Wichtiges Thema!
Die Krähen„Die Krähen“ von Petra Dvořáková /
Verlag: Anthea
Was für ein Buch. Was für eine Welt. Was für ein Leid.
Selten hat mich eine Geschichte so erschüttert und sprachlos gemacht.
Petra Dvořáková führt ...
„Die Krähen“ von Petra Dvořáková /
Verlag: Anthea
Was für ein Buch. Was für eine Welt. Was für ein Leid.
Selten hat mich eine Geschichte so erschüttert und sprachlos gemacht.
Petra Dvořáková führt uns in eine Familie, die nach außen normal wirkt, zwei kleine Mädchen, bürgerliches Leben, ein scheinbar geordnetes Zuhause.
Doch hinter dieser Fassade lauert Lieblosigkeit und Gewalt.
Und es trifft immer Bára.
Bára ist nicht so brav und ordentlich wie ihre Schwester. Sie denkt anders, bewegt sich freier, malt mit Hingabe und lässt Farben sprechen, wo Worte versagen. In der Schule wird sie gelobt, bekommt gute Noten, doch auch das scheint die Mutter zu erzürnen.
Als der Kunstlehrer ihr Talent bemerkt und versucht, sie zu fördern, weckt das nur noch mehr Misstrauen und Wut zu Hause. Er ahnt, was hinter den Mauern geschieht, will helfen, will beschützen, doch gegen das Schweigen kommt er kaum an.
Der Schmerz, die Gewalt, das Schweigen, all das sickert in jede Seite dieses Buches. In Báras Zeichnungen und Aufsätzen spiegelt sich ihre Erlebnisse. Ein Aufsatz, ein Schrei nach Hilfe und doch folgt kein echtes Handeln.
Alle sehen, alle wissen und trotzdem bleibt Bára allein. Und es wird schlimmer!
Die Mutter lässt ihre Wut an ihr aus, der Vater „züchtigt“, wenn die Mutter es verlangt und wenn niemand hinsieht, überschreitet er andere Grenzen.
Nur die Krähen, stumme Zeugen auf den Ästen gegenüber, sehen alles. Sie verstehen nicht, aber sie sehen. So wie auch wir als LeserInnen sehen und uns fragen müssen, warum so oft nichts geschieht.
Dieses Buch macht das Atmen schwer. Es schmerzt, und gerade deshalb ist es so wichtig. Es zwingt uns hinzusehen, wo wir sonst vielleicht wegsähen, und zeigt, welche Folgen es hat, wenn Wegsehen zur Gewohnheit wird. Wer wegschaut und nicht handelt, trägt einen Teil der Schuld mit.
Petra Dvořáková schreibt mit einer Klarheit, die fast weh tut. Ohne Pathos, ohne Beschönigung, mit einer schonungslosen Genauigkeit, die einem unter die Haut geht.
Ein Bild von Ohnmacht, Schmerz und der Sehnsucht nach Liebe zeigt uns die Autorin mit diesem schmalen Buch und seinem gewaltigen Inhalt.
Die Krähen ist kein leichtes Buch. Aber ein notwendiges. Es bleibt, lange nachdem man die letzte Seite geschlossen hat; wie ein Echo, das mahnt, nicht zu schweigen, nicht fortzusehen, sondern zu handeln. Sofort!
Eine klare Leseempfehlung.
Ich habe dieses Buch mit schwerem Herzen und offenen Augen gelesen.