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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2025

Von Braunschweig in die NBA

Wir Jungs vom Prinzenpark
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Dennis Schröder berichtet in Wir Jungs vom Prinzenpark über seinen Weg vom Braunschweiger Park in die NBA. Christian Tielmann hat diese Geschichte kindgerecht niedergeschrieben, durch Zeichnungen des Illustrators ...

Dennis Schröder berichtet in Wir Jungs vom Prinzenpark über seinen Weg vom Braunschweiger Park in die NBA. Christian Tielmann hat diese Geschichte kindgerecht niedergeschrieben, durch Zeichnungen des Illustrators Jan Saße werden außerdem immer wieder Comicelemente eingebaut, die nicht nur gut aussehen, sondern auch Spaß machen. Empfohlen wird das Buch ab 12, meiner Ansicht nach kann das Buch aber bereits deutlich früher (vor-)gelesen werden.

Dennis Schröders Geschichte ist auf vielen Ebenen durchaus vorbildhaft. Schröder beschreibt seine Zielstrebigkeit in seinem Lieblingssport und auch die (lange) Beziehung zu seiner Frau wird erwähnt. Ein Buch, das nicht nur den Basketball interessant macht, sondern zum Finden eigener Interessen motiviert und zeigt, dass man niemals seinen Traum aufgeben sollte.

Erzähltechnisch fiel auf, dass häufig der WM Titel erwähnt wird. Natürlich ein ganz besonderes Ereignis als deutscher Profi diesen Titel zu holen. Dennoch wurde das Stilmittel des Vorangreifens etwas zu viel ausgenutzt, gerade weil die WM, der Titel oder auch die NBA selbst kaum Beachtung findet und es damit inhaltlich eigentlich kaum Relevanz besaß.

Der Einblick in Schröders frühste Kindheit, der Bund mit seinen Freunden, seiner Familie und auch das Kennenlernen seiner Frau sind durchaus interessant, aber die Kinder hätten gerne noch mehr über den Wechsel in die NBA gelesen und über die Problematik, dass Spieler dort ‚getradet‘ werden. Das wird zwar nebenbei erwähnt, kam ihnen aber einfach zu kurz, sodass sie am Ende inhaltlich etwas enttäuscht waren.

Das Hörbuch wurde von Julian Greis toll eingesprochen und hat super viel Spaß bereitet. Schön war auch, dass Dennis Schröder selbst ein paar Worte gesagt hat und dem ganzen damit einen persönlichen Touch verliehen hat.

Veröffentlicht am 20.06.2025

Deep Fakes und ihre Folgen

Reset
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In München soll ein angeblich von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug abgeschossen werden und immer mehr bedrohliche Fake News bringen die Welt ins wanken. Anrufe und Video-Botschaften können nicht ...

In München soll ein angeblich von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug abgeschossen werden und immer mehr bedrohliche Fake News bringen die Welt ins wanken. Anrufe und Video-Botschaften können nicht mehr als echt garantiert werden und keiner weiß, mit wem er wirklich spricht. Superintendent Valentine O’Brien ermittelt in Deutschland, als ihn eine bedrohliche Nachricht erreicht und er sich auf die Suche nach seiner vermissten Schwester macht. Doch auch die Welt um ihn herum gerät in ein völliges Chaos.

Peter Grandl hat mit Reset einen interessanten Plot erschaffen, der sich um KI-generierte Fake News dreht und ein geradezu beängstigendes Szenario erschafft. Dabei gefällt mir vor allem der klar strukturierte Schreibstil, der schnell ein Bild entstehen lässt und einen direkt mitnimmt. So stark, dass ich leider auch schnell enttäuscht war, weil das spannende ethische Dilemma des Trolley-Problems angeführt wurde, aber dann andere Perspektiven ihren Platz bekamen, die zu Beginn so gar nicht in den ersten Strang passen wollten. Der Einstieg war daraufhin etwas holprig und es fiel mir schwer mich auf die zahlreichen neuen Perspektiven einlassen zu können bzw. sie einzuordnen, weil der Wechsel zur Nächsten sehr bald schon kam. Wenn man dann die Charaktere zuordnen kann und sie alle ihren Platz in der Geschichte gefunden haben, dann nimmt die Spannung auch wieder zu und einige Perspektiven sind besonders interessant. Doch am Ende bleiben für mich zu viele Fragen offen, die ich gerne beantwortet hätte.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Unperfekt perfekt!

Menschenhausen
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In Menschenhausen leben die Menschen, die alle ‚irgendwie‘ zu viel sind. Menschen mit viel zu kurzen Beinen, zu langen Hälsen, zu dünnen Haaren, zu runden Bäuchen,… und doch sind sie alle glücklich. Bis ...

In Menschenhausen leben die Menschen, die alle ‚irgendwie‘ zu viel sind. Menschen mit viel zu kurzen Beinen, zu langen Hälsen, zu dünnen Haaren, zu runden Bäuchen,… und doch sind sie alle glücklich. Bis eines Tages die Betty ihrer Tante Lady Margret einen Besuch abstattet und viel zu perfekt wirkt. Betty hat einen perfekten Hals, perfekt lange Beine, perfekte blonde Haare und bekommt damit ganz schnell die Aufmerksamkeit jedes Bewohners in Menschenhausen. Plötzlich fallen ihre eigenen Makel wieder stärker ins Gewicht und sie tun alles, um ihre Makel zu verstecken. Doch ist Betty wirklich perfekt oder ist auch sie ‚irgendwie‘ zu viel?

Ich stehe Menschenhausen - viel zu irgendwie von Rusanna Danielian etwas zwiespältig gegenüber. Es gibt einige Dinge, die mir wirklich sehr gut gefallen haben. Da wären die Zeichnungen, welche die Bewohner mit ihren Makeln deutlich überspitzt zeigen und damit wohl das ‚Selbstbild‘ darstellen, denn eigene Makel fallen einem wohl stärker auf als anderen. Dann gefällt mir auch sehr, dass die Darstellung im Schriftbild auffallen und manche Wörter eine besondere Schriftart haben. Auf inhaltlicher Basis mag ich die Botschaft der Selbstliebe und Akzeptanz und auch die Erkenntnis, dass jede:r auf seine Weise besonders ist.

Aber zwischenzeitlich haben mich Inhalte auch geärgert, denn letztendlich wurden die Dorfbewohner:innen unglücklich, weil sie angeblichen Perfektionismus erkannt haben und sich plötzlich selbst minderwertig fühlten. Dabei schien Menschenhausen zu Beginn doch fortschrittlich und so gibt es etwas die Stimmung mit, dass man sich nur gut fühlen kann, wenn jede:r seine ‚Problemzonen‘ hat. Sollten wir uns nicht viel mehr eben nicht mit anderen vergleichen?

Außerdem gib das Erkennen und Vergöttern dieser scheinbar perfekten Betty auch wieder das Gefühl, dass Perfektionismus eben doch Erstrebenswert ist, denn Betty wird direkt von allen bewundert.

Und dann für mich das Schlimmste: Betty wird ausgelacht und das von Menschen, die alle auch einen Makel besitzen und die sich diesem durch Betty erst kürzlich schmerzlich bewusst wurden. Empathie Fehlanzeige. Ja, an dieser Stelle kommt Bettys Selbstliebe und wunderbare Beziehung zu ihrem Körper besonders zur Geltung und doch wirkt das Verhalten der Bewohner:innen paradox und für mich einfach unpassend.

Dennoch bietet vor allem die Figur der Lady Betty viel positives im Bezug auf Akzeptanz, Selbstliebe und Selbstvertrauen und das Verhalten der Bewohner:innen bietet einiges für eine kritische Auseinandersetzung.

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Veröffentlicht am 02.05.2025

Familie Mandil

Wie ein Foto unser Leben rettete
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Der fünfjährige Gavra Mandil lebt mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester Irena im ehemaligen Jugoslawien. Gavras Vater arbeitet als Fotograf und so kommt es, dass die Mandil Kinder öfter von ihm ...

Der fünfjährige Gavra Mandil lebt mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester Irena im ehemaligen Jugoslawien. Gavras Vater arbeitet als Fotograf und so kommt es, dass die Mandil Kinder öfter von ihm fotografiert werden. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges zerrütten die Nazis Gavras heile Welt und besetzen seine Heimat. Die jüdischen Menschen müssen sich fortan zu erkennen geben, so auch Familie Mandil. Ihnen droht die Deportation in ein Konzentrationslager, doch das möchten sie verhindern und schmieden einen Fluchtplan. Auf der Flucht gibt es viele Gefahren und ausgerechnet ein Foto von Irena und Gavra wird das Leben der Familie Mandil entscheidend verändern.

Wie ein Foto unser Leben rettete von Maya C. Klinger erzählt auf eindrückliche Weise die Geschichte des jungen Gavra Mandils. Durch die Ich-Erzählweise wird die Geschichte Gavras übermittelt und sorgt dadurch schnell dafür, dass man sich in den Jungen hineinversetzen und die Welt aus seiner Perspektive erleben kann. Während des Lesens vergisst man beinahe, dass es nicht Gavra war, der diese Geschichte niedergeschrieben hat. Die Gefühle des Jungen wirken so authentisch, dass man wirklich glauben könnte, dass alles genau so passiert ist und gefühlt wurde.

Das Buch ist kindgerecht erzählt und eignet sich sehr gut, um Kindern aus der Vergangenheit zu berichten (und ihnen andere Lebenswelten zu zeigen). Mir als Erwachsene hat das Buch sehr gut gefallen, allerdings gab es bei den Kindern doch etwas zu wenig (künstliche) ‚Spannung‘. Ein Wunsch, den ich durchaus nachvollziehen kann, da die Geschichte eher einer Erzählung ohne Spannungsbogen gleichkommt. Inhaltlich ist das natürlich schwierig umzusetzen, denn es handelt sich um eine wahre Geschichte und umfasst wichtige Thematik, die nicht durch unterhaltende Elemente ausgeschmückt werden sollte, doch der Schreibstil hätte an manchen Stellen lebhafter/emotionaler sein und dadurch eine künstliche Spannung erzeugen können.

Dennoch fand ich Wie ein Foto unser Leben rettete sehr eindrücklich und finde vor allem, dass zumindest einige Kapitel ein sehr großes Potenzial zur Wissensvermittlung (emotional wie informativ) für Kinder haben können. Außerdem hat mir das Nachwort besonders gut gefallen, dass über Gavras weiteres Leben (und das seiner Familie) berichtete und die Schönheit des Lebens zeigt.

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Veröffentlicht am 02.05.2025

Das Ritual des Lichts

Eislotus. Wasser findet seinen Weg
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Nara ist eine Mondgebundene und lebt in Kori. Einer Stadt, der es immer schlechter geht. Deswegen möchte Nara das Ritual des Lichts gewinnen und die Buchbinder endlich in ihre Heimatstadt holen. Denn die ...

Nara ist eine Mondgebundene und lebt in Kori. Einer Stadt, der es immer schlechter geht. Deswegen möchte Nara das Ritual des Lichts gewinnen und die Buchbinder endlich in ihre Heimatstadt holen. Denn die Buchbinder sind die wichtigste Ressource in ihrer Welt und haben die Macht, Kori wieder zum Leben zu erwecken. Außerdem ist Nara nicht nur an den Mond gebunden, sie besitzt auch ihr eigenes Seelenbuch. Das Seelenbuch verleiht dem gebundenen Macht, doch wenn er stirbt, dann geht er in Tinte über und wird Teil des Buches.
Auf diese Weise möchte Nara das Ritual gewinnen, doch mit ihr nehmen noch 31 weitere Elementargesandte am Ritual teil und alle haben nur ein Ziel: die Buchbinder in ihre Stadt holen. Nara gibt alles und muss bald erkennen, dass viel mehr auf dem Spiel steht.

Eislotus ist der erste Teil der Die Bücher der Macht Dilogie von Liza Grimm. Ich habe mich selten an Highfantasy gewagt und wenn, dann konnte mich das nicht sonderlich begeistern. Doch der Klappentext klang einfach zu gut, weswegen ich mich nochmal in das Genre begeben wollte.

Der Einstieg hat auch direkt wunderbar geklappt und über das komplette Buch hinweg ist die Geschichte super schnell erzählt und hat ein gutes Tempo. Teilweise war mir das sogar etwas zu schnell, gefühlt passiert immer etwas, aber nichts davon hat einen großen Höhepunkt, der Spannung aufkommen lässt und gleichzeitig fehlte mir an manchen Stellen dadurch die Tiefgründigkeit.

Dennoch hat mir vor allem der Perspektivwechsel zwischen den beiden Protagonist:innen sehr gut gefallen. Nara, die Mondgebundene, deren Element Wasser und Katso, der Sonnengebundene, dessen Element Feuer ist. Beide fand ich auf ihre Weise sehr interessant dargestellt. Nara konnte mich vor allem mit ihrem Background, der Stadt Kori, überzeugen. Katso hingegen hatten einen spannenderen Charakter und so fand ich beide Perspektiven durchaus interessant. Besonders geschickt fand ich den Perspektivwechsel auch im Bezug auf die anderen Charaktere und ihre Verhaltensweisen gegenüber Nara und/oder Katso, dadurch hat sich ein komplexes Geflecht in der Einschätzungen der anderen ergeben und die Bewertung ‚gut oder böse‘ fiel nicht so leicht.

Besonders gut gefallen hat mir auch die Idee der Seelenbücher und Buchbinder und damit dem System der Welt. Doch auch nach Beenden des Buchs, kann ich die Funktion des System noch nicht richtig einordnen. Das finde ich etwas schade, zumal es leider nicht die einzige offene Frage ist. Generell bleiben bis zum Schluss sehr viele Fragen offen und es gibt keinen Strang der in sich abgeschlossen ist. Zwar hat sich eine aufkommende Vermutung bestätigt, aber insgesamt finde ich das etwas zu wenig, um ein Buch zu beenden - auch ein solches, das als Dilogie angedacht ist. Der Cliffhanger ist gut und doch hat auch diesem der große Effekt gefehlt, den er durchaus hätte haben können.

Eislotus schafft durch kurze Kapitel, einem schnellen Erzähltempo und unterschiedlichen Perspektiven ein kurzweiliges Lesevergnügen, dem es jedoch etwas an Tiefgründigkeit und Spannung fehlt. Das Weltensystem ist interessant und unterschwellig erschafft es eine angespannte Atmosphäre, die aber leider nicht auserzählt wurde und obwohl ich mich gut unterhalten gefühlt habe, weiß ich nicht, ob das Interesse am Ende reicht, um meine Fragen im Oktober noch beantwortet sehen zu wollen. Für mich hätte die Dilogie womöglich als +700 Seiten Buch besser funktioniert.

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