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Veröffentlicht am 24.08.2025

Eine Familiengeschichte des ungarischen Adels

Lázár
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Der Familienroman 'Lázár' von Nelio Biederman ist eine Veröffentlichung, die durch seine klassische und altertümlichen Art nicht so recht ins Jahr 2025 zu passen scheint. Doch gerade diese Art der Erzählung ...

Der Familienroman 'Lázár' von Nelio Biederman ist eine Veröffentlichung, die durch seine klassische und altertümlichen Art nicht so recht ins Jahr 2025 zu passen scheint. Doch gerade diese Art der Erzählung und das inhaltlich Handeln des Romans, haben mich so vom Familienepos einer ungarischen Adelsfamilie überzeugt, der das ganze zwanzigste Jahrhundert umfasst.

Die Erzählung beginnt mit der Geburt von Lajos Lázár, der zur Jahrhundertwende auf dem Waldschloss der Familie, in dem seit Generationen nach den gleichen Regeln und Traditionen „geherrscht“ wird, geboren. Weitere Familienmitglieder werden als handelnde Figuren eingeführt. Die Eltern, die Schwester und der Onkel Lajos' Rücken in den Vordergrund. Mit dem Verkauf der Geschichte werden wir auch die Kinder Lajos', Eva und Pista, begleiten.
So verfolgen wir die Familie und ihre Schicksale ab Beginn des 20. Jahrhunderts, vor während und nach Kriegen.

Dabei bleibt es nicht nur bei Nacherzählung von Zeitgeschehnissen und Übermittlung der Familienbiografie.
Biederman schafft es feinfühlig die inneren Konflikte und Gefühle seiner Figuren auszumachen; ihre Träume, Zweifel, Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte zu übermitteln, sodass man ein besseres Verständnis der damaligen Zeit kriegt und eine überzeugende Entwicklung der Charaktere vorliegt. Das Mühsame, bei gewöhnlichen Geschichtsromanen, fällt dadurch weg.

Schriftlich ist der Roman angenehm gestaltet, wodurch man einen stetigen, ununterbrochen Lesefluss hat und sich vollkommen der Geschichte hingeben kann. Das hohe Tempo der Erzählung, erweist sich als notwendig, um dieser großflächigen Erzählung, gerecht zu werden. Es besteht normalerweise die Gefahr der Oberflächlichkeit, doch Biedermann versteht es, den Rhythmus zu halten, wodurch der Roman lebendig und verspielt wirkt.
Der Wechsel zwischen realistischen Schilderungen historischer Ereignisse und aus der Fantasie des Autors entsprungene Beigaben, zum Füllen der inhaltlichen Lücken, ist nahtlos.

Biedermann erfindet das Genre nicht neu, Erzählung zu Adelsfamilien während der Kriegs- und Nachkruegszeit gibt es viele, und doch schafft er ein souveränes Familienroman zu schreiben, dass einem nicht so schnell aus dem Kopf geht.

Doch die Geschichte wirkt zu konventionell, nicht zwingend notwendig für die Gegenwart, um langwierig zu sein. Und doch gerade diese Konventinelle gefällt mir, denn es wirkt nicht so zäh und erdrückend wie die herkömmlich notwendigen Überlieferungen des 20. Jahrhunderts.
Insgesamt ist 'Lázár' ein unterhaltsamer, mitreißender Roman, der gekonnt mit Figuren, Historie und Fiktion spielt.
Sehr empfehlenswert, vor allem für Geschichtsfans!

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Zwischen Absurdität und Realität - Was es heißt ein Mensch zu sein

Shark Heart
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Ein junges Ehepaar kriegt eine erschreckende Diagnose. In ihrer Welt können Menschen zu Tieren mutieren, ihr Körper verwandelt sich langsam in das eines Tieres und sie entwickeln animalische Instinkte, ...

Ein junges Ehepaar kriegt eine erschreckende Diagnose. In ihrer Welt können Menschen zu Tieren mutieren, ihr Körper verwandelt sich langsam in das eines Tieres und sie entwickeln animalische Instinkte, doch ihr Wesen und ihre Persönlichkeit bleibt erhalten.
Lewis, ein Schauspielehrer, der sich nie seinen Traum von einem Leben auf der Bühne erfüllen konnte, bekommt plötzlich die Diagnose, zu einem Carcharodon carcharia, einem weißen Hai, zu mutieren. Für ihn, aber auch für Gwen, seine Frau, gerät ihre ganze Welt aus den Fugen. Die Zukunft ist ungewiss und ihnen bleibt nicht mehr viel Zeit zusammen, bis die Mutation ihr Endstadium erreicht hat.
Der Roman hat es geschafft durch seine absurden und unkonventionellen Art, aber auch durch seine Feinfühligkeit mit Emotionen und seiner Nähe zur Realität, mich zu überzeugen. Für mich ist es ein Jahreshighlight von 2025.
Auch wenn die Prämisse etwas skurril klingt, sollte man sich auf jeden Fall auf das Buch einlassen. Der Roman zeigt, wie wichtig das Mebschsein ist und wie eine unheilbare Diagnose eine Familie, aber auch eine Realität auseinanderreissen kann.
Der Schreibstil von Emily Habeck ist flüssig, metaphorisch und eloquent, gefüllt voller Emotionen. Was mir wirklich sehr gefällt, ist dass die Autorin, die gesamte Geschichte in unterschiedlichen Textarten, wie Fußnoten, Szenenbeschreibungen, Gedichte und wechselnde Perspektiven, die den Roman, gekonnt Tiefe geben, sodass man jedes kleinste Gefühl spürt.
Ein weiterer sehr lobenswerter Teil der Geschichte ist, wie ausgiebig, die Welt in der Gwen und Lewis, ausgearbeitet wurde. Man kriegt reichlich Informationen zu den Mutationen, sodass man nicht das Gefühl hat, Lücken im Weltenaufbau zu haben.
Auch die Rückblenden wurden gekonnt in die ganze Geschichte reingearbeitet, sodass man erfährt, dass nicht nur Gwen's Ehemann, sondern auch ihre Mutter von einer Mutation betroffen war, und welches Auswirkungen es nun auf Gwen hat.
Das Buch endet offen und lässt viel Spielraim zum Mutmaßen hin, wie auch im echten Leben, wenn ein Stück deiner selbst fehlt.
'Shark Heart' ist eine Geschichte über Verluste, Veränderungen, Akzeptanz und Neuanfänge. Über Hoffnung, mit dem Wissen, dass Krisen unausweichlich sind.
Der Roman veranlasst Einem zu denken.
Was macht uns überhaupt menschlich?
Was bleibt dem Menschen, wenn sich sein Körper, in das eines Tieres verwandelt?
Was bleibt einem an Menschlichkeit, wenn seine ganze Identität und Realität ins wanken gerät?
Ein ganz besonderes und einzigartiges Buch, über das ich noch immer sinniere.
Ein echtes Lesehighlight des Jahres 2025!
Wirklich sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Ein klares Jahreshighlight für mich!

Der Gott des Waldes
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Zwischen hohen Bäumen und dichten Sträuchern liegt mitten in den Adirondack Mountains, in einem Naturreservat, ein Jugendferienlager, welches der reichsten Familie der Gegend, den Van Laars gehört. Alljährlich ...

Zwischen hohen Bäumen und dichten Sträuchern liegt mitten in den Adirondack Mountains, in einem Naturreservat, ein Jugendferienlager, welches der reichsten Familie der Gegend, den Van Laars gehört. Alljährlich werden in diesem Ferienlager Kinder und Jugendliche, vor allem reicher Familien, hingeschickt, wo sie sich innerhalb zwei Monaten mit den Umgangen mit der Natur und dem Überleben in der Wildnis beschäftigen. Erstmalig nimmt die dreizehnjährige Tochter der Van Laars, Barbara, im Jahr 1975 am Sommercamp teil. Doch gegen Ende der Saison verschwindet sie spurlos. Eine große Suchaktion wird gestartet, doch sie bleibt verschwunden. Was die Situation tragischer und auffälliger macht ist, dass ihr damals achtjähriger Bruder, Bear, vor 14 Jahren spurlos verschwunden und nie wieder aufgetaucht ist.

Die Geschichte hat mich bereits nach der ersten Seite in seinen Bann gezogen. Nicht nur waren die Charaktere vielfältig und interessant, getrieben von ihren eigenen Wünschen, mit ihren eigenen Träumen und Emotionen, oder die Geschichte sehr gut ausgearbeitet, dass ich bis zur Auflösung nicht wusste was Bear widerfahren ist und ob Barbara noch lebt, sondern auch, dass Liz Moore es phenomenal geschafft hat Spannung ohne viel Action zu schreiben. Die meiste Zeit konnte und wollte ich das Buch nicht zur Seite legen, sondern nur weiterlesen. Die Geschichte von Barbaras, sowie Bears Verschwinden war so gut ausgearbeitet, dass man das Gefühl hatte, selbst dabei zu sein.
Es ist wirklich, wie bereits durch die Auszeichnungen angedeutet, ein 'literarischer Thriller der Spitzenklasse'. Liz Moore hat es geschafft nicht nur einen spannenden Thriller zu schreiben, sondern hat es auch geschafft die Rolle eines raffinierten Gesellschaftsroman anzunehmen. Themen wie traditionelle Rollenmuster, Vorurteile gegenüber Frauen in männerdominierten Berufen und die Macht, die Reichtum und Status verleihen. Es schafft, die Ungerechtigkeit zwischen den verschiedenen sozialen Schichten zu verdeutlichen und mit was allem reicher und einflussreiche Leute davonkommen. Es ist ein brandaktuelles Thema, das der Geschichte an einiges an Tiefe verleiht.

'Der Gott des Waldes' würde ich als keinen klassischen konventionellen Thriller bezeichnen, sondern als ein ausgeklügelt konstruierten literarischen gesellschaftskritischen Kriminalroman beschreiben, der sich mit vielen wichtigen gesellschaftlichen Themen der damaligen, sowie heutigen Zeit beschäftigt.
Liz Moore hat es geschafft die perfekte Mischung eines spannenden Thrillers und eines raffinierten Gesellschaftsromans zu schreiben. Ich würde 'Der Gott des Waldes' wirklich jedem empfehlen, vor allem denen, die etwas wirklich Außergewöhnliches lesen wollen oder denen, die auf der Suche nach ihrem Jahreshighlight sind.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Tiefgründig, dringlich, aktuell

Russische Spezialitäten
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Bei dem Roman 'Russische Spezialitäten' handelt es sich um eine Biographie, in der der Autor eine ganz persönliche Seite des Kriegs zwischen der Ukraine und Russland veranschaulicht. In 'Russische Spezialitäten' ...

Bei dem Roman 'Russische Spezialitäten' handelt es sich um eine Biographie, in der der Autor eine ganz persönliche Seite des Kriegs zwischen der Ukraine und Russland veranschaulicht. In 'Russische Spezialitäten' erzählt Dimitrij Kapitelmann die Familiengeschichte seiner ukrainisch-russischen Familie.
1990 zieht er, als er noch ein Kind war, mit seiner Familie von Kiew nach Leipzig um. Dort eröffnet die Familie ihren eigenen Laden, welcher russische Spezialitäten verkauft. Den Laden besuchen nicht nur Deutsche, sondern auch die Nashi, andere Aussiedler, zu denen sie gegenseitig ein familiäres Verhältnis haben. Doch wegen COVID-19 und Problemen in der Familie wird der Laden, der zentrale Punkt in der Familie Kapitelmann, geschlossen. Nach Beginn des Kriegs wird das bereits etwas schwächere Verhältnis zu seiner Familie immer komplizierter.
Während dem Ablauf der Handlung der Geschichte erfahren wir vieles über die Vergangenheit und die Gegenwart des Lebens des Protagonisten und Autors. Sein persönliches Verhältnis zu seiner Muttersprache, seinem Heimatland, seinen politischen Standpunkt und Zerrissenheit zwischen seiner Familie und der Politik. Wie er sich immer mehr von den zunehmenden radikalen Weltanschauungen seiner Eltern entfernt. Schließlich reist er zur Ukraine um seiner Mutter zu verdeutlichen, was due Wahrheit ist.
Dimitrij Kapitelmann schafft es seine Gedanken und Gefühle so feinfühlig auszudrücken, dass man denkt, man hat einen Einblick in seinem tiefsten Inneren. Mehr über seine inneren Konflikte und seine Gedanken und Gefühle zu erfahren war für mich am interessantesten.

Dimitrij Kapitelmann hat einen sehr kreativen Schreibstil, an dem man sich ersteinmal gewöhnen muss. Er macht viel Anspielungen auf die russische Sprache und benutzt ukrainische und russische Ausdrucke im ganzen Roman. Ich liebte die Wortspiele, die er verwendet hat. Ich finde der Schreibstil spiegelt die Situation, denn dieser ist genau so anspruchsvoll und verwirrend wie die ganze Situation, in der sich Dimitrij befindet.

Ich fand die den Roman und wie Kapitelmann es geschafft hat, so persönlich über seine Auseinandersetzung zu dem Krieg, der Krieg selbst und seine Folgen auf die Menschen, selbst die, die kilometerweit entfernt sind. Die Nachricht, die Dimitrij Kapitelmann überbringen will, ist eindeutig; dieser Krieg ist, wie so viele, sinnlos, schmerzlich und entfremdent. Die Geschichte einer Person die nicht direkt vom Krieg betroffen ist, aber irgendwie auch doch schon is, fand ich sehr interessant.
Man spürt beim Lesen sofort, dass Dimitrij Kapitelmann seine innersten Emotionen und Erlebnisse auf Papier festgehalten hat. Ich fand das Buch sehr überzeugen und würde es jedem empfehlen, die einen Einblick in das Leben von Leuten, die indirekt vom Krieg betroffen sind.

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Veröffentlicht am 10.02.2025

Neue skurrile und bizarre Abenteuer in Gravity Falls

Willkommen in Gravity Falls - Verschollene Legenden
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Wer bereits die Show 'Willkommen in Gravity Falls' möchte, wird diese Comic-Buch lieben!
Ein Muss für alle Gravity Falls-Fans!

Das Buch und die Geschichten sind genau wie die Show: verrückt, übernatürliche, ...

Wer bereits die Show 'Willkommen in Gravity Falls' möchte, wird diese Comic-Buch lieben!
Ein Muss für alle Gravity Falls-Fans!

Das Buch und die Geschichten sind genau wie die Show: verrückt, übernatürliche, witzig, mystisch, geheimnisvoll und vor allem Eins, originell!
Man lernt neue skurrile Figuren kennen und trifft alte Bekannte. Vor allem ist es den Illustratoren und Alex Hirsch gelungen die Essenz der Serie gekonnt einzufangen, und daraus neue verrückt Abenteuer mit den beliebten Charakteren, im gleichen Zeichenstil wie in der Serie, zu machen.
Nicht nur Dipper, Mabel und co. gehen auf skurrile Abenteuer, mit Zwergen, Dämonen und verschiedenen Dimensionen, sondern man erfährt auch etwas über die Vergangenheit von Stan und Stanley.

Ich würde empfehlen, dass bevor man sich in die spaßigen Geschichten verliert, wissen sollte, dass alle Geschichten auf die Handlungen der Serie aufgebaut sind, sodass man sich dadurch Spoilern kann, oder keinen genauen Durchblick während des Lesens hat. Trotz dessen können auch Leute ohne vorherige Kenntnis Spaß am Lesen haben!

Das Buch ist ein Spaß für Jung und Alt, und wirklich jedem Gravity Falls-Fans zu empfehlen!

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