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Veröffentlicht am 23.10.2025

großartige Familienanamnese!

Botanik des Wahnsinns
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Super Cover, noch bessere Story: Leon Engler „Botanik des Wahnsinns“!
Hier taucht der „umgedrehte Noel“ tief in die chaotische Welt seiner Familie ein – bipolar, depressiv, trinkfreudig, psychisch labil ...

Super Cover, noch bessere Story: Leon Engler „Botanik des Wahnsinns“!
Hier taucht der „umgedrehte Noel“ tief in die chaotische Welt seiner Familie ein – bipolar, depressiv, trinkfreudig, psychisch labil – da ist alles am Start. Die Angst, selbst durchzudrehen, treibt ihn in ein Psychologiestudium und später mitten in die Psychiatrie – jetzt auf der anderen Seite der Couch. Eine große Rolle spielt auch „der Nachbar“, der den jungen Protagonisten nicht nur mit Literatur versorgt und in die Philosophie einführt, sondern ihm auch echt wichtig Lebenstipps mit auf den Weg gibt.
Der Erzähler startet seine Reise in die eigene Familienanamnese, als er die einzigen Erinnerungsstücke an seine Mutter durchschaut: Sieben Kartons, die eigentlich hätten entsorgt werden sollen, weil sie nur alte Rechnungen und Müll enthalten. Aber es gab eine Verwechslung - und so sind es nur diese sieben Kisten, die vom Leben der Mutter übriggebleiben.
Dieses Buch war ein echter Lesegenuß. Sprachlich einerseits so frisch und leicht, andererseits auch sehr sensibel und einfühlsam, überzeugt @leon_engler durch seine genaue Beobachtungsgabe und seine großartigen Formulierungen, die mich immer wieder durch ihre Präzision, ihren Humor und ihre Tiefgründigkeit überrascht haben.
Und es ist bestimmt schon mal erwähnt worden: Der Typ heisst Andreas Türk, nicht Oliver 😉.
Ein wilder, zärtlicher Trip durch Wahnsinn, Trauer und Familie, der zeigt, dass Literatur Türen öffnen kann, die Therapie allein nicht schafft.
„So plapperte er vor sich hin, damit gar nicht erst die Möglichkeit bestand, miteinander zu reden.“

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Veröffentlicht am 18.08.2025

aufregendes Wiedersehen mit Nick!

Erebos 3
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Was für ein aufregendes Wiedersehen mit Nick!

Im dritten Band der Erebos-Reihe von @ursulapoznanski meldet sich das Computerspiel erneut bei Nick und es wird schnell und unmissverständlich klar, dass ...

Was für ein aufregendes Wiedersehen mit Nick!

Im dritten Band der Erebos-Reihe von @ursulapoznanski meldet sich das Computerspiel erneut bei Nick und es wird schnell und unmissverständlich klar, dass es auch dieses Mal für ihnen keine Möglichkeit gibt, die Teilnahme zu verweigern.
Als Herdenführer Sarius beginnt für ihn nun eine Suche, die über Leben und Tod entscheidet. Der Haken an der Sache: Nick weiss gar nicht, wonach er und seine Mitspieler suchen sollen. Ein verschwundenes Mädchen spielt hier wohl eine bedeutende Rolle, aber die Puzzleteile setzen sich erst dann zusammen, als Nick endlich die Zeichen erkennt und deren Bedeutung entschlüsselt- doch dann wird’s plötzlich zeitlich ganz schön knapp …
Ich bin ein großer Fan guter Jugendbücher und seit dem ersten Erebos-Band, das meine Kinder in der Schule gelesen haben, der Story verfallen. Ursula Poznanski schafft mir ihrem ganz eigenen Ton und ihrem authentischen Stil eine Nähe zur Zielgruppe, die in keiner Passage konstruiert oder künstlich wirkt.
Auch hier, im dritten Teil, erzählt sie eine unfassbar spannende Geschichte, in die ich beim Lesen genauso eingetaucht bin wie Nick in sein Computerspiel. Ich habe mitgerätselt, mitgefiebert, war genauso ratlos wie die Galgenvögel und habe um ihre Leben im Spiel gebangt.
Was für ein spannungsgeladenes Ende, was für ein Showdown!
Ein klasse Buch, definitiv nicht nur für Jugendliche und Zocker!
„Je näher du dich der Lösung glaubst, desto wahrscheinlicher ist es, dass du irrst.“

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Faszinierende Geschihcte!

Der Gott des Waldes
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Nightshift!
Für „The God in the Woods” von @lizmoore hab ich eine Nachtschicht eingelegt.
Ich konnte das Buch einfach nicht zur Seite legen.

Die Van Laars besitzen seit Generationen das „Van Laak Preserve“ ...

Nightshift!
Für „The God in the Woods” von @lizmoore hab ich eine Nachtschicht eingelegt.
Ich konnte das Buch einfach nicht zur Seite legen.

Die Van Laars besitzen seit Generationen das „Van Laak Preserve“ am Lake Joan. Im dortigen Camp Emerson finden jedes Jahr Sommercamps für Schüler:innen statt. Höhepunkt der Zeit fernab der Zivilisation ist der jährliche „Survival Trip“, bei dem sich die Jugendlichen in kleinen Gruppen allein in der Wildnis zurecht finden müssen.
Während die wohlhabenden Van Laars mit ihren Freunden in der Villa „Self-Reliance“ ein Fest feiern, verschwindet ihr einziger Sohn, Bear. Über eine Dekade später nimmt ihre Tochter Barbara am Sommercamp teil- und plötzlich wird auch sie vermisst.
Welchen Spuren die junge Polizistin Judyta nachgeht, welche Abgründe sich auftun und ob die beiden Fälle geklärt werden können, kann und will ich beim besten Willen nicht verraten.

Die Geschichte spielt in unterschiedlichen Jahren und wird auch dementsprechend erzählt. Man springt beim Lesen zwischen den Zeiten hin und her. Hier hat mir besonders gut die Aufteilung in der Kapitelüberschrift gefallen, in der das jeweilige Jahr fettgedruckt neben allen anderen Jahren steht, in denen der Roman jeweils spielt. Das gibt gute Orientierung.

Auch die Erzählperspektive wechselt zwischen den Hauptcharakteren des Romans. Ich fand diese sich ergänzenden Erzählungen sehr klug gewählt. Nie habe ich zu viel erfahren, immer bleibt etwas in der Schwebe, permanent etwas zu grübeln- das treibt die Story ordentlich voran.

Es gibt so viele Ansatzpunkte und Theorien, so viele mögliche Variationen von Handlungsweisen und immer wieder ploppt ein Aspekt auf, der überrascht, verwirrt, irritiert oder Klarheit verschafft.

Und ganz nebenbei erfährt man viel über das Leben der Van Laars, den unsäglichen Umgang miteinander und ihren Mitmenschen gegenüber.

Ich hab das Buch im Original gelesen und weiss jetzt endlich auch wieder, was „Napfkuchen“ auf Englisch heisst. Hatte ich vollkommen vergessen!

"When lost sit down and yell"

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Ungefiltertes Leben und Jobunzufriedenheit

Geht so
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Dieses Buch ist für mich bereits Anfang April eines meiner TOP-Bücher 2025!

In "Geht so" erzählt Beatriz Serrano in unglaublich witziger und schneller Sprache aus dem Leben von Marisa, einer Head of Creative ...

Dieses Buch ist für mich bereits Anfang April eines meiner TOP-Bücher 2025!

In "Geht so" erzählt Beatriz Serrano in unglaublich witziger und schneller Sprache aus dem Leben von Marisa, einer Head of Creative Strategy in einer Madrider Werbeagentur.
Marisa spielt an ihrem Arbeitsplatz die oberflächlich perfekte Rolle, weiss genau, was von ihr erwartet wird, passt sich an, kommuniziert gezielt, delegiert schmerzfrei und mäandert durch ihren Arbeitstag.

Ich fand es wirklich erschütternd und faszinierend zugleich zu lesen, wie leicht es Marisa einerseits fällt, das Spiel mitzuspielen und wie vereinsamt, traurig und resigniert sie sich andererseits jeden einzelnen Tag zur Arbeit schleppt, immer darauf hoffend, dass sie von einem Auto angefahren wird, um eine Auszeit vom Büro zu bekommen.

Dass sie ihre Traurigkeit und die Ängste, die durch ihre stagnierten Lebenssituation entstehen, dauerhaft mit Medikamenten und Drogen in den Griff zu bekommen versucht, kann dauerhaft nicht gut gehen.

Der Tod von Marisas Arbeitskollegin Rita, der ihr schwer zu schaffen macht, lässt viele Fragen offen und zeigt wie wenig die Menschen in der Agentur wirklich auf einander achten und von einander wissen.

Einzig Pablo, der "Nachbar plus" und Elena, die beste Studienfreundin Marisas, die sie nach langer Zeit wieder trifft und die sich auf eine vollkommen andere Weise als Marisa an das "Arbeitsleben" adaptiert hat, geben Marisa ein wenig Halt und Wärme.

Ich bin mir sicher, dass das Buch bei mir noch lange nachhallen wird. Eine Geschichte von solch großer und tiefer Lebensunzufriedenheit, die es schafft, so wunderbar und scheinbar belanglos-leicht erzählt zu werden, ist wirklich eine Besonderheit. Der Übersetzerin, Christiane Quandt, ist hier eine wunderbare sprachliche Leistung gelungen!

🗨️ "Also du siehst toll aus, aber ein bisschen tot."

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Sehr rührende Liebesgeschichte

Für Polina
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Die einen sagen so, die anderen so…

Und ich - ich mochte „Für Polina“ von @takiswuerger SUPERGERNE!!!

Die Geschichte um Polina und Hannes, die sich seit den ersten Lebenstagen kennen, weil die Mütter ...

Die einen sagen so, die anderen so…

Und ich - ich mochte „Für Polina“ von @takiswuerger SUPERGERNE!!!

Die Geschichte um Polina und Hannes, die sich seit den ersten Lebenstagen kennen, weil die Mütter zusammen auf derselben Station im Krankenhaus lagen, ist wirklich einzigartig.
Das Leben von Hannes Mutter Fritzi nimmt nach dem Abitur einen komplett anderen Verlauf als geplant. Als sie zu Heinrich Hildebrand in die Villa im Moor zieht, wächst Hannes, der ein außergewöhnliches musikalisches Talent besitzt, in einem ungewöhnlichen, aber extrem liebevollen Setting auf.
Die Freundschaft zwischen Fritzi und der Mutter von Polina, Günes, hält ein gesamtes Leben- das leider kürzer dauert, als ich mir beim Lesen gewünscht hätte.

Nachdem Hannes das Moor verlässt und von seinem Vater aufgenommen wird, der ihn nicht wirklich versteht, begleitet Würger Hannes durch sein Leben, das nun auch wieder ganz anders verläuft, als man vermutet hat.

Ich liebe Takis Würgers Sprache. Sie ist frisch, sie ist einzigartig, sie schafft es, modern und dabei abwechslungsreich und überraschend zu sein.

Ich habe beim Lesen dieses tollen Romans durchaus Tränen verdrückt, aber auch immer wieder geschmunzelt und konnte ihn einfach nicht weglegen, bis ich ihn fertig gelesen hatte.

Die Kritik, es sei Vieles konstruiert und nicht glaubwürdig hat mich bei dieser Geschichte null gestört. Sie war herrlich konstruiert! Für mich DIE perfekte Frühlingslektüre schlechthin, mit der es endlich wieder wärmer wurde!

Danke an @takiswuerger für die außerordentlich nette Antwort auf meine Mail. Hätte ich nie mit gerechnet und: it made my day!
Danke auch an @vorablesen für meinen Gewinn.

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