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Veröffentlicht am 03.09.2025

✎ Kerstin Löwe & Katja Schmiedeskamp - Anton will Prinzessin sein

Anton will Prinzessin sein
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Ich finde es großartig, dass Anton in dem Bilderbuch „Anton will Prinzessin sein“ von Kerstin Löwe und Katja Schmiedeskamp so unbeirrbar bei seinem Wunsch bleibt. Er lässt sich nicht davon abbringen, Prinzessin ...

Ich finde es großartig, dass Anton in dem Bilderbuch „Anton will Prinzessin sein“ von Kerstin Löwe und Katja Schmiedeskamp so unbeirrbar bei seinem Wunsch bleibt. Er lässt sich nicht davon abbringen, Prinzessin zu sein - auch nicht von seiner Schwester Ella, die ihm andere Kostüme vorschlägt. Genau das macht die Geschichte für mich so stark: Kinder erleben hier, dass es okay ist, bei sich selbst zu bleiben, egal, was andere sagen.

Gleichzeitig zeigt das Buch, wie früh Kinder mit Geschlechterklischees konfrontiert werden. Der Satz „Aber du bist ein Junge!“ wirkt auf den ersten Blick harmlos, kann aber viel auslösen. Eltern bemühen sich oft, Rollenbilder aufzubrechen, doch der Einfluss von Kindergarten, Schule und Freunden ist groß. Ich erinnere mich gut daran, wie mein eigenes Kind plötzlich meinte, ein bestimmtes Kleidungsstück sei nur für Jungen - obwohl es bei uns zu Hause keine solche Einteilung gab. Da wird deutlich, wie tief solche Denkmuster sitzen, selbst wenn man sie im Alltag bewusst vermeidet.

Was mich am Erzählstil etwas gestört hat, ist, dass Ella ihrem Bruder zunächst nicht wirklich zuhört. Anton sagt sehr klar, dass er Prinzessin sein möchte, doch Ella kontert jedes Mal mit einem anderen Kostümvorschlag. Dieses ständige Wiederholen kann einerseits anstrengend wirken, andererseits spiegelt es vielleicht genau das Verhalten wider, das viele Erwachsene zeigen: statt einfach zuzuhören, meinen sie besser zu wissen, was passt.

Die Illustrationen sind zweifellos ein Highlight. Farbenfroh, lebendig und ausdrucksstark unterstützen sie Antons Geschichte auf eine Weise, die Kinder sofort anspricht. Allerdings hätten die Figuren für meinen Geschmack noch vielfältiger gestaltet sein können. Von sieben Kindern sind fünf weiß, und obwohl die Geschlechter auf den Gesichtern nicht klar festgelegt sind - was ich positiv finde -, bleibt die Darstellung in puncto Diversität hinter den Erwartungen zurück. Hier wäre noch mehr möglich gewesen.

Trotz kleiner Schwächen ist die Botschaft eindeutig und wichtig: Kinder sollen alles sein dürfen, unabhängig von Geschlecht und Erwartungen. Genau das bringt die letzte Seite wunderschön auf den Punkt: „Denn: Jungs können alles sein. Mädchen auch.“

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 20.08.2025

✎ Katharina von der Lane - Haribo 1 So schmeckt das Glück

Haribo - So schmeckt das Glück
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Das Buch über Hans Riegel, den Gründer von Haribo, hat mich von Anfang an neugierig gemacht. Besonders spannend fand ich, wie detailreich sein Leben geschildert wird. Man merkt, dass hier gründlich recherchiert ...

Das Buch über Hans Riegel, den Gründer von Haribo, hat mich von Anfang an neugierig gemacht. Besonders spannend fand ich, wie detailreich sein Leben geschildert wird. Man merkt, dass hier gründlich recherchiert wurde, und so bekommt man einen lebendigen Eindruck davon, wie alles begann. Die Figur Hans Riegel wirkt sehr authentisch und seine Entschlossenheit hat mich wirklich beeindruckt. Gerade diese Charakterstärke macht ihn zu einem Protagonisten, den man gern begleitet.

Was mir ebenfalls positiv aufgefallen ist: Jedes Kapitel startet mit einem klaren Hinweis zu Zeit und Ort, sodass man sich sofort orientieren kann. Auch die abschließende Erklärung der Autorinnen, welche Teile historisch belegt sind und welche fiktiv, schafft Transparenz und gibt Lesenden ein gutes Fundament, die Geschichte richtig einzuordnen.

Besonders interessant fand ich den Einblick in Hans Riegels Familie, auch wenn die eigentliche Bonbonproduktion nur am Rande thematisiert wird. Wer also tiefergehende Details zur Entstehung der berühmten Goldbären erwartet, könnte etwas enttäuscht sein. Dafür überzeugt die Schilderung des damaligen Alltags, die sehr atmosphärisch geraten ist.

Trotzdem gab es Punkte, die mich gestört haben. Manche Formulierungen wirkten unpassend für die damalige Zeit. So stolperte ich über das Wort „heuer“, das im Rheinland eigentlich nicht gebräuchlich ist - das hat meine eigene kleine Recherche bestätigt.
Einzelne Redundanzen empfand ich zudem als unnötig. Sie schmälerten gelegentlich den Hörgenuss.

Überrascht war ich schließlich vom Ende. Die Geschichte bricht mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs ab - was zunächst etwas unvollständig wirkt. Erst später erfuhr ich, dass es einen zweiten Band gibt, der die Handlung fortführt. Für mich wirkte der erste Teil dadurch nicht ganz rund, aber genau das steigert nun die Neugier auf die Fortsetzung.

Insgesamt hat mir „Haribo 1 So schmeckt das Glück“ trotz kleiner Schwächen gefallen. Es ist eine gelungene Mischung aus Roman und biografischer Erzählung, die Hans Riegel greifbar macht und Lust darauf weckt, mehr über seine Geschichte zu erfahren.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 02.08.2025

✎ Jennifer Brown - Die Hassliste

Die Hassliste (5 CDs)
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Was verbindet Bücher wie „Klassenziel“, „Es wird keine Helden geben“, „Neunzehn Minuten“ und „Die Hassliste“? Sie alle stellen sich der brutalen Realität eines Amoklaufs - und dem Leben danach.

Jennifer ...

Was verbindet Bücher wie „Klassenziel“, „Es wird keine Helden geben“, „Neunzehn Minuten“ und „Die Hassliste“? Sie alle stellen sich der brutalen Realität eines Amoklaufs - und dem Leben danach.

Jennifer Browns „Die Hassliste“ geht dabei einen besonderen Weg: Sie fokussiert nicht nur auf die Tat selbst, sondern auf die Fragen, die danach bleiben. Wie lebt man weiter, wenn man Teil einer Katastrophe war, aber nicht ganz klar ist, auf welcher Seite?

Im Zentrum steht Valerie. Sie hat gemeinsam mit ihrem Freund Nick eine Liste geführt, auf der all jene standen, die ihnen das Leben schwer machten - eine Art Ventil, ein Ausdruck von Wut und Ohnmacht. Doch während Valerie diese Liste nie als Aufruf zur Gewalt sah, setzte Nick genau das in die Tat um.

Was bedeutet das für Valerie? Ist sie Mittäterin? Opfer? Oder beides? Diese moralische Grauzone beleuchtet die Autorin sehr eindringlich - ohne einfache Antworten zu liefern.

Jennifer Brown schafft es, durch verschiedene Perspektiven - von Valeries Familie über Mitschülerinnen bis hin zu Lehrerinnen - ein vielschichtiges Bild der Nachwirkungen zu zeichnen. Die emotionale und gesellschaftliche Zerrissenheit nach der Tat wird greifbar.

Besonders eindrucksvoll: Valerie wird weder glorifiziert noch verteufelt. Sie bleibt ein Mensch - verletzt, verunsichert, auf der Suche nach Orientierung. Und genau darin liegt die Stärke des Buches. Es zeigt, dass Schuld und Unschuld nicht immer klar zu trennen sind.
Auch Nick nimmt eine besondere Rolle ein. Müssen alle ihn für seine Tat jetzt hassen und er mutiert zum Monster? Oder bleibt er trotzdem noch ein Mensch?

Ich empfand die Darstellung von Valeries Familie als etwas klischeehaft und stellenweise überzogen hart. Auch die Figur von Nick bleibt seltsam diffus. Zwar gibt es Rückblenden, in denen man Bruchstücke seiner Persönlichkeit kennenlernt, doch seine inneren Beweggründe bleiben weitgehend im Dunkeln. Erst war das für mich ein wenig unbefriedigend, aber letztendlich finde ich, es passt zur Perspektive: Denn Valerie selbst hat vieles ebenfalls nicht verstanden.

Anders als viele Jugendromane verzichtet Brown auf überflüssige Nebenhandlungen. Die Geschichte bleibt fokussiert, intensiv und nah an ihrer Hauptfigur - das macht sie so wirkungsvoll.

Ich halte die Lektüre für eine ausgezeichnete Wahl im Schulunterricht. Die Thematik ist hochaktuell und bietet viel Raum für Diskussionen über Mobbing, psychische Gesundheit, Schuld und Verantwortung. Schüler*innen können sich mit der Protagonistin identifizieren und gleichzeitig ihre eigenen Haltungen hinterfragen.

„Die Hassliste“ ist kein leichtes Buch - aber ein notwendiges. Es konfrontiert mit unbequemen Wahrheiten, lässt Raum für Empathie und zeigt, wie komplex die Realität hinter Schlagzeilen wirklich ist.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 30.07.2025

✎ Sabine Städing - Die Stoffis 1 Auf plüschigen Sohlen

Die Stoffis - Auf plüschigen Sohlen (Band 1)
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Eigentlich hatten wir „Die Stoffis - Auf plüschigen Sohlen“ als gemütliche Gute-Nacht-Geschichte eingeplant. Der Plan ging nur bedingt auf, denn das Kinderbuch von Sabine Städing ist zwar in übersichtliche ...

Eigentlich hatten wir „Die Stoffis - Auf plüschigen Sohlen“ als gemütliche Gute-Nacht-Geschichte eingeplant. Der Plan ging nur bedingt auf, denn das Kinderbuch von Sabine Städing ist zwar in übersichtliche Kapitel gegliedert, doch durch die eher spärliche Bebilderung verlor mein Kind irgendwann das Interesse am Vorlesen.

Die Lösung? Das Hörbuch! In der Onleihe wurden wir fündig und das Format funktionierte bei uns deutlich besser. So konnten wir die Geschichte rund um die sympathische Stofftierbande doch noch gemeinsam zu Ende hören.

Was uns besonders gefallen hat: Die sechs plüschigen Hauptfiguren werden nicht alle gleichzeitig vorgestellt. Stattdessen wächst die Gruppe nach und nach, was für Abwechslung sorgt und die Spannung aufrechterhält. Jeder der Charaktere bringt eigene Stärken und auch Herausforderungen mit. Nicht jeder Kuschelfreund ist sofort „lieb und nett“, aber genau das macht sie nahbar und realistisch. So wie im echten Leben eben: Jeder hat seinen eigenen Kopf. Es sind eben kuschelige Held*innen mit Ecken und Kanten.

Mein Kind hatte eine besondere Verbindung zu den Kuscheltieren - sie waren ihr auf Anhieb sympathisch. Eine Figur allerdings sorgte für Irritation: der Seestern. Wir hatten im Urlaub erst echte Seesterne im Meer beobachtet und gelernt, dass sie außerhalb des Wassers kaum überlebensfähig sind. Dass ein Seestern im Buch als normales Gruppenmitglied an Land agiert, passte für sie nicht zusammen. Besonders, weil bei anderen Tierarten (wie der Landschildkröte) auf biologische Fakten geachtet wurde. Diese kleine Ungenauigkeit stieß ihr auf - was zeigt, wie aufmerksam Kinder beim Zuhören sind.

Die Abenteuer, die die Stoffis gemeinsam erleben, sind abwechslungsreich und grundsätzlich kindgerecht erzählt. Ein Szenario war meinem Kind jedoch „zu weit hergeholt“. Die Grenze zwischen Fantasie und Nachvollziehbarkeit wurde hier offenbar leicht überschritten. Manchmal empfanden wir die Erlebnisse der Stofffreunde nicht immer als schlüssig.

Trotz kleiner Kritikpunkte überzeugt das Buch mit starken Themen: Freundschaft, Zusammenhalt und kreative Problemlösungen stehen im Mittelpunkt. Gegen Ende wird die Geschichte sogar emotional - ein Moment, der bei uns Eindruck hinterlassen hat. Wir hoffen sehr, dass der zweite Band diesen Abschluss wieder aufgreift.

Ein schönes Extra: Kinder dürfen am Ende des Buches selbst aktiv werden. Es gibt einen Steckbrief zum eigenen Stofftier - inklusive Platz fürs Foto. Dazu ein Rezept für Hafergrütze, die auch in der Geschichte eine Rolle spielt. Eine charmante Idee, die das Leseerlebnis erweitert. Und nach jedem Kapitel darf ein Sticker ins Buch geklebt werden. Diese hat sich meine Tochter jedoch noch fürs Alleinelesen aufgehoben - sozusagen als Belohnung für sich selbst.

Der erste Teil der Stoffis ist ein warmherziges Kinderbuch mit einem klaren Fokus auf Werte wie Freundschaft und Teamgeist. Für Kinder, die Geschichten mit Kuscheltieren lieben, ist es auf jeden Fall einen Blick wert - besonders auch als Hörbuch. Unsere Neugier auf Band 2 ist geweckt - und den haben wir in der Onleihe schon vorgemerkt.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 29.07.2025

✎ Willy Schad - Die Wege des Krieges

Die Wege des Krieges
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Als ich die Anfrage zu „Die Wege des Krieges“ von Willy Schad erhielt, musste ich zunächst innehalten. Seit mehreren Jahren verfolge ich die Geschehnisse in der Ukraine, ebenso wie die Entwicklungen im ...

Als ich die Anfrage zu „Die Wege des Krieges“ von Willy Schad erhielt, musste ich zunächst innehalten. Seit mehreren Jahren verfolge ich die Geschehnisse in der Ukraine, ebenso wie die Entwicklungen im Nahen Osten. Diese Themen gehen mir persönlich sehr nahe, und ich war unsicher, ob ich bereit bin, mich ihnen in Form eines ganzen Buches zu stellen.

Trotz meiner Zweifel habe ich zugesagt - aus dem Wunsch heraus, zu erfahren, ob es dem Autor gelingt, mir das Thema Krieg auf respektvolle und menschliche Weise näherzubringen. Nicht als abstraktes Szenario, sondern durch die Augen derjenigen, die mittendrin stehen: den Soldaten.

Beim ersten Leseversuch war nach etwa 10 % Schluss. Es entsprach schlichtweg nicht meiner Erwartung. Dennoch wollte ich dem Buch eine faire Chance geben. Der präzise, fast schon dokumentarische Stil von Schad hat mich letztlich überzeugt, es erneut zu versuchen. Beim zweiten Anlauf habe ich das Buch dann auch vollständig gelesen.

Der Einstieg erfolgt über eine Reihe von Porträts verschiedener Soldaten. Diese Sequenz empfand ich persönlich als zäh. Es werden viele Namen und Hintergrundinformationen präsentiert, doch ich hätte mir gewünscht, die Charaktere nach und nach im Fließtext genauer kennenzulernen, statt in geballter Form gleich zu Beginn.

Willy Schad hat unübersehbar intensiv recherchiert. Seine Beschreibungen sind überaus genau - ob es um Taktiken, Ausrüstung oder die psychische Belastung der Soldaten geht. Unterstützt wird der Text durch zahlreiche Abbildungen von Waffen und Fahrzeugen, die Lesenden helfen sollen, sich die Szenerien besser vorzustellen. Für Superinteressierte gibt es am Ende nochmals Kurzbeschreibungen von Fahrzeugen und Ausrüstungen zum Nachlesen.

Doch gerade diese Detailfülle wirkte auf mich stellenweise eher distanzierend als eindringlich. Trotz dieser sachlichen Präzision gelang mir persönlich nicht, eine tiefere emotionale Verbindung zu den Protagonisten aufzubauen. Und obwohl man einige der Figuren über einen längeren Zeitraum begleitet, hat mich letztlich nur ein einziger Schicksalsschlag wirklich berührt.

Durch die hohe Informationsdichte kam mir die menschliche Seite teilweise zu kurz kommt. Wer eine narrative, persönlichere Annäherung an das Thema erwartet, könnte sich schwerer damit tun, gefühlsmäßig tief einzutauchen.

Wer sich intensiv mit den strukturellen Abläufen in Kriegsgebieten und der Realität von Frontsoldaten beschäftigen möchte, findet in diesem Buch eine fundierte, sachliche Darstellung. Es ist kein emotionsgeladenes Werk - auch wenn einzelne Passagen emotional berühren -, sondern eher ein analytischer Blick auf das Thema Krieg.

Für mich bleibt „Die Wege des Krieges“ ein Buch, das ich mit gemischten Gefühlen gelesen habe. Ich bin froh, es nicht vorschnell beiseitegelegt und so einen tiefen Einblick in die Arbeit und Gedankenwelt derjenigen erhalten zu haben, die für andere ihr Leben riskieren.

»Ich glaube, wir machen das, um ein Zeichen zu setzen. Um einen nachhaltigen Weltfrieden zu prägen und Menschen, die keine Chance gegen Unterdrückung und Gewalt haben, das Signal zu senden: 'Ihr seid nicht vergessen!' Deswegen!« (67%)

©2025 Mademoiselle Cake