Bewegende Geschichte
Großmutters GeheimnisDas Lesen des Romans lohnt sich schon allein wegen der Geschichte von Ruth, der Großmutter Alexanders, die sie gegen Ende des 20. Jahrhunderts nach Jahren des Schweigens mithilfe eines Recorders auf Kassetten ...
Das Lesen des Romans lohnt sich schon allein wegen der Geschichte von Ruth, der Großmutter Alexanders, die sie gegen Ende des 20. Jahrhunderts nach Jahren des Schweigens mithilfe eines Recorders auf Kassetten spricht. Es ist fast eine Biographie, angefangen mit den unbeschwerten Jahren der 1930er Jahre in Kopenhagen. Der Autor Benjamin Koppel beschreibt das Leben in einer jüdischen Großfamilie, in deren Alltag die Musik eine große Rolle spielt. Die liebevoll charakterisierten Familienmitglieder haben alle ihre Eigenarten. Mit der Annektion Dänemarks 1941 durch Nazi-Deutschland ändert sich alles zum Schlechten. Koppel vermag es geschickt, die sich immer stärker auswirkenden dramatischen Veränderungen nicht nur zu beschreiben, sondern spürbar zu machen bis hin zur Internierung von Ruth und ihrem Vater im Konzentrationslager Theresienstadt, dem Leben dort und der Befreiung aus der Haft.
Ruth, deren Kontakt nach Kopenhagen abgebrochen ist, bespricht die Bänder, während sie sich in einem amerikanischen Altenheim befindet. Auch das Leben dort wird vom Autor kritisch, aber trotzdem eher amüsant vermittelt.
In einem zweiten Erzählstrang geht es im Kopenhagen des Jahres 2015 um den Enkel Alexander, seine Lebensgefährtin Gry und seine Mutter.die egozentrische Lillian, Ruths Tochter. Nahezu alles dreht sich um den unerfüllten Kinderwunsch des jungen Paares und den mühsamen Weg, mithilfe künstlicher Befruchtung den Wunsch doch noch zu erfüllen. Die Ausführungen dazu sind nicht uninteressant, drehen sich aber langatmig mit Wiederholungen im Kreis und fallen gegenüber der Geschichte von Ruth deutlich ab. Ebenso wie das unbefriedigende Ende, in dem die Erzählstränge zusammen laufen.