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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.10.2025

Die Kraft der Liebe

Der Himmel trägt ein goldenes Herz
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Felippo trauert um seine Frau Aurora, die er an den Tod verloren hat und mit der ihn eine lebenslange große Liebe verband. Seine Erinnerungen führen den alten Mann an ganz besondere Orte, die beide oft ...

Felippo trauert um seine Frau Aurora, die er an den Tod verloren hat und mit der ihn eine lebenslange große Liebe verband. Seine Erinnerungen führen den alten Mann an ganz besondere Orte, die beide oft zu Lebzeiten gemeinsam besucht haben, wo sie Kraft tankten und die Schönheit der Natur bestaunten. Still und leise nimmt er Abschied von einer im harmonischen Einklang mit seiner großartigen Partnerin verbrachten Zeit. Auf seinem Weg in die Vergangenheit begleiten ihn sein treuer Weggefährte der Hirtenhund Barnaby und die äußerst emphatische Clara.
Jando, der Autor von ‘Der Himmel trägt ein goldenes Herz‘, schreibt leise und trotzdem sehr lebendig eine Geschichte, die zu Herzen geht, die aber gleichzeitig Trost spendet, weil sie auf erfüllte Jahre der Liebe zurückblickt und ein glückliches Leben in den Mittelpunkt stellt. Farbenfrohe Illustrationen von Robby Krüger stimmen atmosphärisch auf die berührenden Worte der Geschichte von ewiger Liebe ein, die der Tod nicht beenden kann.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Südkoreanischer Magie

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Die südkoreanische Schriftstellerin Lee Onhwa setzt sich in ihrem Roman ‘Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei‘ mit dem Ahnenkult ihres Landes auseinander. Unabhängig von der religiösen Orientierung ...

Die südkoreanische Schriftstellerin Lee Onhwa setzt sich in ihrem Roman ‘Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei‘ mit dem Ahnenkult ihres Landes auseinander. Unabhängig von der religiösen Orientierung begleiten viele Koreaner ihre verstorbenen Angehörigen durch konfuzianische Zeremonien in ein friedvolles Jenseits. Dabei spielen auch spezielle Lebensmittel als Gabe auf den Weg eine große Rolle.
In ihrem Roman setzt sich die Autorin mit diesen Bräuchen auseinander und webt daraus eine unterhaltsame, magische Geschichte. Ihre Protagonistin Yeonhwa, eine junge Frau in den Zwanzigern, erbt von ihrer Großmutter eine Konditorei mit besonderen Aufgaben. Als Bedingung muss sie einen Monat lang ihren Kunden zwischen zweiundzwanzig Uhr und Mitternacht Wünsche erfüllen, die mit einem speziellen Zuckerwerk verbunden sind. Der Großhändler Sawohl und eine schwarze Katze stehen ihr dabei helfend zur Seite. Beide spielen eine Schlüsselrolle im späteren schrittweisen Verständnis der Handlung. Yeonhwa taucht mit jedem Tag tiefer ein in die ihr gestellte Aufgabe, lernt Schicksale Verstobener kennen und wertzuschätzen, leistet ihnen uneigennützig Hilfe bei der Erfüllung von Herzenswünschen.
Feinfühlig geführt und mit einer poetischen Feder geschrieben, taucht der Leser in eine Geschichte ein, die eine Kultur beschreibt, welche fremdartig für unser westlich geprägtes kulturelles Empfinden erscheint. Auf unterhaltsame Art lernt man jedoch zu verstehen, wie wichtig den Menschen in Südkorea ihr Ahnenkult ist. Abschließend gelingt es Lee Onhwa eine gekonnte Verbindung zwischen uralter Tradition und modernem Leben zu gestalten, was mir sehr gut gefallen hat.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Verhängnisvolle Entscheidungen

Water Moon
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In Tokio gibt es ein Pfandhaus, das nicht für jedermann zu finden ist. Man betritt ein Ramen-Restaurant, um seinen Hunger zu stillen und landet, wenn man zu den Auserwählten zählt, unverhofft an einen ...

In Tokio gibt es ein Pfandhaus, das nicht für jedermann zu finden ist. Man betritt ein Ramen-Restaurant, um seinen Hunger zu stillen und landet, wenn man zu den Auserwählten zählt, unverhofft an einen Ort, an dem getroffene Entscheidungen, die schwer auf der Seele lasten, eingetauscht werden können zur Befreiung des schlechten Gewissens.
Hana Ishikawa übernimmt von ihrem Vater Toshio, der in den Ruhrstand tritt, das Geschäft und findet an ihrem ersten Arbeitstag ihre Wirkungsstätte völlig zerstört und ausgeraubt vor. Noch bevor sie ihre Gedanken sammeln kann, um die Geschehnisse für sich einzuordnen, betritt der geniale Physiker Keishin den Raum der Verwüstung und bietet sofort seine Hilfe an. Es beginnt eine abenteuerliche Reise durch eine fantastische Welt auf der Suche nach Toshio. Dabei werden die beiden von seelenlosen Monstern gejagt, was der Geschichte immer wieder eine atemberaubende Spannung verleiht.
Die Geschehnisse schreiten rasant voran, während ein Puzzleteilchen nach dem anderen zu dem magischen Aufenthaltsort des Gesuchten führen, erstaunliche Zusammenhänge sich offenbaren und dennoch für Verwirrungen sorgen. Die Vielfalt der Fortbewegungsmöglichkeiten in diesem Land jenseits unserer Vorstellungen haben mich begeistert. So werden Hana und Keishin von einer Melodie getragen oder von Papierkranichen, werden zusammengefaltet, springen in Pfützen. Auch über Gerüchte kann man sein begehrtes Ziel erreichen.
Die Sprache der Autorin Samantha Yambao in ‘Water Moon‘ ist nüchtern und dennoch haucht sie ihrer Geschichte eine liebenswerte Lebendigkeit ein, die mit poetischen Formulierungen ausgeschmückt ist. Die magische Welt zeigt immer wieder Parallelen zur realexistieren Wirklichkeit auf, die durchaus gesellschaftskritische Momente beinhalten.
Ich habe mich gern von der Geschichte tragen lassen, ohne zu Beginn zu wissen, was mich erwartet und wurde angenehm überrascht.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Ein Leben im Rückblick

Spät am Tag
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Dieser Roman ‘Spät am Tag‘ von Kristin Vego gehört zu den anspruchsvolleren Lesarten der Gegenwartsliteratur. Er macht uns vertraut mit den Gedanken und Gefühlen einer Frau, einer Schriftstellerin, die ...

Dieser Roman ‘Spät am Tag‘ von Kristin Vego gehört zu den anspruchsvolleren Lesarten der Gegenwartsliteratur. Er macht uns vertraut mit den Gedanken und Gefühlen einer Frau, einer Schriftstellerin, die nach dem schmerzvollen, weil frühen Verlust ihres zweiten Ehemannes, einen Teil ihrer Lebensgeschichte aufschreibt und insbesondere auf das Zusammenleben mit ihm, seiner Exfrau und seiner kleinen Tochter in der Einsamkeit, in einem großen weißen Haus am Wasser, eingeht.
Johanna ergreift nach der Scheidung von einem Mann, den sie nie geliebt hat, die Flucht, weg aus dem Lärm der Großstadt, den vielen Menschen, um still und abgeschieden an ihrem zweiten Roman zu arbeiten. Hier in der ländlichen Idylle trifft sie auf den charismatischen Mikael, der ihr ein anderes Leben in Freiheit und Unbeschwertheit vorlebt. Aber auch er ist nicht unbelastet von Sorgen, die Ängste in ihm hervorrufen. Sie lebt mit den Jahreszeiten, spürt die Kälte, die Schönheit der schneebedeckten Flächen, die Hitze des Sommers, die heftigen Stürme.
Kristin Vego schreibt distanziert und lässt ihre Protagonistin bruchstückhaft erzählen, springt zwischen den Zeiten und gibt dem Leser viel Freiraum, eigene Ideen zu entwickeln.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Das Glück beim Schopfe packen

6 aus 49
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Jaqueline Kornmüller setzt ihrer Großmutter Lina in ihrem Roman ‘6 aus 49‘ ein Denkmal, zeichnet ihren Lebensweg, der in frühester Jugend von bitterer Armut geprägt war. Ihre Worte zur eigenen Vergangenheit ...

Jaqueline Kornmüller setzt ihrer Großmutter Lina in ihrem Roman ‘6 aus 49‘ ein Denkmal, zeichnet ihren Lebensweg, der in frühester Jugend von bitterer Armut geprägt war. Ihre Worte zur eigenen Vergangenheit waren deprimierend, denn sie wünschte tatsächlich niemanden einen derartigen Verzicht auf die grundlegendsten Dinge zum Überleben. Eine mutige Frau geht ihren Weg, packt kräftig an und eines Tages wird ihr Fleiß belohnt. Sie kann ihr eigenes Hotel bewirtschaften. Ein Traum, der noch vor nicht allzu langer Zeit unerreichbar erschien.
Lina ist eine gradlinige Frau, die sich nicht verbiegen lässt, die ihr Schicksal tapfer trägt und erträgt, die sich für Menschen in Not einsetzt und ihre Überzeugung auch unter dem Druck der Naziherrschaft niemals verrät. Ihre große Leidenschaft ist das Lottospielen, das sie mit großem Elan verfolgt und es hier tatsächlich zu kleineren und einem größeren Gewinn schafft. Dieses Glück bleibt ihr allerdings in der Liebe verwehrt.
Eingebettet in die historischen Ereignisse Bayerns um die Zeit des zweiten Weltkrieges, erzählt die Autorin episodenhaft mit zeitlichen Sprüngen und gedanklichen Einflechtungen. Das erfordert ein konzentriertes Lesen. Der Sprachstil ist eigenwillig, fast nüchtern, brilliert jedoch ebenso mit witzigen Stellen.

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