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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2025

Trockener Überblick über die Geschichte der Geologie

Die geologische Revolution
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Die Einleitung wäre vielversprechend: Der Autor konstatiert, dass sich das Weltbild auch der gebildetsten Menschen des 17. Jahrhunderts (trotz unserer scheinbaren Nähe zu dieser Zeit) sehr von dem heutigen ...

Die Einleitung wäre vielversprechend: Der Autor konstatiert, dass sich das Weltbild auch der gebildetsten Menschen des 17. Jahrhunderts (trotz unserer scheinbaren Nähe zu dieser Zeit) sehr von dem heutigen unterschied und im Wesentlichen auf der christlichen Schöpfungslehre beruhte. Davon ausgehend möchte er zeigen, wie die Entstehung der Wissenschaft der Geologie durch ihren „Blick in die Tiefe der Zeit“ zu einer nachhaltigen Änderung des allgemeinen Lebensgefühls führte.
Davon „spürt“ man beim Lesen der darauf folgenden Ausführungen aber relativ wenig. Es handelt sich um eine einigermaßen chronologisch geordnete Aneinanderreihung von bedeutenden Persönlichkeiten und Entwicklungen auf diesem Gebiet, beginnend mit den Kuriositätensammlungen des 16. Jahrhunderts bis zu Entdeckungen wie Plattentektonik und Klimawandel.
Dass dabei häufig (übersetzte) Originalzitate aus diversen Publikationen eingefügt werden, wirkt zwar auf den ersten Blick so, als wäre man hier am Puls der Forschung, wird mit der Zeit aber ermüdend und soll eventuell den mangelnden inhaltlichen Tiefgang verschleiern. Denn tatsächlich wird vieles nur oberflächlich dargestellt. Wichtige Durchbrüche und Kontroversen werden benannt, jedoch nicht sonderlich detailliert beschrieben.
Zudem ist der Text ziemlich trocken und sachlich, sodass auch auf diese Weise keine Begeisterung für das Thema aufkommen kann. Immerhin tragen viele Bilder und Grafiken zur Anschaulichkeit bei.
Ansonsten ist dieses Werk höchstens dazu geeignet, sich einen allgemeinen Überblick zu verschaffen. Auch das ist für Einsteiger in die Materie allerdings nur bedingt möglich. Mir hat eine übersichtliche Zusammenfassung und Synthese der (zu verschiedenen Zeiten und aus unterschiedlichen Anlässen gewonnenen) Forschungsergebnisse gefehlt.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Interessantes Thema oberflächlich behandelt und zu trocken aufbereitet

Was ist Zivilisation?
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Der Archäologe und Anthropologe David Wengrow nimmt sich hier eines grundsätzlich interessanten Themas an: Ausgehend von der Feststellung, dass der alte Orient zwar als „Wiege der Zivilisation“ gilt, der ...

Der Archäologe und Anthropologe David Wengrow nimmt sich hier eines grundsätzlich interessanten Themas an: Ausgehend von der Feststellung, dass der alte Orient zwar als „Wiege der Zivilisation“ gilt, der moderne Nahe Osten aber eher als das Gegenteil von Zivilisiertheit angesehen wird, geht er der Frage nach, was über die ersten Zivilisationen gesagt werden kann und wie das Konzept der Zivilisation im Verlauf der letzten Jahrhunderte von verschiedenen Wissenschaftlern interpretiert wurde.
Er konzentriert sich vor allem auf Kulturen in Ägypten und Mesopotamien (grob zwischen Neolithikum und Eisenzeit), beschreibt deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede und stellt ihre Beziehungen zueinander und zu ihren Nachbarvölkern dar. Dabei betont er immer wieder, dass die Interaktionen zwischen den Zentren der Zivilisation und vor allem auch die Handelsnetzwerke intensiver und ausgedehnter waren, als gemeinhin angenommen.
So überraschend manche der hier gebrachten Beispiele im Detail auch sind, sind seine Grundaussagen jedoch nichts Neues. Ich habe dies im Prinzip schon längst auch anderswo gelesen.
Im ziemlich kurzen zweiten Teil erklärt er noch, welche Motive hinter der europäischen Erforschung des Altertums steckten. Dass beispielsweise die frühen Aufklärer auf diese Weise Naturrechtssysteme ableiten wollten, ist dabei durchaus erhellend. Das letzte Kapitel ist dann jedoch komplett überflüssig. Es umfasst im Wesentlichen eine weitschweifige Beschreibung von Napoleons Ägyptenfeldzug.
Fazit: Trotz einiger gelungener Ansätze kann dieses Buch nicht halten, was Klappentext und Vorwort versprechen. Eine wirkliche Antwort auf die Frage „Was ist Zivilisation?" erhält man hier ebenso wenig wie Einsichten in die „Zukunft des Westens“.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Feminismus mit dem Holzhammer

Die Wut, die bleibt
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März 2021: Helenes Selbstmord aus heiterem Himmel stellt die Hinterbliebenen vor große Herausforderungen. Ihre 15jährige Tochter Lola muss sich zunächst verstärkt um ihre jüngeren Brüder kümmern. Neben ...

März 2021: Helenes Selbstmord aus heiterem Himmel stellt die Hinterbliebenen vor große Herausforderungen. Ihre 15jährige Tochter Lola muss sich zunächst verstärkt um ihre jüngeren Brüder kümmern. Neben der Wut über den Tod ihrer Mutter hat sie auch andere Sorgen. Schon länger sieht sie sich als Feministin, nach einem traumatischen Erlebnis beginnt sie sich für Kampfsport zu begeistern.
Helenes beste Freundin Sarah zieht schließlich in Helenes Wohnung, um deren Mann bei der Kinderbetreuung zu unterstützen. Was zur Folge hat, dass bald die ganze Arbeit an ihr hängen bleibt.

Am Anfang fand ich diese Geschichte interessant und konnte auch einige Sympathien für die Protagonistinnen aufbringen. Dies hat aber mehr und mehr nachgelassen. Sarahs Gedanken sind ein ständiges Gejammer darüber, wie schwer es Frauen bzw Mütter doch hätten. Und das von einer Frau, die sich diese Rolle ja nun wirklich selbst ausgesucht hat und dennoch über weite Strecken nicht einmal den Versuch unternimmt, etwas zu ändern.
Lola ist ein typischer Teenager, weiß alles besser und hält sich für die einzig Wissende umgeben von lauter Ignoranten. Immerhin muss man ihr zugute halten, dass sie nicht nur redet, sondern auch handelt, allerdings auf ausschließlich destruktive Weise. Wenn schon weibliche Wut thematisiert wird, dann sollten auch Beispiele gezeigt werden, wie diese zu tatsächlich hilfreichen Aktionen inspirieren kann.
Nebenbei bemerkt ist es gerade von einem feministischen Standpunkt aus fragwürdig, wenn hier suggeriert wird, dass vier (zugegebenermaßen junge, dafür aber gut trainierte) Frauen, die noch dazu das Überraschungsmoment auf ihrer Seite haben, nötig sind, um einen einzigen Durchschnittsmann zu überwältigen.
Außerdem sind mir die ständigen Anspielungen auf Corona auf die Nerven gegangen. Angesichts des Zeitraums, in dem dieses Buch spielt (und geschrieben wurde), natürlich verständlich und die Kritik daran, dass bei der Verhängung von Maßnahmen deren Auswirkungen auf Frauen und Jugendliche ignoriert wurden, ist sicher richtig. (Wobei sich übrigens die Frage stellt, wo damals eigentlich der große Aufschrei der sonst so lauten Feministinnen geblieben ist.) Da die hier angesprochenen Themen aber grundsätzlich zeitlos sind, wäre ein zeitloseres Setting besser gewesen.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Stadtportrait, dem zu wenig Leben eingehaucht wird

Die sieben Todsünden
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Das Bologna des Jahres 1576 ist eine reiche Stadt mit zahlreichen Schattenseiten. Mitten drin Pater Matteo, der Priester der kleinen Kirche Chiesa di San Simone. Die Beichten, die er in dieser Eigenschaft ...

Das Bologna des Jahres 1576 ist eine reiche Stadt mit zahlreichen Schattenseiten. Mitten drin Pater Matteo, der Priester der kleinen Kirche Chiesa di San Simone. Die Beichten, die er in dieser Eigenschaft zu hören bekommt, verlangen ihm einiges ab und stellen immer wieder seine Menschenkenntnis und sein Gottvertrauen auf die Probe.
Daneben hat er auch mit gesundheitlichen Problemen und Geldsorgen zu kämpfen.

Die Grundidee dieses Romans, Leben und Treiben in einer Stadt der frühen Neuzeit anhand von Beichtgesprächen zu portraitieren, ist ganz originell. Die sieben Todsünden fungieren dabei als Kapitelüberschriften, wobei der Inhalt jedoch nicht immer 100%ig zum Titel passt.
Die auftretenden Personen decken ein breites Spektrum an Gesellschaftsschichten und Charakteren ab, vom wohlhabenden Seidenkaufmann bis hin zum Bettler, vom kleinen Sünder, der seine Verfehlungen zutiefst bedauert, bis zum mit der Todesstrafe belegten Mörder, der bis zuletzt keine Reue zeigt. Dass die Beurteilung des Schweregrades mancher Sünden nicht mit der heutigen Sichtweise übereinstimmt, trägt ebenfalls zur historischen Authentizität bei.

Ich hatte jedoch Schwierigkeiten, richtig in die Geschichte hineinzufinden. Der Erzählstil ist zu abstrakt, es werden kaum Gefühle transportiert. Selbst Matteo als Hauptfigur blieb mir daher fremd. Immerhin muss man ihm zugute halten, dass er Menschlichkeit über religiösen Eifer stellt.
Auch ist Bologna als Schauplatz zu wenig präsent, der Roman könnte eigentlich in jeder beliebigen Stadt spielen.

Insgesamt konnte mich das Buch daher nicht begeistern, was angesichts des interessanten Ansatzes schade ist.

Veröffentlicht am 26.02.2024

Schöne Landschaftsbeschreibungen, aber kein Krimi

Bitterwasser
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Carolin Halbach zieht von Düsseldorf nach Bad Gastein, um die Leitung der dortigen Bibliothek, die sich in einem neu gegründeten Kulturzentrum mitten im historischen Ortskern befindet, zu übernehmen. Der ...

Carolin Halbach zieht von Düsseldorf nach Bad Gastein, um die Leitung der dortigen Bibliothek, die sich in einem neu gegründeten Kulturzentrum mitten im historischen Ortskern befindet, zu übernehmen. Der erste Eindruck von dem Ort ist eher durchwachsen, doch schnell gewöhnt sie sich an die neue Umgebung und stürzt sich mit Begeisterung in ihre Tätigkeit.
Die Eröffnung der Bibliothek wird allerdings von einem Todesfall überschattet, der sich bald als Mord herausstellt. Die Polizei hat schnell eine Verdächtige gefunden, doch Carolin hat Zweifel. Außerdem scheint jemand die Arbeiten am Kulturzentrum sabotieren zu wollen.

Die Autorin hat ihre Hausaufgaben gemacht: Landschaft und Leben in Gastein werden anschaulich und überwiegend realitätsnah beschrieben. Nur manche Eigenheiten des Ortes und seiner Bewohner sind ein bisschen überzeichnet. Wesentliche Abweichung von der Realität ist die Revitalisierung des seit langem leerstehenden Kongresshauses, aber vielleicht erfüllt sich diese Prophezeiung ja eines Tages.
Es ist schön, gemeinsam mit Carolin mehr und mehr von Bad Gastein zu entdecken und zu beobachten, wie sie sich langsam einlebt und wie sie sich generell als Deutsche in Österreich zurechtfindet. Außerdem treten interessante, bisweilen etwas skurrile Personen auf.

Als Krimi kann man diesen Roman jedoch nicht bezeichnen. Zunächst mal ist der Erzählstil eher gemächlich, was nicht gerade dazu beiträgt, Spannung aufzubauen. Dazu kommt, dass der Mord über weite Strecken bloß eine Nebenrolle einnimmt. Er wird zwar immer wieder mal erwähnt, es gibt aber nur wenige Szenen, die echte „Ermittlungen“ (im weitesten Sinne) beschreiben. Außerdem ist die Auflösung sehr vorhersehbar.
Fazit: Die Protagonisten als solches hätten sicher Potential (und Bad Gastein als Schauplatz erst recht), die Autorin sollte sich in Zukunft allerdings besser an einem anderen Genre versuchen.

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