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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2023

Ausschweifend und langatmig

Inmitten der Nacht
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In einem Ferienhaus treffen zwei amerikanische Familien aufeinander. Clay und Amanda haben das Haus für sich und ihre Kinder gemietet, um New York für die Zeit ihres Urlaubs entfliehen zu können. Doch ...

In einem Ferienhaus treffen zwei amerikanische Familien aufeinander. Clay und Amanda haben das Haus für sich und ihre Kinder gemietet, um New York für die Zeit ihres Urlaubs entfliehen zu können. Doch plötzlich stehen die Eigentümer des Hauses vor der Tür. Draußen bahnt sich ein Sturm an und in der Stadt geht etwas Unbeschreibliches vor sich, das die Ängste aller schürt.

Im Zentrum von “Inmitten der Nacht” steht ein unspezifisches Unglück, das das Unterbewusste unserer Zeit an die Oberfläche drängen lässt. Die Figuren versuchen, den Stromausfall, das Zusammenbrechen der Infrastruktur, die merkwürdigen Geräusche und das Erscheinen von Tieren in ihrem Garten mithilfe der Ängste zu erklären, die sich tief in ihnen verankert haben: Terrorismus, 9/11, ein Angriff aus Nordkorea oder dem Iran und ein Atomunfall.

Gleichzeitig erzählt der Roman die Geschichte eines Aufeinandertreffens von sozialen Schichten, von Rassen und Generationen, die in ihrer Angst vereint sind und die unwillkürlich, fast gegen ihren Willen, zusammenwachsen und zusammenhalten, um der feindlichen Außenwelt etwas entgegensetzen zu können.

Rumaan Alam versucht in seinem Roman eine Geschichte zu erzählen, die durchaus Potential hat. Doch seine Art des Erzählens ist zu ausschweifend und zu langatmig, um dem Kern der Geschichte gerecht werden zu können.

Alam verliert sich in Beschreibungen, in unnötigen Details und vor allem in Vergleichen, die man nur als störend empfinden kann. Adjektive sind überpräsent und manche Andeutungen zu plump. Anstatt Spannung und Atmosphäre aufzubauen, verhindern sie sie: “Da hing etwas in der Luft, eine vage Bedrohung.”

Der Erzählstil verläuft sich in Nichtigkeiten, in Nebensätzen, in sinnlosen Beschreibungen, die überflüssig sind und den Lesefluss stören. Es hätte dem Roman gut getan, wenn er sich auf das Wesentliche konzentriert hätte, sich auf seine Grundidee besonnen hätte und diese atmosphärischer und klüger ausgebaut hätte.

Die letzten fünfzig Seiten sind wohl das Beste an diesem Buch. Von ihnen ausgehend hätte ein Roman entstehen können, der wahrscheinlich dem Anspruch, ein Thriller zu sein, gerechter geworden wäre. Inhaltlich und in ihrer Aussage erinnern sie allerdings sehr stark an das Ende von Cormac McCarthys “Die Straße” und vielleicht ist es auch nur diese Assoziation, die es schafft, dass sie sich vom Rest des Buches abheben.

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Veröffentlicht am 05.02.2023

Nicht anspruchsvoll, aber auch nicht schlecht

The Man I Never Met – Kann man lieben, ohne sich zu kennen?
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Ein Anruf bei der falschen Nummer: So lernen sich Davey und Hannah kennen. Was als Zufall beginnt, wird zu einer Fernbeziehung, die aus Nachrichten, Anrufen und Videocalls besteht. Davey lebt in Texas, ...

Ein Anruf bei der falschen Nummer: So lernen sich Davey und Hannah kennen. Was als Zufall beginnt, wird zu einer Fernbeziehung, die aus Nachrichten, Anrufen und Videocalls besteht. Davey lebt in Texas, Hannah in London. Doch Davey wird für seinen Job nach London ziehen. Darauf fiebern die beiden hin. Ihre Fernbeziehung wird damit ein Ende haben. Als Hannah Davey jedoch am Flughafen abholen möchte, kommt dieser nicht an...

Ich mochte die Ausgangssituation von „The Man I Never Met“: Zwei menschen, die sich über Nachrichten und Anrufe kennenlernen. Es hat mich ein bisschen an „Gut gegen Nordwind“ erinnert. Letztlich hat der Roman viel weniger Tiefe entwickelt und auch das Briefromanelement, oder in diesem Fall besser das Kennenlernen durch Telefonate, hat nicht so einen großen Raum eingenommen, wie ich es mir erwünscht hätte. Klischees und nicht ganz nachvollziehbares Verhalten der Figuren dürfen ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

Trotzdem: „The Man I Never Met“ ist kein schlechter Unterhaltungsroman. Für kalt Winterabemde, an denen man einfach mal was ganz Leichtes mit wenig Anspruch braucht, ist der Roman ganz in Ordnung.

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Veröffentlicht am 14.01.2023

Liebe, Alltag und Schicksalsschläge

Die Liebe an miesen Tagen
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Clara hat ihren Job als Fotografin bei einer Zeitung verloren, kümmert sich um ihre demente Mutter und schwelgt in Erinnerungen an ihren früh verstorbenen Mann.

Elias ist Schauspieler, mit Vera liiert ...

Clara hat ihren Job als Fotografin bei einer Zeitung verloren, kümmert sich um ihre demente Mutter und schwelgt in Erinnerungen an ihren früh verstorbenen Mann.

Elias ist Schauspieler, mit Vera liiert und hat eine Tochter aus einer früheren Beziehungen. Als die beiden sich ein kleines Haus auf dem Land anschauen, dass sie sich nicht leisten können, treffen Elias und Clara, die Hausbesitzerin erstmals aufeinander.

Vom ersten Moment an fühlen sich Clara und Elias zueinander hingezogen. Bei einer Premierenfeier, auf der sie sich zufällig wieder begegnen, verknüpfen sich ihre Lebenswege untrennbar miteinander. Sie reden, fahren durch die nächtliche Stadt, schauen sich den Nachthimmel von der Sternwarte aus an.

Doch bald schon bricht der ganze normale Alltag in diese anfangs zu magische Liebesbeziehung ein und Clara und Elias müssen gemeinsam versuchen, Hindernisse zu überwinden.

"Das ist jetzt nicht wahr, dachte Clara, als sie die Treppen zu ihrer Wohnung hochstieg, dass kann echt nicht sein. Was für ein Scheiß. Ich habe mich verliebt."

Nachdem "Der große Sommer" eines der schönsten Bücher war, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, muss ich aus Neugier und in der Hoffnung darauf, wieder einen solch großartigen Roman zu entdecken, auch stets die neuen Bücher von Ewald Arenz lesen. Mit "Die Liebe an miesen Tagen" wurde diese Hoffnung jedoch leider nicht erfüllt.

Die Handlung habe ich als zu simpel und vorhersehbar empfunden. Die Dialoge vermögen nicht zu überzeugen, bleiben zuweilen plump und nur wenig glaubwürdig. Der Sprache mangelt es an Finesse und auch die Figuren entwickeln sich nach kurzer Zeit nicht weiter, bleiben flach und statisch. Insgesamt wirkt die Erzählung fast schon plakativ und erfüllt für mich leider nicht die Kriterien von guter Unterhaltungsliteratur.

Das ist aus mehreren Gründen bedauernswert. Zunächst weil Ewald Arenz ein großes Erzähltalent hat. Mit "Der große Sommer" und auch mit "Alte Sorten" hat er es unter Beweis gestellt. Und auch in "Die Liebe an miesen Tagen" gibt es durchaus immer wieder Stellen, an denen eben jenes Talent durchblitzt. Schließlich ist es auch deshalb schade, weil die der Geschichte zugrunde liegende Idee (Liebe auf den ersten Blick, der Alltag bricht in die Beziehung ein, usw.) das Potential für einen guten Unterhaltungsroman in sich birgt.

Fazit: "Die Liebe an miesen Tagen" hat mich leider nicht überzeugen können. Doch trotzdem werde ich Ewald Arenz in Zukunft treu bleiben und werte diesen Roman daher als Ausrutscher.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Belanglos

Moscow Mule
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Karina und Tonya sind Studentinnen im Moskau der Nullerjahre. Es sind ihre Träume, die die beiden miteinander verbinden: Sie wollen ausbrechen und in den Westen auswandern, am liebsten nach Deutschland. ...

Karina und Tonya sind Studentinnen im Moskau der Nullerjahre. Es sind ihre Träume, die die beiden miteinander verbinden: Sie wollen ausbrechen und in den Westen auswandern, am liebsten nach Deutschland. Denn dort, glauben sie, wartet ein besseres Leben auf sie.

Vorab: Ich habe das Buch abgebrochen. Meine Einschätzung bezieht sich also nur auf das erste Drittel des Romans.

Maya Rosa reiht in "Moscow Mule" Episoden aus dem Leben ihrer beiden Hauptfiguren aneinander, die sich treiben lassen und von ihren Hoffnungen für die Zukunft beflügelt werden. Ihr Erwachsenwerden ist verknüpft mit gesellschaftlichen Strukturen, mit einem immer autokratischer werdenden Russland, mit familiären Umständen, mit dem Wunsch nach Freiheit und mit dem großen Drang nach Unbändigkeit.

All das wirkt jedoch unausgereift und wird nur oberflächlich wiedergegeben. Der Geschichte fehlt es an Tiefe, an Inhalt und auch in sprachlicher Hinsicht fehlt es meines Erachtens nach an Schliff und Finesse.

Mein Eindruck von den ersten hundert Seiten ist leider von so viel Belanglosigkeit und Langeweile geprägt, dass ich den Roman nicht weiterempfehlen kann.

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Veröffentlicht am 20.05.2025

Keine literarischen Italien- und 60er Jahre-Feelings

Teddy
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Emily Dunlays Debütroman „Teddy“ spielt in den 60er Jahren in Rom. Teddy ist die Protagonistin, die sich, das erfahren wir gleich zu Beginn, einem Verhör unterziehen muss. In Rückblenden erzählt Teddy ...

Emily Dunlays Debütroman „Teddy“ spielt in den 60er Jahren in Rom. Teddy ist die Protagonistin, die sich, das erfahren wir gleich zu Beginn, einem Verhör unterziehen muss. In Rückblenden erzählt Teddy davon, wie sie nach der Heirat mit David, einem amerikanischen Botschaftsangestellten, nach Rom gezogen ist. Sie hat sich dadurch einen Neuanfang erhofft, wollte ihrer Rolle als Haus- und Ehefrau gerecht werden. Doch die Ehe und der Alltag mit David bekommen schnell Risse. Und als Teddy dann allmählich Zugang zur High Society Roms erlangt, droht ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit sie einzuholen.

Der Plot, das kann man, denke ich, behaupten, klingt durchaus vielversprechend. Und eigentlich hätte der Roman auch der Zeug dazu gehabt, zu fesseln. Denn so vieles stimmt auf dem Papier: der historische Hintergrund (Kalter Krieg), das Setting (Rom in den 60ern), die Kritik an patriarchalen Strukturen und am Frauenbild der Zeit und eine Protagonistin, die genau damit zu kämpfen hat…

Doch leider ist der Funke nicht übergesprungen. Denn trotz dieser interessanten Elemente, hat es an vielem gemangelt. Der Erzählstil war fast durchgängig ausufernd und dadurch viel zu zäh. Hinzu kam, dass die Persönlichkeit der Protagonistin bis zum Ende relativ eindimensional geblieben ist. Auch ihre Unzuverlässigkeit als Erzählerin hat das nicht ändern können. Das ist vor allem deshalb schade, weil Teddy die Figur sein soll, durch die die Kritik am Patriarchat und an den weiblichen Rollenbildern gespiegelt wird. Aber weil sie keine Bezugsfigur ist, wird es den Leser:innen schwer gemacht, in die erzählte Welt hineinzufinden.

Leider ist „Teddy“ kein Roman, der das liefert, was er verspricht. Literarische Italienfeelings ebenso wie eine packende Story sollte man sich daher lieber woanders suchen.

Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann.

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