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Veröffentlicht am 31.08.2025

Mozzarella

Bleich wie der Mond
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Am morgen nach einer Geburtstagsfeier wird der Inhaber einer Mozzarella-Manufaktur Nino Castaldo tot in seiner Firma gefunden. Der Ortspolizist Enrico Rizzi wird zum Ort des Geschehens geschickt, seine ...

Am morgen nach einer Geburtstagsfeier wird der Inhaber einer Mozzarella-Manufaktur Nino Castaldo tot in seiner Firma gefunden. Der Ortspolizist Enrico Rizzi wird zum Ort des Geschehens geschickt, seine Kollegin Antonia Cirillo folgt ihm, obwohl Rizzi die Sache allein erledigen wollte. Wie gut das ist, ergibt sich schnell, denn sie findet Rizzi bewusstlos neben einem Bottich, in dem der Tote im Wasser schwimmt. Die Umstände des Totes sind doch so ungewöhnlich, dass die Kriminalbeamten aus Neapel hinzugerufen. Rizzi und Cirillo beginnen, mit der Befragung der Witwe, die wesentlich jünger ist als Castaldo. Und auch der gehörlose Mitarbeiter Ninos wird vernommen.

Zum vierten Mal sorgen Agente Enrico Rizzi und Antonia Cirillo dafür, dass auf Capri alles seinen gewohnten Gang geht. Ungeklärte Todesfälle gibt es auf der Insel zum Glück selten. Und wenn doch mal etwas vorfällt, übernehmen die Ortspolizisten die Aufgabe die Sicherheit der Touristen zu gewährleisten. Dass dabei auch mal ein Mordfall aufgeklärt wird, kommt in Neapel nicht immer gut an. Deren Aufgabe, deren Lorbeeren, dass Rizzi und Cirillo gewiefte Ermittler mit herausragender Ortskenntnis sind, sehen die Höhergestellten nur, wenn es ihnen passend erscheint. Wenn Rizzi und Cirillo sich auch noch aufs Festland verirren, wird es erst richtig heikel. Und nun wird ausgerechnet der angesehenste Mozzarella-Hersteller der Insel tot aufgefunden.

Was es in Sachen Mozzarella-Produktion alles zu erfahren gibt, ist schon erstaunlich und spannend. Der Fall wird dadurch richtig interessant. Die Querelen zwischen Capri und Neapel und die Obrigkeitshörigkeit des Ispettore von Capri werden manchmal etwas ausführlich thematisiert. Darüber kommt manchmal die Beschreibung der Insel und des Insellebens ein wenig zu kurz. Dafür wird das Rätsel um den Toten auf packende Weise gelöst, wobei sich auch das Bild, dass man von dem Toten hatte verändert. Diese Reihe von Capri-Krimis ist fesselnd zu lesen und hat doch die nötige Leichtigkeit, um gute Unterhaltung zu bieten.

Veröffentlicht am 30.08.2025

Nur eine Stunde

Der Vater eines Mörders
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Der vierzehnjährige Schüler Franz Kien hat im Mai 1928 nicht viel Lust auf den Unterricht. Warum weiß er nicht so genau. Wahrscheinlich könnte er, wenn er wollte. Er weiß allerdings nicht, was er will. ...

Der vierzehnjährige Schüler Franz Kien hat im Mai 1928 nicht viel Lust auf den Unterricht. Warum weiß er nicht so genau. Wahrscheinlich könnte er, wenn er wollte. Er weiß allerdings nicht, was er will. Schriftsteller werden will er, das weiß er dann doch. Als der Schuldirektor Himmler eine Griechischstunde inspiziert, betrifft das Franz erst nicht sehr. Der Rektor scheint das häufiger zu machen. Zuerst nimmt er sich den Lehrer vor, der vornehmlich um seine Stelle besorgt scheint. Irgendwann kommt einer der besten Schüler dran, der es sich leisten kann Widerworte zu geben. Meint er. Als Franz meint, der Kelch ist so eben an ihm vorbeigegangen, muss er sein Nichtwissen doch noch zeigen.

Der Schriftsteller Alfred Andersch kehrt in die Zeit seiner Jugend zurück. Sein alter ego Franz Kien erlebt eine Unterrichtsstunde, die wohl kein Schüler so erleben möchte. Er meint zu verstehen, wieso Jung-Himmler sich mit Alt-Himmler überworfen hat. Aber ist aus Jung-Himmler deshalb ein Vernichter vieler Menschen geworden? Franz Kien bekommt jedenfalls mit, wie der Rektor einen Schüler von der Schule verbannt, wie er sich aufführt, wie ein Herrscher über sein kleines Schulreich. Als Kien dann selbst noch drankommt, von Himmler bloßgestellt, ist er fast schon froh, von der Schule zu fliegen. Nur um seinen Vater sorgt er sich.

Man empfindet schon Beklemmungen, wenn man sich diesen Unterricht vorstellt, wenn man sich diesen Rektor vorstellt. Natürlich weiß man heute, was aus Jung-Himmler wurde. Das führt schon irgendwie zu der Frage, wenn der Vater menschen- oder schülerfreundlicher gewesen wäre, ob dann aus seinem Sohn etwas anderes geworden wäre. Dieser Schuldirektor löst Widerwillen aus. Er nutzt seine Machtposition perfide aus. Er scheint nicht zum Wohle der Schüler tätig zu sein, sondern eher, um seine eigenen wie auch immer gearteten Bedürfnisse zu befriedigen und Menschen gegeneinander auszuspielen. Keine angenehme Lektüre, aber eine, die sehr nachdenklich stimmt.

Veröffentlicht am 21.08.2025

Partnerinnen

Tote schweigen nie
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Cassie Raven arbeitet als Sektionsassistentin in London. Sie ist ein Ass in ihrem Beruf und manchmal meint sie, die Toten sprächen zu ihr. Allerdings meint man das nicht unbedingt, wenn man sie in ihrer ...

Cassie Raven arbeitet als Sektionsassistentin in London. Sie ist ein Ass in ihrem Beruf und manchmal meint sie, die Toten sprächen zu ihr. Allerdings meint man das nicht unbedingt, wenn man sie in ihrer Gothic Aufmachung sieht. Sie hat eine professionelle Distanz zu ihren Kunden entwickelt und ist trotzdem zugewandt. Jedoch als eines Tages ihre Lieblingslehrerin vor ihr liegt, kann sie es kaum fassen. So ein dummer Unfall, wie kann das sein. Cassie hat das Gefühl, dass ihre Mrs. Edwards ihr noch etwas sagen will. Sie beginnt, obwohl sie dazu.nicht befugt, Nachforschungen anzustellen. Dabei trifft sie mit der Polizistin Phylida Fliyte zusammen.

Cassie Raven und Philida Flyte sind in diesem ersten Band der Reihe ein eher ungleiches Paar. DS Flyte eher unterkühlt lässt sich normalerweise nicht in die Karten schauen. Cassie Raven mit ihrem ungewöhnlichen Aussehen und ihrer ungewöhnlichen Denkweise hatte schon mal Kontakt zur Polizei und sie möchte den keinesfalls wiederholen. Und so fällt es Cassie zu Beginn schwer DS Flyte überhaupt dazuzubringen, den Todesfall ihrer Lehrerin zu untersuchen. Erst als Cassie akribische Untersuchungen zu einem unerwarteten Ergebnis führen, beginnt zwischen den beiden unterschiedlichen Frauen eine gewisse Zusammenarbeit.

Dieses Hörbuch wird sehr schön vorgetragen von Sandra Voss, die Szenen und Personen etwas besonders gibt. Da hört man gerne weiter.

Flyte und Raven sind ein Team, das erstmal kein Team ist. Doch beide sind starke und eigene Persönlichkeiten, die einem schnell sympathisch werden. Auch der Fall um die verstorbene Lehrerin gestaltet sich überraschend und ungewöhnlich. Dabei bietet Cassie einiges ihres Wissens über die Forensik auf und auch ihr tolles Gespür spielt eine tragende Rolle. DS Flyte dagegen erscheint zunächst etwas widerwillig und manchmal auch sehr in sich gekehrt. Und doch fesselt es mitzuerleben, wie sich die beiden Frauen annähern und dabei die verschiedenen Untersuchungen nicht aus den Augen verlieren. Die Story ist tatsächlich so einprägsam, das eine kleine den Umständen geschuldete Hörpause nichts ausmacht, weil die Neugier erhalten bleibt.

Veröffentlicht am 19.08.2025

Das Nichts

Dr. No
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Der Mathematiker Prof. Wala Kitu lehrt an der Brown Universität in Amerika. Mit seinem Hund Trigo, der nur ein Bein hat, lebt er alleine. Auf dem Gelände der Brown trifft er manchmal seine Kollegin Eigen ...

Der Mathematiker Prof. Wala Kitu lehrt an der Brown Universität in Amerika. Mit seinem Hund Trigo, der nur ein Bein hat, lebt er alleine. Auf dem Gelände der Brown trifft er manchmal seine Kollegin Eigen Vector, eine ebenfalls lehrende Topologin. Als der Milliardär John Sill an Wala herantritt, um ihn als Berater für das Nichts zu engagieren, ist er einigermaßen erstaunt. Sill sieht sich selbst als Schurken an. Er will Fort Knox überfallen. Dort soll das Nichts gebunkert sein und mit Kitus Hilfe will er das Nichts, dass doch ein Etwas sein könnte, für seine wahren Zwecke nutzen.

In diesem Schurkenroman kann man vielleicht schon einige Anklänge an James Bond finden. Was will John Sill? Er hat doch eigentlich alles und viel ererbtes Geld noch dazu. Und was ist mit dem Wissenschaftler Prof. Wala Kitu? Er hat alles gelesen, was er in die Finger bekommen konnte. Aber ist er wirklich so ein genialer Mathematiker? Vielleicht ist er auch eher ein Philosoph mit seinen Überlegungen zum Nichts und ob das Nichts nicht doch irgendwo sein kann. Dr. Eigen Vector ist wie elektrisiert von John Sill, sie will endlich leben und sie will böse werden.

Dieser Roman, der im Original im Jahr 2022 erschienen ist, will wahrscheinlich nicht eingeordnet werden. Das er ein wenig an einen James Bond Film erinnern könnte, wird schon im Klappentext angedeutet und ist damit wohl auch gewollt. Zwingend im Bond-Universum muss man sich nicht auskennen. Die Überlegungen zum Nichts und zu mathematischen, philosophischen oder anderen Problem kann man schon als komplex empfinden. Offensichtlich hat sich der Autor mit vielen dieser Themen beschäftigt. Auch wenn der Roman dadurch manchmal nicht so leicht zu lesen ist, fixt er einen doch sehr an. Sill, als Schwarzer, ist hier der wohlhabende, der weißen Bediensteten Anweisungen erteilt. Er scheut sich nicht, für sein Geld auch Gegenleistungen einzufordern. Sympathischer sind Wala Kitu, der sich zu fragen beginnt, ob er in eine Falle getappt ist, und auch Eigen Vector, die man sich gut als Bond Girl vorstellen könnte, obwohl sie nicht so auftritt. Sie ist eine ausgesprochen intelligente Frau, die wie von John Sill geblendet wirkt. Dieser Roman ist auf intelligente Weise sehr unterhaltsam und stimmt manchmal durchaus nachdenklich.

Das Cover ist an das amerikanische Cover angelehnt und in seiner Farbgestaltung sehr auffällig, so dass es die Blicke auf sich ziehen wird.

Veröffentlicht am 17.08.2025

Sprungbrett

Die Liebe im Ernstfall
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Paula hat sich in ihrem Leben eingerichtet. Sie hat den Richtigen gefunden, sie hat eine Tochter. Nur hin und wieder denkt sie, soll das wirklich alles so sein. Judith ist Ärztin, selbstbewusst und eigenständig. ...

Paula hat sich in ihrem Leben eingerichtet. Sie hat den Richtigen gefunden, sie hat eine Tochter. Nur hin und wieder denkt sie, soll das wirklich alles so sein. Judith ist Ärztin, selbstbewusst und eigenständig. Doch auch sie denkt ab und zu, ob es auch anders ginge. Brida, die Autorin, fragt sich, was zuerst kommt, ihr Werk oder die Familie. Malika möchte an erster Stelle stehen. Jorinde ist Malikas Schwester. Fünf Frauen mit ihren unterschiedlichen Geschichten und Lebensentwürfen. Sie haben einschneidende Erlebnisse, mit denen sich ihre Einstellung und mitunter auch ihr Leben ändert.

Die Geschichten um die fünf Frauen stehen einzeln und sind doch auch verbunden. Paula muss sich neu finden und auch neu erfinden. Judith erlebt den Moment des Innehaltens, kann sie eine Möglichkeit zulassen. Für Brida ist es schwierig, eigentlich möchte sie schreiben, doch sie merkt, dass die Kinder sie fordern und ihre Aufmerksamkeit wünschen und benötigen. Malika hat eine besondere Stellung und eine besondere Chance. Jorinde, ihre kleine Schwester, möchte sich als Schauspielerin verwirklichen. Mit einer Familie kann es da schwierig werden. Die fünf Frauen teilen ein Stück ihres Lebens.

Wenn man sich mit Kurzgeschichten etwas seltener befasst, dann sind diese fünf Kapitel, die für sich stehen, aber doch verbunden sind, eine willkommene Art dieses Buch einen Roman zu nennen. Die Schicksale der fünf unterschiedlichen Frauen berühren: Auch wenn man nicht jede Entscheidung so treffen würde wie sie, so sind ihre Beweggründe verständlich und nachvollziehbar. Nicht jede der Frauen möchte man gleich umarmen, und doch haben sie alle Momente, in denen sie sehr sympathisch wirken. Dass sie Situationen erleben, die ihnen Entscheidungen abverlangen, wird möglicherweise auch durch das Cover ausgedrückt, auf dem eine Frau auf einem Sprungbrett steht.