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Veröffentlicht am 31.12.2025

Bewegender zeitgeschichtlicher Roman, der unter die Haut geht

Als Großmutter im Regen tanzte
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Die Erzählung über Juni, ihre Mutter Lilla sowie Großmutter Tekla liest sich auf dem Klappentext recht leicht, dennoch anspruchsvoll, vielversprechend und mit Tiefgang. Wie sehr mich diese Geschichte, ...

Die Erzählung über Juni, ihre Mutter Lilla sowie Großmutter Tekla liest sich auf dem Klappentext recht leicht, dennoch anspruchsvoll, vielversprechend und mit Tiefgang. Wie sehr mich diese Geschichte, die zwar fiktiv, aber von wahren Begebenheiten und Menschen inspiriert ist, in ihren Bann ziehen würde, hatte ich dennoch nicht erwartet.

„Du liest sowas doch auch!“ – mit diesen Worten überreichte mir ein Familienmitglied „Als Großmutter im Regen tanzte“ von Trude Teige. Als ich dann einige Wochen nach Erhalt das Lesen begann, hat mich die Geschichte, die auf zwei groben Zeitebenen spielt, welche mehrere Jahrzehnte umspannen, komplett eingenommen.

Trude Teige erzählt in wunderschöner, klarer und leicht verständlicher Sprache die Lebensgeschichten von drei Frauen, die aufs Engste miteinander verbunden sind: Aus einer zarten Liebesgeschichte der ältesten Frau, Tekla, entwickelt sich ein kaum zu ertragendes Drama, das gegen Ende des zweiten Weltkrieges seinen Anfang nimmt. Das beschriebene Leid, aber auch die Momente der Hoffnung, Zuversicht und des Weitermachens sind getragen von stark gezeichneten Charakteren und Szenen, die schlicht und einfach schildern, was passiert. Trude Teige dramatisiert nicht, sie inszeniert nicht, sie nimmt aber auch grausamen Momenten nicht ihre Abscheulichkeit.

Das Buch ging mir auch deshalb so unter die Haut, weil ich selbst Angehörige aus dieser Generation hatte, die ebenfalls kaum oder gar nicht über das Geschehene sprachen und damit offenbar kaum erträgliches Leid für sich handhabbar machten. Inwiefern sich das bis heute auf uns, unsere Charaktere, unsere Werte und Entscheidungen auswirkt, dürfte erheblich sein – und dennoch wird kaum darüber gesprochen.

Ich war an einigen Stellen fassungslos, was sich Menschen gegenseitig antun können, wenn sie zuvor nur schlimm genug selbst verletzt wurden oder sich an einem Punkt sehen, keine andere Wahl zu haben. Und noch viel beklommener macht mich, dass sich etliche der beschriebenen Begebenheiten heute wiederholen oder wir drauf und dran sind, dies zu tun.

Einen Roman wie diesen kann und sollte man nicht „einfach so“ lesen. Das Buch und die beschriebene Geschichte wiegen schwer, machen nachdenklich und zugleich hoffnungsvoll. Ich bin dankbar, gegen Ende eines Jahres so ein kraftvolles und tiefgründiges Buch empfohlen und überlassen bekommen zu haben. Es wird sicher noch eine ganze Weile in mir nachwirken.

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Veröffentlicht am 28.11.2025

Packender Thriller mit unvorhersehbaren Wendungen und erstklassigen Irreführungen

Safe Space
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Wem kannst du im Angesicht des nahenden Todes noch vertrauen? Wie weit ist dein Verstand bereit, sich im Moment der zweifelsfreien Erkenntnis dem Unglaublichen hinzugeben? Wie tief ist dein Abgrund, wenn ...

Wem kannst du im Angesicht des nahenden Todes noch vertrauen? Wie weit ist dein Verstand bereit, sich im Moment der zweifelsfreien Erkenntnis dem Unglaublichen hinzugeben? Wie tief ist dein Abgrund, wenn es um alles geht? Wie weit würdest du gehen, wenn du unbedingt verstehen musst, was mit deiner Schwester geschehen ist?

Anna ist Mitte 20, gutaussehend und heuert als Anstaltspsychologin im Hochsicherheitsgefängnis Weyer an. Die ambitionierte junge Frau verfolgt dabei nicht wie sie nach außen hin vorgibt, hehre Motive, sondern kämpft in ihrem eigenen Abgrund darum, nicht gänzlich in die Schwärze abzurutschen, in die es ihre Bezugshäftlinge bereits gezogen hat. Anna ist auf der Suche nach der Wahrheit. Sie muss herausfinden, was damals mit ihrer Schwester geschehen ist. Wie weit sie dabei gehen wird, gehen muss, ist die spannungsgeladene Story hinter Sarah Bestgens neuem Thriller „Safe Space“.

Die Handlung startet direkt mit einem absoluten Paukenschlag und hervorragenden Akzent, was die Leserin / der Leser im weiteren Verlauf des Buches erwartet. Die Sprache ist leicht, direkt, zugänglich, es entsteht unmittelbar ein wahrer Sog in die Geschehnisse. Schnell ist klar, hier geht es um alles, um nichts weniger als das blanke Leben. Binnen der ersten Seiten zeichnet sich ab, dass die Leserin / der Leser niemandem trauen kann. – Wie sehr das zutrifft zeigt sich meisterhaft geschrieben im Verlaufe der Handlung.

Bestgen spielt hervorragend nicht nur mit Begrifflichkeiten, sondern auch mit gezielten Manipulationen, um die Leser:innen auf falsche Fährten zu setzen. Das Verwirrspiel gipfelt in einem spannungsgeladenen Finale mit krassen, unvorhersehbaren Wendungen, menschlichen Abgründen und abgrundtiefen Verletzungen.

„Safe Space“ hat mich die komplette Lesedauer mitgerissen, im letzten Drittel extrem. Es war mir kaum noch möglich, das Buch aus der Hand zu legen. Das Finale mag Geschmackssache sein (ich gehe bewusst nicht näher darauf ein; wer jetzt mehr wissen möchte, darf gerne selbst lesen und entscheiden 😉), mich hat es vollumfänglich abgeholt.

Anders als ihr erster Thriller „Happy End“, der mich nicht restlos überzeugen konnte, ist dieser hier ein wahres Meisterwerk und mit Gewissheit eines der besten Bücher, die ich 2025 gelesen habe! Eine absolute Empfehlung für Fans fesselnder Thriller und perfider Spannung. Hochachtung an die Autorin!

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Herrlich. Fehlbar. Menschlich. - Ein tolles Geschenk für sich selbst und andere

Alles muss man selber falsch machen
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Mit "Alles muss man selber falsch machen" ist nun ein Kolumnenband von Alena Schröder aufgelegt worden. Bislang hatte ich lediglich ihre belletristischen Werte gelesen und sehr genossen. Ihre Kolumnen ...

Mit "Alles muss man selber falsch machen" ist nun ein Kolumnenband von Alena Schröder aufgelegt worden. Bislang hatte ich lediglich ihre belletristischen Werte gelesen und sehr genossen. Ihre Kolumnen waren Neuland für mich.

Der wilde Ritt durch mehrere Lebensjahre und -phasen durch verschiedene Schichten des Mensch- und Fehlbarseins sowie die Kurzweil mit der all dies präsentiert wird, waren jeden Tag aufs Neue ein kleines Alltagshighlight für mich. Ich habe teilweise herzlich gelacht, mitgelitten oder verschmitzt gelächelt, wenn mir die ein oder andere Situation oder Charakter bekannt vorkamen.

Alena Schröder hat einen wunderbaren, leichten und flüssigen Schreibstil. Ich kann diesen Kolumnenband daher genauso vollumfänglich empfehlen wie all ihre belletristischen Werke, die ich sehr schätze. Auch toll als Geschenk geeignet!

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Veröffentlicht am 10.10.2025

Geschlechtergerechtigkeit beleuchtet aus klugen und wachen Männeraugen - meine Positiv-Überraschung des Jahres!

Wenn die letzte Frau den Raum verlässt
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"Wenn die letzte Frau den Raum verlässt" von Herr und Speer habe ich von einer Freundin geschenkt bekommen. Ich bin ehrlich, selbst gekauft hätte ich mir das Buch nicht und schon allein beim Lesen der ...

"Wenn die letzte Frau den Raum verlässt" von Herr und Speer habe ich von einer Freundin geschenkt bekommen. Ich bin ehrlich, selbst gekauft hätte ich mir das Buch nicht und schon allein beim Lesen der Zitate und Auszüge auf den Buchklappen ging mein Blutdruck in die Höhe.

Selbst dreifache Mutter und in Vollzeit als Führungskraft berufstätig leben mein Mann und ich ein Modell, das in Deutschland noch immer die Ausnahme ist. Und nun kommen da (ausgerechnet) zwei Männer daher und wollen - einmal mehr - vermutlich überwiegend weiblichen Leserinnen erklären, was da gerade so alles gesellschaftlich ab- und falschläuft. Ich war skeptisch, ob das gut funktioniert.

Schon nach den ersten paar Seiten hatte mich das Buch in seinen Bann gezogen. Waren die Statements auf den Buchklappen noch polarisierend und stark (ab)wertend, empfängt das Buch die geneigte Leserin / den geneigten Leser mit viel Offenheit, Verletzlichkeit und der Einladung, sich selbst ein Bild zu machen - mit Hilfe dieses Buches und mit Hilfe eines offenen Austausches unter den Geschlechtern. Es ist bemerkenswert, wie offen Herr und Speer mit ihren eigenen Limitationen und Biases umgehen, wie sie glaubhaft den Bogen spannen, warum und wie sie dennoch ein so umfangreiches Verständnis für und Wissen über ein Thema erlangt haben, das hauptsächlich gesellschaftliche "Minderheiten" betrifft. Dass auch sie nicht frei von Fehlern waren oder es heute sind. Wie wenig bewusst sich viele privilegierte Menschen der Tatsache sind, dass und in welchem Umfang sie Privilegien haben und nutzen. Und auch, wie wichtig mehr und ehrliche Aufmerksamkeit für das Thema einer geschlechtergerechten Gesellschaft und Politik ist - gerade in Zeiten, in denen die Politik maßgeblich Einfluss darauf nimmt, welche Prioriäten große Konzerne setzen und verfolgen.

Auch vor dem Aufzeigen schockierender Tatsachen, fundiert mit Studienquellen nachgewiesen, schrecken die Autoren nicht zurück. Und dass in unserer heutigen Zeit noch immer gut ein Fünftel der Männer, selbst die der jungen Generation, für vollkommen legitim hält, Frauen gegenüber Gewalt anzuwenden, lässt mich sprachlos zurück.

"Wenn die letzte Frau den Raum verlässt" wirft ein Schlaglicht auf eines der vermutlich meist unterschätzten Themen unserer Zeit. Stellt euch nur mal vor, wie die Welt aussehen könnte, würde sie nicht mehr primär von Geld, Macht und Ego dominiert, sondern Lösungen auch getragen von gegenseitigem Respekt, Verständnis, Mitgefühl, Integration. - Klingt utopisch, ja. Am Ende liegt es aber an uns, ob wir immer so weitermachen oder zunächst im Kleinen und dann im Größeren Zeichen für Veränderung setzen und diese aktiv mitgestalten. Eine klare Leseempfehlung für einfach alle, die ihren Blick weiten und vielleicht eine ganz neue Perspektive gewinnen und darüber ihren Horizont erweitern und Wandel gestalten möchten.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Facettenreich, stark, mutig und zugleich bedrückend

Sorry not sorry
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In ihrem Essay-Band "Sorry not sorry: Über weibliche Scham" nimmt Anika Landsteiner kein Blatt vor den Mund und beleuchtet in eindringlicher Sprache sowie anhand zahlreicher, sehr persönlicher Beispiele ...

In ihrem Essay-Band "Sorry not sorry: Über weibliche Scham" nimmt Anika Landsteiner kein Blatt vor den Mund und beleuchtet in eindringlicher Sprache sowie anhand zahlreicher, sehr persönlicher Beispiele vom Leben mit ihrer Scham, die sinnbildlich für so viele weibliche Leben und Erfahrungen marginalisierter Gruppen stehen dürfte.

Das Buch taucht tief ab und streift historische Themenfelder, die bis heute Relevanz für unsere Gesellschaft und unser "Selbstverständnis" haben. Von griechischer Mythologie jahrtausendelang geprägten, beschämenden Begriffen, welche ich inhaltlich nie hinterfragt, sondern schlicht benutzt habe, hinüber zum Hier und Jetzt und der kritischen Frage, wo wir denn eigentlich stehen. Sind Frauen, Männer und andere Gruppen wirklich gleichberechtigt? Begegnen wir uns tatsächlich auf Augenhöhe oder liegt der Teufel doch mehr als nur einmal im Detail, wenn ich nur ganz genau hinschaue und es mir (und anderen) unbequem mache?

Das Buch hat mich tief bewegt, erschüttert, wütend gemacht und manchmal auch fassungslos, deprimiert und beschämt zurückgelassen, weil ich mich ertappt fühl(t)e. Es ist so leicht, verbal gegen Ungerechtigkeit (vermeintlich) ins Feld zu ziehen, aber eine ganz andere, den Rücken gerade zu halten und konsequent zu leben, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Es sagt sich nur so einfach, sich nicht mehr zu schämen oder nicht mehr schämen zu wollen, wenn das Gefühl so tief in mir wohnt, dass selbst eine Räumungsklage kaum Aussicht auf Erfolg haben dürfte.

Gerade deshalb ist dieses Buch so wertvoll und hilfreich: Weil es das Augenmerk auf Missstände, tradierte Verhaltensweisen und Zuschreibungen richtet und der Leserin / dem Leser so die Chance gibt, zu reflektieren. Zugegeben, es wird gewiss nicht Jedem und nicht Jeder gefallen, was Anika Landsteiner hier schreibt. Und umso mehr ist es essenziell, dass sie es schreibt.

Danke, Anika Landsteiner, in mir hat ein wichtiger, schmerzhafter und trotzdem nötiger Prozess seinen Anfang genommen!

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