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Veröffentlicht am 24.08.2025

Für Fans von Abenteuerromanen

Tankred: Weihrauch und Schwert
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Ostfränkisches Reich im Jahr 882: Der Überfall der Dänen auf Kloster Prüm ist für Tankred einerseits ein Schock, letztlich aber auch eine Befreiung. Denn so sehr er auch in seiner Tätigkeit als Bibliothekar ...

Ostfränkisches Reich im Jahr 882: Der Überfall der Dänen auf Kloster Prüm ist für Tankred einerseits ein Schock, letztlich aber auch eine Befreiung. Denn so sehr er auch in seiner Tätigkeit als Bibliothekar aufgeht, befindet er sich doch nicht freiwillig im Kloster, sondern wurde vor zwölf Jahren nach einem Aufsehen erregenden Skandal dorthin verbannt.
Bevor er sich Gedanken über seine eigene Zukunft machen kann, muss er jedoch erst seiner Schwester Judith zu Hilfe eilen. Denn diese befand sich in Aachen, das ebenfalls von den Dänen verheert wurde. Und Tankred ist – aus gutem Grund - der Einzige in seiner Familie, der weiß, dass Judith noch am Leben ist.

Am Anfang hat mir der Roman richtig gut gefallen. Tankred ist ein sympathischer Held, der in Ich-Form und mit einigem Humor von seinen Erlebnissen erzählt. Wie der Autor im Nachwort eingesteht, liegt er mit seiner kritischen Einstellung zur Religion und seinem Rationalismus am Rand des für einen Menschen der damaligen Zeit denkbaren, doch macht ihn dies auch nahbar und seine Gedankengänge weitgehend nachvollziehbar.
Mit der Zeit wird die Handlung jedoch immer eintöniger. Tankred reist durch entvölkerte und vielfach von den Dänen verwüstete Landstriche, fragt (mit wechselndem Erfolg) so ziemlich jeden nach seiner Schwester, nimmt an der einen oder anderen Schlacht teil etc. Die Geschichte dreht sich über weite Strecken im Kreis. Echte Spannung kommt nicht auf und es gibt auch keine Überraschungen. Das Ende kommt dann zu abrupt.
Immerhin treten viele interessante Personen auf. Über manche hätte ich gern mehr erfahren, aber vielleicht kommt das ja noch in den Fortsetzungen.
Insgesamt ein ganz gelungener Abenteuerroman, in den auch ein paar Informationen zum historischen Hintergrund eingearbeitet wurden. Wirklich begeistern konnte er mich jedoch nicht. Mir hat das „gewisse Etwas“ gefehlt.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Roadmovie der besonderen Art

Straße der Sterne
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Regensburg 1246: Die junge Pilar hatte es bisher nicht gerade leicht im Leben. Als sie zehn war, hat ihre Mutter die Familie verlassen und ihr blieb nur ein kryptischer Abschiedsbrief. Kurze Zeit später ...

Regensburg 1246: Die junge Pilar hatte es bisher nicht gerade leicht im Leben. Als sie zehn war, hat ihre Mutter die Familie verlassen und ihr blieb nur ein kryptischer Abschiedsbrief. Kurze Zeit später ist sie langsam erblindet. Als auch noch ihr geliebter Vater bei einem Brand ums Leben kommt, beschließt sie, nach Santiago de Compostela zu pilgern. Sie hofft, dass der Heilige ihr das Augenlicht wiedergibt. Doch diese Pilgerreise wird ihr Leben weitaus umfassender verändern und ihr unerwartete Erkenntnisse über die Vergangenheit ihrer Mutter bescheren.
Zur gleichen Zeit begeben sich auch andere auf den Jakobsweg. Unter anderem der ehemalige Kreuzritter Camino, der sich danach sehnt, irgendwo anzukommen, Moira, die ihrem verstorbenen Mann aber auch sich selbst die Schuld am Tod ihrer Tochter gibt, der Templer Armando, der auf der Suche nach dem größten Schatz der Christenheit ist, oder Estrella, die vorgibt, mit ihren Karten die Zukunft lesen zu können.

Zunächst ist natürlich festzuhalten, dass das hier konstruierte zufällige Aufeinandertreffen der richtigen Leute zu den richtigen Zeitpunkten reichlich unrealistisch ist. Davon abgesehen ist an der Handlung aber nicht viel auszusetzen. Die Erlebnisse der Protagonisten und die Beschreibung der Pilgerreise sind interessant, und zu den verschiedenen Stationen des Jakobswegs dürfte gut recherchiert worden sein. Es wird aus wechselnden Perspektiven erzählt und auch die eingestreuten Rückblicke ins Jahr 1227 sorgen für Spannung.
Die auftretenden Personen sind gut und überwiegend nachvollziehbar gezeichnet. Es ist schön zu beobachten, wie unterschiedliche Charaktere miteinander interagieren.
Was mir nur ein bisschen gefehlt hat, ist das Historische. Im Prinzip könnte dieselbe Geschichte auch mehrere Jahrhunderte später spielen und manche Geisteshaltungen und Gedankengänge wirken überhaupt zu „heutig“.
Davon abgesehen kann ich dieses „Roadmovie“ der besonderen Art aber durchaus weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Tolles Buch, in das sich leider ein paar Fehler eingeschlichen haben

Eine neue Geschichte der Säugetiere
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Ich habe von Steve Brusatte bereits „Aufstieg und Fall der Dinosaurier“ gelesen, einen unterhaltsamen Überblick über das Zeitalter der Dinosaurier. Inzwischen hat er auf Säugetiere umgesattelt und seine ...

Ich habe von Steve Brusatte bereits „Aufstieg und Fall der Dinosaurier“ gelesen, einen unterhaltsamen Überblick über das Zeitalter der Dinosaurier. Inzwischen hat er auf Säugetiere umgesattelt und seine Begeisterung für sein neues Fachgebiet ist hier spürbar. Denn auch wenn frühe Säugetiere auf den ersten Blich weniger spektakulär wirken als Dinosaurier, haben sie doch so einiges zu bieten und längst nicht nur ein Schattendasein geführt.
Ihren Ausgang nimmt die Darstellung in einem Sumpfwald des Karbon, wo sich die Linie der Synapsiden, die später zu den Säugetieren führen sollte, von jener der Diapsiden, der Reptilien, trennte. Danach wird die weitere Entwicklung im Lauf der verschiedenen Zeitalter bis in die Gegenwart beschrieben, erklärt, wann und wie sich die Merkmale herausbildeten, welche charakteristisch für die Säugetiere sind, und die Evolution einiger besonders wichtiger, ungewöhnlicher oder charismatischer Spezies verfolgt.
Es ist dabei spannend zu beobachten, wie sich ändernde Umweltbedingungen, insbesondere Klimaveränderungen, oder auch das Zusammenspiel verschiedener Lebensformen immer wieder zu neuen Anpassungen und Entwicklungen führten.
Auch die Erläuterungen dazu, wie die jeweiligen Erkenntnisse gewonnen wurden, einschließlich Einblicken in den Arbeitsalltag der Paläontologen, sind interessant, Allein, wie viel man aus ein paar Jahrmillionen alten Zähnen ableiten kann ...

Das Buch hat jedoch auch Schwächen: Zunächst tendiert der Autor zu sehr dazu, seinen tierischen Akteuren bzw „der Evolution“ einen Willen oder ein Ziel zu unterstellen. Auch wenn dies sicher seiner blumigen Ausdrucksweise geschuldet ist und er selbst die tatsächliche Funktionsweise der natürlichen Selektion zumindest andeutet und beispielsweise betont, dass die Evolution nicht vorausplant, wären andere und weniger irreführende rhetorische Mittel besser gewesen.
Weiters haben sich doch einige Fehler in den Text eingeschlichen (wobei ich teilweise nicht beurteilen kann, ob diese bereits im Original vorhanden waren oder der Übersetzung entstammen). Wenn beispielsweise Krokodile als Amphibien (Seite 111) oder Pandabären als Beuteltiere (Seite 258) bezeichnet werden.

Dennoch kann ich dieses Buch allen an Paläontologie und Evolution Interessierten empfehlen.
Im Anhang finden sich außerdem zahlreiche weiterführenden Literaturhinweise, sowohl Originalveröffentlichungen wichtiger Forschungsergebnisse als auch populärwissenschaftliche Werke. (Leider ist beides Großteils nur auf Englisch verfügbar.)

Veröffentlicht am 24.08.2025

Spiritismus im Wien der Jahrhundertwende

Der Totengräber und der Mord in der Krypta (Die Totengräber-Serie 3)
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Auch im dritten Teil dieser Reihe muss sich ein ganz spezielles Ermittlerteam mit seltsamen Vorgängen im Wien der 1890er Jahre auseinandersetzen.
Inspektor Leopold von Herzfeldt und seine Freundin, die ...

Auch im dritten Teil dieser Reihe muss sich ein ganz spezielles Ermittlerteam mit seltsamen Vorgängen im Wien der 1890er Jahre auseinandersetzen.
Inspektor Leopold von Herzfeldt und seine Freundin, die Tatortfotografin Julia Wolf, wollen einen schönen Abend in der Wiener Oper verbringen, als plötzlich Oberpolizeirat Moritz Stukart auftaucht und die beiden zu einem mutmaßlichen Tatort beordert: In der Krypta des Stephansdoms wurde die Leiche von Dr Theodor Lichtenstein gefunden, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, Betrügereien von sogenannten Spiritisten aufzudecken. War gar ein Geist der Täter, wie auch eine Zeitung mutmaßt?
In einen anderen Fall scheint ebenfalls eine Spukgestalt verwickelt zu sein: Ein „Nachtkrapp“, der Weisenkinder entführt.

Leo und Julia stellen Nachforschungen an, die sie unter anderem zu einer Seance, ins Naturhistorische Museum oder zu dem ehemaligen Domizil eines berühmten Alchimisten führen. Mit Rat und Tat unterstützt werden sie dabei wieder von Augustin Rothmayer, Totengräber am Zentralfriedhof und Experte für alles, was dem Tod zu tun hat (der außerdem passenderweise gerade ein Buch zum Thema „Spuk und Geistererscheinungen“ schreibt).
Schließlich müssen sie erkennen, dass die Realität weitaus schrecklicher sein kann als jede Gruselgeschichte.
Der Roman ist in einem angenehmen Stil geschrieben und liest sich flott.
Für einen Krimi schreitet die Handlung meist eher gemächlich voran und weist ein paar Längen auf. Andererseits sind manche Szenen wieder unnötig dramatisch ausgestaltet (wenn beispielsweise gerade im „richtigen“ Moment ein Gewitter einsetzt) und die „Auflösungsszene“, wo alle Beteiligten nochmal zusammen kommen, wirkt übertrieben und gestellt. Insgesamt ist die Geschichte aber weitgehend gut komponiert und animiert zum Miträtseln. Ein paar Dinge sind allerdings unlogisch.
Den historischen Hintergrund finde ich interessant: Dass in einer auf den ersten Blick so fortschrittlichen Epoche wie dem ausgehenden 19. Jahrhundert der Glaube an Spiritismus und sonstige übernatürliche Phänomene nicht nur immer noch vorhanden war, sondern sogar neue Höhepunkte erlebte – einschließlich erbitterter Versuche, Derartiges wissenschaftlich zu beweisen – ist doch überraschend.
Was die Protagonisten betrifft, muss ich zwar die bereits zu den Vorgängern geäußerte Kritik wiederholen, dass der titelgebende Totengräber etwas präsenter sein könnte. Dafür war mir Leo diesmal deutlich sympathischer, er wirkt zumindest weniger arrogant als zuvor, und Julia ist ohnehin eine Sympathieträgerin. Ein interessanter Kniff auch, dass dem Sherlock Holmes-Autor Arthur Conan Doyle eine (durchaus relevante) Rolle zugedacht wurde.
Alles in allem hat mich der Roman gut unterhalten. Ich würde mich über eine Fortsetzung freuen, um zu erfahren, welche Abgründe noch im Wien der 1890er Jahre lauern, wie es mit Leos und Julias Beziehung weitergeht und wovon des Totengräbers nächstes Buch handelt.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Interessante Blicke auf Nordirlands Vergangenheit und Zukunft

Nordirland
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Dieser Band versammelt 22 jeweils ca fünf bis acht Seiten lange Reportagen, die in den letzten 20 Jahren in der „taz“ erschienen sind. Doch der Autor Ralf Sotscheck kennt (Nord)irland nicht nur als Journalist ...

Dieser Band versammelt 22 jeweils ca fünf bis acht Seiten lange Reportagen, die in den letzten 20 Jahren in der „taz“ erschienen sind. Doch der Autor Ralf Sotscheck kennt (Nord)irland nicht nur als Journalist – er ist mit einer Irin verheiratet, deren Vater IRA-Mitglied war, und arbeitete in den 1970ern einige Zeit als Assistenzlehrer für Deutsch in Belfast, bevor er mit seiner Familie nach Dublin zog, wo er bis heute als Irland-Korrespondent tätig ist. Sein Blick auf das Land und dessen Geschichte mag daher nicht immer objektiv sein, ist aber jedenfalls sehr unmittelbar und lebendig.
Er berichtet hier unter anderem von den „Troubles“ und ihren Opfern oder den Folgen des Brexit und stellt Schauplätze vor, welche Nordirlands Geschichte oder Gegenwart gut illustrieren. Dabei stehen immer die beteiligten Menschen, ihre persönlichen Erfahrungen, Meinungen und Hoffnungen für die Zukunft im Mittelpunkt.
Abgerundet wird das Buch mit einem Glossar und einer Chronologie des Nordirlandkonflikts.
Dennoch würde ich es vor allem Leuten empfehlen, die schon gewisse Vorkenntnisse der nordirischen Geschichte haben. Ansonsten dürfte es schwer sein, die zu verschiedenen Zeiten verfassten und sich vor allem auf verschiedene Zeiträume beziehenden Episoden in einen größeren Zusammenhang einzuordnen.