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Veröffentlicht am 14.05.2026

Eine Reise durchs Leben

Die Mitternachtsreise
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„Die Mitternachtsreise“ von Matt Haig ist nach „Die Mitternachtsbibliothek“ mein zweites Buch des Autors. Dabei stellt dieses Buch keine Fortsetzung der „Mitternachtsbibliothek“ dar. Beide Bücher stehen ...

„Die Mitternachtsreise“ von Matt Haig ist nach „Die Mitternachtsbibliothek“ mein zweites Buch des Autors. Dabei stellt dieses Buch keine Fortsetzung der „Mitternachtsbibliothek“ dar. Beide Bücher stehen quasi nebeneinander und behandeln unterschiedliche Fragen des Lebens.
Was beide Bücher verbindet, ist dieser besondere Schreibstil, der so ruhig, warm und voller kluger Gedanken und wunderschöner Zitate ist. Wieder stellt sich beim Lesen ganz automatisch die Frage, ob ich eigentlich das Leben lebe, das ich wirklich führen möchte?! Oder lasse ich mich von Erwartungen, Leistungsdruck und Ängsten einengen? Wofür möchte ich meine Zeit, Liebe und Energie wirklich einsetzen und welche Menschen dürfen mich dabei begleiten?
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Wilbur, der seit seiner Jugend Gefühle für Maggie hat. Der Prolog führt die beiden nach Venedig, direkt im nächsten Kapitel wird deutlich, dass Wilbur im Alter stirbt. Um in die Endlichkeit übergehen zu können, muss er sein Leben noch einmal durchleben, diesmal als Geist. Dabei wird ihm bewusst, welche Entscheidungen ihn geprägt haben, wo er Fehler gemacht hat, was schön war und was er vielleicht anders gemacht hätte, wenn er die Chance dazu gehabt hätte.
Gerade dieser Gedanke vom Reisen in die Vergangenheit und Dinge nochmal verändern zu können, macht das Buch so berührend. „Die Mitternachtsreise“ greift genau dieses Gefühl auf und vermittelt dabei gleichzeitig Mut das eigene Leben zu hinterfragen, sich zu entschuldigen, neue Wege einzuschlagen oder sich von Dingen zu lösen, die nicht mehr guttun.
Besonders gefallen haben mir die Figuren. Wilbur und Maggie waren sehr greifbar und nahbar geschrieben, aber auch Charlie ist mir unglaublich ans Herz gewachsen. Außerdem mochte ich, dass Bücher und das Lesen erneut eine große Rolle spielen - als lesender Mensch fühlt sich das einfach besonders schön an.
Für mich war „Die Mitternachtsreise“ eine wunderbare, tiefgründige und gleichzeitig leicht lesbare Geschichte, die sich überhaupt nicht gezogen hat. Ein Buch über Sinn, Reue, Liebe und die Frage, wie wir wirklich leben möchten. Ich habe jede Seite genossen und vergebe ganz klar fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Haus voller Herz

Pina fällt aus
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Nach meiner großen Begeisterung für „Ava liebt noch“ bin ich mit ein klein wenig skeptisch an „Pina fällt aus“ herangegangen. Meine Sorge bestand vor allem darin, ob dieses Buch mithalten kannst und die ...

Nach meiner großen Begeisterung für „Ava liebt noch“ bin ich mit ein klein wenig skeptisch an „Pina fällt aus“ herangegangen. Meine Sorge bestand vor allem darin, ob dieses Buch mithalten kannst und die Antwort ist ein klares: Ja!
Vera Zischke entführt uns in eine Hausgemeinschaft in der Hansastraße, die auf den ersten Blick vor allem eines ist: skurril. Die Bewohner wirken eigen, ein bisschen verschroben. Doch genau darin liegt die Stärke dieses Romans, denn je tiefer man eintaucht, desto mehr bröckelt dieser erste Eindruck. Hinter jeder Besonderheit steckt eine Geschichte, hinter jeder Eigenart ein Gefühl, das plötzlich ganz nah und verständlich wirkt.
Im Zentrum steht Leo, ein autistischer Jugendlicher, der mit seiner Mutter Pina in einer Wohnung innerhalb der Hausgemeinschaft lebt. Als Pina unerwartet ausfällt und ins Krankenhaus muss, wird die Hausgemeinschaft vor eine Herausforderung gestellt - Wer kümmert sich nun um Leo? Was zunächst Überforderung auslöst, entwickelt sich nach und nach zu etwas sehr Berührendem. Die Bewohner wachsen über sich hinaus, begegnen Leo - und letztlich auch sich selbst - mit immer mehr Offenheit, Geduld und Wärme.
Dabei erzählt der Roman nicht nur von Leo, sondern vor allem von den Menschen um ihn herum. Von Unsicherheiten im Umgang mit Autismus, von Vorurteilen, aber auch von der Fähigkeit, diese zu überwinden. Es geht um Inklusion im besten Sinne, nämlich als gelebte Menschlichkeit im Alltag. Um das Bemühen, Barrieren abzubauen und einander wirklich zu sehen.
Der Schreibstil ist dabei sanft, emotional und zugleich wunderbar zugänglich. Die Autorin schafft es, eine Atmosphäre zu erzeugen, in der man sich sofort aufgehoben fühlt. Auch wenn manche Szenen vielleicht etwas zugespitzt wirken, bleibt die Geschichte in ihrer Wirkung authentisch, insbesondere weil sie so viel Herz hat.
Besonders schön ist, dass die Figuren ausnahmslos an Herz wachsen. Selbst Charaktere, die zunächst schwierig erscheinen (z. B. der Busfahrer Harry) gewinnen an Tiefe und Sympathie.

„Pina fällt aus“ ist ein warmherziger Roman über Gemeinschaft, Verständnis und das leise Glück, wenn Menschen aufeinander zugehen. Ein Buch, das berührt, nachklingt und den Wunsch weckt, selbst Teil dieser Hausgemeinschaft zu sein.

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Veröffentlicht am 01.11.2025

Zeitzeugen aus Papier

Lebensbande
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„Lebensbande" von Mechthild Borrmann ist eines jener Werke, die an etwas erinnern, das niemals vergessen werden darf. Ich habe bereits viele Bücher gelesen, die während oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ...

„Lebensbande" von Mechthild Borrmann ist eines jener Werke, die an etwas erinnern, das niemals vergessen werden darf. Ich habe bereits viele Bücher gelesen, die während oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg spielen. Jedes davon berührte mich tief. Auch dieses Buch hat mich wieder spüren lassen, dass hinter jeder Erzählung ein Stück Wahrheit steckt. Quasi ein Echo echter Schicksale, die niemals nur Fiktion sind. Gerade deshalb fällt es mir immer schwer, ein solches Buch zu bewerten. Denn allein die Tatsache, dass AutorInnen wie Mechthild Borrmann diese Geschichten aufgreifen und bewahren, verdient höchste Anerkennung.
„Lebensbande" basiert auf realen Zeitzeugenberichten und das macht es umso bedeutsamer in einer Zeit, in der diese Stimmen nach und nach verstummen. Ich bin Anfang dreißig, und schon meine Großeltern können nur noch ein Teil dessen erzählen, was sie im Krieg oder ihre Eltern im Krieg erlebt haben, da sie noch Kinder waren. Umso wichtiger, dass solche Bücher existieren, damit die Erinnerung nicht versiegt.
Inhaltlich hat mich besonders die Geschichte von Lene und Leo bewegt - eine junge Frau, die um ihr Kind kämpft, dem in der damaligen Zeit „Schwachsinn“ diagnostiziert wurde. Als Sonderpädagogin hat mich dieses Thema besonders berührt, weil ich täglich mit Kindern arbeite, die Förderbedarf haben. Es ist erschütternd, sich vorzustellen, wie wenig Wert man damals auf das Leben solcher Menschen legte.
Daneben fand ich die zweite Ebene des Romans – die um Nora und Lotte – sehr spannend. Das Motiv, unter falschem Namen zu leben und sich eine neue Identität zu schaffen, um Schuld oder Vergangenheit zu verbergen, war für mich neu in dieser Form. Es zeigt, wie tief der Krieg in Biografien eingreift, selbst lange nach seinem Ende.
Trotz der inhaltlichen Stärke hat mich das Buch emotional nicht ganz so gepackt wie andere Romane ähnlicher Thematik. Das liegt weniger an der Geschichte selbst, sondern an der Erzählweise. Die Autorin erzählt vieles rückblickend, aus einer eher distanzierten Perspektive, mit wenig unmittelbarer Handlung. Ich hätte mir an manchen Stellen mehr Tiefe, mehr „Dabeisein“ gewünscht, stattdessen weniger Bericht, mehr Erleben. Dadurch blieb manches für mich etwas oberflächlich.

Dennoch ist „Lebensbande“ ein wichtiges Buch, welches man lesen sollte. Und dies nicht vorrangig, um eine berührende Geschichte zu erleben, sondern um sich zu erinnern. An Menschen, die gelitten, überlebt und weitergegeben haben, was wir heute wissen dürfen. Es ist ein stilles, respektvolles Mahnmal in Romanform.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Psychospiel im Eigenheim

Welcome Home – Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?
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Als langjähriger Fan von Arno Strobel habe ich mich sehr auf sein neues Buch „Welcome Home“ gefreut. Da mich sein vorheriges Werk nicht völlig überzeugen konnte, war die Hoffnung umso größer, diesmal wieder ...

Als langjähriger Fan von Arno Strobel habe ich mich sehr auf sein neues Buch „Welcome Home“ gefreut. Da mich sein vorheriges Werk nicht völlig überzeugen konnte, war die Hoffnung umso größer, diesmal wieder ein fesselndes Leseerlebnis zu bekommen. Genau das hat Strobel geliefert, denn schon nach wenigen Seiten war ich in der Geschichte gefangen.
Der Roman entfaltet eine düstere, fast beklemmende Stimmung. Die Handlung spielt in den Herbst- oder Wintermonaten, was die Schwere und Dunkelheit zusätzlich verstärkt. Es ist ein Buch, das ist nur ungern im Dunkeln gelesen habe, da sich das Grauen zu sehr einschleicht. Die Handlung spart nicht mit unheimlichen und auch blutigen Momenten. Für mich hat genau das den Thrill ausgemacht. Gerade weil Strobel die Grenze zwischen subtiler Angst und expliziter Gewalt so geschickt auslotet.
Besonders gelungen fand ich die detailreiche Aufmachung. Die beigefügte Karte verschafft Orientierung über die Nachbarschaft, die Häuser und ihre Bewohner. Dadurch wird das Geschehen greifbarer, fast so, als wäre man selbst Teil dieser Siedlung.
Zudem versteht es Strobel seine Leser:innen in die Irre zu führen. Immer wieder streut er falsche Hinweise, baut Verdachtsmomente auf und zerstört sie gleich darauf. Bis zum Schluss blieb unklar, wer tatsächlich hinter den grausamen Taten steckt. Dieses permanente Rätselraten hat mich so sehr gefesselt, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte, wenn dann nur aus Selbstschutz vor der düsteren Stimmung.
Die Geschichte wird vor allem aus Marcos Perspektive erzählt, ergänzt durch geheimnisvolle Einblicke aus einer zweiten Sicht. Diese Wechsel steigern die Spannung zusätzlich und machen die Handlung vielschichtig. Die Figuren sind nicht bloß Randgestalten, sondern haben Hintergründe und Verbindungen, die nach und nach aufgedeckt werden.
Wie gewohnt ist Strobels Stil rasant, klar und bildhaft. Das Buch liest sich flüssig, fast filmisch. Die falschen Fährten, die überraschenden Wendungen und die stetig wachsende Bedrohung machen es zu einem echten Pageturner.

Insgesamt hat Arno Strobel mich mit „Welcome Home“ wieder voll überzeugt. Ein packender Psychothriller, der alles bietet, was man von diesem Genre erwartet: Nervenkitzel, düstere Atmosphäre, ein clever konstruiertes Rätsel und eine tolle Auflösung.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Seiten voller Möglichkeiten

Die Mitternachtsbibliothek
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Es gibt Bücher, die liegen eine ganze Weile unbeachtet im Regal, bis sie genau im richtigen Moment ihren Weg in die Hände finden. So ging es mir mit "Die Mitternachtsbibliothek". Obwohl ich lange nicht ...


Es gibt Bücher, die liegen eine ganze Weile unbeachtet im Regal, bis sie genau im richtigen Moment ihren Weg in die Hände finden. So ging es mir mit "Die Mitternachtsbibliothek". Obwohl ich lange nicht dachte, dass jetzt die passende Zeit dafür sei, hat sich genau dieser Zeitpunkt als goldrichtig herausgestellt.
Die Grundidee des Buches hat mich sofort fasziniert - eine Bibliothek voller Bücher, in die man hineinschlüpfen kann, um alternative Leben auszuprobieren. Dieser Gedanke ist sowohl philosophisch als auch berührend. Dennoch empfand ich die Geschichte zu Beginn etwas zäh. Nora springt von einem Leben ins nächste, oft ohne zu wissen, wo sie sich gerade befindet und vor allem, welche Geschichte hinter ihrem neuen selbst steckt. Die macht es m.E. schwer, in dieser neuen Welten anzukommen und sie zu bewerten. Doch je mehr ich las, desto klarer wurde mir der Sinn dahinter. Besonders mochte ich die Figur von Mrs. Elm, der Bibliothekarin, die Nora mit einer ruhigen, weisen Art begleitet. Sie unterstützt Nora auch dabei, diese verschiedenen Alternativen-Leben zu hinterfragen. Ihre Worte sind dabei voller Trost und Lebensweisheiten, Sätze, die man beim Lesen festhalten möchte.
Ein zentrales Motiv des Buches ist das „Buch des Bereuens“. Dieser Gedanke hat mich tief bewegt, denn wer trägt nicht eine Sammlung an verpassten Chancen in sich? Matt Haig zeigt jedoch eindrücklich, dass dieses Buch nicht das letzte Wort haben darf, denn diese Momente des Bereuens sind oftmals durch die Erwartungen anderer an uns entstanden. Stattdessen geht es darum, das eigene Leben zu leben – aus Liebe zu anderen und vor allem aus Selbstliebe.
Im letzten Drittel hat mich die Geschichte vollends gepackt. Hier war ich emotional so berührt, dass ich beim Lesen Tränen in den Augen hatte. Noras Weg, ihre Reflektion über ihr Leben und die Erkenntnis, dass Fehler, Versöhnung und Neuanfänge zum Menschsein dazugehören, haben mich zutiefst getroffen. Diese Botschaft ist für mich auch persönlich wertvoll.
Matt Haigs Schreibstil ist klar, berührend und voller Lebensbejahung. Er schafft es, große philosophische Fragen in eine zugängliche, warmherzige Geschichte zu stecken. Die Mitternachtsbibliothek ist für mich ein Buch, welches mir im Kopf, im Herzen und vielleicht auch in meinem eigenen unsichtbaren Regal bleibt.
Ein großes Dankeschön an Matt Haig für diese Geschichte. Für mich ist dieses Buch ein echtes Herzensbuch.

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