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Veröffentlicht am 13.09.2025

60er-Jahre-Trauma

Das Flüstern der Marsch
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Ein schönes Cover, das die Schönheit der Marsch erahnen lässt. Schon bald stellt sich in dem Buch heraus, dass es hinter der friedlichen Fassade einige Geheimnisse gibt, die selbst vor den Kindern und ...


Ein schönes Cover, das die Schönheit der Marsch erahnen lässt. Schon bald stellt sich in dem Buch heraus, dass es hinter der friedlichen Fassade einige Geheimnisse gibt, die selbst vor den Kindern und Enkeln in den Familien verborgen bleiben sollen.
Annemie Hansen, Monas Oma, ist eines Tages unauffindbar und taucht auch nach längerer Suche nicht auf. Durch ihr Verschwinden werden einige Ungereimtheiten entdeckt, die die Kinder und Enkel zu Nachforschungen veranlassen. Werden sie alles herausfinden, was so verzweifelt unter der Decke gehalten werden soll?
Erzählt wird aus verschiedenen Sichtweisen, wobei Enkelin Mona die einzige Ich-Erzählerin ist. Oma Annemies Geschichte wird in Rückblicken erzählt. Der Leser erhält damit Einblicke in Annemies Vergangenheit, die vor ihren Nachkommen verborgen bleiben sollen.
Welche Verbindung Freya zur Familie Hansen hat, bleibt auch für den Leser lange ungeklärt.
Der Umgang mit demThema nichtehelicher Kinder wird in diesem Buch über drei Generationen hinweg beleuchtet. Und man kommt mal wieder zu der Erkenntnis, dass früher nicht alles besser war.
Katja Keweritsch hat es mit ihrem flüssigen Erzählstil geschafft, dass ich mich - mit Ausnahme von Opa Karl - in das Handeln aller Figuren hineinversetzen konnte.
Für mich ist dieses Buch ein Highlight in diesem Lesejahr und ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Buckys Comeback

Strandgut
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Bucky Bronco, ein 70jähriger, gealterter Soulsänger erhält eine zweite Chance. Das Leben hat es bisher nicht besonders gut mit ihm gemeint. Aber durch seine Frau Maybell hat er alles ertragen können. ...


Bucky Bronco, ein 70jähriger, gealterter Soulsänger erhält eine zweite Chance. Das Leben hat es bisher nicht besonders gut mit ihm gemeint. Aber durch seine Frau Maybell hat er alles ertragen können. Seit fast einem Jahr ist seine Frau verstorben und Bucky hat mit ihr jeglichen Halt verloren. Die Einladung ins englische Scarborough, die er aber nur aus Neugier auf England annimmt, gibt ihm einen kleinen Lichtblick.
Dort angekommen, kümmert sich Dinah um ihn und versucht, ihm einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. Sie lebt mit Mann und Sohn in einer Art Zweckgemeinschaft , aus der sie sich nur schwer lösen kann.
Bucky stellt erstaunt fest, dass es in England eine große Fangemeinde seiner Musik gibt, obwohl er nur wenige Songs gesungen hat und seit vielen Jahren nicht aufgetreten ist. Bucky und Dinah geben während dieses Wochenendes einander Halt.
Ein warmherziges Buch über das Leben und welche Möglichkeiten es bietet, wenn man es zulässt.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Neo-Bechstein und Frau Beethoven

Durch das Raue zu den Sternen
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Arcadia Fink, ein hochbegabtes Mädchen hat die Liebe zur Musik von ihrer Mutter geerbt. Ihre Mutter, die "kurz weggegangen ist", ist in all ihrem Denken und Handeln präsent. Ihr größter Wunsch ist es, ...


Arcadia Fink, ein hochbegabtes Mädchen hat die Liebe zur Musik von ihrer Mutter geerbt. Ihre Mutter, die "kurz weggegangen ist", ist in all ihrem Denken und Handeln präsent. Ihr größter Wunsch ist es, in einem Knabenchor zu singen. Sie versucht mit großer Hartnäckigkeit dieses Ziel zu erreichen. Aufgrund ihrer Unangepasstheit hat sie zu anderen Kinder wenig Kontakt. Ihr Vater versucht das Fehlen der Mutter auszugleichen und steht doch hilflos der ganzen Situation gegenüber. Arcadias einzige Freundin ist Bernhardina, die Freundin ihrer Mutter. Sie lebt in einem Pflegeheim und erwartet ein tägliches Telefonat von Arcadia.
Ein ziemlich trauriges Buch über ein kleines, einsames Mädchen, das seine Ziele mit teils unkonventionellen Mitteln zu erreichen versucht und sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lässt.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Zeitreise mit Familienanschluss

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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Henning Sußebach versucht mit diesem Buch seiner Urgroßmutter - die er nie kennengelernt hat - ein schriftliches Denkmal zu setzen.
Anna wird 1867 in eine aus heutiger Sicht frauenfeindliche Welt hineingeboren. ...


Henning Sußebach versucht mit diesem Buch seiner Urgroßmutter - die er nie kennengelernt hat - ein schriftliches Denkmal zu setzen.
Anna wird 1867 in eine aus heutiger Sicht frauenfeindliche Welt hineingeboren. Schon früh entflieht sie den schwierigen Familienverhältnissen, um Lehrerin zu werden. Ein Beruf, der damals nur unverheirateten Frauen zugestanden wurde. Mit einer späteren Hochzeit verloren die Frauen automatisch ihren Arbeitsplatz und auch sämtliche Rentenansprüche. Respekt konnten sich die Frauen nur durch eine "harte Hand" (Schläge gegen die Schüler/innen) verschaffen. Aber Anna beißt sich durch und darf nach 12jähriger heimlicher Liebe ihren Clemens heiraten mit den zuvor genannten Einschränkungen. Nach seinem Tod darf Anna aufgrund seiner testamentarischen Verfügung sämtliche Geschäfte seiner Familie übernehmen. Dieser Umstand und auch, dass Anna nach Clemens' Tod einen Sohn zur Welt bringt, wird von der Familie ihres verstorbenen Mannes nicht gern gesehen. Aber Anna ist hart im Nehmen und trotzt allen Feindseligkeiten.
Henning Sußebach schafft es mit den ihm von seiner Urgroßmutter gebliebenen Fotos, Postkarten und Gegenständen Annas Lebenslauf in groben Zügen nachzuvollziehen. Dabei hilft ihm vor allem seine Vorstellungskraft. Die eingestreuten, seinerzeit aktuellen wirtschaftlichen und politischen Ereignisse helfen dem Leser sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen.
Der durchaus lesenswerte Bericht über eine starke Frau, die es verstanden hat, sich über die damaligen Konventionen hinwegzusetzen.
Von mir eine klare Lesepfehlung.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Schwarze Pädagogik

Am Meer ist es schön
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Susanne Lach, eines von vielen Millionen (!) Kindern, die zwischen 1950 und 1980 in Kurheime verschickt wurden. Dieser Roman über Susannes Schicksal und ihrer Freunde ist beispielhaft für das, was viele ...


Susanne Lach, eines von vielen Millionen (!) Kindern, die zwischen 1950 und 1980 in Kurheime verschickt wurden. Dieser Roman über Susannes Schicksal und ihrer Freunde ist beispielhaft für das, was viele Kinder während dieser sogenannten Kuren erleiden mussten. Jedes noch so kleine Aufbegehren gegen die strengen Reglementierungen wurde zum Teil mit unmenschlichen Methoden hart bestraft. Besonders schwer zu ertragen und völlig unverständlich ist, dass all' diese Taten gegenüber wehrlosen Kindern von den sogenannten "Tanten" vollzogen wurden.
Barbara Leciejewski hat diesen Roman nach ausführlicher Recherche sehr eindringlich geschrieben. Das Schicksal dieser Kinder ist schwer zu ertragen und es verwundert nicht, dass sie für ihr späteres Leben traumatisiert sind. In dieser Geschichte wiegt besonders schwer, dass Susanne nach ihrer Rückkehr Lügen und blühende Fantasie unterstellt werden, als sie von den Gräueltaten erzählt.
Erholsam fand ich, dass die Berichte aus der Verschickungszeit sich mit den Erzählungen der erwachsenen Susanne abwechselten.
Barbara Leciejewski gibt mit ihrem Buch allen Kindern eine Stimme, die damals diese oder ähnliche Dinge während ihrer Verschickung erleben mussten.
Ein unbedingt lesenswertes Buch!

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