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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.08.2025

Richtig starker Auftakt, perfider Fall

Dunkle Sühne
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Karin Slaughter ist für mich eine der besten Thrillerautorinnen und ihre Bücher sind ein Garant für bitterböse Unterhaltung, die thematisch aber gerne mal an die Nieren geht. So auch hier: thematisch absolut ...

Karin Slaughter ist für mich eine der besten Thrillerautorinnen und ihre Bücher sind ein Garant für bitterböse Unterhaltung, die thematisch aber gerne mal an die Nieren geht. So auch hier: thematisch absolut grausig und beängstigend. Es raubt einem den Schlaf.

Das Setting ist mal wieder erstklassig: ein kleiner Ort, perspekivlose Trostlosigkeit und Bewohner, die einiges zu verbergen haben. Vor diesem Hintergrund verschwinden zwei Mädchen und die Ermittlungen lassen keinen Stein auf dem anderen. Ich glaube thematisch beschreibt dieses Buch den Albtraum vieler Eltern: die eigenen Kinder kaum zu kennen, machtlos zu sein und sie Menschen anzuvertrauen, die es nicht gut mit ihnen meinen. Absolut beängstigend und aufwühlend. Und was hier an Geheimnissen offenbart wird, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

Emmy ist eine coole Protagonistin, die selbst keinen leichten Stand hat und auch ihre Familiengeschichte lässt einiges an Schmerz und Leid erahnen. Trotzdem ist sie tough unf lässt nicht locker. Ungefähr in der Mitte der Buches gab es aber eine Entwicklung rund um Emmy und ihre Familie, die mich irgendwie ein bisschen aus der Handlung rausgerissen hat. Plötzlich wurde da eine völlig neue Baustelle eröffnet, die ich absolut nicht gebraucht hätte.

Spannungstechnisch wär sicherlich mehr möglich gewesen und vor allem der Zeitsprung von über einem Jahrzehnt ist nicht so ganz nach meinem Geschmack. Da der Plot aber insgesamt stimmig konstruiert und die Geschichte dadurch sehr rund ist, hats mir trotzdem gut gefallen. Und ich könnte mir das perfekt verfilmt vorstellen, weil die Geschichte sehr szenisch und bildhaft geschrieben ist

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Verfall

Junge Frau mit Katze
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Betrogen vom eigenen Körper, im Zustand stetiger Ungewissheit, weitergereicht innerhalb des Gesundheitssystems- das ist vermutlich ein Zustand in dem sich der eine oder andere wiedererkennt. Wir leben ...

Betrogen vom eigenen Körper, im Zustand stetiger Ungewissheit, weitergereicht innerhalb des Gesundheitssystems- das ist vermutlich ein Zustand in dem sich der eine oder andere wiedererkennt. Wir leben immer länger, aber auch besser? Ich mochte den Schreibstil dieses Buches richtig gern und der Erzählstil- das Rätsel eines Körpers, die Geschichte einer jungen Frau, ihrer Mutter und den Beziehungen zueinander und zum weiblichen Körper- hat mir ziemlich gut gefallen.

Die Protagonistin bewegt sich in einem Zustand zwischen Panik und Resignation was ihr körperliches und seelisches Befinden angeht. Als gebe es nur genau diese zwei Zustände- nichts tun oder von einem Arzt zum nächsten Hetzen wie ein Teil einer medizinischen Schnitzeljagd. Thematisch eher nicht so leicht, aber verständlich und nahbar rübergebracht. Denn was kann es schlimmeres geben, als dem eigenen Körper beim Verfall und sich selbst beim Sterben zu beobachten?!

Die Geschichte beleuchtet wie Elas Gesundheitszustand nicht nur ihr eigenes Leben belastet und beeinträchtigt, sondern auch das ihres Umfeldes, der Menschen die für sie da sind und die ihrerseits auf Ela zählen. Es wird immer die Frage aufgeworfen, ob es bei Elas Symptomen einen kausalen Zusammenhang gibt. Bestimmt der Körper die Psyche oder die Psyche den Körper? Oder bedingen sie sich gegenseitig in einem riesigen Teufelskreis, der droht Elas Leben entgleiten zu lassen und sie in einen Strudel aus Angst, Verzweiflung, Schuld und Wut zu reißen.

Das Ende fand ich zwar etwas ungelenk, weil die finale Erklärung etwas weit hergeholt fand, aber insgesamt war das ein super starker Roman darüber, was es bedeutet krank zu sein und über die Suche nach Antworten.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

auf sanfte Art verheißungsvoll

Öffnet sich der Himmel
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James spürt nach seinem Coming out eine gewisse Distanz: zu seinem Heimatort, seinen Eltern, den Klassenkameraden. Seine Begierden kann er sich nur heimlich eingestehen, ein Ausleben dessen scheint unmöglich. ...

James spürt nach seinem Coming out eine gewisse Distanz: zu seinem Heimatort, seinen Eltern, den Klassenkameraden. Seine Begierden kann er sich nur heimlich eingestehen, ein Ausleben dessen scheint unmöglich. Die Begegnung mit Luke wird zu einem Schlüsselmoment, einer Manifestation von James Sehnsüchten.

Es ist eine Coming of Age Story, ein überstürztes Erwachsenwerden, die Schwelle der Kindheit noch nicht ganz verlassend. Die verheißungsvolle Stimmung einer ersten, leicht obsessiven Verliebtheit ist deutlich spürbar. Aber da ist noch viel mehr als nur unerwiderte Liebe. Da ist eine besondere Freundschaft, ein inneres sich gegenseitig erkennen und verstehen.

James und Luke sind beide auf ihre jeweils eigene Art Außenseiter. Auch die Familienverhältnisse der beiden sind, obwohl unterschiedlich, gleichwohl schwierig wie angespannt. So finden die beiden Jungen ineinander die Art Freund, die sie so dringend brauchen.

Ich mochte den teilweise schon vorsichtigen, sanften Erzählstil, die innere Unruhe von James bzgl. seinen Gefühlen für Luke wird toll rübergebracht. Die Geschichte flirrt vor kleinen Momenten, die bedeutungsschwer und doch auf bittersüße Art nichtig sind. Liest sich einfach wirklich toll und fängt den Vibe dieser gemeinsamen Zeit zwischen James und Luke gut ein.

Ein feinfühliger Roman, der die Jugend, die Liebe und die Suche nach dem Selbst gut einfängt.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Solide aber auch unbefriedigend

She’s Not Sorry – Du könntest die Nächste sein
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Die Prämisse „wie weit würdest du gehen um dein Kind zu schützen“ ist ja erstmal richtig interessant. Denn sie wirft nicht nur ein moralisches Dilemma auf, sondern ist super nahbar und nachvollziehbar ...

Die Prämisse „wie weit würdest du gehen um dein Kind zu schützen“ ist ja erstmal richtig interessant. Denn sie wirft nicht nur ein moralisches Dilemma auf, sondern ist super nahbar und nachvollziehbar und sie challenged die Werte eines Charakters.
Also von der Grundprämisse her schonmal super stark.

Auch vom Setting bin ich eigentlich begeistert, einfach weil hier aus sehr wenig sehr viel rausgeholt wird. Die Geschichte ist hauptsächlich an Meghans Arbeitsplatz im Krankenhaus und bei ihr zu Hause angesiedelt und da holt sie Autorin spannungstechnisch raus was geht.

Was mich eher unbefriedigt zurückgelassen hat ist der Aufbau der Geschichte an sich, zB der Prolog der im Nachhinein eigentlich überflüssig ist und ein Ende, das weder Konfrontation noch Lösung ist. Vllt soll das nochmal Stimmung ein letztes Schaudern erzeugen, hat bei mir aber das Gegenteil bewirkt. Der Mittelteil ist solide geplottet mit diversen Twists und Überraschungen, aber auch da fehlte irgendwie der Reiz.

Das Buch liest sich leicht und flüssig, ist an sich super kurzweilig und plottechnisch rund. Aber es hat mich einfach nicht gecatcht. Irgendwas fehlte. Vielleicht wäre eine zweite Perspektive, ergänzend zu Meghans, ganz nett gewesen. Oder die Story selbst hätte ruhig noch einen Ticken tiefer gehen, perfider sein können.
Denn so war es unterm Strich sogar ein eher ruhiger Thriller. War ok, kann man locker zwischendurch weglesen. Aber hat mir keine schlaflosen Nächte beschert. Würde 3.5 Sterne vergeben.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Wer ist sie?

That's Not My Name
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Ich fand die Grundidee dieses Jugendthrillers super packend: ein verschwundenes Mädchen, und eines, das ohne Gedächtnis auftaucht. Könnten sie ein und die selbe sein? Und falls ja, befindet sie sich in ...

Ich fand die Grundidee dieses Jugendthrillers super packend: ein verschwundenes Mädchen, und eines, das ohne Gedächtnis auftaucht. Könnten sie ein und die selbe sein? Und falls ja, befindet sie sich in Gefahr?

Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven des Mädchens ohne Erinnerung und Drew, der seine Freundin Lola sucht erzählt. Zusätzliche Spannung kommt dadurch auf, dass Drew der Hauptverdächtige im Fall von Lolas Verschwinden ist und das aus seinem Umfeld auch sehr stark zu spüren bekommt. Außerdem ist er scheinbar der einzige, der noch ernsthaft nach Lola sucht und damit ihre einzige Hoffnung.
Das war für mich tatsächlich einer der packendsten Aspekte der Geschichte: wie es Drew ergeht, er geschnitten wird, keiner ihm glauben will. Das fand ich super erschreckend, weil man sich das sehr gut in der Realität vorstellen kann.

Der Handlungsstrang rund um das Mädchen ist vor allem dadurch so fesselnd, dass es immer wieder Verdachtsmomente gibt, weil Dinge nicht zusammenpassen. Aber erst ganz zum Schluss offenbart sich, was hier wirklich vor sich geht.
Ich hatte schon recht früh eine Vermutung und lag nach Beendigung des Buches fast richtig damit. Hat mich diese Vorhersehbarkeit gestört? Ehrlicherweise nicht, weil ich den Plot trotzdem stimmig und spannend fand.

Der Erzählstil ist sehr einnehmend, die wechselnden Perspektiven bringen Tempo und Stimmung rein. Die Sprache ist einfach gehalten und dem Alter der Figuren angemessen. Ich fand das Buch gemessen an der Zielgruppe richtig stark und das Thema sehr nahbar und genau dadurch super unheimlich. Gleichzeitig fand ich es gut, wie hier auf Gewaltschilderungen fast gänzlich verzichtet wird, bzw. diese nur indirekt erfolgen.

In meinen Augen ein gelungener Jugendthriller.

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