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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.08.2025

Super Wimmelbuch

183 Pinguine. Das große Tier-Such-Buch
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183 Pinguine von Stéphane Frattini und Édouard Manceau ist kein gewöhnliches Wimmelbuch. Auf jeder Seite sind 1 Tonne Tiere abgebildet (vermutlich ungefähr, so genau habe ich das jetzt nicht ...

183 Pinguine von Stéphane Frattini und Édouard Manceau ist kein gewöhnliches Wimmelbuch. Auf jeder Seite sind 1 Tonne Tiere abgebildet (vermutlich ungefähr, so genau habe ich das jetzt nicht recherchiert…). So kann man das Größenverhältnis zwischen den verschiedenen Tierarten gut einschätzen, denn natürlich sind es viel weniger Wale als Krokodile oder Pinguine. Und auf jeder Seite gibt es dann einen kurzen Text und ein paar Suchaufgaben (die zum Glück recht anspruchsvoll sind, sodass wir mit dem Buch länger unseren Spaß haben können).
Das Buch ist ein ganz wunderbares Wimmelbuch für ältere Kinder. Neben kniffligen Suchaufgaben sind hier auch einige interessante Informationen enthalten, sodass ganz nebenbei auch noch etwas gelernt werden kann. Super Kombination. Für Fans von Walter und Pierre aber auch für alle anderen Hobby-Sucher😊.

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Was für ein Highlight

Am Meer ist es schön
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„Nur allzu mitfühlend durfte man nicht sein. Oder zu ehrlich. Oder zu gewitzt. Zu lebhaft und unbeschwert. Zu sehr Kind.“ (277)

Was für ein Buch! Ich habe es innerhalb von 24 Stunden eingeatmet, so sehr ...

„Nur allzu mitfühlend durfte man nicht sein. Oder zu ehrlich. Oder zu gewitzt. Zu lebhaft und unbeschwert. Zu sehr Kind.“ (277)

Was für ein Buch! Ich habe es innerhalb von 24 Stunden eingeatmet, so sehr hat es mich in seinen Bann gezogen. Und das, obwohl ich es zunächst aufgrund des unscheinbaren Covers gar nicht wirklich in Erwägung gezogen hatte.

Wir begleiten Susanne auf zwei Zeitebenen, die sich immer wieder abwechseln: einmal im Jetzt, wo Dreh- und Angelpunkt das Seniorenheim ist, in dem ihre Mutter liegt; und dann im Sommer 1969, den sie mit ihren damals acht Jahren in einem Verschickungsheim verbracht hat. Stück für Stück erfahren wir von den grausamen Verhältnissen und der schwarzen Pädagogik, der die Kinder dort ausgesetzt waren und der Selbstverständlichkeit, mit der ihnen physische und psychische Gewalt angetan wurde.

Und obwohl manche der Szenen kaum auszuhalten sind, hat mich das Buch beim Lesen nicht runtergezogen. Ja, es war traurig und ja, ich habe ein paar Tränen verdrückt (und das mache ich beim Lesen eher selten) und vor allem hatte ich die ganze Zeit das Bedürfnis, die kleine Susanne ganz fest in meine Arme zu nehmen. Aber die Entwicklungen auf der Zeitebene der erwachsenen Susanne, die den Schrecken immer wieder unterbrechen, sorgen für Ausgleich. Hier hat die Autorin ein wunderbares Gerüst konstruiert, das die Lesenden durch den Roman trägt und mithilfe von mehr oder weniger expliziten Parallelen und Bezügen eine Balance herstellt. Und auch wenn ich normalerweise geneigt bin, ein Ende wie das dieses Buches als etwas zu gewollt zu kritisieren, ist es hier irgendwie stimmig und hat mir sogar gefallen 😉 .

Ich habe viel darüber nachgedacht, wie viele der älteren Menschen in unserer direkten Umgebung wohl in solchen Heimen waren und was sie dort erlebt haben müssen. Mit welcher Last sie seitdem durchs Leben gegangen sind und wie das vielleicht auch das ein oder andere Verhalten oder eine bestimmte pädagogische Haltung erklärt (wenn auch nicht entschuldigt). Eine Person in meinem familiären Umfeld hat letztens in einem Nebensatz ein Verschickungsheim erwähnt und ich habe mir fest vorgenommen, in einem geeigneten Augenblick einmal nachzufragen. Vielleicht möchte sie nichts erzählen, aber was, wenn doch, und bisher einfach nur niemand gefragt hat?

Fazit: Barbara Leciejewski ist mit Am Meer ist es schön ein Roman gelungen, der mich aufgewühlt hat, mich emotional in alle Richtungen mitgenommen hat und den ich nur allen empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 01.05.2025

Tolles Sachbuch zu wichtigem Thema

Diskriminierung geht uns alle an
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Diskriminierung geht uns alle an ist ein gut gestaltetes Sachbuch für Kinder und Jugendliche, in dem verschiedenste Formen der Diskriminierung erklärt werden und die Leserschaft für das Thema ...

Diskriminierung geht uns alle an ist ein gut gestaltetes Sachbuch für Kinder und Jugendliche, in dem verschiedenste Formen der Diskriminierung erklärt werden und die Leserschaft für das Thema sensibilisiert werden soll.

Herausgegeben wurde das Buch von Josephine Apraku, mitgearbeitet haben aber ganz viele Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und mit unterschiedlichen Diskriminierungserfahrungen.

Nach einem Einführungskapitel, in dem erst einmal der Begriff der Diskriminierung erklärt und auf die drei Ebenen (individuell, institutionell und strukturell) eingegangen wird, widmen sich die folgenden Kapitel jeweils einem Bereich der Diskriminierung (wobei auch hier darauf geachtet wird, auf Überschneidungen hinzuweisen – zudem gibt es ein eigenes Kapitel zur Intersektionalität). In möglichst zugänglicher Sprache werden auch komplexere Sachverhalte auf ein Niveau gebracht, dem Kinder bzw. Jugendliche durchaus folgen können (das Buch ist ab 12 empfohlen, individuell kann ich es mir eventuell auch schon früher vorstellen). Dabei ist die Aufmachung wunderbar bunt, mit vielen Illustrationen, Infoboxen, Erklärungen und auch Reflexionsfragen.

Diskriminierung ist ein Thema, mit dem man sich von klein auf beschäftigen sollte und dieses Buch bietet eine wunderbare Gelegenheit, mit Teenagern darüber zu sprechen. Vor allem das Eingehen auf die Lebensrealität junger Menschen, das Abholen auf Augenhöhe und die Fragen, die dazu anregen, über die eigene Situation und das eigene Verhalten nachzudenken, machen dieses Buch zu einer wertvollen Ressource.


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Veröffentlicht am 03.04.2025

Tolle Geschichte über Freundschaft und mehr

Die Kinder von Birkby. Hier kommen die Tierretter! (Band 1)
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Die Kinder von Birkby von Barbara Rose, mit Illustrationen von Caroline Opheys, ist eine tolle Geschichte über Freundschaft und Abenteuer.
Jette und Emilia finden einen Hund, der niemandem zu gehören ...

Die Kinder von Birkby von Barbara Rose, mit Illustrationen von Caroline Opheys, ist eine tolle Geschichte über Freundschaft und Abenteuer.
Jette und Emilia finden einen Hund, der niemandem zu gehören scheint. Sie kümmern sich um ihn und erleben mit ihren Freunden jede Menge Abenteuer bei dem Versuch, ihn wieder zu seiner Familie zu bringen. Dabei lernen wir verschiedene Dorfbewohner kennen, die allesamt sehr liebevoll ausgearbeitet sind. Die Dorfidylle erinnert etwas an Bullerbü und ist für mein Stadtkind immer wieder faszinierend (ich selbst bin ein Dorfkind und sehe als Erwachsene nicht alles so unkritisch – aber es ist natürlich nicht Aufgabe eines solchen Buches, das zu thematisieren).
Sehr schön fand ich die Illustrationen und auch die Gestaltung der Seiten. Es gab viele Bilder und bunte Elemente, aber die Seiten waren nicht überfrachtet. So ließ es sich wunderbar lesen.
Ich habe das Buch vorgelesen und ich fand die Länge der Kapitel gut: genau richtig, um jeden Abend eines vorzulesen (natürlich wurde versucht, noch etwas mehr rauszuhandeln 😉 ). Ich kann mir auch vorstellen, dass es für etwas geübte Leser:innen gut alleine machbar ist, ein Kapitel zu lesen.
Von uns gibt es eine ganz klare Empfehlung für dieses schöne Kinderbuch!

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Gelungenes Debüt!

Unter Grund
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Auf Unter Grund von Annegret Liepold bin ich wegen des mega Covers aufmerksam geworden. Aber ich kann euch versichern: da steckt auch ein richtig gutes Buch dahinter.
Wir begleiten Franka auf zwei Zeitebenen: ...

Auf Unter Grund von Annegret Liepold bin ich wegen des mega Covers aufmerksam geworden. Aber ich kann euch versichern: da steckt auch ein richtig gutes Buch dahinter.
Wir begleiten Franka auf zwei Zeitebenen: als Jugendliche im Jahr 2006 und als Referendarin zur Zeit der NSU-Prozesse etwa 12 Jahre später. Wir erfahren, dass sie als Teenager immer tiefer in die rechte Szene abgleitet und vor allem erfahren wir auch, wieso und wie das passiert. Ich will gar nicht zu viel vorwegnehmen, aber der Roman führt vor Augen, dass es gar nicht immer unbedingt die Fremdenfeindlichkeit ist, die Menschen in rechtsradikale Gruppierungen treibt. Selbstverständlich entschuldigt dies in keinster Weise die verübten Straf- und Gewalttaten, aber es macht deutlich, wie schnell der Weg gehen kann: von dem Mädchen, das sich für den Naturschutz engagiert zu dem Mädchen, das antisemitische Straftaten begeht, sind es gerade mal ein paar Monate (und einige Schnäpse und Enttäuschungen).
Die Aufarbeitung der eigenen und familiären Vergangenheit und die Konfrontation mit unbequemen Wahrheiten ist auch Thema des Buches. Hier gelingt es der Autorin gut, die Notwendigkeit einer ehrlichen Auseinandersetzung damit aufzuzeigen, ohne dabei jedoch anklagend zu sein. Generell gefällt mir der Ton des Buches sehr gut, denn es wird zwar nichts beschönigt, aber eben auch nicht eindimensional dargestellt. Und so erschreckend es auch zunächst sein mag: irgendwie kann man Frankas Entwicklung nachvollziehen. Die unaufdringliche, aber trotzdem überzeugende Sprache unterstützt hier die Fokussierung auf den Inhalt, und hilft gleichzeitig dabei, dass sich das Buch wunderbar zügig lesen lässt. Ich habe lediglich zwei klitzekleine Kritikpunkte an diesem insgesamt wirklich gelungenen Buch: manchmal fand ich die Zeitsprünge etwas verwirrend und habe ein paar Sätze gebraucht, mich zu orientieren; und ich fand es ein bisschen schade, dass wir über die Zeit zwischen den beiden Zeitebenen nichts erfahren.
Dennoch ist es ein tolles Debut, das hochaktuell ist und zum Nachdenken anregt – auch auf ganz persönlicher Ebene. Ich habe zum Beispiel einiges mit der Protagonistin gemeinsam: ich bin in unmittelbarer Nähe zu ihr aufgewachsen (zumindest bis zu meinem Umzug in ein oberfränkisches Dorf mit mehr Kühen als Einwohner:innen), in den Nullerjahren erwachsen geworden, und habe Lehramt studiert. Hier hören die Parallelen zum Glück auf. Und jetzt überlege ich, ob das vielleicht wirklich einfach Glück war. Natürlich möchte ich von mir behaupten, dass ich unter gar keinen Umständen in die rechte Szene abgedriftet wäre. Aber das Buch zeigt eindrücklich, wie subtil dieser Prozess vonstattengehen kann und dass einige Jugendliche etwas ganz anderes suchen als rechtes Gedankengut: Verständnis, Freundschaft, Zugehörigkeitsgefühl. Und vielleicht ist es auch einfach unsere Aufgabe als Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass sie danach nicht am rechten Rand suchen müssen.

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