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Veröffentlicht am 21.08.2025

Zeitreise im Fesselballon: Achtziger, wie sie keiner im Schulbuch erzählt

Ausblicke vom Fesselballon
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Manchmal liest man ein Buch und denkt sich: Huch, das fühlt sich so nah an, dass man beinahe den Kaffeefleck auf dem Lehrerpult riecht. Lothar Bremer, dieser Gymnasiallehrer aus Hürth, ist so einer. Er ...

Manchmal liest man ein Buch und denkt sich: Huch, das fühlt sich so nah an, dass man beinahe den Kaffeefleck auf dem Lehrerpult riecht. Lothar Bremer, dieser Gymnasiallehrer aus Hürth, ist so einer. Er steckt in seiner Lebenskrise fest wie ein Kaugummi unter dem Schultisch. Job zermürbend, Ehe knirschend, Tochter abwesend – und er selbst? Er läuft durch Köln, als würde er dort Antworten zwischen Domblick und Kölschglas finden. Spoiler: Meistens findet er nur neue Fragen.

Aber genau das macht den Reiz. Dieter Kühn hat hier kein Hochglanzportrait eines „Helden“ hingelegt, sondern einen ziemlich ehrlichen, manchmal fast nervigen, aber dadurch unglaublich menschlichen Typen. Ich habe mich beim Lesen mehrfach ertappt: Da sitzt man kopfschüttelnd da und denkt „Mensch Lothar, lass das doch einfach!“ – um im nächsten Absatz stillschweigend zuzugeben, dass man selbst schon mal ähnlich halb kluge Auswege gesucht hat.

Besonders spannend ist der Zeitgeist. Die frühen Achtziger, politisch aufgeladen, voller Demos, Umweltangst, Beziehungs-Experimente. Und man merkt beim Lesen: Eigentlich sind wir immer noch an denselben Fronten unterwegs. Nur dass wir statt auf dem Marktplatz heute in Kommentarspalten protestieren. Kühn beschreibt das alles so detailgenau, dass man fast denkt, er habe heimlich in einem Fesselballon über Köln notiert, was unten los ist.

Natürlich hat das Buch auch Längen. Manchmal mäandert der Text, verliert sich in intellektuellen Ausflügen, die man als Leser eher übersteht, als dass man sie genießt. Aber unterm Strich: eine packende Zeitreise, die überraschend frisch wirkt, trotz Retro-Flair. Vier Sterne, weil es mich nicht komplett weggeblasen hat, aber definitiv klüger und ein bisschen nostalgisch zurückgelassen hat.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Schweiß, Fluchen und Glücksmomente – Rick Zabel hautnah

On the Road
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Radfahren als Lebensgefühl – das ist wohl die Essenz von Rick Zabels Buch. Wer glaubt, hier eine reine Heldengeschichte eines Profis präsentiert zu bekommen, liegt daneben. Stattdessen gibt es ehrliche ...

Radfahren als Lebensgefühl – das ist wohl die Essenz von Rick Zabels Buch. Wer glaubt, hier eine reine Heldengeschichte eines Profis präsentiert zu bekommen, liegt daneben. Stattdessen gibt es ehrliche Einblicke in ein Leben, das von Qualen, Schweiss und manchmal auch vom totalen Frust geprägt ist – und gerade dadurch richtig spannend wird. Es fühlt sich an, als würde man mit Zabel im Sattel sitzen: hochkeuchen, fluchen, lachen und trotzdem immer wieder aufs Rad steigen.

Zabel schreibt direkt, locker und mit einem Humor, der einem das Lächeln mitten ins Gesicht tackert. Klar, er ist nicht der große Seriensieger à la Tour-de-France-Legende, aber genau das macht ihn sympathisch. Hier erzählt einer, der das Durchhalten, das Teamwork und die Liebe zum Sport feiert, auch wenn die ganz großen Trophäen nicht im Regal stehen. Seine Selbstironie tut dabei richtig gut – denn Hand aufs Herz: Wer will schon das hundertste Heldengedöns lesen, wenn man auch mal die harten und absurden Seiten des Radfahrerlebens serviert bekommt?

Natürlich gibt’s auch mal Stellen, die sich etwas ziehen – wie eine gefühlt endlose Bergetappe. Da denkt man kurz: Jetzt bitte einen Energieriegel und Abfahrt! Aber dann kommt gleich wieder eine Anekdote oder ein Gedanke, der so treffend ist, dass man das Buch nicht zur Seite legen mag.

Am Ende bleibt ein Gefühl wie nach einer langen Radtour: kaputt, zufrieden und irgendwie glücklich. Man spürt die Leidenschaft, die Hingabe und das kleine Quäntchen Wahnsinn, das diesen Sport so faszinierend macht. Vier Sterne, weil es mich wirklich gepackt hat – und ein Sternchen Abzug für die ein, zwei Passagen, die wie ein Platten im Lesefluss wirken. Trotzdem: Eine Fahrt, die sich lohnt.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Rache, Rage und jede Menge Gänsehaut

Das Beste sind die Augen
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So ein Buch hat mir echt mal wieder die Birne durchgepustet. Monika Kim wirft einen mitten in eine Mischung aus Horror, Wut und Gesellschaftskritik, die ich so schnell nicht verdauen konnte. Jiwon ist ...

So ein Buch hat mir echt mal wieder die Birne durchgepustet. Monika Kim wirft einen mitten in eine Mischung aus Horror, Wut und Gesellschaftskritik, die ich so schnell nicht verdauen konnte. Jiwon ist keine Heldin im klassischen Sinne, sondern eher eine tickende Zeitbombe, und genau das macht die Geschichte so faszinierend. Da ist dieser schmierige Freund der Mutter, der permanent Grenzen überschreitet, und ich habe mich mehr als einmal beim Lesen erwischt, wie ich am liebsten selbst eingegriffen hätte. Der Roman spielt unverschämt gut mit Themen wie Fetischisierung, Rassismus und toxischen Beziehungen, ohne dabei den Spannungsfaktor zu verlieren.

Natürlich ist es auch ganz schön blutig, was dem Ganzen einen morbiden, fast schon befreienden Kick verleiht. Gleichzeitig war ich beeindruckt, wie Kim es schafft, diese Gewalt mit einer gewissen Leichtigkeit und fast schon schwarzem Humor zu erzählen. Manchmal dachte ich: „Das ist so übertrieben, das darf ich eigentlich nicht genießen.“ Tja, hab ich trotzdem. Die Kapitel rauschen wie ein Fiebertraum an einem vorbei, mal klar, mal surreal, aber immer mit Sog.

Ganz ehrlich: Zwischendurch hätte ich mir ein bisschen weniger Wiederholung in Jiwons inneren Monologen gewünscht. Da dreht sich manches doch etwas zu oft im Kreis. Trotzdem habe ich mich nie gelangweilt, eher im Gegenteil – ich war dauernd gespannt, was sie als Nächstes anstellt. Die Übersetzung liest sich flüssig und bringt die bissige Schärfe super rüber.

Insgesamt ist „Das Beste sind die Augen“ ein feministischer Horrorbiss, der mitten ins Fleisch geht und noch lange nachwirkt. Kein Wohlfühlroman, kein leichter Snack, sondern eine wilde Mischung aus Schock und Genugtuung. Vier Sterne von mir – weil es mich heftig gepackt hat, auch wenn ich manchmal gern die Pausentaste gedrückt hätte.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Dämonen, Dolche und eine Prise Chaos an der Black Bird Academy

Black Bird Academy - Töte die Dunkelheit
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An der Black Bird Academy ist wirklich alles ein bisschen anders – und das meine ich nicht nur wegen der Dämonen, Dolche und Kerker. Schon der Start hat mich direkt reingezogen, auch wenn ich erst mal ...

An der Black Bird Academy ist wirklich alles ein bisschen anders – und das meine ich nicht nur wegen der Dämonen, Dolche und Kerker. Schon der Start hat mich direkt reingezogen, auch wenn ich erst mal genauso verwirrt war wie Leaf, als sie im Kerker aufwacht. Die Idee mit einer Schule für Exorzisten, kombiniert mit düsterer Fantasy und einem Hauch Dark Academia, hat bei mir sofort den Nerv getroffen. Falco als Trainer ist ein spannender Charakter, auch wenn er manchmal so geheimnisvoll tut, dass man ihn am liebsten schütteln würde.

Die Dynamik zwischen Leaf und ihm ist witzig, spritzig und an manchen Stellen richtig unterhaltsam – auch wenn ich gestehen muss, dass die Spice-Szene für mich wie ein Fremdkörper wirkte. Sie kam einfach an einer Stelle, wo ich lieber mehr Spannung als heiße Luft gehabt hätte. Was die Handlung angeht, war vieles leider schon früh absehbar, trotzdem habe ich mich gut unterhalten gefühlt.

Besonders cool fand ich die inneren Dialoge zwischen Leaf und der Stimme in ihrem Kopf – da blitzt oft dieser freche Humor durch, der mir gefällt. Die Atmosphäre der Academy ist schön düster, die Welt könnte für meinen Geschmack aber noch ein bisschen mehr Tiefgang vertragen. Der Schreibstil ist locker und liest sich schnell weg, perfekt für ein Buddyread, den ich zusammen mit @lesefieber und @imbuecherrausch richtig genossen habe.

Die Mischung aus Mystery, Fantasy und Romantik funktioniert, auch wenn ich mir an ein paar Stellen etwas mehr Überraschung gewünscht hätte. Für Fans von Dämonen-Action und frechen Hauptfiguren ist das Buch trotzdem absolut lesenswert. Die Charaktere haben Ecken und Kanten, was sie sympathisch macht, auch wenn sie manchmal Entscheidungen treffen, bei denen man sich an den Kopf fasst. Am Ende war es für mich ein gelungener Ausflug in die Black Bird Academy – mit kleinen Schwächen, aber definitiv mit Unterhaltungswert. Deshalb solide vier Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Lebensratgeber mit Herz, Humor und ein bisschen Chaos

We Can Do Hard Things
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Manchmal stolpert man über ein Buch, das sich anfühlt wie ein Gespräch mit guten Freunden – nur dass diese Freunde zufällig Glennon Doyle, Abby Wambach und Amanda Doyle heißen und jede Menge kluge Gäste ...

Manchmal stolpert man über ein Buch, das sich anfühlt wie ein Gespräch mit guten Freunden – nur dass diese Freunde zufällig Glennon Doyle, Abby Wambach und Amanda Doyle heißen und jede Menge kluge Gäste mitbringen. "We Can Do Hard Things" ist so eine Art Life-Guide, der weder oberlehrerhaft noch kitschig rüberkommt. Stattdessen kriegt man hier ehrliche, oft sehr persönliche Geschichten, garniert mit einer Prise Humor und einer ordentlichen Portion „Du schaffst das“.

Die Themenpalette reicht von Herzschmerz über Freundschaft bis hin zu den ganz großen Lebenskrisen – und irgendwie schafft es das Trio, dass man sich dabei ertappt, zustimmend zu nicken, als säße man mit ihnen am Küchentisch. Besonders gefallen hat mir, wie offen sie auch ihre eigenen Tiefpunkte ansprechen, ohne den Zeigefinger zu heben. Es fühlt sich mehr wie ein Austausch auf Augenhöhe an, als hätte man ein paar sehr weise, aber herrlich unperfekte Kumpels.

Natürlich sind manche Kapitel intensiver als andere – ein paar Passagen wirkten für meinen Geschmack etwas zu langatmig oder drehten sich im Kreis. Trotzdem steckt fast auf jeder Seite ein Satz, der hängen bleibt und sich wie ein kleiner Leuchtturm im Kopf festsetzt. Die vielen Gaststimmen bringen zusätzlich frischen Wind rein, auch wenn man nicht jeden Promi sofort kennt.

Die Übersetzung liest sich angenehm flüssig, ohne dass der Witz und die Wärme der Originalstimmen verloren gehen. Wer also Lust auf ein Buch hat, das keine Patentlösungen verspricht, sondern ehrliche Gedanken, gute Geschichten und den Mut, auch mal den eigenen Mist anzuschauen, ist hier goldrichtig. Es ist ein Mutmacher, ein Gesprächspartner und manchmal auch ein Spiegel, den man gar nicht unbedingt sehen wollte – und genau deshalb so wertvoll.

Kleine Abzüge gibt’s, weil nicht jede Anekdote den gleichen Drive hat. Trotzdem hat mich dieses Buch über viele Seiten hinweg zum Nachdenken, Schmunzeln und Kopfnicken gebracht. Und wer weiß – vielleicht ist es am Ende sogar ein kleiner Reiseführer durchs eigene Chaos geworden.

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