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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2018

Die Geister, die ich rief...

Das Eis
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Da ich noch nie ein Buch gelesen hatte, das in der Arktis spielt, war ich sehr gespannt auf „Das Eis“. Die Leseprobe hatte mir sehr gut gefallen, doch als ich dann das Buch las, fiel es mir zunächst schwer, ...

Da ich noch nie ein Buch gelesen hatte, das in der Arktis spielt, war ich sehr gespannt auf „Das Eis“. Die Leseprobe hatte mir sehr gut gefallen, doch als ich dann das Buch las, fiel es mir zunächst schwer, in das Geschehen hineinzukommen. Ich wusste zuerst nicht, wer wer ist, und die Zeitsprünge, die oft nicht einmal als solche gekennzeichnet sind, waren ebenfalls sehr verwirrend. Doch nach diesem etwas mühsamen Einstieg hat mich das Buch gefesselt.
Zu Beginn erleben wir eine Gruppe wohlhabender Kreuzfahrttouristen in der Arktis, die unbedingt einen vom Werbeprospekt versprochenen Eisbären in natura sehen möchte. Mittels Drohne wird ein Eisbär ausgemacht und, quasi als Zugabe, erlebt die Gruppe noch die Kalbung eines Eisbergs, bei der die Leiche eines vor Jahren verunglückten und verschollenen Umweltaktivisten freigelegt wird.
Das Buch beleuchtet die Hintergründe seines Todes, aber auch die diversen politischen und wirtschaftlichen Interessen in der Arktis. War Tom Hardings Tod in einer zusammenstürzenden Eishöhle durch die Klimaerwärmung und das dadurch in die Höhle eindringende Wasser bedingt? Oder handelt es sich um ein Verbrechen, um zu verhindern, dass Harding Informationen öffentlich macht, die eine Gruppe von Investoren mit aller Macht geheim halten möchte?
Einer der Investoren ist Sean Cawson, ein langjähriger Freund Hardings, dem es gelungen war, Harding von seinem Projekt, einer mit der Natur im Einklang stehenden Luxus-Lounge mitten in der Arktis, zu überzeugen. In den Jahren davor hatten die Freunde sich aus den Augen verloren bzw. waren sich aus dem Weg gegangen. Was war zwischen ihnen passiert?
Eine Gerichtsverhandlung, in der die Umstände von Hardings Tod geklärt werden sollen, gibt letztendlich Aufschluss über die Geschehnisse und die erschreckenden und skrupellosen Machenschaften gewisser Investoren. Obwohl die Geschichte fiktiv ist, werden genügend Fakten genannt, die – ohne erhobenen Zeigefinger – dem Leser bewusst machen, wie fragil und gefährdet das Ökosystem der Arktis ist. Ein spannendes und informatives Buch, absolut lesenswert.

Veröffentlicht am 22.01.2018

Familiengeheimnisse

All die Jahre
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In den 1950er Jahren wandern die Schwestern Nora und Theresa Flynn von Irland nach Amerika aus. Nora wird dort ihren zukünftigen Ehemann, den früheren Nachbarsjungen Charlie, wiedertreffen, während die ...

In den 1950er Jahren wandern die Schwestern Nora und Theresa Flynn von Irland nach Amerika aus. Nora wird dort ihren zukünftigen Ehemann, den früheren Nachbarsjungen Charlie, wiedertreffen, während die begabte Theresa sich zur Lehrerin ausbilden lassen soll.
Doch das Leben meint es anders mit ihnen. Im Jahr 2009, Nora ist mittlerweile Witwe, Theresa Nonne in einem Kloster in Vermont, verunglückt Noras ältester Sohn Patrick. Nora, die seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Schwester hat - zu viele Dinge sind in der Vergangenheit geschehen, die sie ihr nicht verzeihen kann –, ruft im Kloster an, um Theresa über Patricks Tod zu informieren. Was sie nie für möglich gehalten hätte: Theresa kommt zur Beerdigung. Eine Chance für die beiden Schwestern, sich auszusprechen. Doch werden sie sie auch nutzen?
Die ganze Familie Flynn versammelt sich für die Beerdigung. John, Patricks jüngerer Bruder, den alle für steinreich halten, der jedoch über seine Verhältnisse lebt, die Schwester Bridget, die mit ihrer langjährigen Lebensgefährtin Natalie erscheint, doch das Thema Homosexualität ist kein Thema, das in der Familie Flynn offen angesprochen wird, sowie der Jüngste, Brian, der Patrick am Nächsten stand und für den mit dessen Tod eine Welt zusammenbricht.
Alle haben sie ihre Geheimnisse voreinander, doch das größte Geheimnis von allen verbindet Nora und Theresa...
„All die Jahre“ ist ein berührender, jedoch nicht kitschiger Familienroman. Er beleuchtet die Situation im Irland der 1950er Jahre und die Lebensumstände der Einwanderer an der Ostküste der USA zu dieser Zeit. Mit viel Feingefühl werden die einzelnen Familienmitglieder der Familie Flynn geschildert. Ich habe den Roman verschlungen, lediglich die Beschreibungen, in denen es um Baseball geht, haben mich gründlich gelangweilt, aber natürlich ist das Buch in erster Linie für ein amerikanisches Publikum geschrieben, das mit Baseball mehr anzufangen weiß als ich.

Veröffentlicht am 15.01.2018

Die dunkle Seite der Hauptstadt

Dunkel Land
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Verena Hofer ist pleite. Deshalb beschließt sie, von Nürnberg ins Havelland zu fahren, wo sie sich während des Sommers um den Neffen der Gutsbesitzerin von Wuthenow kümmern soll. Das vermeintliche Kind ...

Verena Hofer ist pleite. Deshalb beschließt sie, von Nürnberg ins Havelland zu fahren, wo sie sich während des Sommers um den Neffen der Gutsbesitzerin von Wuthenow kümmern soll. Das vermeintliche Kind stellt sich als erwachsener Mann heraus, der bei einem Attentat verletzt wurde und deshalb sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat. Carl von Wuthenow ist von Beruf Profiler. Kaum ist Vera auf dem Gut angekommen, wird Carl von der Staatsanwaltschaft in Berlin als Experte angefordert und Vera muss ihn begleiten.
Bei dem neuen Fall handelt es sich um einen grausamen Mord an einem jungen Stricher. Obwohl Vera die ihnen gezeigten Tatortbilder zutiefst schockieren, findet sie sich bald gut in ihrer neuen Rolle als Carls „Beraterin“ zurecht, denn als solche stellt er sie bei Polizei und Staatsanwaltschaft vor. Nachdem weitere Leichen gefunden werden, arbeiten sie gemeinsam mit der Polizei unter Hochdruck daran, den Täter zu finden. Dabei dringen sie tief ein in die Berliner Unterwelt und stellen fest, dass vieles sich ganz anders verhält, als es zunächst scheint...
Der Roman ist sehr spannend geschrieben, allerdings nichts für Zartbesaitete. Die Personen sind sympathisch, meine anfängliche Angst, das Ganze könnte ins Kitschige abgleiten (als Vera Carls veilchenblaue Augen und seinem athletischen Körperbau beschreibt), hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Das offene Ende deutet möglicherweise auf eine Fortsetzung der Reihe um Verena Hofer und Carl von Wuthenow hin.

Veröffentlicht am 16.06.2017

Leben ist das, was passiert, während wir damit beschäftigt sind, andere Pläne zu machen

Als wir unbesiegbar waren
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Mitte der 90er Jahre beenden die vier Freunde Eva, Benedict, Sylvie und Lucien ihr Studium an der Universität Bristol. Die Geschichte beginnt an einem warmen Sommertag, ihrem letzten gemeinsamen Tag in ...

Mitte der 90er Jahre beenden die vier Freunde Eva, Benedict, Sylvie und Lucien ihr Studium an der Universität Bristol. Die Geschichte beginnt an einem warmen Sommertag, ihrem letzten gemeinsamen Tag in Bristol. Die vier machen sich Gedanken, wie ihr Leben jetzt weitergeht und ob sie es schaffen werden, ihre Freundschaft aufrechtzuerhalten.

Ihre Zukunftsplanung könnte unterschiedlicher nicht sein. Eva hat vor, in der Londoner City als Investmentbankerin zu arbeiten, die Geschwister Sylvie und Lucien wollen erst mal durch Indien reisen, wobei Sylvie ihre Zukunft als gefeierte Künstlerin sieht, und Benedict macht seinen Doktor in Physik.
Wie zu erwarten, entfremden sich die Freunde im Laufe der Jahre, doch sie bleiben in Kontakt, auch wenn manchmal längere Zeit vergeht, bis sie wieder voneinander hören. Vieles entwickelt sich vollkommen anders als geplant und wir erleben die Höhen und Tiefen ihrer Beziehungen bis zum Jahr 2015.

Als wir unbesiegbar waren ist ein sehr vielschichtiger Roman. Es geht um Freundschaft, Liebe und Loyalität, aber auch um falsche Entscheidungen, Enttäuschung, gesundheitliche Herausforderungen und Verlassenwerden. Es ist ein leiser und eindringlicher Roman, der ohne spektakuläre Szenen auskommt, aber trotzdem unter die Haut geht. Er spricht existenzielle Fragen an, die jeden betreffen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen.

Veröffentlicht am 03.04.2026

Ein Serienmörder in Südschweden?

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
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In Trelleborg, einem kleinen Ort nicht weit von Malmö, wird der achtjährige Robin, der mit zwei Nachbarsjungen im Wald Verstecken gespielt hat, vermisst. Bald darauf wird er tot aufgefunden und es zeigt ...

In Trelleborg, einem kleinen Ort nicht weit von Malmö, wird der achtjährige Robin, der mit zwei Nachbarsjungen im Wald Verstecken gespielt hat, vermisst. Bald darauf wird er tot aufgefunden und es zeigt sich, dass er Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Die junge Schutzpolizistin Gunni Hilding, die in der Nähe von Trelleborg wohnt, soll die Kriminalpolizei bei ihren Ermittlungen unterstützen. Einerseits ist Gunni geschmeichelt, andererseits fühlt sie sich durch ihre neue Aufgabe überfordert. Sie hat zwar keinerlei Erfahrung im Lösen von Kriminalfällen, doch ein gutes Gespür für Menschen. Es geht ihr gegen den Strich, wie schnell die Tat - nicht zuletzt wegen des öffentlichen Drucks, den Mörder schnellstmöglich zu finden -, gelöst wird, denn für sie ist keineswegs klar, dass die Polizei den richtigen Täter ermittelt hat.
Fünf Jahre später passiert ein ähnlicher Fall. Der kleine Sohn von deutschen Urlaubern, der Robin erstaunlich ähnlich sieht, wird tot in der Nähe des Campingplatzes der Familie aufgefunden. Auch bei diesem Fall soll Gunni das Dezernat für Gewaltverbrechen unterstützen. Die Parallelen zum früheren Fall erscheinen ihr offensichtlich, doch da der Mord an Robin als gelöst gilt, steht sie zunächst mit ihrer Meinung allein da.
Ich habe „Tatort Trelleborg“ in kürzester Zeit gelesen. Da die Kapitel sehr kurz sind, fliegt man nur so durch die Seiten. Edvardsson versteht es hervorragend, Fährten zu legen. Irgendwann ist fast jeder verdächtig. Was mir ebenfalls gut gefallen hat, ist, dass man als Leser viel über Gunni Hildings persönlichen Hintergrund erfährt. Das Buch endet mit einem Cliffhanger, der wahrscheinlich bei den meisten Lesern den Wunsch weckt, auch den Folgeband der Reihe zu lesen. Was mich anbelangt: Mission accomplished!
Mein einziger Kritikpunkt ist, dass das Motiv des Mörders in meinen Augen nur durch Mutmaßungen erklärt wird. Auch gewisse Gedächtnislücken empfinde ich als wenig glaubhaft. Insofern war ich von der Auflösung ein wenig enttäuscht. Alles in allem hat mir die Lektüre aber Spaß gemacht und ich habe vor, Gunni Hildings Werdegang weiter zu verfolgen.

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