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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2025

Aufarbeitung eines Familientraumas

Goldstrand
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„Goldstrand“ ist ein fast poetisch anmutendes Protokoll zahlreicher Sitzungen von Eli, einem erfolgreichen Filmregisseur, bei seiner Analytikerin. Elis Vater Felix ist als Kind mit seinem Vater Lew und ...

„Goldstrand“ ist ein fast poetisch anmutendes Protokoll zahlreicher Sitzungen von Eli, einem erfolgreichen Filmregisseur, bei seiner Analytikerin. Elis Vater Felix ist als Kind mit seinem Vater Lew und seiner Schwester Vera aus dem nachrevolutionären Russland geflohen. Auf dieser Flucht verschwindet Vera vom Schiff, das sie nach Istanbul bringen soll. Ist sie über Bord gesprungen oder gefallen oder wurde sie gar gestoßen? Jedenfalls belastet dieses Ereignis sowohl Vater und Sohn. Sie werden jahrelang in einer Hütte am, später Goldstrand genannten, Strand an der bulgarischen Küste hausen und darauf warten, dass Veras Überreste angespült werden. Felix macht seinen Weg und wird Architekt.

Das Trauma der verschwundenen Schwester wird er niemals verarbeiten und es an Eli weitervererben, dessen Gespräche mit der Analytikerin wir nun belauschen können. Doch stimmt alles, was er erzählt?

Dieser Roman beschäftigt sich mit epigenetischen Traumata. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben, wenn man sich keiner professionellen Hilfe bedient.

Katerina Poladjan erzählt diese Geschichte mit poetischen Worten und überrascht ihre Leser mit einem durchaus verblüffenden Ende. Was mich persönlich immer stört, sind die fehlenden Redezeichen in Gesprächen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Roman 4 Sterne.

Veröffentlicht am 28.08.2025

Ein Plädoyer für die Moral

Das M-Wort
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In ihrem Buch beschäftigt sich Anne Rabe mit dem M-Wort, das langsam aus dem Wortschatz vieler Menschen verschwindet. Es ist die Moral, die sich in den letzten Jahren still und leise zu verabschieden scheint. ...

In ihrem Buch beschäftigt sich Anne Rabe mit dem M-Wort, das langsam aus dem Wortschatz vieler Menschen verschwindet. Es ist die Moral, die sich in den letzten Jahren still und leise zu verabschieden scheint.

An Hand von zahlreichen griffigen und aktuellen Beispielen zeigt sie auf, dass viele Menschen keinen Genierer mehr haben, und sich zum Beispiel aus allgemeinen Kassen bedienen, Steuern hinterziehen - ein Kavaliersdelikt oder zu Unrecht Sozialleistungen kassieren. Doch aus dem politischen Diskurs ist die Moral abhanden gekommen. Moralische Bedenken bei Regierenden nehmen ab, Autokraten und Diktatoren in erschreckendem Ausmaß zu.

Diejenigen, die moralisches Denken einfordern, werden häufig verächtlich gemacht.

Fazit:

Dieses Buch, das einen eindringlichen Appell an alle jene richtet, die es nicht zulassen wollen, das das M-Wort in Vergessenheit gerät, kommt gerade zur rechten Zeit. Gerne gebe ich diesem Buch 4 Sterne.

Veröffentlicht am 17.08.2025

Eher Krimi als Thriller

Totenbuch - Bloody Berlin
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Dieser Krimi ist der zweite der Reihe um den krankheitshalber pensionierten Kriminalbeamten Magnus Böhm und seiner Nachfolgerin Annetta Niedlich. Worum geht‘s?

Im Kuppelsaal der Nofretete im Neuen Museum ...

Dieser Krimi ist der zweite der Reihe um den krankheitshalber pensionierten Kriminalbeamten Magnus Böhm und seiner Nachfolgerin Annetta Niedlich. Worum geht‘s?

Im Kuppelsaal der Nofretete im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel findet die Reinigungskraft Olga Barnick eine verstümmelte Leiche gefunden. Wenig später entdeckt man auch den Mitarbeiter der Bewachungsfirma, tot im Aufzugsschacht. Hat er etwa den Täter gesehen und musste deswegen sterben?

Weil, wie überall auch bei der Berliner Kripo Personalmangel herrscht, holt man Magnus Böhm als beratenden Unterstützung zu den Ermittlungen dazu. Der bringt seinerseits ein „Helferlein“ in Form des kleinen Rüden Isbert, den er für seinen erkrankten Freund Gunnar hütet, mit. Zunächst misstrauisch von allen Seiten beäugt, weiß man noch nicht, welche Dienste Isbert seinem Leih-Herrchen leisten wird.

In einem zweiten Handlungsstrang erfahren wir von den Ermittlungen des DCI Warren Reeves im British Museum, wo man einige Wochen zuvor in einem ägyptischen Sarkophag die in Plastikfolie eingewickelte und teilweise mumifizierte Leiche einer Frau findet. Nun sind Mumien in ägyptischen Artefakten nichts Ungewöhnliches, aber die Kunststofffolie macht doch stutzig.

Ob und wie die beiden Kriminalfälle zusammenhängen, könnt ihr in diesem Krimi selbst lesen.

Meine Meinung:

Dieses Buch als Thriller zu beschreiben, dem kann ich mich nicht wirklich anschließen. Ich habe recht schnell, schon ohne die Querverbindung nach London, einen Verdächtigen ausgemacht und Recht behalten. Die Ermittlungen sowie die Auflösung selbst entsprechen meiner Meinung auch nicht unbedingt einem Thriller.

Star des Krimis ist natürlich Isbert, der mit seiner kleinen Nase wichtige Details zu Aufklärung des Berliner Verbrechens leistet.

Niedlich und Böhm arbeiten recht gut zusammen, auch wenn Magnus ein kleines Problem mit Annettas Fahrweise hat. Die Andeutung über Niedlichs Bruder lässt ebenso auf eine Fortsetzung hoffen, wie die traurige Information, dass Isberts Herrchen, Gunnar, an seiner Krankheit verstorben ist. Es ist also anzunehmen, dass Isbert weiterhin, gemeinsam mit Magnus als beratendes Duo bei der Berliner Kripo arbeiten darf.

Das Umfeld der Museumsinsel, die ich leider bei meinem Berlinbesuch vor ein paar Jahren nicht besichtigen konnte, hat mir gut gefallen. Vielleicht sind die beschriebenen Bauarbeiten schon fertig, wenn ich wieder nach Berlin komme. Der neue Flughafen hat es ja nach einigen Verzögerungen auch geschafft.

Der Schreibstil ist klar, nüchtern und stellenweise durchaus humorvoll. Gut gefallen hat mir, dass der Autor seine Kenntnisse über das Neue Museum in die Handlung verpackt.

Das Cover passt zu Titel und Inhalt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi aus dem Umfeld des Neuen Museum in Berlin 4 Sterne.

Veröffentlicht am 16.08.2025

Melancholisch

Abschied
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Der Ich-Erzähler Raimund ist ein junger deutscher Jurist, der für zwei Wochen nach Paris reist, um Teddy, seine kurze Sommerliebe aus dem Jahr zuvor wieder zu treffen. Doch schon bei seiner Ankunft ist ...

Der Ich-Erzähler Raimund ist ein junger deutscher Jurist, der für zwei Wochen nach Paris reist, um Teddy, seine kurze Sommerliebe aus dem Jahr zuvor wieder zu treffen. Doch schon bei seiner Ankunft ist klar, dass es einen Abschied geben wird, denn die quirlige Teddy wird von anderen Männern umschwärmt, zum Beispiel von Franz, der groß und blauäugig, davon träumt, Paris mit dem Flammenwerfer zu zerstören oder von Andrews, dem Engländer.

Wie ein Ertrinkender sich an einem Stück Holz festhält, versucht Raimund sich an diesen Tagen in Paris festzuhalten. Vergebens! Er kehrt zurück in das Deutschland von 1931, über das sich die dunklen Wolken der kommenden Nazi-Herrschaft langsam senken.

Sebastian Haffner, der damals noch Raimund Pretzel hieß, hat das knapp 170 Seiten dünne Manuskript zwischen 18. Oktober und 23. November 1932 verfasst. Es wurde bislang nicht veröffentlicht und von Haffners Sohn Oliver im Nachlass des Vaters gefunden. Haffner selbst hat, nach dem er die NS-Politik seinen Ansichten widersprochen hat, Deutschland 1938 verlassen, um mit seiner als Jüdin geltenden Frau in Großbritannien zu leben. Auch für Teddy gibt es eine reale Figur als Vorbild: Gertrude Joseph, Tochter eines jüdischen Ehepaares, das zuvor in Wien lebte, nach dem Tod des Vaters ab 1920 in Berlin wohnte und im Jahr 1930 nach Paris ging, bevor sie zunächst mit einem Briten und später mit einem Schweden verheiratet war. Der Kontakt zwischen den beiden ist bis zu Gertrudes Tod 1989 nicht abgerissen, wovon zahlreiche Briefe zeugen, die sich erhalten haben.

Fazit:

Diesem leicht melancholischen Roman, der das aufkommende Unheil schon anklingen lässt, gebe ich gerne 4 Sterne.

Veröffentlicht am 14.08.2025

Unterhaltsame Sommerlektüre

Liebe im Sturm
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Dieser historische Roman entführt uns in die Zeit rund um 1870. Deutschland besteht nach wie vor aus vielen kleinen Fürstentümern sowie den Königreichen Preußen und Bayern. Während Otto von Bismarck an ...

Dieser historische Roman entführt uns in die Zeit rund um 1870. Deutschland besteht nach wie vor aus vielen kleinen Fürstentümern sowie den Königreichen Preußen und Bayern. Während Otto von Bismarck an der Verwirklichung von einem vereinigten Deutschland unter Preußens Vorherrschaft arbeitet, werden auch in zahlreichen Adelsfamilien eheliche Bande geknüpft, die mehr machtstrategischen Allianzen dienen als dem zufriedene Zusammenleben eines Paares.

Frederike von Berstein ist anders als ihre ältere Schwester, die sich für schöne Kleider und einen passenden Ehemann interessiert. Frederike liest heimlich die Zeitung und macht sich so ihre Gedanken über das Gelesene. Da man auch sie als Heiratskapital ansieht, wird sie kurzerhand an den Badischen Hof, zu Großherzogin Luise, einer Frau mit weitreichenden Beziehungen und Humor, gesandt, um etwas mehr als den üblichen Feinschliff zu bekommen. Wie es natürlich kommen muss, trifft sie auf August von Troich, dessen Vater auch eine vorteilhafte Heirat einfädeln will. Doch es muss schon etwas Bedeutenderes als die kleine Grafentochter sein. Theres, eine bayerische Prinzessin, käme Augusts Vater gerade recht, doch die hat andere Pläne ...

Meine Meinung:

Was ein bisschen an einen Liebesroman denken lässt, ist bei näherer Betrachtung ein Bild der Monate rund um den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 sowie rund um die Entstehung des Deutschen Kaiserreichs und der Proklamation des preußischen König Wilhelm I., zum deutschen Kaiser.

Geschickt flicht die Autorin den Krieg mit Frankreich sowie die Meinung einiger deutscher Fürsten, die Bismarcks Bestrebungen Wilhelm zum deutschen Kaiser zu machen, argwöhnisch betrachten. Genützt hat es, wie man weiß nichts. So lässt die Autorin Frederikes Schwester und Großmutter jenem Telegramm lauschen, das als Emser Depesche in die Geschichte eingegangen ist.

Die Charaktere, vor allem Großherzogin Luise, Frederike und August, haben mich immer wieder schmunzeln lassen.

Fazit:

Eine gelungene Sommerlektüre, der ich gerne 4 Sterne gebe.