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BrigittesitztinderMitte

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.09.2025

Die ewige Angst vor dem Älterwerden

Wir werden jung sein
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Nacheinander lernen wir sie kennen: vier unterschiedliche Menschen, zwei Männer und zwei Frauen, die an völlig anderen Punkten im Leben stehen. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Sie sind Probanden für ...

Nacheinander lernen wir sie kennen: vier unterschiedliche Menschen, zwei Männer und zwei Frauen, die an völlig anderen Punkten im Leben stehen. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Sie sind Probanden für eine Medikamentenstudie. Dieser neue Wirkstoff hat allerdings eine ungeahnte Nebenwirkung: Wer das Mittel einnimmt, wird immer jünger. Was sich anfänglich als toller Effekt und hilfreich zeigt, sorgt mit der Zeit für Probleme und läuft immer weiter aus dem Ruder. Der Stoff hat für die Testpersonen ganz unterschiedliche Auswirkungen. Die Wissenschaftler verfrachten die vier Probandem auf die Iso-Station, um die Kontrolle zu behalten und damit nichts an die Öffentlichkeit sickert. Doch das Quartett plant heimlich die Flucht...

Maxim Leo ist ein rasantes Meisterstück gelungen, in dem er gekonnt die vier Lebensstränge verknüpft und zur Gruppe zusammenwachsen lässt. Gleichzeitig ist es eine gnadenlose Abrechnung mit dem Anti-aging Hype von Medizin, Kosmetik und Wellnessindustrie. Die Leserschaft muss sich auch selbstkritisch der Frage stellen, wie weit wir persönlich bereit sind, diesem Tend zu folgen.

Veröffentlicht am 25.09.2025

Die Kraft der Worte

33 Wörter, die dein Leben verändern
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Noch so ein Ratgeber, der einem das Ewiggleiche erzählt und vorschreibt, wie ich zu leben habe. Ich gebe zu, dass das einer ersten Gedanken war, als ich dieses Buch in den Händen hielt. Ich wurde jedoch ...

Noch so ein Ratgeber, der einem das Ewiggleiche erzählt und vorschreibt, wie ich zu leben habe. Ich gebe zu, dass das einer ersten Gedanken war, als ich dieses Buch in den Händen hielt. Ich wurde jedoch positiv überrascht!

Bereits die Gestaltung der ansprechend aufgebauten, gut strukturierten Kapitel und die wunderschönen Farbtöne animieren zum Umblättern. Wir erfahren, welche Macht einzelne Wörter haben können. Wie sie zielgerichtet eingesetzt unsere Achtsamkeit, unser Mindset und damit auch unser persönliches Wohlbefinden im Alltag positiv beeinflussen. Doch auch in der Kommunikation mit Anderen kann die richtige Wortwahl ein Gewinn sein. Du wirst diese 33 Wörter fortan hoffentlich ganz anders sehen und bewusster verwenden.

Tipp: Das Buch muss nicht zwingend in genau dieser Reihenfolge gelesen werden, sondetn Du kannst Dir auch einfach einzelne Wörter herauspicken und lesen. Das macht dieses Sachbuch zu einem idealen Nachttischbuch, mit dessen Energie wir bekanntlich schlafen gehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.09.2025

Fiktive Politikerin, die mir sympathisch war

Die Frau der Stunde
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Bonn, Bundesrepublik Deutschland, Ende der Siebziger Jahre. Die liberale Bundestagsabgeordnete Catharina Cornelius wird völlig unerwartet Aussenministerin und Vizekanzlerin der Republik. Sprachgewandt, ...

Bonn, Bundesrepublik Deutschland, Ende der Siebziger Jahre. Die liberale Bundestagsabgeordnete Catharina Cornelius wird völlig unerwartet Aussenministerin und Vizekanzlerin der Republik. Sprachgewandt, selbstbewusst und eloquent betritt sie männliches Hoheitsgebiet und muss sich ihren Status mühsam erkämpfen.

Catharina ist Intelligent, scharfsinnig und ausgezeichnet mit einem Gespür für Menschen jeglicher Gesinnung, dazu ordentlich trinkfest und kettenrauchend. Die Ernennung in das Amt ist eine Zäsur in ihrem politischen und persönlichen Leben - es gibt fortan nur noch ein Davor und Danach. Sie ist nun eine gläserne Person und wird von allen Seiten mit Argusaugen beobachtet. Keinen Misstritt darf sie sich mehr leisten, denn die Luft ist dünn dort oben und Fehltritte werden nicht verziehen - schon gar nicht einer Frau. Auch ihre Liaison mit einem Journalisten könnte zum Stolperstein werden. Die innen- und aussenpolitische Lage ist äusserst schwierig. Die richtigen Schachzüge bei der komplexen Koalitionsbildung sind zu treffen, Entscheidungen in der EG-Politik stehen an und im Iran zeichnet sich ein Machtwechsel an, der auch seine Schatten nach Westeuropa wirft. Unerschütterlich bleibt jedoch Catharinas Freundschaft zu zwei Frauen, die sie durch Dick und Dünn begleiten.

Die Autorin schafft es, der Leserschaft ein realistisches und lebendiges Bild eines bewegten Jahrzehnts zu vermitteln. Unso beeindruckender, da sie selbst aufgrund ihres Jahrgangs keine eigenen Erinnerungen an diese Zeit haben dürfte. Besonders schön fand ich auch die geschilderte tiefe Frauenfreundschaft, welche den Protagonistinnen Halt gibt. Danke auch für die musikalischen Ohrwürner, die ich eine Weile nicht mehr loswurde.

Veröffentlicht am 30.08.2025

Ein Leben implodiert

Aufsteiger
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Felix Licht, 48, verheiratet, eine Tochter, rackert sich seit 20 Jahren in der Geschäftsleitung eines einflussreichen Deutschen Wochenmagazins ab. Alles hat er bisher seiner Karriere untergeordnet: die ...

Felix Licht, 48, verheiratet, eine Tochter, rackert sich seit 20 Jahren in der Geschäftsleitung eines einflussreichen Deutschen Wochenmagazins ab. Alles hat er bisher seiner Karriere untergeordnet: die Ehe, seine Familie und seine Gesundheit kamen immer erst nach der wichtigen Arbeit. Mit bedingungslosem Ehrgeiz und blinder Treue folgte er immer seinem Mentor. Als dieser die Redaktion verlässt, ist für Felix der Weg frei, um endlich den freigewordenen Sessel des Chefredakteurs einzunehmen. Damit hat er nämlich die letzten Jahre fix gerechnet und in Annahme dessen sogar bereits einen Lebensstil gewählt, der über seine Verhältnisse geht.

In Erwartung seiner feierlichen Beförderung erhält er im Büro des Verlegers stattdessen die Mitteilung, dass jemand anders gewählt wurde. Ausgerechnet die 20 Jahre jüngere Feministin Zoe Rauch, mit der ihn eine pikante gemeinsame Vergangenheit verbindet, wird seine neue Chefin. Statt der neue gefeierte Stern der Deutschen Medienlandschaft zu sein, steht Felix plötzlich alleine da, Weggefährten lassen ihn fallen wie eine heisse Kartoffel. Ihm wird bewusst, wie dünn die Luft dort oben ist und wie einfach jeder ersetzbar ist. Die Lage spitzt sich zu und gipfelt in einem hochdramatischen Finale.

Dieser Roman ist intelligenteste und pure Unterhaltung. Nicht einen einzigen langweiligen Hänger habe ich zu bemängeln. Alles ist dabei: Macht- und Ränkespiele, menschliches Drama und die gesamte Bandbreite der Themen, die unsere Gesellschaft derzeit bewegen. Dazu die wichtige Frage, wie weit Medien gehen dürfen und was politisch korrekter Journalisums sein soll. Peter Huth ist meine persönliche Entdeckung als kluger Beobachter und pointierter Erzähler mit messerscharfer Feder.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.08.2025

entwurzelt

Meine Mutter
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Wer war meine Mutter? Diese Frage stellt sich die Autorin urplötzlich, obwohl die Mutter schon seit Jahren tot ist. Die Leserschaft erfährt auf den ersten Seiten gleich direkt und ohne abfedernde Umschweife, ...

Wer war meine Mutter? Diese Frage stellt sich die Autorin urplötzlich, obwohl die Mutter schon seit Jahren tot ist. Die Leserschaft erfährt auf den ersten Seiten gleich direkt und ohne abfedernde Umschweife, dass sowohl die Mutter als auch die Schwester durch Suizid gestorben sind. Man erkennt bereits die gewählte Erzählsprache: direkt, ehrlich, sachlich und schonungslos. Alleine schon der erste Satz ist ein Fausthieb - mutig, diesen gewählt zu haben, auch wenn er nicht von der Autorin selbst stammt.

Zeitlebens hatte die Autorin zur Mutter ein distanziertes Verhältnis. Entrückt, unnahbar, dramatisch oder depressiv nahm sie diese wahr. Sie begreift, dass sie auf der Suche nach der Mutter die ganze Ahnenlinie freilegen muss, zurück bis zum Ursprung. Wir reisen in einen Luftkurort im heutigen Polen. Die Mutter lebte dort ihre ersten zehn Lebensjahre, damals gehörte die Region Niederschlesien zu Deutschland. Die Familie des Mädchens führte dort ein Sanatorium. Wir befinden uns in den Wirren des 2. Weltkrieges. Hunger, Verluste, Leid und schliesslich die Vertreibung nach Kriegsende prägten die Menschen, die sich entwurzelt und traumatisiert inmitten von neu gezogenen Grenzen fanden.

Mit viel Geschick entwirrt die Autorin eine sehr vorbelastete Familiengeschichte und beleuchtet parallel dazu das enorme Kriegsleid, das Millionen Menschen getroffen hat. Durch die nüchterne Sprache werden auch grausame Details des Krieges ohne Effekthascherei veranschaulicht. Besonders eindrücklich werden das Machtvakuum und die Orientierungslosigkeit in den ersten Tagen nach Kriegsende geschildert.

Ich habe den Roman innert Kürze gelesen und bin tief beeindruckt von der Offenheit der Autorin. Mit emotionsarmer Sprache werden hier umso mehr Emotionen geweckt. Bei diesem Inhalt, mit dem die Leserschaft hier konfrontiert wird, möchte ich noch anregen, dass das Anbringen einer entsprechenden Triggerwarnung sinnvoll gewesen wäre.