher noch völlig unbekannt war.

"Und doch ist der Traum vom freien Körper keineswegs vergangen. Er liegt in der Luft."

"Ein freier Körper muss nicht heil oder unbeschädigt oder naturbelassen sein. Er verändert sich ständig, immerzu, in einem fort, er ist schließlich eine fluide Form. Stellen Sie sich einen Moment lang vor, wie es wäre, einen Körper zu bewohnen ohne Angst, ohne Angst haben zu müssen. Stellen Sie sich vor, wozu wir in der Lage wären. Was wir für eine Welt erbauen könnten."

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Mutterschaft, Frausein und Körperlichkeiten

Die bärtige Frau
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Alex ist Lehrerin und Mutter einer einjährigen Tochter. Als ihre Mutter sich das Bein bricht, reist sie übers Wochenende von Leipzig alleine ins kleine, bayerische Heimatdorf, dem sie damals so unbedingt ...

Alex ist Lehrerin und Mutter einer einjährigen Tochter. Als ihre Mutter sich das Bein bricht, reist sie übers Wochenende von Leipzig alleine ins kleine, bayerische Heimatdorf, dem sie damals so unbedingt entfliehen wollte. Gemeinsam mit ihrer älteren, kinderlosen Schwester Lena wollen sie das Schlafzimmer der Mutter ins Erdgeschoss verlegen. Es ist das erste Mal, dass Alex so lange von ihrem Kind getrennt ist. Obwohl sie sich gefreut hatte, mal wieder alleine zu sein, fühlt sie sich einsam und merkt, wie stark und körperlich die Verbindung zu ihrem Kind ist, das sie gerade erst abgestillt hat. Diese Gefühle führen dazu, dass sie sich mit ihren Lebensentscheidungen, ihrem Körper und ihrer Sozialisierung beschäftigt.

"Sie fragt sich, warum sie unbedingt ein Kind wollte und es ihr Herz bestimmt gebrochen hätte, keines zu bekommen.
Ein Wunsch ist ein Wunsch ist ein Wunsch.
War ihr Wunsch nicht einfach das Ergebnis ihrer Sozialisierung als Frau? Oder stand er mit ihrer Mutter in Verbindung? Weil ihr Muttersein sie definierte? Sie diese Identität hochhielt und an sie weitergab?"

"Sie ist keine entspannte Frau. Wie hätte sie es auch sein können, es gibt keine Vorbilder für Sie. Sie kennt nur Frauen, die durchhalten, die die Erschöpfung ignorieren."

"Wie soll sie diese ständigen körperlichen Veränderungen verarbeiten? Jeden Tag ist sie eine andere."

"Doch sie musste schnell lernen, dass die Zahl auf der Waage nicht viel bedeutete. Obwohl sie identisch mit der vor der Schwangerschaft war, passte Alex nicht mehr in ihre alten Hosen. Die Knöpfe wollten nicht zugehen, und manche Hosen konnte sie nicht einmal über die Waden ziehen. Es war okay. Ihr Körper würde nicht wieder derselbe sein. Er veränderte sich ständig. Ihr war nur etwas anderes erzählt worden. Ihr war erzählt worden, dass sie den jungen, dünnen Körper, den sie vor der Geburt hatte, behalten müsste, um etwas wert zu sein; online war sie von dünnen, weißen Frauen umgeben und im Rückbildungskurs hatte sie das Gefühl, die Frauen, die gerade aus dem Wochenbett kamen, beäugten gegenseitig ihre weichen Körper.
Doch je älter sie wurde, desto egaler wurde der Körper ihr."

"Ganz von den Schönheitsnormen würde sie sich jedoch nie befreien können, das wusste sie. Früher war sie immer ein wenig dünner als Lena gewesen, inzwischen war es umgekehrt, und sie spürte den prüfenden Blick ihrer Mutter auf ihrem Körper."

„Die bärtige Frau“ beleuchtet verschiedene Facetten des Frauseins, von Mutterschaft, von sozialer und religlöser Prägung und des gesellschaftlichen Einflusses auf den weiblichen Körper. Die Autorin beschreibt detailliert die Auseinandersetzung mit Schönheitsnormen und körperlichen Veränderungen durch Schwangerschaft, Mutterschaft und Älterwerden.

"Das hätte ich gern früher gewusst, war der Satz, den sie am häufigsten dachte."

Sprachlich ist das Buch sehr direkt und authentisch; eher wie eine nüchterne Bestandsaufnahme. Das kann teilweise irritierend sein, ist andererseits aber stimmig und thematisch passend. Es ist kein Wohlfühlroman, aber ich fand das Buch sehr lesenswert.

Es hat mich auch neugierig auf Bettina Wilperts vielgelobten Debütroman „Nichts, was uns passiert“ gemacht.

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 04.08.2025

Nummern statt Namen: Erschütternde Kinderschicksale

Der Sommer am Ende der Welt
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"'Wie heißt du denn, Kleine?' fragte er.
'Nummer acht', sagte sie höflich.
Er zog die Brauen hoch. 'Und dein richtiger Vorname?'
'Den habe ich vorm Haus abgegeben. Ich bin jetzt bloß noch die Nummer acht.'"


In ...

"'Wie heißt du denn, Kleine?' fragte er.
'Nummer acht', sagte sie höflich.
Er zog die Brauen hoch. 'Und dein richtiger Vorname?'
'Den habe ich vorm Haus abgegeben. Ich bin jetzt bloß noch die Nummer acht.'"


In Eva Völlers Roman „Der Sommer am Ende der Welt“ reist die Journalistin Hanna nach Borkum, um dort für einen Zeitungsartikel zu recherchieren. Es geht um die traumatischen Erfahrungen ehemaliger „Verschickungskinder“, die damals in der „Villa Aurelia“ auf Borkum Schlimmes erlebt haben. Auch Hannas Mutter war damals dort, was Hannas Arbeit auch zu einem sehr persönlichen Anliagen macht.
Sie reist gemeinsam mit ihrer 16jährigen Tochter Kathi, die ihre Mutter jedoch eher widerwillig begleitet. Untergebracht sind sie in einem Nobelhotel – und genau hier war damals das Kinderkurheim.
Kaum auzf der Insel, verliebt Hanna sich in den Inselarzt Ole; auch für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick.
Als eines Tages vor Hannas Hotelzimmertür das Tagebuch einer ehemaligen Kinderbetreuerin des Kinderkurheims liegt, gibt es Hinweise auf ein vertuschtes Verbrechen. Und es scheint so, als ob es Oles Familie ein schreckliches Geheimnis gibt ...
Stück für Stück wird die Vergangenheit aufgedeck - doch nicht alle auf der Insel möchten, dass die Wahrheit ans Licht kommt ...

Wenn man bedenkt, dass auch zwei Geschwister der Autorin Eva Völler damals in Kinderkurheime verschickt wurden, macht es diese zu einem sehr persönlichen Roman.
Thematisch hat mich an dem Buch besonders der historische Hintergrund, das schlimme Schicksal der Verschickungskinder interessiert und berührt. Darüber müsste viel mehr berichtet werden und ich habe mir vorgenommen, noch mehr zu dem Thema zu lesen und zu recherchieren.

Der Roman war meiner Meinung nach insgesamt thematisch ein wenig überladen; die Liebesgeschichte war sehr klischeehaft und hätte meiner Meinung nach nicht unbedingt sein müssen.
Der Schreibstil war jedoch gut lesbar; es kam auch ordentlich Spannung auf. Besonders die Kapitel über die Vergangenheit fand ich sehr interessant; nur die Tagebucheinträge waren aufgrund der Schreibschrift etwas schwer lesbar, das störte den Lesefluss etwas.

Insgesamt ein spannender Unterhaltungsroman zu einem historisch sehr interessanten Thema.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2025

Nummern statt Namen: Erschütternde Kinderschicksale

Der Sommer am Ende der Welt
0

"'Wie heißt du denn, Kleine?' fragte er.
'Nummer acht', sagte sie höflich.
Er zog die Brauen hoch. 'Und dein richtiger Vorname?'
'Den habe ich vorm Haus abgegeben. Ich bin jetzt bloß noch die Nummer acht.'"


In ...

"'Wie heißt du denn, Kleine?' fragte er.
'Nummer acht', sagte sie höflich.
Er zog die Brauen hoch. 'Und dein richtiger Vorname?'
'Den habe ich vorm Haus abgegeben. Ich bin jetzt bloß noch die Nummer acht.'"


In Eva Völlers Roman „Der Sommer am Ende der Welt“ reist die Journalistin Hanna nach Borkum, um dort für einen Zeitungsartikel zu recherchieren. Es geht um die traumatischen Erfahrungen ehemaliger „Verschickungskinder“, die damals in der „Villa Aurelia“ auf Borkum Schlimmes erlebt haben. Auch Hannas Mutter war damals dort, was Hannas Arbeit auch zu einem sehr persönlichen Anliagen macht.
Sie reist gemeinsam mit ihrer 16jährigen Tochter Kathi, die ihre Mutter jedoch eher widerwillig begleitet. Untergebracht sind sie in einem Nobelhotel – und genau hier war damals das Kinderkurheim.
Kaum auzf der Insel, verliebt Hanna sich in den Inselarzt Ole; auch für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick.
Als eines Tages vor Hannas Hotelzimmertür das Tagebuch einer ehemaligen Kinderbetreuerin des Kinderkurheims liegt, gibt es Hinweise auf ein vertuschtes Verbrechen. Und es scheint so, als ob es Oles Familie ein schreckliches Geheimnis gibt ...
Stück für Stück wird die Vergangenheit aufgedeck - doch nicht alle auf der Insel möchten, dass die Wahrheit ans Licht kommt ...

Wenn man bedenkt, dass auch zwei Geschwister der Autorin Eva Völler damals in Kinderkurheime verschickt wurden, macht es diese zu einem sehr persönlichen Roman.
Thematisch hat mich an dem Buch besonders der historische Hintergrund, das schlimme Schicksal der Verschickungskinder interessiert und berührt. Darüber müsste viel mehr berichtet werden und ich habe mir vorgenommen, noch mehr zu dem Thema zu lesen und zu recherchieren.

Der Roman war meiner Meinung nach insgesamt thematisch ein wenig überladen; die Liebesgeschichte war sehr klischeehaft und hätte meiner Meinung nach nicht unbedingt sein müssen.
Der Schreibstil war jedoch gut lesbar; es kam auch ordentlich Spannung auf. Besonders die Kapitel über die Vergangenheit fand ich sehr interessant; nur die Tagebucheinträge waren aufgrund der Schreibschrift etwas schwer lesbar, das störte den Lesefluss etwas.

Insgesamt ein spannender Unterhaltungsroman zu einem historisch sehr interessanten Thema.

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