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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2026

Seriös, aber oberflächlich

Die unheimliche Stille
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Der Physiker und bekannte Popularisierer von Wissenschaft Harald Lesch nimmt sich diesmal, gemeinsam mit Co-Autor Harald Zaun, des Themas Außerirdische an. Das beweist einen gewissen Mut, scheint dieses ...

Der Physiker und bekannte Popularisierer von Wissenschaft Harald Lesch nimmt sich diesmal, gemeinsam mit Co-Autor Harald Zaun, des Themas Außerirdische an. Das beweist einen gewissen Mut, scheint dieses doch unter seriösen Wissenschaftlern eher verpönt zu sein. Teilweise zu Unrecht, wie vor allem die erste Hälfte des Buches zeigt.
Die Autoren beschreiben, welche Versuche bisher unternommen wurden, um Hinweise auf außerirdische Intelligenzen zu entdecken oder selbst Signale an diese zu senden und wie kontrovers vor allem letzteres immer wieder diskutiert wurde. Dabei werden diverse Aspekte beleuchtet, wie das (aus Sicht der Autoren zu Unrecht so genannte) Fermi-Paradoxon oder ein mögliches Klassifikationsschema für außerirdische Zivilisationen. Die Darstellung wirkt fundiert, ist aber stellenweise trocken.
Der Rest des Buches ist dann spekulativer. Diverse potentielle Gründe für das „Schweigen“ der Anderen werden präsentiert und erläutert. Dies geschieht auf etwas flottere, teilweise humorvolle Weise. Die Erklärungsansätze werden jedoch ohne roten Faden aneinander gereiht und sind oft nicht gut voneinander abgegrenzt bzw werden eigentlich unterschiedliche Grundgedanken vermischt. Insgesamt liegt der Schwerpunkt eher auf negativen Szenarien in dem Sinn, dass das Universum ein gefährlicher Ort und es besser sei, nicht die Aufmerksamkeit von potentiell angriffslustigen Aliens zu erregen.
Alles in allem ist das Buch interessant, bleibt aber sehr an der Oberfläche. Mir hat vor allem eine Auseinandersetzung mit der Frage gefehlt, ob und unter welchen Voraussetzungen es die angeblichen Superzivilisationen (oder Leben als solches) im Universum überhaupt geben kann. Vielleicht besteht die Ursache der unheimlichen Stille ja schlicht darin, dass es niemanden gibt, der technisch weit genug fortgeschritten wäre, um sie zu brechen. Diese Möglichkeit wird kaum in Betracht gezogen. Außerdem ist der Inhalt schlecht strukturiert, beispielsweise sind die Gründe für das Schweigen wahllos auf drei Kapital verteilt.
Immerhin sind die Ausführungen leicht lesbar und streckenweise unterhaltsam. Es gibt aber bessere Bücher zu dem Thema.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Eintönige Reise nach Santiago

Die sieben Monde des Jakobus
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Dieser zweite Teil der Jakobsweg-Saga von Brigitte Riebe ist ca 300 Jahre nach dem ersten Teil („Die Straße der Sterne“) angesiedelt. Er startet im calvinistischen Genf und endet (wieder) in Santiago de ...

Dieser zweite Teil der Jakobsweg-Saga von Brigitte Riebe ist ca 300 Jahre nach dem ersten Teil („Die Straße der Sterne“) angesiedelt. Er startet im calvinistischen Genf und endet (wieder) in Santiago de Compostela.
1563: Die Witwe Clara muss gemeinsam mit ihrem Sohn Jakob aus Genf fliehen. Sie entschließt sich zu einer Pilgerreise ans Grab des von ihr verehrten Heiligen. Dabei begegnen die beiden diversen Menschen, insbesondere dem Lautenspieler und Feuerspucker Bruno, den seine Vergangenheit nicht loslässt, und der jungen Camille, die nicht weiß, wer ihre Mutter war.
Daneben wird auch die Geschichte eines jungen Mannes aus Peru erzählt, der als Sohn einer Inka und eines Konquistadors von klein auf mit Anfeindungen zurechtkommen und um seine Identität ringen muss.

Dieser Roman hat mir weniger gut gefallen als sein Vorgänger. Anders als der Klappentext suggeriert spielt dessen Inhalt hier übrigens keine besonders große Rolle. Pilar und Blanca werden hin und wieder mal erwähnt, aber ohne Details über ihre Lebenswege. Erst ganz am Ende tut sich ein gewisser Zusammenhang auf. Dies hat immerhin den Vorteil, dass es keine Spoiler gibt und die beiden Bände unabhängig voneinander gelesen werden können.
Der historische Hintergrund (die Verfolgung von Hexen und „Ketzern“, die Stellung des Scharfrichters in der Gesellschaft, die Eroberung des Inkareiches durch die Spanier etc) wäre interessant und einige der Denk- und Verhaltensweisen, die hier portraitiert werden, regen zum Nachdenken an.
Die Handlung fließt jedoch weitgehend ohne besondere Höhepunkte dahin und ist im Wesentlichen vorhersehbar. Auch sind die Protagonist(inn)en eher langweilig und schablonenhaft gezeichnet. Trotz ihrer grundsätzlich ergreifenden Schicksale konnte ich keine Beziehung zu ihnen aufbauen, weshalb mich beispielsweise die (ohnehin wenig überraschenden) Enthüllungen aus Brunos und Camilles Vergangenheit nicht wirklich berührten.
Die einzige Ausnahme bildet Luis, dessen übersinnliche Fähigkeiten zwar unrealistisch wirken, der aber ein spannender Charakter ist. Die Schilderungen aus seiner Jugend in Peru bilden außerdem einen interessanten Kontrast zum frühneuzeitlichen Europa.
Alles in allem trotz des grundsätzlich interessanten Settings kein Buch, das man gelesen haben muss, sondern eher ein uninspirierter Abklatsch des Vorgängers. Vielleicht wollte die Autorin zu sehr an dessen Erfolg anknüpfen.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Über weite Strecken langweilig

Der Tod der dreckigen Anna
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1974: Ein pfälzisches Dorf wird von einem Verbrechen erschüttert. Die 72-jährige Anna Hager, die nach dem Tod ihrer Schwestern allein in einem verwahrlosten Haus gelebt hat, wurde auf brutale Art ermordet. ...

1974: Ein pfälzisches Dorf wird von einem Verbrechen erschüttert. Die 72-jährige Anna Hager, die nach dem Tod ihrer Schwestern allein in einem verwahrlosten Haus gelebt hat, wurde auf brutale Art ermordet. Nach außen hin geben sich alle Bewohner überzeugt, dass es keiner aus dem Dorf gewesen sein kann, doch zumindest eine von ihnen hegt insgeheim Zweifel. Da bei den Ermittlungen der Polizei nicht viel herauskommt, wächst die Angst vor einer weiteren Tat.
Eingeschobene Rückblicke ins „Davor“ beleuchten die Vergangenheit der Hager-Schwestern wie auch ihrer Nachbarschaft, einschließlich des Mörders.


Gerade darin liegt aber das Hauptproblem: Man kann schon bald erahnen, wer der Täter ist, und nach vielleicht der Hälfte steht es praktisch fest. Dies müsste noch nicht zwangsläufig negativ sein. Doch weder ist der ermittelnde Kommissar ein „Inspektor Columbo“ (obwohl er sich Mühe gibt), noch taugt die Darstellung des Dorfes und seiner Bewohner als „Milieustudie“ oder ähnliches. Die auftretenden Personen sollen pfälzer „Typen“ repräsentieren, wirken jedoch häufig überzeichnet und ebendeshalb nicht authentisch. So manche Gedanken und Verhaltensweisen sind nicht nachvollziehbar.
Über weite Strecken gestaltet sich die Lektüre daher eher langweilig. Erst im letzten Viertel kommt doch noch ein bisschen Spannung auf und gibt es ein paar Überraschungen.

Insgesamt konnte mich dieser Roman jedoch nicht packen. Obwohl er von einem wahren Kriminalfall inspiriert wurde, wirkt er außerdem irgendwie unrealistisch. Was schade ist, denn in der Geschichte wäre mehr drinnen gewesen.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Interessanter Roman mit einigen Längen und Ungereimtheiten (und in fragwürdiger Übersetzung)

Das Reich der Mitte
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Anders als vom Klappentext behauptet, erstreckt sich die Handlung dieses Romans nicht bis in die Gegenwart, sondern deckt „nur“ den Zeitraum von 1839 bis ca 1908 ab. Auch dieser hat aber einiges zu bieten, ...

Anders als vom Klappentext behauptet, erstreckt sich die Handlung dieses Romans nicht bis in die Gegenwart, sondern deckt „nur“ den Zeitraum von 1839 bis ca 1908 ab. Auch dieser hat aber einiges zu bieten, beispielsweise die Opium-Kriege und ihre Folgen, die schillernde Persönlichkeit der Kaiserinwitwe Cixi oder den Boxeraufstand.
Wir begegnen unter anderem einem jungen englischen Kaufmann, der sich vom Handel mit Opium Reichtum und Erfolg erhofft, einem ebenso engagierten chinesischen Beamten, dessen Aufgabe es ist, diesen zu unterbinden, einem Eunuchen, der die Ränkespiele am Kaiserhof hautnah miterlebt oder auch einer einfachen Frau aus einem abgelegenen Dorf, deren Lebensweg dennoch mit den umwälzenden Entwicklungen dieses Jahrhunderts verknüpft ist.

Da aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird und sich die Ereignisse über mehrere Jahrzehnte erstrecken, entsteht ein ganz guter Überblick darüber, was sich im China das 19. Jahrhunderts so alles getan hat.
Die Protagonisten wirken allerdings häufig eher schablonenhaft, scheinen keine bzw teilweise eine widersprüchliche Persönlichkeit zu haben. Obwohl sie über einen längeren Zeitraum begleitet werden, konnte ich zu den meisten keine richtige Beziehung aufbauen.
In die Handlung werden viele Informationen über die chinesische Geschichte eingeflochten. Sie hat jedoch auch einige Längen, manche Episoden sind eigentlich überflüssig, während andererseits einige interessante Entwicklungen zu kurz abgehandelt werden. Dazu kommen Ungereimtheiten (beispielsweise auch was das Alter der gerade auftretenden Figuren betrifft) und einige politische Entwicklungen aber auch Handlungen der Charaktere sind nicht wirklich nachvollziehbar.
Außerdem ist die Übersetzung (aus dem Englischen) häufig fragwürdig, was immer wieder den Lesefluss stört. Wenn beispielsweise Chinesen (Spitz)namen tragen wie „Second Son“, „Happy“ oder „Lacquer Nail“, zwei Leute einmal per Du und ein paar Zeilen später wieder per Sie sind, ein chinesischer Handwerker einen chinesischen Palastangestellten mit „Sir“ anspricht etc.

Fazit: Das Thema der chinesischen Geschichte und des Ringens dieses Landes mit dem Einfluss der ausländischen „Barbaren“ ist interessant. Das ist aber auch der Hauptgrund, warum ich bis zum Ende durchgehalten habe. Ich wollte den fast 1.000 Seiten langen Roman zwischendurch öfters abbrechen, weil mich die Handlung als solches nicht packen konnte.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Kurze Zusammenfassung zum Thema Einhorn

Das Einhorn
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Die Beschäftigung mit Einhörnern hat eine lange Tradition. Ihre Karriere begannen diese schillernden Wesen bereits in der Antike, wo sie in Indien verortet und ihnen magische Qualitäten zugeschrieben wurden, ...

Die Beschäftigung mit Einhörnern hat eine lange Tradition. Ihre Karriere begannen diese schillernden Wesen bereits in der Antike, wo sie in Indien verortet und ihnen magische Qualitäten zugeschrieben wurden, wie etwa, dass sie vor jeder Art von Gift schützen. Im Mittelalter wurden sie dann unter anderem mit Christus gleichgesetzt, in Jagdszenen verewigt und galten als Liebessymbol, bevor Existenz und Heilkraft der Einhörner erst ab der Neuzeit kritisch hinterfragt wurde. Ihre Faszination haben sie dennoch bis in die Gegenwart behalten.
Von all dem und einigem mehr berichtet dieses Büchlein. Der Text ist eher trocken, wird aber immerhin durch ein paar Bilder aufgelockert.
Insgesamt wird hier eine durchaus interessante Zusammenfassung des Themas Einhorn gegeben. Die Ausführungen sind jedoch ziemlich oberflächlich. Eine Information reiht sich an die andere. Mir hat eine (zeiten)übergreifende Zusammenschau gefehlt.