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Veröffentlicht am 15.11.2025

Ein Roman über Freundschaft, Loyalität und Macht

Rabenthron
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Über Freundschaft, Loyalität und Macht: Ein Roman, der mich wieder mitten ins 11. Jahrhundert katapultiert hat und den ich kaum aus der Hand legen konnte.

Rebecca Gablé zählt seit Jahren zu meinen Lieblingsautorinnen. ...

Über Freundschaft, Loyalität und Macht: Ein Roman, der mich wieder mitten ins 11. Jahrhundert katapultiert hat und den ich kaum aus der Hand legen konnte.

Rebecca Gablé zählt seit Jahren zu meinen Lieblingsautorinnen. Ich habe jedes Buch von ihr gelesen und geliebt, und so war natürlich klar, dass ich auch ihr neuestes Werk lesen musste. Auf diesen Roman war ich besonders gespannt, da er zeitlich vor den anderen Bänden der Helmsby-Reihe spielt. Wird sie es wieder schaffen, Figuren zu erschaffen, die man lieben und hassen kann, mit denen man mitfiebert? Wird man erneut Teil der Helmsby-Familie?

Mit Aelfric und Penda von Helmsby hat sie zwei wirklich nahbare Charaktere geschaffen. Vater und Sohn verbindet ein enges Band, doch die Loyalität und Ergebenheit zur englischen Krone trennt die beiden. Und natürlich gibt es auch wieder eine Reihe von Antagonisten, Figuren, die einem so richtig unsympathisch sind und die man im Laufe der Geschichte teilweise sogar zu hassen lernt.

Die Charakterzeichnung ist eine der großen Stärken der Autorin. Ihre Figuren sind facettenreich, lebendig und vielschichtig, und man kann nur sagen: Chapeau. Ebenso gelingt es ihr, historische Persönlichkeiten mit fiktiven Charakteren agieren zu lassen. Genau diese Mischung macht den besonderen Reiz ihrer Romane aus. Meine Lieblingsfigur neben Aelfric und Penda ist zweifellos Königin Emma, eine beeindruckende Frau, Ehefrau zweier englischer Könige, klug, würdevoll und stark.

Der Roman entfaltet einen ungemeinen Sog aus persönlichen Schicksalen und politischen Vorkommnissen. Geschichte wird hier lebendig, nahbar und berührend, und ich habe beim Lesen wieder viel gelernt. Es geht um Macht und Thronfolge, um Liebe, Freundschaft und Loyalität. Der Roman zeigt, dass manche Themen auch nach Jahrhunderten noch erstaunlich aktuell sind.

Der Schreibstil der Autorin ist wie immer flüssig und bildhaft, man fliegt nur so durch die Seiten. Natürlich braucht man für die knapp 900 Seiten etwas Zeit, doch am Ende bleibt ein Gefühl von Wehmut, weil man sich nur schwer von dieser Welt trennen möchte.

Eine klare Leseempfehlung für alle, die historische Romane lieben, und für alle, die es vielleicht erst noch werden wollen.

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Schweres Thema kraftvoll erzählt

Der Sommer am Ende der Welt
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Dieser Roman geht unter die Haut, denn er schildert beklemmende und schreckliche Ereignisse in sogenannten Kinderverschickungsheimen. Kinder sollten dort an der See aufgepäppelt werden, doch stattdessen ...

Dieser Roman geht unter die Haut, denn er schildert beklemmende und schreckliche Ereignisse in sogenannten Kinderverschickungsheimen. Kinder sollten dort an der See aufgepäppelt werden, doch stattdessen erlebten sie traumatische Erfahrungen. Hinzu kommt eine Journalistin, die diese Machenschaften Jahrzehnte später aufdecken will, sowie eine tiefe Liebesgeschichte, die große Hürden überwindet.

Eva Völlers Romane lese ich schon seit vielen Jahren unglaublich gerne. Ich mag ihre Art zu schreiben und wie empathisch sie Ereignisse darstellt. Gerade bei diesem Roman war das besonders wichtig. Hanna ist eine großartige Protagonistin, mit der ich mich sofort identifizieren konnte: eine 40-jährige Frau, Mutter einer Tochter und berufstätig. Sie hat eine gescheiterte Beziehung hinter sich und liebt ihren Job. Weil ihre Mutter ein Verschickungskind war und dadurch traumatisiert wurde, will Hanna unbedingt mehr über das Heim erfahren.

Der Roman besteht größtenteils aus nur fünf Kapiteln, die jeweils einem Tag auf Borkum entsprechen. Diese Kapitel sind prall gefüllt und intensiv erzählt, denn die Ereignisse auf der Insel haben es in sich. Auch die Rückblenden in die Vergangenheit, vermittelt durch Erzählungen und Tagebucheinträge, berühren zutiefst. Die verschiedenen Erzählperspektiven ermöglichen es, zu einigen Figuren eine besonders enge Beziehung aufzubauen, allen voran zu Hanna. Neben Angela war Isa meine absolute „Hassfigur“, die ich überhaupt nicht ausstehen konnte. Doch auch das macht einen guten Roman aus: überzeugende Antagonisten.

Die Misshandlungen und Demütigungen der Betreuerinnen und Betreuer in diesen Heimen waren grausam und hatten ihren Ursprung in der Zeit des Nationalsozialismus. Aber auch die Ereignisse in der heutigen Zeit sind dramatisch und bewegend. Mehrmals musste ich beim Lesen innehalten, hatte Gänsehaut und Tränen in den Augen, so sehr hat mich diese Geschichte berührt.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Theater der Hoffnung im Ghetto

Die Liebe sucht ein Zimmer
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Stell dir vor, du hast keine Hoffnung, du leidest Hunger – und der Tod lauert an jeder Ecke in einer Stadt, die schon lange nicht mehr deine Heimat ist, weil sie von Monstern okkupiert wurde.

Sehr bewegend, ...

Stell dir vor, du hast keine Hoffnung, du leidest Hunger – und der Tod lauert an jeder Ecke in einer Stadt, die schon lange nicht mehr deine Heimat ist, weil sie von Monstern okkupiert wurde.

Sehr bewegend, bedrückend und beeindruckend empfand ich diesen Roman über ein Theaterstück in den dunkelsten Zeiten im Ghetto von Warschau.

In dem Roman, der im Jahr 1942 im Ghetto von Warschau spielt, geht es um eine Gruppe Schauspieler, die unter der „Tolerierung der Nazis“ ein Theaterstück aufführen. Es handelt sich um eine heitere Musikkomödie mit dem Titel „Die Liebe sucht ein Zimmer“.

Dabei geht es um mehr als nur Theater – es geht um die Abwechslung vom Alltag, aber auch um das Leben.
Wer nicht lacht, wer nicht hofft, wer nicht träumt – der lebt nicht mehr.

Sehr einfühlsam wird eine Geschichte um die junge Schauspielerin Sara und ihre Kolleginnen Zivia, Edmund, Michal und die junge Esther erzählt.
Ein Stück, das mehr ist als Theater.

Durch ein besonderes Angebot hat Sara die Möglichkeit, mit Michal aus dem Ghetto zu fliehen. Das Problem: Sara liebt Edmund.
Ein schmerzhafter Kampf beginnt.

Zu Sara hatte ich zeitweise ein gespaltenes Verhältnis. Ich empfand sie manchmal als etwas egoistisch und selbstverliebt. Dennoch habe ich im Nachgang ihr Verhalten verstanden.

Überhaupt sind die Charaktere sehr gut ausgearbeitet. Ich fühlte mich in eine Situation hineinversetzt, in der Menschen über sich hinauswachsen.

Dem steten Tod vor Augen versuchen sie nicht jammernd in der Ecke zu sitzen, sondern trotzen der Situation heldenhaft.

Sehr einfühlsam und gut beschreibend ist der Schreibstil des Autors.

Durch ein paar Wendungen in der Geschichte war ich zeitweise hin- und hergerissen und war mir nicht sicher, wie diese Story ausgehen würde.

Das Buch ist wie ein Theaterstück aufgebaut – aber es ist mehr.
Es ist ein Ruf nach Leben, mag es noch so ausweglos sein.

Es lässt mich sehr nachdenklich zurück, aber ich bin sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Sittengemälde der Hamburger Gesellschaft

Im Nordlicht
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Was passiert, wenn du vor Scham nicht über deine Vergangenheit sprichst – und plötzlich alles auf dem Spiel steht?

Mit Alice hat Miriam Georg eine sehr beeindruckende Protagonistin geschaffen: eine starke ...

Was passiert, wenn du vor Scham nicht über deine Vergangenheit sprichst – und plötzlich alles auf dem Spiel steht?

Mit Alice hat Miriam Georg eine sehr beeindruckende Protagonistin geschaffen: eine starke Frau, die für ihre Tochter alles tut und ihr Ziel nie aus den Augen verliert.

Eines vorweg: Zum besseren Verständnis empfehle ich, den ersten Teil der Saga gelesen zu haben. Grundsätzlich ist das Buch zwar auch ohne Vorkenntnisse verständlich, da vieles noch einmal erklärt wird – aber der Roman knüpft nahtlos an die Ereignisse aus Band eins an. Es gibt erneut Rückblenden, wie auch schon im ersten Band, die sich deutlich besser einordnen lassen, wenn man die „Vorgeschichte“ kennt. Auch für die Figurenentwicklung ist es interessanter, den Vorgängerroman gelesen zu haben.

Alice steht im Mittelpunkt dieses Romans, doch wir erleben die Geschichte nicht nur aus ihrer Perspektive. Auch viele andere Figuren schildern die Ereignisse aus ihrem eigenen Blickwinkel – darunter natürlich John Reeven, aber auch Julius, Jaris, Henk, Blanche und einige mehr. Das gibt uns als Lesende die Möglichkeit, zu den wichtigsten Charakteren eine emotionale Bindung aufzubauen. Auf die Rolle der einzelnen Figuren möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen, um nicht zu viel von der Handlung zu verraten.

Der Roman ist geprägt von starken Gefühlen: Scham, Trauer und Verzweiflung – aber auch der unbeschreiblichen Liebe einer Mutter zu ihrem Kind. Themen wie häusliche Gewalt, die Rolle der Frau in Familie und Gesellschaft, Scheidung, Schwangerschaft, Suizid und Prostitution werden offen angesprochen.

Es handelt sich um ein sehr detailgetreues Sittengemälde der Hamburger Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Roman zeigt die Diskrepanz zwischen der sogenannten besseren Gesellschaft, den einfachen Arbeitern und den Dienstboten. Und doch vereinen all diese unterschiedlichen Schichten dieselben Probleme, Hoffnungen und Wünsche. Krankheit, Tod und familiäre Konflikte machen nicht vor Standesgrenzen halt – ebenso wenig wie Glück, Zufriedenheit, Freundschaft und Liebe.
Eine privilegierte Stellung bedeutet nicht automatisch ein erfülltes Leben.

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Ein Buch wie ein Sog

Stromlinien
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Ein Pageturner, dem ich noch sehr viele Leserinnen und Leser wünsche. Rebekka Frank hat ein Buch geschrieben, welches einen ungeheuren Sog auslöst und Leserinnen und Leser gefangen nimmt.

Die Zwillinge ...

Ein Pageturner, dem ich noch sehr viele Leserinnen und Leser wünsche. Rebekka Frank hat ein Buch geschrieben, welches einen ungeheuren Sog auslöst und Leserinnen und Leser gefangen nimmt.

Die Zwillinge Enna und Jale sind unzertrennlich, bis zu dem Tag an dem Jale verschwindet. Es ist der Tag, an dem ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird. Dort sind die beiden Mädchen auch zur Welt gekommen, sie freuen sich endlich ihre Mutter in Freiheit zu sehen und fiebern dem Tag entgegen. Doch auch die Mutter ist verschwunden. Für Enna, die Ich-Erzählerin des Hauptstrangs, bricht eine Welt zusammen. Eine abenteuerliche Suche nach ihrer Schwester und Mutter beginnt. Und sie fragt sich zum ersten Mal, warum hat ihrer Mutter eigentlich im Gefängnis gesessen und kenne ich meine Mutter eigentlich…

Ein Roman voller psychologischem Feingefühl, welches mich überzeugt hat. Am Anfang konnte ich die verschiedenen Zeitebenen nicht einordnen und hatte keine Ahnung, in welcher Beziehung die Personen zu Enna stehen, bzw. von wem die Rede ist. Doch das Geflecht der Geschichte wird immer enger und es kommt sehr viel zum Tragen.

Für mich ein Familienroman der nicht nur menschliche Abgründe offenbart, sondern auch Familiendynamiken offenbart. Der wieder einmal zeigt, wie wichtig Reden innerhalb der eigenen Familie ist. Der Schauplatz des Romans, die Marsch der Elbe wird eindrucksvoll beschrieben, ebenso die Flora und Fauna. Man hat förmlich das Gefühl mit Enna auf dem Boot zu sein und über die Elbe und ihre Nebenarme zu schippern.

Für mich großes Kino, dass ich allen Leserinnen und Lesern nur ans Herz legen kann. Ein Roman der erste etwas ruhig daherkommt und dann aber zu einem super Spannungsroman mit Krimielementen wird.

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