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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.10.2025

Ein Roman, der nicht laut, aber ehrlich berührt

Junge Frau mit Katze
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In Danliela Dröschers autofiktionalem Werk geht es um das Zusammenspiel von familiärer Prägung, Körper, Seele und den äußeren Umständen. Sensibel und einprägsam berichtet Dröscher dabei aus Sicht von Ela ...

In Danliela Dröschers autofiktionalem Werk geht es um das Zusammenspiel von familiärer Prägung, Körper, Seele und den äußeren Umständen. Sensibel und einprägsam berichtet Dröscher dabei aus Sicht von Ela wie es ist wenn der eigene Körper nicht mehr mitspielt, in Flammen zu stehen scheint und es (zunächst) keine Erklärung gibt.
Irgendwie entfaltete der Roman dabei eine gewisse Sogwirkung auf mich, auch wenn ich nicht recht den Finger auf das Element legen kann an dem es letztendlich lag, dass ich Seite um Seite gelesen habe und plötzlich viel mehr gelesen hatte als ich wollte.
Ja, der Schreibstil ist eindringlich, gar stellenweise poetisch und wird durch immer wieder eingestreute Wörterbuch Wörter wundervoll ergänzt.
Doch die Story gerät an der ein oder anderen Stelle ins Stocken, dennoch faszinierte mich Elas Suche nach sich selbst und den Ursachen ihres Leidens.
Für mich handelt es sich hier um keinen Roman der lange und intensiv in mir nachhallt, so wie manch anderer, aber auch keiner, der gar nichts in mir bewegt. Eher war es ein leises Anstupsen. Halt etwas dazwischen.
Die Geschichte brachte mich jedenfalls zum Nachdenken und Reflektieren über familiäre Muster und den Druck den sich jeder selber macht.
Ob sie einen allzu intensiven Eindruck hinterlässt liegt sicherlich an jedem einzelnen Leser/jeder einzelnen Leserin.

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Rache deluxe, Tiefgang light

Hustle
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Irgendwie hatte ich mir mehr versprochen von Julia Bährs Roman Hustle. Das Cover ist stark, der Klappentext macht neugierig:
„Doch nach einer Weile kommen ihr Zweifel: Wie viel Geld braucht man wirklich ...

Irgendwie hatte ich mir mehr versprochen von Julia Bährs Roman Hustle. Das Cover ist stark, der Klappentext macht neugierig:
„Doch nach einer Weile kommen ihr Zweifel: Wie viel Geld braucht man wirklich für ein gutes Leben? Und wie viel Risiko ist sie bereit, dafür einzugehen?“

Ich hatte erwartet, dass die Story genau diesen Fragen nachgeht, dass das Risiko wirklich ausgeleuchtet wird und Leoni am Ende zu einem greifbaren Ergebnis kommt. Leider blieb das für mich eher oberflächlich.
Die Protagonistin Leoni ist zunächst eine reizvolle Figur mit spannenden Charakterzügen. Besonders die immer wieder eingestreuten naturwissenschaftlichen Themen fand ich interessant und eine tolle Abwechslung. Vor allem ihr Hobby, die Schleimpilze, hat mich fasziniert.
Ihre Clique und ihr bester Freund blieben für mich dagegen etwas blass, hier hätte ich mir mehr Tiefe und Entwicklung gewünscht. Auch die Eltern waren für mich nicht ganz so ausgearbeitet (was nicht dramatisch ist bzw wäre, hätten sie nicht auch irgendwie einen gewissen Plot bekommen)
Leonis Nebenverdienst mit den Rachatkionen war zunächst spannend und witzig beschrieben. Und auch die Sozialkritik, die durch einige Gespräche unter den Figuren geäußert wurde ist super eingearbeitet. Allerdings bleibt diese für mich zu sehr an der Oberfläche hängen und wiederholt eher bekannte Plattitüden (etwa das Beispiel mit dem Hundefutter und den Babyglässchen). Teilweise fand ich die moralischen Aussagen sogar fragwürdig, wenn z. B. Diebstahl bei großen Konzernen quasi fast schon abgenickt wird. Auch bei den Racheaktionen und Geschäften der Clique hätte ich mir deutlich mehr Reflexion bzw Entwicklung gewünscht.
Viele angerissene Themen und Szenen wurden leider nicht konsequent weitergeführt, obwohl darin viel Potenzial steckte. (SPOILER: Leoni wird einmal fast erwischt, aber wirkliche Konsequenzen oder Entwicklung bleiben aus./Ihre Eltern sind nur am Streiten plötzlich nicht mehr, wie kommts?/Wer klaut im Museum und warum? SPOILER ENDE).
Insgesamt wirkt die Handlung dadurch etwas richtungslos, und das Ende bricht eher ab, ohne eine spürbare Spannungskurve aufzubauen.
Der Schreibstil selbst ist großartig: Flüssig, leicht, die Seiten fliegen nur so dahin. Lesen macht definitiv Spaß, aber inhaltlich hätte ich mir mehr Tiefe, Entwicklung und weniger lose Handlungsfäden gewünscht.
Alles in allem ein Roman, den man durchaus mal zwischendurch lesen kann, aber nicht unbedingt muss.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Ein wilder Ritt

Gym
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In Verena Keßlers Roman Gym begleitet man eine Protagonistin, deren Namen man nie erfährt. Was man stattdessen aus nächster Nähe kennenlernt, ist ein Kopf und zwar einer, der in einer Welt voller „Höher, ...

In Verena Keßlers Roman Gym begleitet man eine Protagonistin, deren Namen man nie erfährt. Was man stattdessen aus nächster Nähe kennenlernt, ist ein Kopf und zwar einer, der in einer Welt voller „Höher, Schneller, Weiter“ gefangen zu sein scheint. Die Geschichte taucht tief ein in eine obsessive Innenwelt, die von Selbstoptimierung, Körperkult und Leistungsdruck geprägt ist.
Aufgrund des Klappentextes hatte ich einen zynischen,vielleicht sogar leichtfüßigen und humorvollen Text erwartet, eine bissige Abrechnung mit der Fitness-Gym-Welt und deren Idealvorstellungen. Und ja, an vielen, vielen Stellen blitzt das durchaus auf. Aber wer sich auf leichte Unterhaltung mit ein bisschen erhobenem Zeigefinger einstellt, wird überrascht. Gym ist kein ironischer Seitenhieb, es ist vielmehr ein klug komponiertes Psychogramm. Das MEGA Gym nur eine Bühne für die Show der heutigen Leistungsgesellschaft.
Sympathisch war mir die Protagonistin nicht. Und trotzdem hat mich der klare, strukturierte, fast kalte Stil hineingezogen, mitten hinein in ihre Gedankenwelt. Ein Ort, den ich leider in Teilen nur zu gut kenne. Auch ich war mal Teil der Fitness-Bubble, auch ich hatte Angst um mein Aussehen, um mein Wirken, um meine vermeintliche Stärke und die Angst vor dem Verlust selibger. Es war nie so extrem wie hier, aber nah genug, um zu verstehen, wie sich diese Perspektive anfühlt.
Ich will gar nicht zu viel verraten, weil ich finde, dass gerade die Unvorhersehbarkeit ein großer Reiz des Buches ist und auch viele kritische Gedanken spoilern würden.
Am Ende blieb ich jedenfalls mit einem Gefühl zurück, das sich am ehesten so beschreiben lässt: Was zur Hölle habe ich da gerade gelesen? Das war ein wilder Ritt.

Warum „nur“ drei Sterne? Es ist ein Gefühl. Das Buch ist gut, keine Frage, aber es hat mich nicht so sehr gepackt wie andere. Die Hauptfigur bleibt sperrig, die Erwartungshaltung (bedingt durch den Klappentext) wurde für mich nicht erfüllt oder besser gesagt: auf eine Weise gebrochen, die mich in Teilen eher irritiert als begeistert hat.
Und trotzdem: Gym ist auf seine Art beeindruckend. Nur eben nicht bequem.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Sieben Tage, viele Fragen – Ein Thriller mit Holprigkeiten

Not Quite Dead Yet
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Ein Buch über eine sterbende Protagonistin, die ihren eigenen Mord aufklärt? Klingt spannend!
Eins vorweg: Ich habe bisher keines der Bücher der Autorin gelesen.
Der Schreibstil ist mitreißend, flüssig ...

Ein Buch über eine sterbende Protagonistin, die ihren eigenen Mord aufklärt? Klingt spannend!
Eins vorweg: Ich habe bisher keines der Bücher der Autorin gelesen.
Der Schreibstil ist mitreißend, flüssig und durchaus spannend. Nachdem man sich durch das für mich extrem wirre erste Kapitel gearbeitet hat, fliegt man beim Lesen förmlich durch die Seiten. Was das Beenden dieses Buches durchaus erleichtert hat (keine Sorge, dazu kommen wir noch).
Die Protagonistin Jet ist nicht das typische „good girl“, wie es wohl ihre Vorgängerin dem Titel nach war. Das macht sie interessant, und es hat mir wirklich Spaß gemacht, ihr zu folgen. Alle anderen Figuren? Leider blieben sie für mich blass. Keine bekam die Tiefe, die nötig gewesen wäre, um wirklich mitzufühlen. Und doch möchte man natürlich gemeinsam mit Jet ihren Mord aufklären. Immerhin hat sie nur noch sieben Tage Zeit.
Also begibt man sich mit ihr auf die Suche. Zunächst langsam, Spannung steigernd und dann. Ja, dann wird es leider immer unlogischer. Es gibt etliche Plotholes, in die unsere Hauptfiguren hätten fallen können. Das wäre nicht einmal schlimm, hätte es nicht zunehmend haarsträubendere Verwicklungen, „Zufälle“ und Situationen gegeben, bei denen man nur noch die Augen rollen konnte. Konkrete Beispiele lasse ich hier weg, um nicht zu spoilern.
Das ganze Buch liest sich ein wenig wie eine Telenovela auf Speed. Unterhaltsam, ja, das will ich gar nicht bestreiten, aber gerade gegen Ende, wenn sich alles zuspitzt, passieren so viele aus meiner Sicht unlogische Dinge, dass ich das Buch einfach nicht mehr ernst nehmen konnte. Vom etwas fragwürdigen Moralkompass einmal ganz abgesehen (der immerhin zu Jets Charakter passt).
Deshalb tue ich mich mit einer Bewertung schwer. Es hat mich bis zu einem gewissen Punkt gut unterhalten, und die Autorin kann definitiv schreiben. Aber es gab einfach zu viele Punkte, die mich irritiert oder gestört haben. Daher gibt es von mir „nur“ 2,5 bis 3 Sterne.

Das Buch ist sicherlich für jeden etwas, der einfach nur gute Unterhaltung möchte, ohne dabei allzuviel auf Logik und Realität geben zu müssen. Wer das einfach ausblendet, wird hier sicher seine Freude haben. Ab und zu darf es halt auch mal eine Telenovela sein, die unterhalten ja auch.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Page-Turner ohne Nachhall

Eine falsche Lüge – Wird es ihre letzte sein?
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Puh, ich tu mich wirklich schwer, meine Gedanken zu diesem Buch in Worte zu fassen. Denn einerseits: Ich hatte definitiv Spaß beim Lesen. Unsere Protagonistin Sloane war mir von Anfang an sympathisch und ...

Puh, ich tu mich wirklich schwer, meine Gedanken zu diesem Buch in Worte zu fassen. Denn einerseits: Ich hatte definitiv Spaß beim Lesen. Unsere Protagonistin Sloane war mir von Anfang an sympathisch und ist mir im Laufe der Geschichte auch irgendwie ans Herz gewachsen. Und auch das Setting, vor allem im späteren Verlauf, hat mir richtig gut gefallen.

Und doch… ja, doch bin ich irgendwie nicht ganz reingekommen. Nicht in die Geschichte, nicht zu den Figuren. Es fühlte sich an, als würde ich ein Bild betrachten, das hinter einer dicken Glasschicht, auf den ersten Blick sehr hübsch ist, aber irgendetwas daran löst bei mir im Hinterkopf die ganze Zeit: „Da stimmt was nicht. Zu glatt, zu konstruiert!“ Rufe aus. So ein bisschen Uncanny Valley Effekt.
Versteht mich nicht falsch: Das Buch hat mich unterhalten. Es war spannend, stellenweise sogar ein echter Page-Turner, einfach weil ich unbedingt wissen wollte, was dahintersteckt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es in ein paar Wochen schon wieder vergessen habe. Es fehlte mir einfach an Atmosphäre, an Tiefe, an echtem Gefühl.
Was mir hingegen gut gefallen hat, war die Ich-Perspektive. Dadurch konnte ich Sloane und ihre Beweggründe, besonders die zu Lügen, sehr gut nachvollziehen. An manchen Stellen tat sie mir richtig leid, gerade wegen ihres mangelnden Selbstvertrauens, das mit ihrer Geschichte gut erklärt wird. Am liebsten hätte ich sie geschüttelt und dann gleich mit ihr zusammen einen Therapieplatz gesucht.
Die anderen Figuren, allen voran Violet blieben für mich dagegen blasser und weniger greifbar. Ihre Beweggründe, wenn auch vorhanden, weniger nachvollziehbar.

Und dann das Ende… keine Sorge, ich spoiler nicht, aber ich saß da wirklich nur noch mit dem Gedanken: Das würde doch nie im Leben funktionieren?! Vielleicht irre ich mich auch. Aber auch hier: wieder dieses Gefühl von „zu sehr gewollt“.

Unterm Strich: Ein unterhaltsames Buch, das sich locker weg liest. Wie wirklich gutes Fast Food, nicht der labbrige Kram, sondern das, bei dem man sich denkt: Boah, lecker! Aber eben trotzdem kein vollwertiges Gericht. Vielleicht keine Vollkornpizza mit extra Käse, aber ein sehr guter (veganer) Cheeseburger mit Pommes.
Empfehlenswert für alle, die im Urlaub (oder auch sonst) etwas Spannendes und Leichtes lesen wollen, ohne großen Tiefgang, ohne Grübelei. Einfach abschalten und mitfiebern.

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