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Veröffentlicht am 13.09.2025

Schein und Sein

Bestie
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Joana Junes Debütroman "Bestie" wirft einen schonungslosen Blick auf das Leben junger Frauen in ihren Mittzwanzigern – eine Generation, die scheinbar alles perfekt inszeniert, dabei aber innerlich leer ...

Joana Junes Debütroman "Bestie" wirft einen schonungslosen Blick auf das Leben junger Frauen in ihren Mittzwanzigern – eine Generation, die scheinbar alles perfekt inszeniert, dabei aber innerlich leer bleibt. Die Geschichte spielt in Hamburg und wechselt zwischen den Perspektiven von Anouk und Lilly, zwei Frauen, die verzweifelt nach Bestätigung, Liebe und Aufmerksamkeit suchen, dabei aber kaum echte Gefühle oder Vertrauen zulassen. Als Lilly, die eigentlich Delia heißt, bei Influencerin Anouk einzieht, um sich ein neues Leben aufzubauen, beginnt zwischen den beiden eine Beziehung, die zunächst weder echte Freundschaft, noch mangelndes Desinteresse beinhaltet.

Die Autorin zeichnet ein Bild von Selbstoptimierung und Oberflächlichkeit: Schönheitsoperationen, Filler, Botox und die ständige Inszenierung in sozialen Medien prägen den Alltag der Figuren. Doch hinter dem makellosen Äußeren steckt Leere; echte Probleme werden kaum geteilt, und der ständige Drang nach Bestätigung machte mir die Figuren extrem unsympathisch.

Der Stil von Joana June ist dabei durchaus bemerkenswert: verspielt, pointiert und sprachlich kreativ. Gerade diese Leichtigkeit im Erzählstil hielt mich bei der Stange, obwohl ich mit den Figuren selbst kaum mitfühlen konnte, ihre überspielten Unsicherheiten und ständige Selbstinszenierung wirkten von Beginn an abstossend auf mich. Die Handlung blieb für meinen Geschmack stellenweise dünn, und die Interludes erschlossen sich mir nicht vollständig. Gegen Ende wurde die Geschichte sehr wild, fast so, als wollte die Autorin unbedingt „höhere“ Literatur fabrizieren. Hier hätte weniger mehr sein können.

Der Titel "Bestie" ist doppeldeutig gewählt und passt gut zur Thematik von Schein und Sein. Trotz einiger Schwächen ist das Buch als Debüt solide und der Stil der Autorin lässt Potenzial für die Zukunft erkennen. Allerdings wird mir die Story vermutlich nicht lange im Gedächtnis bleiben.

Insgesamt hinterlässt Bestie einen zwiespältigen Eindruck: Sprachlich stark, inhaltlich oberflächlich. Für Leserinnen und Leser, die sprachliche Experimente schätzen und einen Blick auf die Oberflächenwelt sozialer Medien werfen möchten, lohnt sich die Lektüre – emotionale Nähe zu den Figuren sollte man jedoch nicht erwarten.

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Herbstliche Stimmung mit unausgereifter Story

Royals of Nightfall. Dämonenfluch (Royal Shadows 1)
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Inhalt: Kaum jemand weiß über die britische Königsfamilie so gut Bescheid wie Felicia. Als Royal Secret Girl bloggt sie täglich über die Ups und Downs im Buckingham Palace und begeistert Hunderttausende ...

Inhalt: Kaum jemand weiß über die britische Königsfamilie so gut Bescheid wie Felicia. Als Royal Secret Girl bloggt sie täglich über die Ups und Downs im Buckingham Palace und begeistert Hunderttausende von Fans. Doch dann wird Felicia mitten in London von einem Dämon angegriffen und kommt nur knapp mit dem Leben davon. Glück im Unglück, denn ihr geheimnisvoller Retter lässt beim Kampf mit der Kreatur ein Amulett fallen, das Felicia hinter das bestgehütete Geheimnis der Stadt bringt: Die Royal Guards sind in Wahrheit Londons Dämonenjäger und ihr Beschützer niemand Geringeres als Prinz Jasper selbst. Ausgerechnet er soll sie nun im Kampf gegen das Übernatürliche ausbilden, nicht ahnend, wer Felicia wirklich ist …

„Royals of Nightfall“ startet mit viel Action, aber leider konnte mich der Beginn nicht wirklich packen. Er wirkte auf mich zu überhastet und insbesondere die Einführung der Figuren war mir zu holprig. Die Charaktere waren teilweise schwer greifbar und mit den beiden Hauptfiguren bin ich leider gar nicht warm geworden. Jasper wirkt zunächst sehr pseudocool, beinahe aufgesetzt, aber durch die Einblicke in seine Perspektive wird er wenigstens etwas nahbarer. Dennoch blieb er für meinen Geschmack teilweise noch distanziert, und die Chemie zwischen ihm und Felicia kam für mich nicht wirklich rüber. Felicia selbst empfand ich als oft naiv und unbesorgt, selbst angesichts der Dämonenangriffe – das wirkte unrealistisch und stört den Lesefluss.

Die Dämonen-Thematik und die einzelnen Erzählstränge fand ich spannend, jedoch blieb die Story insgesamt eher oberflächlich. Viele Wendungen waren vorhersehbar, Logikfehler häuften sich und manche Szenen wirkten zu schnell abgehandelt. So entstand bei mir der Eindruck, dass die Geschichte unausgereift ist. Auch die Handlung um Felicias Royals-Blog und die Beziehungen der Charaktere untereinander folgte teils typischen Klischees, die nicht hinterfragt wurden.

Positiv hervorzuheben ist, dass Julia Kuhn einen angenehmen Schreibstil hat, der trotz der Schwächen leicht lesbar ist. Die wechselnden Perspektiven zwischen Felicia und Jasper waren interessant, hätten aber noch intensiver genutzt werden können. Besonders gefallen haben mir die kleinen Details, wie die ein oder andere Geisterszene oder auch das herbstliche Setting – dadurch kam bei mir richtiges Herbst- und Halloween-Feeling auf.

Allerdings wirkten einige explizite Szenen für ein Jugendbuch überladen und passten nach meinem Dafürhalten nicht zur jugendlichen Zielgruppe. Auch die Beziehungsgestaltung zwischen den Hauptfiguren wirkte gehetzt, und viele Handlungsentscheidungen erschienen unlogisch.

Insgesamt hat „Royals of Nightfall“ eine interessante Grundidee und ein stimmungsvolles Setting, aber die Umsetzung ließ stellenweise zu wünschen übrig. Wer den Schreibstil der Autorin mag, könnte trotzdem Freude am Lesen haben, doch mich konnte die Geschichte bisher nicht voll überzeugen. Ich bin gespannt, wie es im nächsten Band weitergeht, vor allem, weil andere Figuren im Fokus stehen werden.

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Momente der Erinnerung

Say You’ll Remember Me
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Inhalt: Was für Samantha nur ein letzter unterhaltsamer Abend in Minneapolis werden sollte, erweist sich als das beste Date aller Zeiten – und als ein riesiger Fehler. Denn sie und der auf den ersten Blick ...

Inhalt: Was für Samantha nur ein letzter unterhaltsamer Abend in Minneapolis werden sollte, erweist sich als das beste Date aller Zeiten – und als ein riesiger Fehler. Denn sie und der auf den ersten Blick abweisende Tierarzt Xavier sind ein Match Made in Heaven. Nicht nur, dass er extrem gut aussieht, er pflegt tagtäglich süße Katzenbabies gesund, arbeitet ehrenamtlich für die Hunderettung, und dann stellt er sich auch noch seinen Gefühlen und kann zugeben, wenn er im Unrecht ist.

Kurz: Xavier ist alles, was Sam sich jemals von einem Partner gewünscht hat.

Das Problem: Direkt am Morgen nach ihrer ersten Verabredung zieht Sam ans andere Ende der USA, da sie sich um ihre an Demez erkrankte und pflegebedürftige Mutter kümmern muss. Die beiden werden sich also niemals wiedersehen.

Und eine Fernbeziehung kommt gar nicht in Frage – aber sie bekommen einander einfach nicht aus dem Kopf.

Denn keine Entfernung oder Zeit der Welt könnten sie dazu bringen zu vergessen, was sie hatten.

Abby Jimenez hat in diesem Buch sehr authentisch die Herausforderungen dargestellt, die mit der Pflege eines Angehörigen einhergehen. Diese Thematik fand ich besonders stark und berührend umgesetzt. Die Liebesgeschichte war zwar für mich persönlich nicht zwingend notwendig, sie war aber durchaus süß erzählt und hat die Handlung abgerundet. Richtig gefesselt hat mich die Liebesgeschichte aber leider nicht.

Gut gefallen hat mir der Wechsel der Perspektiven zwischen den beiden Hauptfiguren Xavier und Samantha. Dadurch konnte ich mich besser in beide hineinversetzen und ihre Sichtweisen nachvollziehen. Auch der Sprachstil war angenehm leicht, sodass man der Geschichte gut folgen konnte.

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und war positiv überrascht: Beide Stimmen der Hörbuchsprecher waren sehr angenehm und haben die Geschichte lebendig wirken lassen.

Insgesamt fand ich das Buch okay, auch wenn es für mich nicht ganz an die Qualität der vorherigen Romane von Abby Jimenez heranreicht. Wer ihre Bücher mag, wird aber sicherlich auch hier schöne Lesestunden haben.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Heilung durch Gebäck

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Lee Onhwas Roman „Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei“ entführt in eine magische Konditorei, die nachts ihre Türen für Menschen und Geister öffnet. Im Zentrum steht Yeonhwa, die nach dem Tod ihrer ...

Lee Onhwas Roman „Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei“ entführt in eine magische Konditorei, die nachts ihre Türen für Menschen und Geister öffnet. Im Zentrum steht Yeonhwa, die nach dem Tod ihrer Großmutter deren Konditorei erbt und sich plötzlich mit einer ungewohnten Verantwortung und einer geheimnisvollen Vergangenheit konfrontiert sieht.


Der Roman las sich flüssig und ich flog schnell durch die Seiten. Zu Beginn wirkte der Stil auf mich etwas gestelzt und betulich, was sich aber nach Yeonhwas Arbeitsbeginn in der Konditorei legte. Dennoch empfand ich eine gewisse Distanziertheit in der Erzählweise – ich konnte mit der Hauptfigur nicht wirklich warm werden und hätte mir mehr Einblicke in ihre Gefühlswelt gewünscht. Emotionale Wendungen, wie ihre Reaktion auf eine große Enthüllung, wurden zu schnell abgehandelt, sodass mich die Dramatik nicht voll erreichte.


Besonders berührt haben mich hingegen die Geschichten der Kunden wie etwa das Schicksal einer Mutter oder die stille Liebe eines Basketballspielers. Diese Episoden spiegelten eine wiederkehrende Thematik: das Schweigen. Immer wieder scheitern Beziehungen an unausgesprochenen Gefühlen oder Rücksichtnahmen, die das Leben tragisch beeinflussen. Das stimmte mich nachdenklich und wirkte wie ein sanfter Appell, offener miteinander zu kommunizieren. Gleichzeitig hat es mich aber in manchen Geschichten auch frustriert, weil das Gefühl blieb, ein Tod wäre durch offene Kommunikation verhinderbar gewesen.

Spannend waren auch die Einblicke in die koreanische Kultur, sei es durch Essgewohnheiten, Moralvorstellungen oder den Umgang mit Schicksal und Verlust. Gleichzeitig machte es mir der ungewohnte Wortschatz (viele Gebäcke, kulturelle Begriffe) nicht immer leicht. Ein Glossar hätte das Lesen erleichtert.

Während die Episoden der Gäste berührend waren, blieb die Rahmenhandlung um Yeonhwa für mich blass. Die magischen Elemente hätten für meinen Geschmack mehr Raum und Tiefe vertragen. Stattdessen wurden große Enthüllungen oft in wenigen Sätzen abgehandelt. Das „cosy“ Gefühl, das ich erwartet hatte, stellte sich nicht richtig ein.

Fazit: Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei ist ein leiser, poetischer Roman voller sanfter Lebensweisheiten. Er macht nachdenklich darüber, wie wichtig Kommunikation ist und wie flüchtig das Leben sein kann. Wer ruhige Geschichten mit einem Hauch Magie und Einblick in die koreanische Kultur schätzt, findet hier eine bereichernde Lektüre für Zwischendurch. Wer jedoch auf eine dichte Rahmenhandlung, tiefere Charakterzeichnung und konsequent ausgearbeitete Magie hofft, könnte enttäuscht werden.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Niedlich

Idefix und die Unbeugsamen 08
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Inhalt: Teutates sei Dank ist Idefix gewiefter, Turbine schneller und Dertutnix stärker als Zerberus und jeder aus seiner Wachmeute. Das hindert die Besatzer allerdings nicht am Versuch, eine römische ...

Inhalt: Teutates sei Dank ist Idefix gewiefter, Turbine schneller und Dertutnix stärker als Zerberus und jeder aus seiner Wachmeute. Das hindert die Besatzer allerdings nicht am Versuch, eine römische Ordnung in Lutetia herzustellen. Aber nicht, solange Idefix und seine Freunde noch ein Wörtchen mitzureden haben! Denn Hunde, die bellen, beißen auch – aber nur die Römer!

Ich lese die Asterix und Obelix Comics sehr gerne - Idefix im Zentrum des Geschehens der Comics kannte ich bisher nicht. Der Band besteht aus 3 Kurzgeschichten, die unterhaltsam und niedlich sind. Vom Gehalt her kommen sie an das Original jedoch nicht heran.

Ich habe viel Schmunzeln müssen - abgerundet wird das ganze mit den gewohnt guten Zeichnungen, die schon Asterix&Obelix weltbekannt gemacht haben.

Insgesamt ein vergnügliches Lesen für Zwischendurch!

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