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WinfriedStanzick

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.08.2018

Robin Stevenson schreibt über ein Tabuthema, das in gewissen Phasen viele Jugendliche beschäftigt. Er tut das auf eine ernsthafte und sensible Weise und kann somit Jugendliche gut ansprechen.

Die Unmöglichkeit des Lebens
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Robin Stevenson, Die Unmöglichkeit des Lebens, Beltz & Gelberg 2018, ISBN 978-3-407-82294-9

„Zu Anfang war die ganze Selbstmordgeschichte nichts weiter als ein Spiel. Oder vielleicht nicht gerade ein ...

Robin Stevenson, Die Unmöglichkeit des Lebens, Beltz & Gelberg 2018, ISBN 978-3-407-82294-9

„Zu Anfang war die ganze Selbstmordgeschichte nichts weiter als ein Spiel. Oder vielleicht nicht gerade ein Spiel, sondern eher eine Art Fantasie. Sowas wie ein makabrer Scherz. Ich würde es niemals zugeben – und jetzt schon gar nicht mehr – aber es hat tatsächlich irgendwie Spaß gemacht.“

Als Melody, genannt Mel, Jeremy kennenlernt, da spürt sie sofort, dass sie zu diesem Jungen ein Draht hat. Sie kann mit ihm über Tiefsinniges reden, über Dinge, die sie schon lange bewegen, über den Sinn und Unsinn des Lebens, über Schuld und immer wieder über den Tod. Je länger je mehr, spürt Melody, wie sie sich in diesen sensiblen und hochintelligenten Jungen verliebt.

Für sie bleiben die Gespräche über mögliche gemeinsame Selbstmordpläne nur eine Art romantisches Gedankenspiel. Doch für Jeremy scheint es der einzige Ausweg zu sein aus seinen schweren Schuldgefühlen.

Und er wird es tun, während Melody stehen bleibt und nicht in die Tiefe springt. Das wird gleich auf den ersten drei Seiten des Romans klar. In „Die Unmöglichkeit des Lebens“ erzählt Melody dann in Rückblenden ihre und Jeremys Geschichte. Die Vorgeschichte seines Suizids und die Folgen, die er für anderen unterem für Melody hat.

Robin Stevenson schreibt über ein Tabuthema, das in gewissen Phasen viele Jugendliche beschäftigt. Er tut das auf eine ernsthafte und sensible Weise und kann somit Jugendliche gut ansprechen.

Veröffentlicht am 18.01.2018

Man möchte sie und andere ermutigen, ihre Positionen, die ich bei weitem nicht alle teile, aktiv und engagiert in ihre Partei und in die Öffentlichkeit zu tragen.

Und morgen regieren wir uns selbst ...
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Andrea Ypsilanti, Und morgen regieren wir uns selbst, Westend 2017, ISBN 978-3-86489-160-1

In den letzten Jahren war es in der politischen Öffentlichkeit des Landes eher still um sie geworden und sie ...

Andrea Ypsilanti, Und morgen regieren wir uns selbst, Westend 2017, ISBN 978-3-86489-160-1

In den letzten Jahren war es in der politischen Öffentlichkeit des Landes eher still um sie geworden und sie fristete im Hessischen Landtag ein unspektakuläres Hinterbänklerdasein. Nun, da Andrea Ypsilanti, die 2008 als erste an einem Versuch scheiterte, mit der Linken eine Koalition zu bilden, nachdem sie mit ihrer SPD Roland Koch eine schwere Niederlage bereitet hatte, in diesem Jahr nicht mehr zur hessischen Landtagswahl antreten und sich sozusagen in den politischen Ruhestand verabschieden wird, legt sie eine Streitschrift vor, in der sie ihrer eigenen Partei gehörig die Leviten liest.

Es ist eine dezidiert linke Politik, die sie vertritt und für die sie bei dem britischen Labourvorsitzenden Jeremy Corbyn ein immer wieder zitiertes Vorbild findet. Das Buch erscheint in einer Zeit, in der in der deutschen Sozialdemokratie nach der Bundestagswahl, der zunächst klaren Absage an eine Mitwirkung in einer Koalition und der zwischenzeitlichen Abkehr davon, nicht nur die eigenen Funktionäre, sondern eine veritable Mehrheit der 450 000 Mitglieder der Traditionspartei erhebliche Zweifel daran haben, wie es ohne eine grundlegenden Erneuerung an Haupt und Gliedern mit der SPD weitergehen soll. Die Wahl zwischen Pest und Cholera scheint die Partei in diesen Tagen zu zerreißen.

Ein gründliches Studium des Buches von Andrea Ypsilanti könnte nicht nur den Funktionären, die um ihr politisches Schicksal kämpfen, sondern gerade den vielen neuen Mitgliedern, eine dringend nötig Orientierung dafür geben, wie die Ohnmacht der sozialdemokratischen Partei nicht nur in Deutschland überwunden werden könnte. Aber vielleicht kommt das Buch zu spät für diesen Prozeß.

Normalerweise legen Politiker solche Bücher vor (zuletzt Robert Habeck und Christian Lindner) um sich für eine politische Zukunft inhaltlich zu positionieren. Der Rückzug Andrea Ypsilantis aus der parlamentarischen Arbeit in diesem Herbst scheint dazu so gar nicht zu passen. Man möchte sie und andere ermutigen, ihre Positionen, die ich bei weitem nicht alle teile, aktiv und engagiert in ihre Partei und in die Öffentlichkeit zu tragen.

Veröffentlicht am 09.01.2018

Die hier vorliegende ungekürzte Lesung von Gert Heidenreich besticht durch ihre einfühlsame Interpretation der verschiedenen Charaktere und schafft es hervorragend die über 1300 Jahre zwischen den einzelnen jeweiligen Abschnitten stimmlich und atmosphäris

Das Päckchen
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Franz Hohler, Das Päckchen (Hörbuch), Random House Audio 2017, ISBN 978-3-8371-4057-6

Der neue Roman des Schweizer Schriftstellers Franz Hohler beschäftigt sich mit einem alten bibliophilen Werk und seinem ...

Franz Hohler, Das Päckchen (Hörbuch), Random House Audio 2017, ISBN 978-3-8371-4057-6

Der neue Roman des Schweizer Schriftstellers Franz Hohler beschäftigt sich mit einem alten bibliophilen Werk und seinem Weg durch die Geschichte.

Der Roman beginnt damit, dass der Bibliothekar Ernst Stricker am Berner Hauptbahnhof den Hörer eines öffentlichen Telefons abnimmt und nicht wirklich weiß warum:
"Er schaute sich um, um zu sehen, ob da jemand war, der sich vielleicht zurückrufen ließ, aber erst am übernächsten Apparat sprach ein fremdländischer Mann eindringlich und leise in die Muschel, ohne auch nur den Kopf zu drehen. Da machte er den ersten Schritt, hob den Hörer und sagte: 'Hallo?'"


Eine alte Frau am anderen Ende der Leitung sucht ihren Neffen Ernst und Ernst Stricker lässt sich, indem er vorgibt jener Ernst zu sein, und dann auch gleich in die Wohnung der alten Dame fährt, auf eine Geschichte ein, die er nicht für möglich gehalten hätte. Die alte halbblinde Dame bittet Ernst darum, ein kleines Päckchen aufzubewahren, damit es nicht in falsche Hände gelangt. Zuhause öffnet Ernst heimlich das Päckchen, von dem er seiner Frau erst sehr viel später erzählen wird, was die Verwicklungen noch kompliziert, und entdeckt darin an handgeschriebenes Exemplar des sogenannten „Abrogans“ eines Wörterbuchs, das als ältestes deutschsprachiges Buch gilt. Ernst denkt, dass er das Original in Händen hält. In der Zeitung in der das Buch eingewickelt ist, entdeckt er einen Hinweis auf eine Berghütte.

Und nun ruht er nicht, bis er dieser Spur folgen kann und Erstaunliches dort findet. In der Zwischenzeit blendet Franz Hohler in der Zeit zurück und erzählt immer wieder von dem Mönch Haimo und seiner Partnerin Maria, der im Jahr 772 durch Zufall Schreiber am Kloster Weltenburg wird und darf den „Abrogans“ schreiben, der ihm vom Abt diktiert wird.

Danach wird er vom Abt auf eine über zehnjährige Reise nach Italien geschickt, wobei er (zusammen mit Maria, die unterwegs ein gemeinsames Kind verlieren wird) unterwegs immer wieder Station in Klöstern machen soll, wo er im Gegenzug für die Abschrift des Abrogans andere wichtige Schriften kopieren und nach Weltenburg schicken soll, bevor der Abrogans sein endgültiges Ziel in Montecassino finden soll.

In abwechselnden Kapiteln treibt Hohler die alte und die gegenwärtige Geschichte vorwärts mit überraschenden Wendungen und einem versöhnlichen Ende.

Ein intelligenter und unterhaltsamer Roman mit viel hintergründigen Humor. Die hier vorliegende ungekürzte Lesung von Gert Heidenreich besticht durch ihre einfühlsame Interpretation der verschiedenen Charaktere und schafft es hervorragend die über 1300 Jahre zwischen den einzelnen jeweiligen Abschnitten stimmlich und atmosphärisch zu überbrücken.







Veröffentlicht am 08.11.2017

Die hier vorliegende gekürzte Lesung, die von dem Schauspieler August Zirner hervorragend eingespielt wurde, fasziniert durch ein erstaunliches Gespür für Anis mannigfaltigen Zwischentöne und hat die Tiefen des Buches und der Persönlichkeit von Jakob Fran

Ermordung des Glücks
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Friedrich Ani, Ermordung des Glücks. Ein Fall für Jakob Franck, Hörbuch Hamburg 2017, ISBN 978-3-86952-364-4

Selbst versierte Krimileser könnten wahrscheinlich nicht auf Anhieb sagen, wieviel verschiedene ...

Friedrich Ani, Ermordung des Glücks. Ein Fall für Jakob Franck, Hörbuch Hamburg 2017, ISBN 978-3-86952-364-4

Selbst versierte Krimileser könnten wahrscheinlich nicht auf Anhieb sagen, wieviel verschiedene Ermittlerfiguren der Schriftsteller Friedrich Ani im Laufe seiner langen literarischen Tätigkeit schon erfunden hat. Am bekanntesten ist wohl der Kommissar Tabor Süden, den Ani zuletzt aus dem Ruhestand noch in einigen Büchern ermitteln ließ. Wahrscheinlich auch deshalb, weil diese Serie über ein Dutzend Bücher über einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten umfasste. An so manchen Ermittler, der danach folgte, und den Ani meist schon nach zwei oder drei Büchern durch einen anderen ersetzte, erinnert sich kaum noch jemand, was schade ist, denn jeder dieser Männer hatte eine außergewöhnliche Lebensgeschichte, wie sie nur Ani erfinden kann und alle einte sie eine Ermittlungsmethode, die man so bei kaum einem anderen Polizisten in der Krimiszene findet.

Anis Ermittler setzen sich selbst auf Spiel. Selbst jeweils auf unterschiedliche Arten aus der Welt gefallen und ihr eigenes Leben und seine Geschichte verloren glaubend, sind sie auf eigentümliche Weise in der Lage, das Schicksal der Täter und ihrer Opfer auf eine fast körperliche Art zu spüren und zu erleben, die sie während ihre Ermittlungen nicht selten selbst an deren Rand des Todes bringt.

Ani lässt sie mit Regelmäßigkeit auf Menschen treffen, die auf irgendeine Weise sich selbst verloren gegangen sind. Unsichtbar geworden, leben sie mitten unter uns und Ani gibt ihnen durch seine Kommissare und ihre absolut ungewöhnliche Art, Kriminalfälle zu lösen, ihr Gesicht, ihre Geschichte und ihre Menschenwürde zurück.

Sein neuer Ermittler Jakob Franck, den Ani nun schon in einem zweiten Fall präsentiert, ist so ein Sucher nach Verlorenem und Verschwundenem. Seit einiger Zeit im Ruhestand, hat er sich dort noch gar nicht recht eingerichtet, glaubt aber endlich ein Leben jenseits der Toten beginnen zu können, nachdem er über viele Jahre in seinem Dezernat sozusagen der Spezialist für die Überbringung von Todesnachrichten war, und das auch nach eigener Einschätzung immer ziemlich gut gemacht hat. So wie viele seiner Vorgänger lebt Jakob Franck allein, nachdem nicht nur sein Job als Polizist seine Ehe scheitern ließ. Schon in seinem ersten Fall, „Der namensloseTag“, für den Ani völlig zu Recht den Deutschen Krimipreis erhielt, führten ihn seine Ermittlungen nicht nur in die Katakomben seiner eigenen Vergangenheit, sondern auch auf eine ganz besondere Weise zurück in eine Verbindung zu seiner Ex-Frau Marion Siedler, die einzige Frau, die ihn wirklich kennt und versteht.

Auch im neuen Fall wird Jakob Franck schmerzlich mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Als nach 34 Tagen, in dem der 11-jährige Lennard Grabbe vermisst wird, seine Leiche gefunden wird, überbringt Franck den verzweifelten Eltern die Nachricht und bleibt die ganze Nacht bei ihnen, schweigend und schon hier mit der schmerzlichen Erinnerung an seine eigene in der Jugend ermordete Schwester konfrontiert.

Obwohl Franck alle Protokolle der Mordkommission, die ihn wieder um Unterstützung gebeten hat, durchgeht, und alle Zeugen erneut befrag, fehlt vom Mörder jede Spur. Mit vielen Details, die Franck so herausfindet, baut Ani eine richtige Spannung auf. Auch die umfangreiche Beschreibung des seelischen Zustandes der Eltern des Jungen und eines, wie Jakob Franck bald richtig vermutet, Geheimnisses, das den Onkel von Lennard mit dessen Mutter Tanja verbindet, unterscheidet Anis Stil und literarische Technik von den meisten anderen Kriminalromanen.

Während etwa ein Gerichtsmediziner völlig ohne Emotionen arbeitet, setzt sich Franck seinen eigenen Emotionen und denen der Menschen, denen er begegnete, bedingungslos aus. Ani beschreibt das so:
„Was Franck meinte, war sein ureigenes, professionelles, wenn nötig rücksichtsloses Zerstückeln der Umstände, das Ausgraben halbverwester Wahrheiten, das Offenlegen ebenso verständlicher wie oftmals schmutziger Überlebenstricks. Die Aufklärung eines Mordes oder eines zwielichtigen Todes bedeutete, dass ein Kommissar das Recht hatte, die Welt des Menschen, der gewaltsam gestorben war, von Grund auf zu erschüttern und deren Bewohnern so lange mit unnachgiebiger Genauigkeit ihre Gewohnheiten zu entreißen, bis sie nackt in der Kälte standen und sich ihrer Erbärmlichkeit bewusst wurden. Erst von diesem Moment an – davon war Franck überzeugt – gelangte das Opfer auf den Weg zum ewigen Frieden.“

So wie viele seine Vorgänger ist Franck nicht religiös, hat aber immer einen Zugang zu den spirituellen Dimensionen des Lebens und den sündhaften Abgründen menschlicher Existenz. Er nähert sich ihnen mit einer von ihm selbst entwickelten Methode, die er „Gedankenfühligkeit“ nennt, und die ihm ungeahnte Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt nicht nur der Menschen, denen er begegnet, vermittelt, sondern auch und gerade in seine eigene.

Das macht ihn in manchen Situationen zum Therapeuten und Seelsorger, bringt ihn aber keinen Meter von seinem eingeschlagenen Weg ab. Ein Weg, der ihn Kraft kostet, aber ihn sehr nah kommen lässt, dem, was Ani seit vielen Jahren beschäftigt: der Essenz des Lebens und des Leidens.

Im neuen Fall wird von Ani die spirituelle Dimension dieser Essenz ganz besonders betont. Das überraschende Ende des Buches ist meiner nach ernst gemeint und drückt eine leidenschaftliche und unzerstörbare Hoffnung aus auf gelingendes und versöhntes Leben, auch nach dem Tod.


Die hier vorliegende gekürzte Lesung, die von dem Schauspieler August Zirner hervorragend eingespielt wurde, fasziniert durch ein erstaunliches Gespür für Anis mannigfaltigen Zwischentöne und hat die Tiefen des Buches und der Persönlichkeit von Jakob Franck sensibel eingefangen.




Veröffentlicht am 30.10.2017

Ein kleines Geschenk für jeden passionierten Katzenfreund.

Katzen!
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Ralph Ruthe, Markus Barth, Katzen. Verzeihung, das ist mein Sofa, Lappan 2017, ISBN 978-3-8303-3460-6

Katzen sind eine ganz besondere Spezies von Haustier. Davon weiß jeder Katzenhalter ein Lied zu singen. ...

Ralph Ruthe, Markus Barth, Katzen. Verzeihung, das ist mein Sofa, Lappan 2017, ISBN 978-3-8303-3460-6

Katzen sind eine ganz besondere Spezies von Haustier. Davon weiß jeder Katzenhalter ein Lied zu singen. Während Hunde Besitzer und Herrchen haben, zu Gehorsam und Wohlverhalten trainiert werden können, haben Katzen den Menschen als Personal, das sie schon nach kurzer Zeit im Haus voll im Griff haben.

Ralph Ruthe und Markus Barth kennen sich da gut aus, und haben das Leben mit Katzen in wunderbaren und witzigen Cartoons aufs Korn genommen. Doch nicht nur Cartoons erfreuen den Leser, sondern auch mehrere Textteile über Katten, die nicht weniger lustig sind.

Ein kleines Geschenk für jeden passionierten Katzenfreund.