Profilbild von Ann-liest

Ann-liest

Lesejury Star
online

Ann-liest ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Ann-liest über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2025

Inhaltlich nicht überzeugend

Bis zum Mond
0

Ich möchte mal mit der Umsetzung des Romans als Hörbuch beginnen, die mir wirklich außerordentlich gut gefallen hat. Johanna Zehendner hat eine sehr angenehme Stimme und hat meine Aufmerksamkeit sehr gut ...

Ich möchte mal mit der Umsetzung des Romans als Hörbuch beginnen, die mir wirklich außerordentlich gut gefallen hat. Johanna Zehendner hat eine sehr angenehme Stimme und hat meine Aufmerksamkeit sehr gut einfangen und halten können. Sie konnte die Charaktere, das Setting und den Inhalt aus meiner Sicht sehr gut rüber bringen und mir kam tatsächlich das ein oder andere Mal der Gedanke, dass ich an der ein oder anderen Stelle lesend Seiten überblättert hätte, dem Text so aber gerne gefolgt bin. So hat die Hörbuch-Fassung dem Buch in meiner Bewertung auf jeden Fall noch einen Bonusstern eingebracht.

Inhaltlich hat mir insbesondere der Einblick in die koreanische Kultur sehr gut gefallen. Die Begegnung mit dem Leben, der Wohnsituation und vor allem dem Büroalltag fand ich spannend und auch gut überzeichnet.

Doch darüber hinaus muss ich sagen, dass ich mir mehr erwartet hatte. Oft driftet das Geschehen in Banalitäten ab und geht minutenlang um die Besichtigung oder Einrichtung einer Wohnung oder andere Kleinigkeiten.

Am meisten hat mich aber das Verhalten der drei Frauen im Kontext der Ether-Investitionen gestört. Das Buch wird auch mit dem Thema „Female Finance“ beworben und wir treffen hier auf naive und höchst oberflächliche Frauen, die am Ende mehr Glück als Verstand haben. Zwar gibt es auch die vorsichtige, aber der Rausch in den die drei verfallen und die Fokussierung auf Statussymbole hat mir nicht gefallen. Unter dem Schlagwort Female Finance erwarte ich eigentlich auch Finanzbildung und Themen wie eigenverantwortliches Investieren. Wenn man das Buch unter dem Schlagwort verkaufen will, ist es mir etwas zu einseitig geschrieben. Wenn das alles satirisch gemeint war, ist das bei mir leider nicht angekommen.

Von meiner Seite gibt es daher nur eine Empfehlung für die Sprecherin des Hörbuchs.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.09.2025

Durchwachsen

Station 22. Wo bist du sicher?
0

Dieses Buch konnte meine Aufmerksamkeit über weite Teile nur schwer fesseln. Am Ende geht es dann spannend zu, aber die Handlung war mir ab einem gewissen Punkt zu überdreht. Eins muss man „Station 22“ ...

Dieses Buch konnte meine Aufmerksamkeit über weite Teile nur schwer fesseln. Am Ende geht es dann spannend zu, aber die Handlung war mir ab einem gewissen Punkt zu überdreht. Eins muss man „Station 22“ aber lassen: Vorhersehbar ist hier so gut wie nichts.

Ida arbeitet in einer psychiatrischen Klinik. Als mehrere ihrer Patientinnen verschwinden beschließt sie, sich ihrem eigenen Kindheitstrauma zu stellen. Per Hypnose möchte sie ihre verschütteten Erinnerungen wieder zutage fördern, da sie einen Zusammenhang vermutet.

Das ganze Buch ist sehr stark auf Ida und ihr Schicksal fokussiert. Es geht um ihre Kindheitserfahrungen, ihr Trauma und den Balanceakt zwischen Realität und Wahn. Mir ist es hier hörend tatsächlich schwer gefallen am Ball zu bleiben. Teilweise war es etwas wirr oder es gab Verdächtige und ich habe gar nicht richtig mitbekommen warum. Psychologisch auf jeden Fall interessant, in Bezug auf den Thriller bis auf das Ende eher weniger spannend.

Die Geschichte ist im Hörbuch sehr schön vertont. Sarah Dorsel hat Idas Geschichte ihre Stimme geliehen und konnte mich sowohl stimmlich als auch in Bezug auf Interpretation und Intonation überzeugen.

Ich kann das Buch nur bedingt empfehlen. Wer sich für psychologische Abgründe interessiert und es gerne auch mal ein bisschen „drüber“ mag, findet hier auf jeden Fall eine Geschichte mit unvorhersehbaren Wendungen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2025

Zwischen Genialität und Absurdität

Dr. No
0

Verrückt - anders kann ich dieses Leseerlebnis nicht beschreiben. Auf der einen Seite ist es ein unfassbar intelligentes Buch, voller Wort-(Witz) und sprachlicher Spielereien rund um die Mathematik im ...

Verrückt - anders kann ich dieses Leseerlebnis nicht beschreiben. Auf der einen Seite ist es ein unfassbar intelligentes Buch, voller Wort-(Witz) und sprachlicher Spielereien rund um die Mathematik im Allgemeinen und das Nichts im Speziellen. Auf der anderen Seite ist die Handlung überschaubar und die Situationen teils einfach nur absurd.

So ist schon aufmerksames Lesen erforderlich - die ein oder andere Passage musste ich tatsächlich auch zweimal lesen. Insbesondere Kapitel eins ist schon sehr wirr und verlangt einem einiges ab. Es wird besser danach, aber der Stil wird schon deutlich und Auslassungen rund um das Nichts ziehen sich durch das ganze Buch.

Es gibt Passagen, die haben mich zum Lachen gebracht, es gibt welche, die habe ich glaube ich nicht verstanden. Gesellschaftskritik dringt auf jeden Fall durch, aber ob ich die Intention des Autors komplett durchblickt habe kann ich nicht sagen.

Für mich war es ein überraschendes, einzigartiges Leseerlebnis. Ich bereue es nicht, fand es aber auch anstrengend genug, dass ich sowas jetzt nicht nochmal brauche. Zumindest nicht direkt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.08.2025

Mutige Geschichte

WARDA
0

Warda ist meiner Meinung nach ein sehr mutiges Buch, das ein brisantes Szenario durchspielt und dabei große Fragen aufwirft. Leider bin ich der Meinung, dass erzählerisch/schriftstellerisch noch Luft nach ...

Warda ist meiner Meinung nach ein sehr mutiges Buch, das ein brisantes Szenario durchspielt und dabei große Fragen aufwirft. Leider bin ich der Meinung, dass erzählerisch/schriftstellerisch noch Luft nach oben ist.

Ist Liebe stärker als Hass? Diese Frage behandelt die Autorin in ihrer dramatischen Liebesgeschichte, die einige aktuelle Themen rund um Fremdenhass und Vergeltung aufgreift.

Leider erklärt und kommentiert mir der allwissende Erzähler zu viel, was eigentlich auch durch die Handlung der Personen und das Setting klar wurde. Dadurch wirkt es manchmal etwas plump. Auch die Entwicklung der Liebesgeschichte konnte mich emotional nicht so richtig erreichen und einiges - insbesondere in Bezug auf die Recherche, die Warda durchführt - ging mir zu schnell und zu einfach von statten.

Gestalterisch hat mich das Cover tatsächlich angesprochen - es ist irgendwie anders und sprang mich an. Typografisch konnte mich die Gestaltung der Kapitelüberschriften aber nicht überzeugen - aber das ist wohl Geschmacksache.

Es ist ein Roman, der definitiv Potential hat und zum nachdenken anregt, der textlich aber noch besser umgesetzt werden könnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.08.2025

Stilistisch nicht mein Fall

Onigiri
0

Das Cover habe ich tatsächlich erst verstanden, nachdem ich „Onigiri“ gegoogelt habe. Diese japanische Speise hat für die Protagonistin des Buches eine sehr wichtige Bedeutung und steht für ihre Kindheitserinnerungen, ...

Das Cover habe ich tatsächlich erst verstanden, nachdem ich „Onigiri“ gegoogelt habe. Diese japanische Speise hat für die Protagonistin des Buches eine sehr wichtige Bedeutung und steht für ihre Kindheitserinnerungen, aber auch für Trost und Sicherheit. Somit finde ich das Cover wirklich sehr gelungen.

Das Buch hat mir stilistisch aber leider gar nicht gefallen. Das ist schade, denn die erzählte Familiengeschichte und die Auseinandersetzung mit Demenz hatten viel Potential und fand ich insgesamt auch sehr interessant.

Als roter Faden wird die Japanreise von Mutter und Tochter erzählt. Die letzte Reise der demenzkranken Keiko zu ihrer Familie. Diese Handlung ist umgeben von vielen kleinen Erinnerungs-Episoden. Kurze Abschnitte mit wechselnden Erinnerungen aus dem Alltag und dem Leben der Familie aus Sicht von Tochter und Protagonistin Aki. Anhand dieser wird das Leben der Familie dargestellt: Es geht um die junge Keiko und wie sie nach Deutschland kam, deren Ehe, die Kindheit, Jugend und das Erwachsenenleben von Aki. Es geht um die Großeltern, um Akteptanz, kulturelle Unterschiede, Heimatverlust… also ganz viele spannende Themen.

Leider sind diese Erinnerungsschnippsel sehr sprunghaft. Es wird zeitlich gesprungen, so dass ich manchmal nicht ganz zuordnen konnte, wo man gerade ist. Sie sind aber auch inhaltlich sprunghaft. Ein Satz kann einen Gedanken aufgreifen, der nächste schon wieder einen ganz anderen. Auch arbeitet die Autorin mit langen Sätzen, in denen Gedanken per Komma aneinander gehängt werden. Auch wörtliche Rede wird ohne Anführungszeichen in diese langen Satzkonstruktionen mit eingebaut. Man kann sich einlesen, mir fiel es mit der Zeit leichter, aber irgendwie kam keine richtige Verbindung zu den Charakteren auf und ich hatte den Eindruck, der Text leiert sich so runter.

Durch diese kurzen Einblicke in die Erinnerung - was thematisch ja eigentlich eine Idee ist, die sehr gut zur Demenz und dem Verlust der Erinnerung passt - wurden viele Aspekte beleuchtet aber nicht so richtig tiefgehend ausgearbeitet. So baut sich nach und nach zwar ein Bild der Familie auf, die Charaktere blieben mir aber zu distanziert und ich eher ferne Beobachterin. Nichtsdestotrotz haben mir die Schilderungen der Demenz und der Umgang der Tochter mit ihrer Mutter gefallen.

Gut finde ich auch, dass die Autorin mit japanischen Begriffen arbeitet und diese in einem Glossar erläutert werden. Für E-Book Leser wären Erläuterungen auf der Seite einfacher, aber es sind welche da.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere