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Veröffentlicht am 05.08.2025

Tyrannei durch den Vater und alle ringsum sind feige – klare Anklage an die Gesellschaft.

Lieblingstochter
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Dieser Debütroman handelt von brutaler körperlicher und seelischer Gewalt des Familienvaters gegen seine Ehefrau und seine zwei Töchter. Die Szenerie spielt zunächst in einem Dorf in Wallis, dann in Lausanne, ...

Dieser Debütroman handelt von brutaler körperlicher und seelischer Gewalt des Familienvaters gegen seine Ehefrau und seine zwei Töchter. Die Szenerie spielt zunächst in einem Dorf in Wallis, dann in Lausanne, Paris und weiteren Orten. Die Hauptfigur Jeanne, Ich-Erzählerin, beschreibt ihre Kindheit ab 8 Jahren neben ihrer 4 Jahre älteren Schwester und der eingeschüchterten, verängstigten Mutter. Die psychische Belastung der drei Frauen, ihre große Angst vor dem Tyrannen mit seinen harten Angriffen wird schonungslos in bildlichem Sprachstil beschrieben, der sehr betroffen macht. Eine Atempause von dieser Hölle zu Hause voller Hass und Qualen erkämpft sich Jeanne über einen Aufenthalt im Internat und während ihres Lehrerstudiums in Lausanne. Auf der Suche nach Menschlichkeit, Toleranz, Liebe, Verstand, Zärtlichkeit und Güte geht sie Beziehungen ein, zunächst mit Frauen, dann auch mit einem einfühlsamen Arbeitskollegen. Jeanne, innerlich ausgedörrt, findet schließlich in ihrer Zerrissenheit eine Identität, durchtränkt mit Hass, Verachtung und Fäulnis gegen den Vater. Ihre immense Belastung durch innere Nöte wird sprachlich brillant herausgestellt.

Was für eine tragische Lebensgeschichte!

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Psychoanalyse mit besonderem Kick

Auf gefährlich sanfte Art
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Zwei Hauptfiguren, nämlich Patientin Nathalia Guitry, Fotografin, und Doktor Faber, Psychoanalytiker, Ich-Erzähler in seiner Praxis, bewältigen gemeinsam den Voyeurismus von Nathalie, der sich erst entwickelte ...

Zwei Hauptfiguren, nämlich Patientin Nathalia Guitry, Fotografin, und Doktor Faber, Psychoanalytiker, Ich-Erzähler in seiner Praxis, bewältigen gemeinsam den Voyeurismus von Nathalie, der sich erst entwickelte nach fotographischer Dokumentation eines Mordes. Nun unter Antriebsarmut bzw. Fotografie-Blockade leidend und statt über sich selbst zu reden, fabuliert sie schriftlich sehr kreativ über ihre Nachbarn, auf der gegenüber liegenden Nordseite des fünf-stöckigen Gebäudes wohnend. Entlang jedem Stockwerk als Strukturgeber in diesem Roman hangeln sich Leser wie Analytiker entlang dieser wahren oder erfundenen Einblicke in fremde, nachbarliche Leben. Auch Fabers Leben wird näher beleuchtet. Dieses fesselnde Psychospiel mit überraschender Pointe beschert auch dem Leser interessante Einblicke in Vorgehensweisen und Überlegungen eines Psychoanalytikers. Diese Patientin Nathalia fasziniert auf ihre gefährlich sanfte Art.

Sehr unterhaltend!

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Eine ganz andere, eisige Welt am arktischen Wendekreis

Das letzte Leuchten im Winter
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Im Mittelpunkt steht die Kultur der Lappen, die mit ihren Rentier-Herden regelmäßig zweimal im Jahr nach Norden zur Küste wandern bzw. in den Süden entlang regelmäßiger Routen durch die Tundra Skandinaviens, ...

Im Mittelpunkt steht die Kultur der Lappen, die mit ihren Rentier-Herden regelmäßig zweimal im Jahr nach Norden zur Küste wandern bzw. in den Süden entlang regelmäßiger Routen durch die Tundra Skandinaviens, grenzüberschreitend durch Schweden, Norwegen, Finnland und Russland. Der evangelisch-lutherischer Pfarrer und Erweckungsprediger in Lappland Lars Levi Læstadius wirkt um 1851 in Karesuando mit seiner kinderreichen Familie, predigt zunächst gegen den Alkoholmissbrauch, der zu dieser Zeit unter der samischen Bevölkerung aufgrund der kulturellen Entwurzelung verbreitet ist. In drei Teilen geht es auch um die Verzahnung verschiedener Kulturen, repräsentiert durch die ältere, gebildete Pfarrerstochter Willa und den Sámi-Hirten Ivvár. Deren aussichtslose, zarte Liebesbeziehung zwischen Tradition und vielfacher politischer wie gesellschaftlicher Veränderung wird einfühlsam karikiert. Neben vielen interessanten Details zum Alltagsleben der Samen und Siedler, mit Schamanentum statt Christianisierung, mit dem Joiken, den Regeln, Riten und traditioneller Bekleidung wird auch deren Verbundenheit mit der Natur und ihren Irrlichtern thematisiert.

Insgesamt spannend und lehrreich.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Die Kraft, Schönheit und Intensität von Sprache

Griechischstunden
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Diese (Liebes-)Geschichte, die auch eine Liebeserklärung an Sprache an sich ist, handelt von zwei Menschen, Außenseitern, die sich in einem Moment privater Angst begegnen und sehr nahe kommen.
Er, ein ...

Diese (Liebes-)Geschichte, die auch eine Liebeserklärung an Sprache an sich ist, handelt von zwei Menschen, Außenseitern, die sich in einem Moment privater Angst begegnen und sehr nahe kommen.
Er, ein erblindender Mann, der Altgriechisch unterrichtet, der mit 15 Jahren in Deutschland gelebt hat, mit 31 nach Seoul zurückkehrt und eine angstvolle Entfremdung durch fortschreitende Erblindung erfährt, die natürlich seine Gedanken und Gefühle im Alltag beeinflusst.
Sie, Lyrikerin, leidet an vorübergehendem Mutismus, wirkt wie ein stummer Gegenstand, der Schlimmes mitgemacht hat, der ramponiert ist. In ihrem furchteinflößendes Schweigen vertieft sie sich in diese tote Sprache mit ihrem komplexen grammatikalischen System als seine Schülerin, findet endlich aus ihrer sprachlichen Verkrustung heraus..
So gipfelt diese Geschichte in einer zaghaften Annäherung zweier Menschen, die eine stumm, der andere fast blind, verbunden durch einen tiefen Schmerz, der ihnen beiden in atmosphärischer Stille ein Gefühl der Einheit gibt.
In sprachlicher Intensität wechselt der Text zwischen erster und dritter Person, zwischen Traum, Erinnerung und leisen Dialogen, die heilende Kraft von Worten betonend. Das Bild von Sonnenflecken, die beim zarten, vorsichtigen Kuss in weiter Ferne explodieren, ohne ein Geräusch zu machen, gefällt.
Ein zartes Buch in sensibler und empfindsamer Sprache.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Ein lesenswertes Buch zum Nachdenken und Genießen!

Umlaufbahnen
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Mit Blick auf unsere Erde, auf die sie umgebende Sternenwelt, auf die 16 Auf- und Untergänge der Sonne in 24 Stunden in Abwechslung mit dem Mond, auf all das wird in schwärmerischem Schreibstil eingegangen ...

Mit Blick auf unsere Erde, auf die sie umgebende Sternenwelt, auf die 16 Auf- und Untergänge der Sonne in 24 Stunden in Abwechslung mit dem Mond, auf all das wird in schwärmerischem Schreibstil eingegangen neben den täglichen, streng einzuhaltenden Verrichtungen von 6 Astronauten während ihrer 6-monatigen Reise durchs All. Nicht nur die Raumfahrtgeschichte und die jeweiligen Experimente der Wissenschaftler sind aufbereitet, auch deren private Gedanken- und Traumwelt findet Erwähnung. Wichtige, teils philosophische Überlegungen zum Menschsein schwirren zwischen Mutter Erde und Vater Weltall dahin in sprachlich erlesener Pracht. Auf die Verletzlichkeit der Erde wird hingewiesen, ob nun hervorgerufen durch kriegerisch motivierte Politik der Erdbevölkerung oder durch eventuelle Veränderungen im Planetensystem.
Sehr poetisch beschriebenes Agieren und Reflektieren in einer Raumstation im Weltraum.

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