Als die Erde noch Luzzor hieß
MondfesselnNefeyja ist eine Zouren. Sie ist es gewohnt, weit oben in den Bäumen zu leben in ihrem Dorf mit anderen Zouren. Doch eines Tages findet sie ein düsteres Geheimnis ihres Dorfes und flieht gemeinsam mit ...
Nefeyja ist eine Zouren. Sie ist es gewohnt, weit oben in den Bäumen zu leben in ihrem Dorf mit anderen Zouren. Doch eines Tages findet sie ein düsteres Geheimnis ihres Dorfes und flieht gemeinsam mit dem Lurd Acron. Etwas verbindet die beiden. Etwas tiefes und geheimnisvolles. Gemeinsam ziehen Nefeya und Acron aus, um die Welt zu ändern, obwohl sie nichts anderes wollen, als zusammen zu bleiben ...
Es ist der erste Versuch, einen Fantasy-Roman zu schreiben, so erklärte Russ dieses Buch. Und ich muss sagen, der Versuch ist gelungen. Die Welt Luzzor, die sie als eine Art sehr frühe Erde sieht, ist tatsächlich sehr phantastisch, und das beginnt bereits mit den beiden Völkern, den Zouren und den Lurd. Beide sind menschlich, ja. Aber dennoch sind sie grundverschieden. Zudem mißtrauen sie einander. Nicht soweit, dass Blut fließt, aber immerhin. Dieses Mißtrauen hat dazu geführt, dass es keine (oder kaum) Misch-Partnerschaften gibt.
Doch da gibt es noch eine dritte Gruppe Menschen: die Grauäugigen. Seit altersher ist es den Zouren und den Lurd verboten, grauäugige Kinder aufzuziehen. Diese gelten als verflucht oder schlimmeres. Statt dessen werden die Säuglinge nahe eines Berges ausgesetzt. Doch diese Kinder verschwinden, sie sterben weder an der Umwelt noch werden sie von wilden Tieren gerissen, wie Nefeyja weiß. Statt dessen sind sie einfach fort. Dass es da ein Geheimnis gibt, das finden die beiden Liebenden mit der Zeit heraus - und was für ein düsteres Geheimnis dies ist!
Der Roman ist gut geschrieben, enthält allerdings ein paar kleine Fehler. Nichts großartiges, doch vielleicht sollte es an dieser Stelle erwähnt werden. Ich meine, wenn schon Großverlage den Fehlerteufel nicht von sich fernhalten können, dann drücke ich bei Kleinverlagen gern beide Augen zu.
Der Stil ist flüssig, man kommt gut in die Geschichte hinein. Die Figuren gut gezeichnet, die Charaktere wachsen. Und selbst wenn ich diesen Roman im groben der Romantasy zuordnen würde, immerhin begleitet man als Leser ein Liebespaar, so ist mehr als genug Handlung da, packende Handlung. An den Actionszenen dagegen könnte die Autorin noch ein bisschen arbeiten, ich fand sie sehr statisch und weit weg vom Leser. Aber man kennt mich, ich mag meine Schlachten mittendrin statt nur dabei.
Was diesen Roman von Romantasy allerdings unterscheidet ist das BDSM-Thema. Ja, Nefeyja und Acron lieben sich auf sehr spezielle Art. Das geht allerdings nicht hinein in Toture, weit davon. Es ist einfach eine andere Art als der übliche Blümchen-Sex. Diese Szenen hat Russ in meinen Augen sehr gut geschrieben, meist aus Nefeyjas Sicht, dass der Leser mit ihr mitfühlt - und vielleicht selbst ein wenig erhitzt an den richtigen Stellen. Hier möchte ich eine Szene hervorheben, als zwei der Grauaugen, die Nefeyja und Acron beobachtet haben, sich selbst daran versuchen. Es war irgendwie ... süß. Ein wenig unbeholfen aber offensichtlich haben die beiden Helden auch anderen den Weg des "dunklen" Sex geebnet, wer weiß?
Alles in allem bleibt ein solider Roman, der auch gute Spannung, jenseits der Bettspiele, zu bieten hat. Eine gute Lektüre für alle, die die Nase voll haben von Dreiecksgeschichten und Liebesgeschmachte. Hier geht's zur Sache, in mehr als einer Hinsicht.