Ist ein zerstörtes Herz wiederbelebbar und somit die Schatten übermannbar?
Heart of ScarsJoyce ist es gewohnt angestarrt zu werden. Ihre Narbe bringt sie des Öfteren in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Auf einmal ist da jedoch Ace, der die Narbe nicht zu sehen scheint, sondern das dahinter. ...
Joyce ist es gewohnt angestarrt zu werden. Ihre Narbe bringt sie des Öfteren in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Auf einmal ist da jedoch Ace, der die Narbe nicht zu sehen scheint, sondern das dahinter. Und irgendwie sieht er auch nicht mehr weg. Aber ist er wirklich der richtige, denn um ihre kleine Schwester Annabelle und sich selbst vor James zu retten, bräuchte es doch eigentlich jemanden, der seine Wut unterdrückt und nicht spätestens im Ring auslebt, oder?
Gleich im Prolog wird dem Leser verdeutlicht, dass die Triggerwarnung durchaus berechtigt ist, deshalb möchte ich das Buch zwar deutlich empfehlen, aber auch etwas warnen. Leichte Kost findet ihr hier definitiv nicht.
Aber gerade das macht auch in gewisser Weise einen Reiz der Geschichte aus. Es ist hart, es tut weh, ja es schmerzt oftmals der Geschichte zu folgen. Teilweise auf unmenschliche Art und Weise und teilweise auf etwas humanere, die aber deswegen nicht unbedingt weniger berührt.
Joyce ist durch ihre ganzen Erlebnisse relativ abgeklärt, deutlich verschreckt und ist lieber allein als anderen zu begegnen, denn wer sollte sie denn bitte schön lieben, wenn es nicht einmal ihr eigener "Vater" wirklich tut?
Besonders bei männlichen Personen gerät sie sehr schnell in Panik und rechnet mit dem Schlimmsten.
Generell könnte man sie als pessimistisch bezeichnen, aber wer könnte ihr dies, bei all dem erlittenem Schmerz auch verübeln.
Eines der schlimmste Dinge ist dabei dann auch, wenn man sieht wie liebevoll, ja schon selbstlos sie sich um ihre kleine Schwester oder auch Menschen, denen es noch schlechter als ihr geht, kümmert.
Niemand hat das verdient, was ihr angetan wird, aber da sie dann auch noch so ein tugendhafter Charakter ist, schmerzt es umso mehr.
Ace ist deutlich entspannter, sehr humorvoll und ihr gegenüber auch unfassbar liebe- und verständnisvoll.
Auch er bietet einen ganz eigenen Charme, den man eigentlich nur lieben kann.
Chazz, Devron, Cat und Amira stehen den beiden in nichts nach und liefern auch noch genug Platz für eigene Geschichten.
Die Geschichte entwickelt sich hervorragend. Es gibt Fortschritte, aber auch so einige Rückschritte, wie es sonst auch der Fall ist und so nähern sich beide an, vergessen dabei aber nicht ihre Situation. Es ist keine 08/15-Geschichte, in der sich alle Probleme auf einen Schlag lösen. Es ist mehr, in der eine rosarote Brille wirklich keinen Platz finden würde, sondern deren Gläser wahrscheinlich unter der mitunter harten Realität der Figuren zerbrechen würde.
Beim Schreibstil gibt es mehrere Aspekte, die hervorgehoben werden können. Sei es der Humor der Figuren oder auch die Liebe zum Detail, die mitunter den Schmerz auch erst erzeugte, beschrieb sie doch vieles sehr genau und zeigte die Schatten im Leben der Charaktere so sehr realistisch.
Das Buch bekommt von mir nichts anderes als 5/5 Sternen. Und so warte ich nun auf weitere Geschichten zu den Figuren, auch wenn diese ebenso alles andere als leicht sein werden.