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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.05.2024

Ein wichtiger Grundbaustein

Untenrum frei
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75 / 100
ein Thema, dessen etliche Vorurteile schon im Vorwort entkräftet werden, insgesamt angenehm unaufgeregt, durchmischt mit Seitenhieben und plötzlichen „Leseklößen“ im Hals (wenn also mitten im ...

75 / 100
ein Thema, dessen etliche Vorurteile schon im Vorwort entkräftet werden, insgesamt angenehm unaufgeregt, durchmischt mit Seitenhieben und plötzlichen „Leseklößen“ im Hals (wenn also mitten im Text abrupt die Stimmung kippt und die Arbeit durch die Zeilen besonders mitnehmend ist), guter Lesefluss, lädt zum Nachdenken und Neulesen ein

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Mach dir selbst eine BILD

Ich war BILD
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72 / 100
Ich mache keinen Hehl daraus und folge auch keinem unbedingten Dogma, jedoch empfinde ich die BLÖD mit ihren überdiemensionierten Lettern samt ihrer Konsorten als einen furchtbaren Einfluss auf ...

72 / 100
Ich mache keinen Hehl daraus und folge auch keinem unbedingten Dogma, jedoch empfinde ich die BLÖD mit ihren überdiemensionierten Lettern samt ihrer Konsorten als einen furchtbaren Einfluss auf die deutsche Medienlandschaft. Mit dem vorliegenden Buch versucht der Ex-Chefredakteur Kai Diekmann mit gewohnter, aber doch milder Offensive ein einigermaßen differenziertes Bild (!) von sich, der Zeit und der Zeitung zu zeichnen. Dabei geht er auf ausgewählte Ereignisse in seiner Laufbahn genauer ein und lässt die Lesenden an weniger bis unbekannten Hintergründen teilhaben.

Es wird direkt deutlich, dass der Autor ein Händchen fürs Schreiben hat, denn die größten Teile des Buchs sind (selbst wenn man zeitlich keine Anknüpfungspunkte mit einzelnen Themen hat) sehr fesselnd und unterhaltsam. Er schreibt über Treffen mit Spitzenpolitikern (bisweilen auch Autokraten und Despoten), persönliche Affronts und der Eskalation, die er selbst wie Barbra Streisand ausgelöst hat sowie skandalöse Verquickungen wie etwa die Causa Wulff.

Bei aller Selbstkritik und Selbstironie darf man natürlich nicht übersehen, dass das Buch kaum Stories enthält, in denen eine kritische Auseinandersetzung von Diekmann mit sich selbst notwendig gewesen wäre oder er berechtigt Ärger abbekommen hat (da dürfte es in rund 15 Jahren an der Spitze durchaus einige Situationen gegeben haben; ich erinnere nur an Oslo, die Loveparade, Peter Lustig,...).

Wenn man sich damit arrangiert, hat das Buch einen vergleichsweise hohen Mehrwert. Im Kontext kann man sich anschauen, wer danach den Posten in der Chefredaktion übernommen hat und inwieweit ein Buch aus anderen Händen aussehen und sich lesen würde… vermutlich wäre es irgendwas mit einer Wiener, nach der niemand gefragt hat – nicht wahr, Jules, du alter Stecher?

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Das eine Leben, das wir haben

Ein wenig Leben
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73 / 100
Der Hype war (und ist?) groß um dieses Buch. Wie viele Stimmen habe ich dazu gehört und gesehen, wie schrecklich, wie traurig, wie niederschlagend die Story sei, jedoch gespickt mit erhebenden, ...

73 / 100
Der Hype war (und ist?) groß um dieses Buch. Wie viele Stimmen habe ich dazu gehört und gesehen, wie schrecklich, wie traurig, wie niederschlagend die Story sei, jedoch gespickt mit erhebenden, lebensbejahenden Momenten. Entsprechend hoch war meine Erwartungshaltung und – nun ja, zum größten Teil wurde sie doch erfüllt.

Die Gesamtgeschichte ist einfühlsam erzählt, wobei ich immer wieder den Eindruck hatte, dass sich die Autorin in Details und der Ausformulierung von Kleinigkeiten versteigt, die die Story nicht voranbringen. Auch das Verschieben des Fokus’ vom Freundschaftsgeflecht hin zu einer einzelnen Figur ist etwas bedauerlich, obgleich dem Einzelschicksal durchaus viel Platz zukommen darf. Die sehr zersplitterte Erzählweise mit extrem vielen Zeit- und Perspektivsprüngen muss man mögen, das gilt auch für die genauen Hintergründe der Hauptfigur, die zwar schon früh erkennbar, jedoch über das gesamte Buch verteilt sind.

Was mich wirklich etwas stört, ist dieser nicht endende Fluss von Ungerechtigkeiten und üblen Dingen, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Musste ich doch anfangs und über die Mitte immer wieder schlucken und gelegentlich mit den Tränen kämpfen, wirkte es ab einem gewissen Punkt leider sehr künstlich und der inhaltliche Bruch zum letzten Fünftel hatte ehrlich gesagt den Charakter einer reinen Plakativität, nur um alles noch zu toppen. Auch dass die Figuren kaum eine der erzählten Zeit angemessene sprachliche Entwicklung durchleben und im Buch der Satz „Es tut mir leid“ so oft wie noch nirgendwo fällt, war etwas befremdlich.

Darüber hinaus ist es aber ein durchaus ergreifendes, lesenswertes Stück Geschichte, das alle möglichen Berge und Täler durchläuft und einen bleibenden Eindruck hinterlassen dürfte.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Ein Buch für jeden Menschen

Jede_ Frau
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70 / 100
Es ist bei diesen Themen jedes Mal dasselbe Problem: Wie fachlich und tiefgründig darf ein Buch sein, dass man einerseits nicht inhaltlich überfordert wird und andererseits auch noch etwas lernen ...

70 / 100
Es ist bei diesen Themen jedes Mal dasselbe Problem: Wie fachlich und tiefgründig darf ein Buch sein, dass man einerseits nicht inhaltlich überfordert wird und andererseits auch noch etwas lernen kann, auch wenn man sich schon mit der Thematik beschäftigt hat? Ich bilde mir ein, dass ich schon etwas zu weit bin, um im großen Stil neue Dinge zu erfahren. Dafür bietet das Buch einen ziemlich barrierefreien Einstieg in das Thema (und ich denke, das ist auch der wichtigere Aspekt).

Auch dieses Buch ist für das Verständnis sexualisierter Gewalt richtig und wichtig. Besonders im Fokus bleibt wohl das überaus kurze Kapitel zur Popkultur, bei dem manche Menschen aus den falschen Gründen anfangen zu schäumen. Wieder kann ich mich jedoch des Eindrucks nicht erwehren, dass die Autorin beim Verfassen mitunter große Pausen gemacht hat und dadurch regelmäßig inhaltliche Wiederholungen im Text auftreten (wobei sie nicht in der Schriftstellung zuhause ist, wie sie im Nachwort betont).

Am Ende bleibt der Eindruck, dass dieses Werk wohl wieder überwiegend von Personen rezipiert wird, die sich ohnehin damit beschäftigen wollen – und leider nicht von jenen, die sich damit beschäftigen sollten.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Vergangenheitsbewältigung

Für immer im Kopf
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70 / 100
Manchmal sind es die grundsätzlichen Dinge im Leben, über die man sich keine großen Gedanken macht, weil sie einen nicht praktisch tangieren. Das fängt an beim Abholen des Mülls (wo kommt der ...

70 / 100
Manchmal sind es die grundsätzlichen Dinge im Leben, über die man sich keine großen Gedanken macht, weil sie einen nicht praktisch tangieren. Das fängt an beim Abholen des Mülls (wo kommt der hin, was passiert genau damit?), geht über das Aufdrehen des Wasserhahns (wie kommt das Wasser zu mir, wo kommt es her?) bis hin zu Themen, die noch wesentlich weniger trivial sind.

Eines dieser Themen, nämlich das Retten und Bewahren von Leib und Leben (oder schlimmstenfalls das Bewahren anderer vor dem visuellen Unheil), behandelt dieses Buch. Wolfgang Ising lässt ausgewählte Fälle seiner Zeit als Feuerwehrmann Revue passieren und lässt die Lesenden vergleichsweise ungehemmt an tragischen, brisanten und gefährlichen Momenten teilhaben. Das ist spannend für alle, die den Wunsch nach demselben Beruf haben oder einfach wissen wollen, wie der Alltag in diesem Berufsfeld unter anderem aussehen kann.

Dass man als verwöhnter Leser bei jeder Geschichte auf Hintergründe und/oder letzte Konsequenzen wartet, ist ein wenig problematisch, denn häufig lösen sich die geschilderten Situationen nicht vollständig auf und es bleibt allenfalls eine Mutmaßung. Das ist ganz natürlich und doch etwas unzufriedenstellend (sprachs als Außenstehender).

In jedem Fall lesenswerte Lektüre, um seinen eigenen Horizont zu erweitern und sich mal wieder in Dankbarkeit zu üben.

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