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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.09.2025

Ein Familienroman zwischen Tradition und Neubeginn

Auf dem Gräftenhof
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„Auf dem Gräftenhof“ von Arnold Pesch erzählt die Geschichte einer Familie, die nach dem Zweiten Weltkrieg versucht, ihren Platz in einer sich wandelnden Welt zu finden. Dabei geht es nicht nur um die ...

„Auf dem Gräftenhof“ von Arnold Pesch erzählt die Geschichte einer Familie, die nach dem Zweiten Weltkrieg versucht, ihren Platz in einer sich wandelnden Welt zu finden. Dabei geht es nicht nur um die Bewahrung alter Traditionen, sondern auch darum, Neues zu wagen.
Sehr eindrücklich fand ich, wie der Hof selbst zur Bühne dieser Entwicklungen wird. Man spürt die besondere Atmosphäre des Münsterlandes, und die Wasserburg wirkt fast wie ein stiller Zeuge der Geschehnisse. Dass Johannes aus der Ukraine stammt und in Deutschland eine neue Heimat findet, gibt der Handlung eine zusätzliche Tiefe. Gerade die Sehnsucht nach seiner alten Heimat, die über Jahre unerreichbar bleibt, war für mich gut nachvollziehbar.
Besonders bewegt haben mich zwei Figuren: Paul, dessen kindliches Wesen Wärme in die Familie bringt, und Barbara, die von einem Reiterhof für Kinder mit Handicap träumt. Ihr Ringen mit den Erwartungen der Familie und ihr Wunsch, ihren eigenen Weg zu gehen, haben mich beim Lesen besonders berührt. Hier zeigt sich sehr gut, wie eng persönliche Wünsche und das Erbe der Familie miteinander verbunden sind.
Auch die politischen Umbrüche sind geschickt in die Handlung eingebaut. Man merkt, dass die Ereignisse in Deutschland und Europa direkt in das Leben der Familie hineinwirken. Das macht den Roman glaubwürdig und gibt ihm eine historische Tiefe, die mir gefallen hat.
Manche Stellen ziehen sich etwas, weil sehr ausführlich erzählt wird. An anderen Stellen hätte ich mir hingegen noch mehr Ausführlichkeit gewünscht, um bestimmte Entscheidungen und Gefühle der Figuren besser nachvollziehen zu können. Doch insgesamt habe ich den Roman gern gelesen. Er verbindet die deutsche Nachkriegsgeschichte mit dem Schicksal einer Familie, die zwischen Vergangenheit und Zukunft ihren eigenen Weg sucht.
Darum vergebe ich vier Sterne. Es bleibt das Gefühl, mit den Figuren auf dem Gräftenhof gelebt zu haben und ihre Entscheidungen hautnah mitzuerleben.

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Ein Roman über Verlust, Nähe und Neuanfang

Wilder Honig
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In diesem Roman geht es um Verlust, Trauer und den schwierigen Weg zurück ins Leben – aber vor allem geht es um Verbindung. Drei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, begegnen sich durch einen ...

In diesem Roman geht es um Verlust, Trauer und den schwierigen Weg zurück ins Leben – aber vor allem geht es um Verbindung. Drei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, begegnen sich durch einen tragischen Todesfall und müssen lernen, mit alten Wunden und neuen Wahrheiten umzugehen.
Was mich sofort gepackt hat, war die ruhige, fast poetische Sprache. Die Geschichte entfaltet sich langsam, aber gerade das gibt ihr Tiefe. Man spürt die Traurigkeit der Figuren, aber auch ihren inneren Wunsch, wieder Halt zu finden. Besonders berührt haben mich die Briefe, die ihr John hinterlassen hat – liebevoll, ehrlich und voller Leben. Sie haben mich beim Lesen immer wieder zum Innehalten gebracht.
Auch die Natur spielt eine große Rolle. Die Obstgärten, das Summen der Bienen, die Landschaft – alles ist so lebendig beschrieben, dass man meint, selbst dort zu sein. Die Symbolik von Honig und Bienen passt wunderbar zu den Themen des Buchs: Pflege, Geduld und die Kraft der Gemeinschaft.
Am Ende bleibt ein Gefühl von Hoffnung und Wärme. Keine kitschige Auflösung, sondern ein leiser, schöner Abschluss, der noch länger nachklingt.
Für mich ein ganz besonderes Buch – einfühlsam, bewegend und voller Herz. Wer Geschichten über Familie, Trauer und zweite Chancen mag, wird dieses Buch lieben. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Eine Geschichte mit Tiefe und Atmosphäre

Der Wind von Yorkshire
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"Der Wind von Yorkshire" hat mich von Anfang an durch seine besondere Atmosphäre abgeholt. Lia Scott beschreibt das Leben im industriellen England mit vielen kleinen Details, die sofort ein Bild entstehen ...

"Der Wind von Yorkshire" hat mich von Anfang an durch seine besondere Atmosphäre abgeholt. Lia Scott beschreibt das Leben im industriellen England mit vielen kleinen Details, die sofort ein Bild entstehen lassen. Der Kontrast zwischen den Craven Dales und dem trüben Alltag in der Stadt kommt gut heraus und macht die Handlung greifbar.
Im Mittelpunkt stehen June und Franky, zwei Figuren, die kaum unterschiedlicher sein könnten. June wirkt ernst, verantwortungsbewusst und zugleich unsicher, während Franky mit seiner Sensibilität überrascht. Ihre Begegnungen sind still, aber eindringlich. Gerade das Unausgesprochene sorgt dafür, dass man als Leserin aufmerksam bleibt.
Ein wichtiger Aspekt ist Junes Verhältnis zu ihren beiden Schwestern und ihrer Tante. Junes Verbundenheit und ihr Pflichtbewusstsein machen nachvollziehbar, warum sie bereit ist, nach Bradford zu gehen, um in einer Spinnerei Arbeit zu finden. Der Schwerpunkt der Handlung liegt jedoch in den Craven Dales, wodurch die Atmosphäre stark geprägt wird. Die kurzen Passagen in Bradford sind bewusst knapp gehalten und dienen als neugierig machender Ausblick auf den Folgeband, was die Erwartung auf die Fortsetzung steigert.
Besonders auffällig ist, dass die Figuren keine Übertreibungen brauchen, um glaubwürdig zu wirken. June übernimmt Verantwortung, während Franky durch seine Sensibilität einen Gegenpol bildet. Die Autorin schafft es, beide so darzustellen, dass ihr inneres Ringen klar wird.
Insgesamt ist es ein ruhiges, intensives Leseerlebnis. Es gibt keine großen Überraschungen, aber die durchgehende Stimmung trägt die Geschichte. An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Dynamik in den Dialogen gewünscht. Deshalb vergebe ich gute, überzeugte vier Sterne sowie eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Ein leises Eintauchen in eine Familiengeschichte

Meine Mutter
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Bettina Flitners „Meine Mutter“ ist ein stiller, fast zärtlicher Blick auf das Leben ihrer Mutter und ihrer eigenen Herkunft. Es ist kein lautes Aufbegehren, sondern ein leises Eintauchen in Erinnerungen, ...

Bettina Flitners „Meine Mutter“ ist ein stiller, fast zärtlicher Blick auf das Leben ihrer Mutter und ihrer eigenen Herkunft. Es ist kein lautes Aufbegehren, sondern ein leises Eintauchen in Erinnerungen, Tagebücher und Briefe, die über Jahrzehnte hinweg gesammelt wurden. Die Autorin begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit ihrer Familie, nach Wölfelsgrund im heutigen Polen, wo ihre Vorfahren ein Sanatorium betrieben. Dieser Ort, der für sie immer nur ein Name war, wird durch ihre Erzählung lebendig.
Flitner gelingt es, die Geschichte ihrer Mutter und ihrer Familie mit einer Mischung aus Respekt und Neugier zu erzählen. Sie fragt nicht nur nach den Ereignissen, sondern auch nach den Gefühlen, die dahinterstehen. Warum gab es so viele Selbstmorde in ihrer Familie? Was hat das Leben ihrer Mutter geprägt? Diese Fragen zieht sie behutsam auf und lässt dabei Raum für eigene Gedanken und Interpretationen.
Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit ist geschickt eingeflochten. Manchmal fühlt es sich an, als würde man selbst durch die vergilbten Seiten der Tagebücher blättern oder durch die Straßen von Międzygórze spazieren. Die Autorin schafft es, eine Atmosphäre der Erinnerung und des Verstehens zu erzeugen, ohne je in Sentimentalität zu verfallen.
Was mir besonders gefallen hat, ist die leise Trauer, die zwischen den Zeilen mitschwingt. Es ist keine aufdringliche Melancholie, sondern ein sanftes Bedauern über das, was nicht gesagt wurde, über die ungestellten Fragen und die nicht gelebte Nähe. Diese stille Trauer hat mich berührt, ohne mich zu erdrücken.
Dieses ist kein Buch, das man schnell liest. Es lädt ein, innezuhalten, nachzudenken und vielleicht auch die eigene Familiengeschichte zu hinterfragen. Es ist ein Buch, das leise, aber nachhaltig wirkt. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Ein Buch, das zwischen den Zeilen berührt

Der Himmel fällt
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Beim Lesen von "Der Himmel fällt" hatte ich oft das Gefühl, in eine ganz eigene Welt einzutauchen. Es ist die Sicht eines Kindes, die mich sofort eingenommen hat – unschuldig, verspielt, manchmal sogar ...

Beim Lesen von "Der Himmel fällt" hatte ich oft das Gefühl, in eine ganz eigene Welt einzutauchen. Es ist die Sicht eines Kindes, die mich sofort eingenommen hat – unschuldig, verspielt, manchmal sogar leicht und fröhlich, und doch immer überschattet von einer Realität, die viel zu schwer für Kinder ist. Gerade dieser Kontrast hat mich beim Lesen immer wieder bewegt.
Manche Szenen haben mich zum Lächeln gebracht, weil sie so lebendig und voller kindlicher Fantasie sind. Doch gleich darauf schlägt die Stimmung um und es liegt eine Beklemmung über den Worten, die fast körperlich spürbar ist. Genau das hat die Geschichte für mich so eindringlich gemacht: die Spannung zwischen kindlicher Wahrnehmung und der harten Wirklichkeit des Krieges.
Die Sprache wirkt auf den ersten Blick schlicht, fast unscheinbar, aber genau das macht sie stark. Zwischen den Zeilen bleibt so vieles hängen, dass ich oft länger über ein Bild oder einen Gedanken nachgedacht habe als über den eigentlichen Fortgang der Handlung. Man merkt deutlich, dass hier Erinnerungen verarbeitet werden, die schmerzhaft sind und trotzdem nicht verloren gehen dürfen.
Für mich war es kein Buch, das man nebenbei lesen kann. Es verlangt Aufmerksamkeit, weil es so sprunghaft erzählt ist und nicht immer einen klaren roten Faden verfolgt. Das hat mich zwischendurch etwas angestrengt, aber gleichzeitig auch das Gefühl verstärkt, dass man mitten in den Gedanken und Erinnerungen eines Kindes steckt.
Am Ende bin ich mit einem leisen Nachklang zurückgeblieben, nachdenklich und ein Stück weit berührt. Es ist kein Buch, das Antworten gibt oder alles „rund“ macht, sondern eines, das in einem weiterarbeitet. Genau dieses hat mich beeindruckt, auch wenn ich nicht in jeder Passage gleichermaßen hineingefunden habe.
Ich vergebe vier Sterne – für ein Werk, das mich emotional gepackt hat, das manchmal anstrengend, aber gerade deshalb unvergesslich ist.

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