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Veröffentlicht am 23.10.2025

Als die Erde noch Luzzor hieß

Mondfesseln
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Nefeyja ist eine Zouren. Sie ist es gewohnt, weit oben in den Bäumen zu leben in ihrem Dorf mit anderen Zouren. Doch eines Tages findet sie ein düsteres Geheimnis ihres Dorfes und flieht gemeinsam mit ...

Nefeyja ist eine Zouren. Sie ist es gewohnt, weit oben in den Bäumen zu leben in ihrem Dorf mit anderen Zouren. Doch eines Tages findet sie ein düsteres Geheimnis ihres Dorfes und flieht gemeinsam mit dem Lurd Acron. Etwas verbindet die beiden. Etwas tiefes und geheimnisvolles. Gemeinsam ziehen Nefeya und Acron aus, um die Welt zu ändern, obwohl sie nichts anderes wollen, als zusammen zu bleiben ...

Es ist der erste Versuch, einen Fantasy-Roman zu schreiben, so erklärte Russ dieses Buch. Und ich muss sagen, der Versuch ist gelungen. Die Welt Luzzor, die sie als eine Art sehr frühe Erde sieht, ist tatsächlich sehr phantastisch, und das beginnt bereits mit den beiden Völkern, den Zouren und den Lurd. Beide sind menschlich, ja. Aber dennoch sind sie grundverschieden. Zudem mißtrauen sie einander. Nicht soweit, dass Blut fließt, aber immerhin. Dieses Mißtrauen hat dazu geführt, dass es keine (oder kaum) Misch-Partnerschaften gibt.

Doch da gibt es noch eine dritte Gruppe Menschen: die Grauäugigen. Seit altersher ist es den Zouren und den Lurd verboten, grauäugige Kinder aufzuziehen. Diese gelten als verflucht oder schlimmeres. Statt dessen werden die Säuglinge nahe eines Berges ausgesetzt. Doch diese Kinder verschwinden, sie sterben weder an der Umwelt noch werden sie von wilden Tieren gerissen, wie Nefeyja weiß. Statt dessen sind sie einfach fort. Dass es da ein Geheimnis gibt, das finden die beiden Liebenden mit der Zeit heraus - und was für ein düsteres Geheimnis dies ist!

Der Roman ist gut geschrieben, enthält allerdings ein paar kleine Fehler. Nichts großartiges, doch vielleicht sollte es an dieser Stelle erwähnt werden. Ich meine, wenn schon Großverlage den Fehlerteufel nicht von sich fernhalten können, dann drücke ich bei Kleinverlagen gern beide Augen zu.

Der Stil ist flüssig, man kommt gut in die Geschichte hinein. Die Figuren gut gezeichnet, die Charaktere wachsen. Und selbst wenn ich diesen Roman im groben der Romantasy zuordnen würde, immerhin begleitet man als Leser ein Liebespaar, so ist mehr als genug Handlung da, packende Handlung. An den Actionszenen dagegen könnte die Autorin noch ein bisschen arbeiten, ich fand sie sehr statisch und weit weg vom Leser. Aber man kennt mich, ich mag meine Schlachten mittendrin statt nur dabei.

Was diesen Roman von Romantasy allerdings unterscheidet ist das BDSM-Thema. Ja, Nefeyja und Acron lieben sich auf sehr spezielle Art. Das geht allerdings nicht hinein in Toture, weit davon. Es ist einfach eine andere Art als der übliche Blümchen-Sex. Diese Szenen hat Russ in meinen Augen sehr gut geschrieben, meist aus Nefeyjas Sicht, dass der Leser mit ihr mitfühlt - und vielleicht selbst ein wenig erhitzt an den richtigen Stellen. Hier möchte ich eine Szene hervorheben, als zwei der Grauaugen, die Nefeyja und Acron beobachtet haben, sich selbst daran versuchen. Es war irgendwie ... süß. Ein wenig unbeholfen aber offensichtlich haben die beiden Helden auch anderen den Weg des "dunklen" Sex geebnet, wer weiß?

Alles in allem bleibt ein solider Roman, der auch gute Spannung, jenseits der Bettspiele, zu bieten hat. Eine gute Lektüre für alle, die die Nase voll haben von Dreiecksgeschichten und Liebesgeschmachte. Hier geht's zur Sache, in mehr als einer Hinsicht.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Ein warmherziger kleiner Katzenkrimi

Alle Jahre wieder mit Elvis
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Nein, nicht der. Der schwarz-weiße Kater Elvis ist gemeint. Der lebt nämlich ein abenteuerliches Leben mitten in der Stadt und löst nebenbei Mordfälle - wenn er nicht gerade Rakete fliegt ...

Ein Mord ...

Nein, nicht der. Der schwarz-weiße Kater Elvis ist gemeint. Der lebt nämlich ein abenteuerliches Leben mitten in der Stadt und löst nebenbei Mordfälle - wenn er nicht gerade Rakete fliegt ...

Ein Mord passiert und die Ermittlungen laufen. Doch die Polizei ist nicht so schnell wie die Samtpfoten vovn nebenan. Kater Elvis ermittel in seinem zweiten Fall, mitten in der Adventszeit, was einem schon mal das Weihnachtsfest vermaseln kann. Damit das nicht passiert, versucht Elvis alles, um den Täter zu finden.

Ja, ich liebe Katzenkrimis seit ich damals, beinahe scheints wie in einem anderen Leben, Felidae in die Finger bekam. Ich hab die ganze Reihe durchgelesen und bin immer noch ein Fan von Francis und seinen Abenteuern. Ich versuchte mich auch an einigen anderen Fellnasen-Krimis, doch meist ist dort die Rolle der Katze als ein Nebenher zusammengeschrumpft, keine so tragende Rolle wie in Pirinccis Büchern. Irgendwann gab ich auf - bis ich bei Lovelybooks auf eine kleine Leserunde stieß, die ich zuerst mindestens zehnmal übersehen hatte. Ich bewarb mich so ziemlich in letzter Sekunde und hatte tatsächlich Glück - im doppelten Sinn. Elvis ist nicht nur ein Stand-in, damit man den Roman zum Katzenkrimi erklären kann, nein, er hat die tragende Rolle.

Aber im einzelnen: Ein Mord geschieht im Nachbarhaus. Elvis und seine Freundin, die Kätzin Chloe, erfahren davon. Erst einmal nichts ungewöhnliches, Morde passieren immer mal wieder. Doch der Mord geschah gerade in dem Haus, dass Kater Oskar seit Monaten beobachtet - weil er spannend findet, was die Menschen so treiben. Das weckt natürlich Elvis' Neugier und bald ist er mittendrin in den Ermittlungen.

Eines ist mir sofort im ersten Kapitel aufgefallen, mit wie viel Warmherzigkeit die Autorin hier zu Werke geht. Jede Katze hat ihre eigenen Persönlichkeit und es gibt kein Fauchen und auch keine Revierkämpfe (wie sie regelmäßig unter meinem Balkon stattfinden). Die Katzen sind eine weit verstreute, aber eingeschworene Gemeinschaft. Fragt einer, helfen die anderen. So ist Elvis in der Lage, mit seinen Ermittlungen voranzukommen.

Was auch lobend erwähnt sein sollte ist der herrliche Humor, mit dem der Roman gewürzt wurde. Man hat die entsprechenden Szenen im berühmten Kopfkino und lacht herzlich mit, wenn Elvis sich in einen McDonald's schleicht und sich unter der Friteuse versteckt, um mitlauschen zu können. Ja, Katzen quetschen sich in das kleinste Loch, darin sind sie groß. Nur manchmal ist das Loch dann doch zu klein ... Lassen wir das, ich könnte da einige Schoten von mir geben über meine beiden verstorbenen Fellnasen.

Was mir ebenso gefiel waren die eingesponnenen Kapitel, die aus der Sicht der verschiedenen Verdächtigen geschrieben wurden. So bleibt es spannend bis zum Ende, denn diese Gedanken könnten allesamt auch von einem Täter gesponnen worden sein, der sich vielleicht gerade einreden will, geistig umnachtet gewesen zu sein.

Alles in allem bleibt ein warmherziger kleiner Roman, der mehr Aufmerksamkeit verdient. Nicht nur empfehlbar zur Weihnachtszeit, doch ich denke, meine diesjährige Adventslektüre wird bereichert werden durch ein zweites Lesen.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Es war einmal ...

Schattenthron I
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Rahel arbeitet als Küchenhilfe im Gasthaus. Ihr Vater ist ein einfacher Holzarbeiter. Doch Rahel hat ein Geheimnis: sie kann sich in eine Rehkuh verwandeln auf eigenen Wunsch. Sie ist eine Wandlerin. ...

Rahel arbeitet als Küchenhilfe im Gasthaus. Ihr Vater ist ein einfacher Holzarbeiter. Doch Rahel hat ein Geheimnis: sie kann sich in eine Rehkuh verwandeln auf eigenen Wunsch. Sie ist eine Wandlerin. Doch ihre Fähigkeit ist geächtet im Königreich, so muss sie sie vor fast allen verbergen, nur vor ihren Eltern nicht.

Als der Erlass des Königs kommt über die Brautschau für den Thronfolger weiß Rahel sofort, dass sie ganz sicher nicht daran teilnehmen wird. Und doch zwingt sie ein Ereignis, zum Schloss zu gehen. Dort arbeitet sie als Küchenhilfe und lernt den jungen Jäger kennen, nicht ahnend, dass er tatsächlich Prinz Leonard ist ...

Märchenhafte Fantasy ist heutzutage eher selten zu finden. Umso schöner, wenn man einmal ein solches Buch in die Hand bekommt. Und das ist es, was Diem hier präsentiert: Märchenhafte Fantasy. Wo sonst könnte man damit rechnen, dass eine einfache Magd in einem Spiel um die Hand des Prinzen enden würde?

Nun, ich habe mich vor nicht allzu langer Zeit ausgetobt über Romantasy. Im groben würde ich dieses Buch diesem Genre zuordnen, wenn auch die eigentliche Liebesgeschichte nicht unbedingt den Großteil der Handlung einnimmt. Rahel und Leonard, da knistert es von ihrer ersten Begegnung an, das ist wahr. Und Leonard tut sein bestes, um Rahel fortzustoßen, während er sich gleichzeitig immer wieder für sie einsetzt und an einer Stelle sogar sein Leben für sie riskiert. Doch Diem gelingt es, den Rest der Handlung spannend zu halten, dass das Gefühlsdingsda zwischen den beiden zwar eine nicht zu kleine Rolle spielt, aber nicht die ganze Handlung einnimmt.

Der grausame König, der noch grausamere Regent, Leonard, der unter zwei verschiedenen Persönlichkeiten zu leiden scheint. Die Geheimnisse um das Schloss und dem titelgebenden Teil, dem Schattenthron selbst, all das nimmt einen Gutteil der Handlung ein, sodass auch Leser wie ich, die reine Lovestorys nicht mögen, noch etwas zu lesen hat. Zudem, dass sollte ich vielleicht auch erwähnen, ist diese Lovestory nachvollziehbar. Ja, es knistert vom ersten Moment an, ja, Rahel fällt für diesen schmucken Jäger, gleichzeitig piesakt sie ihn aber auch, oder sie beide einander. Es könnte bis zu einer gewissen Stelle auch auf eine gute Freundschaft hinauslaufen.

Und da ist noch dieses eigenartige Spiel, dass der König und der Regent sich da ausgedacht haben, um die richtige Braut zu finden. In den Wäldern jagen, Drachen füttern, vor Wargen durch eine verlassene unterirdische Ruinenstadt laufen ... Jede einzelne dieser Szenarios sind spannend geschildert aus Rahels Sicht. Zudem gibt es noch eine Nebenhandlung, in der einige Hintergründe beleuchtet werden und der Leser mehr und mehr erfährt, was im Schloss tatsächlich vor sich geht. All das ist ein gutes Rezept für einen spannenden Roman. Und Diem liefert diesen auch.

Was mich, wie immer, irritiert, ist die Erzählzeit. Alle Handlungen, die aus Rahels Sicht geschildert werden, sind in der Gegenwart geschrieben. Das kann einige Leser abschrecken, weil es doch sehr ungewöhnlich ist. Doch durchhalten, Leute, ihr werdet mit einem netten kleinen Roman belohnt, der gelesen werden möchte!

Alles in allem bleibt ein märchenhaftes Setting und eine spannende Handlung voller unvorhergesehener Wendungen, von denen ich einige wirklich nicht kommen sah. Ein nettes kleines Märchen.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Ein Must-have zu "Der Aufstieg Thions"

Codex Yî
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Hinter diesem nicht gerade kurzem Titel verbergen sich weitere Hintergründe für den Roman "Der Aufstieg Thions", inklusive Zeittafeln, einer Götterliste und einem wahren Wörterbuch der im Roman gesprochenen ...

Hinter diesem nicht gerade kurzem Titel verbergen sich weitere Hintergründe für den Roman "Der Aufstieg Thions", inklusive Zeittafeln, einer Götterliste und einem wahren Wörterbuch der im Roman gesprochenen Sprache sowie ein Index über alles und jeden, der oder die im Verlauf des Buches auftaucht. Vergleichen wir es am besten mit einer nicht zu knappen Glossar oder, was wohl auch der Sinn hinter diesem Buch ist, die berühmten "Anhänge" des J. R. R. Tolkien zum Herrn der Ringe.

Warum die Autoren den Weg gewählt haben, beides getrennt voneinander zu veröffentlichen ist mir nicht so ganz klar, aber so ist es nun einmal. Der Inhalt gibt jedenfalls einiges mehr an Hintergrund zum Roman, dass ich mir wirklich gewünscht hätte, hin- und herblättern zu können. Nun, in einer Form konnte ich das auch, da Herr Fleischhauer so nett war, mir dieses Buch zur Verfügung zu stellen. Ich hätte beides parallel lesen können, doch ich wollte die unbedarfte Leserin spielen und entschied mich dafür, erst den Roman und dann die "Sagas und Mythen" zu verinhaltlichen.

Was mir während der Lektüre wirklich Kopfschmerzen bereitete, war schlicht die Tatsache, dass die Autoren fortwährend von einem "Goldenen Zeitalter" schrieben, in dem die Geschichte spielt. Als Normalsterblicher ohne die Vorbildung der "Sagas und Mythen" war ich zugegebenermaßen mehr als verwirrt. In der hiesigen, der unsrigen Welt, wird als "Goldenes Zeitalter" die Zeit von Wohlstand, Wachstum und Frieden beschrieben. Sprich, jedem (oder den meisten) geht es gut, es ist ein goldenes Zeitalter. Davon war aber im Roman nichts, aber auch rein gar nichts zu spüren. Im Gegenteil schien Schlacht au Schlacht, Gemetzel auf Gemetzel zu folgen. Und wo nicht gekämpft wurde, da verhungerten oder erfroren die Menschen. Also eher das Gegenteil eines Goldenen Zeitalters. Das brachte mich über die ganze Lektüre hinweg durcheinander. In "Sagas und Mythen" wird erklärt, dass man im Mutliversum Yi eben nicht so zählt, sondern die Zeitalter, abgesehen vom ältesten, in dem die Götter Yi schufen, Metalle zählt. Also: Eisernes, Bronzenes, Silbernes und schließlich das Goldene Zeitalter, in dem die Handlung spielt. Diese Information wäre vielleicht im Roman besser aufgehoben gewesen, dies nur am Rande erwähnt.

Die Götterliste ist erstaunlich kurz. Interessant fand ich, dass Zauberer mit zu den Göttlichen gezählt werden aufgrund der Art, wie sie geschaffen wurden. Nebenbei, selbst mir als Horrorfan gruselte es allein bei der Vorstellung.

Die ausführliche Schöpfungsgeschichte, im Gegensatz zu der deutlich gekürzten im Roman fand ich dagegen nicht ganz so interessant. Sicher, es wurde mehr darauf eingegangen, was Oth und die anderen Götter so trieben, vor allem Oth, aber am Ende kannte ich diese Geschichte schon. Nur das Ende, mit dem hatte ich nicht gerechnet. Dort wird beschrieben, wie aus dem vorher gradlinigen Universum Yi das Multiversum wurde, in dem Thion und seine Mannen und Frauen leben. Ich möchte für Interessierte nichts vorweg nehmen, darum gehe ich an dieser Stelle nicht näher ins Detail.

Die Zeittafel mit der Geschichte Yis war sicherlich interessant zu lesen, empfand ich allerdings nicht als unbedingt notwendig, um den Roman zu verstehen. Nettes Hintergrundwissen eben und der Beweis dafür, dass die Autoren sich wirklich Arbeit gemacht haben mit der Erschaffung ihres Multiversums.

Die Glossar am Ende mit allem, was wichtig ist, hätte ich mir gern in den Roman gewünscht. Wer sie kennt, am Ende der "Das Rad der Zeit"-Romane wird jedesmal eine Glossar mit allen Figuren aufgeführt. Ähnlich wie dort wäre es hier nicht schlecht gewesen. Unter all den Namen und Worten geht man als Leser schnell verloren und nicht jeder wird sich die "Sagas und Mythen" zulegen, der "Der Aufstieg Thions" liest.

Was das Wörterbuch mit der eigenen Sprache angeht sowie der Literaturverweis auf Werke, die nicht einmal im Roman erwähnt werden ... Es steckt in beiden ein Haufen Arbeit, das gebe ich zu und ich mag es, wenn Autoren sich tiefer mit ihren Werken auseinandersetzen, gerade Fantasy-Autoren, die die Freiheit haben, ihre eigenen Welten zu erschaffen und auch ihre eigenen Regeln aufzustellen. Die meisten tun es nicht, und das merkt man leider meist auch den Romanen an. Insofern haben die Autoren hier hundertprozentig ihre Arbeit gemacht.

Aber ich kann mir denken, warum diese Dinge Eingang in dieses Buch fanden. Am Ende findet sich nämlich ein Kapitel, das die Aufklärung bringt: Das Open-Yi-Project. Albrecht und Fleischhauer haben nicht nur ein Multiversum geschaffen, sie wollen es teilen mit solchen, die daran interessiert sind, Geschichten in ihren Welten und Dimensionen spielen zu lassen. Nein, keine Fanfiktion, wie Fleischhauer betont, sondern eigene Geschichten. Über eine angegebene eMail-Adresse können sich Interessierte bei ihm melden.

Nun, was halte ich von "Sagas und Mythen"? Es ist definitiv hilfreich und macht für Interessierte den Einstieg leichter. Dennoch, wie bereits eingangs erwähnt, glaube ich nicht, dass sich jeder, der den Roman kauft, auch dieses Buch zulegen wird, obgleich es viele Dinge erklärt, die einen Leser von "Der Aufstieg Thions" erst einmal verwirren und ratlos zurücklassen. Um ehrlich zu sein, meine vorhergehende Rezension wäre um einiges harscher ausgefallen, hätte ich nicht dieses Buch gelesen. Vielleicht wirklich ein Must-have für solche, die irgendwann auf Thions Reise verloren gegangen sind so wie ich.

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Veröffentlicht am 15.07.2025

Viva Las Vegas

Finstere Stadt
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Die Agenten der Triaden Nase, Ohr und Faust werden wie die Söldnerin Flaka ausgesandt, Kontakte herzustellen, um die geplante Zerstörung der Finsteren Stadt vor den Toren Hongkongs zu verhindern. In Dubai ...

Die Agenten der Triaden Nase, Ohr und Faust werden wie die Söldnerin Flaka ausgesandt, Kontakte herzustellen, um die geplante Zerstörung der Finsteren Stadt vor den Toren Hongkongs zu verhindern. In Dubai trifft Flaka auf MOTHER, eine wilde KI, während die Agenten sich in die ehemaligen USA begeben, um in New Orleans und Las Vegas nach Verbündeten gegen die THC zu suchen. Werden sie Verbündete im Kampf finden?

Korb setzt kurz nach dem Ende des ersten Teils (Sourcecode) an und schickt seine Leser auf die Reise nach Dubai, New Orleans und Las Vegas. Während Flaka kaum auf Widerstände stößt in der Wüste, sieht es für Nase, Faust und Ohr ein wenig anders aus. Vor allem New Orleans erweist sich als zweischneidiges Schwert für den Widerstand.

Womit wir gleich bei dem größten Problems des Romans sind. Gerade die Episode in Dubai liest sich als viel zu glatt. Die Feuerkraft von Flaka und ihrer Einheit scheint so überwältigend, dass man sich als Leser beinahe wie in einem YouTube-Video über ein PC-Game fühlt. Dabei werden allerdings körperliche Eindrücke so gut wie ausgelassen. Korb, der sonst ein Meister in Beschreibungen und Einsichten in seine Protagonisten ist, entlässt den Leser hier geradezu darum bettelnd. Kein Wort über die Hitze (die Rezensentin WAR zweimal in Dubai, einmal davon am frühen Morgen, an dem bereits Temperaturen über 30°C herrschten), nichts über den allgegenwärtigen Sand, der aber doch bereits den Großteil der Stadt zurück erobert hat. Die Episode um die Wissenschaftler, die sich um MOTHER gescharrt haben, als seien sie ihre Kinder oder Familie, fühlt sich falsch an. Mag sein, dass Korb genau diese Gefühle hat auslösen wollen. Wenn dem so ist, dann hat er seine Arbeit verdammt gut gemacht, denn als Leser fühlt man sich wie auf einen Bildschirm beschränkt anstatt mittendrin zu sein.

Dies ändert sich, wenn die Handlung nach Nordamerika wechselt. Immer noch Action geladen erweist sich gerade New (Hope) Orleans als faszinierend. Und da zeigt Korb seine Stärke, gerade in den Action-Szenen, bei denen der Leser atemlos mit verfolgt, was vor sich geht, man das Buch gar nicht mehr zur Seite legen mag, sondern unbedingt wissen will, ob es der Gruppe gelingt, die ihr gestellte Aufgabe zu erfüllen. Hier möchte ich gerade die Szene um den Schaufelraddampfer hervorheben, in der einer der Protags gegen einen Alligator zu kämpfen hat. Kurze, abgehackte Bilder, doch das ist mehr als genug, um das Kopfkino in Gang zu bringen. Wirklich hervorragend be- und geschrieben.

In Las Vegas dagegen geht es dann ruhiger vor, aber nicht weniger traumatischer. Wer sich an einer Stelle nicht zumindest die Augen reibt, hat offensichtlich die Seiten vorher nicht gelesen. Eine wirklich herzzerreißende Geschichte, die dort erzählt wird. Und als Leser begegnet man etwas neuem und einer anderen Firma, die offensichtlich mit der THC zusammenarbeitet: der MDMA. Mit beiden Firmen zusammengenommen wird ganz offensichtlich die Gefahr größer.

Zurück in der Finsteren Stadt wird letztendlich ein Plan in die Tat umgesetzt, der so gut wie unmöglich scheint: die Infiltration und Extraktion von Daten aus den Speichern der THC. Dass es sich dabei um alles andere als einen Sonntagsspaziergang handelt wird jedem Leser sehr schnell klar, auch wenn eine der Gruppen mit einem Aussichts-U-Boot unterwegs ist.

Im großen und ganzen schließt sich Mainframe geradezu nahtlos an Sourcecode an. Es sind anfangs nur wenige Stunden oder vielleicht ein, zwei Tage vergangen seit den Ereignissen im ersten Band. Dennoch ist es nicht unbedingt vonnöten, Sourcecode gelesen zu haben, um Mainframe zu verstehen. Es ist nützlich, ja, aber es werden genug Informationen aus Sourcecode zur Verfügung gestellt im zweiten Band, dass die Handlung auch ohne Vorkenntnis verständlich ist. Wer natürlich die ganze Geschichte lesen möchte, ich bin sicher, der Verlag freut sich über jedes verkaufte Buch.

Meiner persönlichen Meinung nach war Sourcecode besser als sein Nachfolger, nicht viel, aber ein wenig. Wo der erste Band tiefgründiger war ist Mainframe um einiges actionreicher. Die Caberpunk-Welt wird größer und dementsprechend werden neue Figuren eingeführt und die alten tiefer beleuchtet, zumindest zum Teil. Handlungen und Planungen werden klarer, und der große Plan der THĆ am Ende enthüllt. Nun ist es an den Verbündeten, wie und ob sie das ganze noch stoppen können.

Ein solider Roman. Wie gesagt, die einzige Schwäche, die ich gefunden habe, war das erste Kapitel. Wobei, wenn ich mir das Ende überlege, das ganze auch von Korb geplant sein könnte, um seine Leser in Sicherheit zu wiegen.

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